Salman Rushdie: Keine Kompromisse!
Über zehn Jahre lang musste sich Salman Rushdie vor einer Fatwa verstecken. In seiner Autobiografie erzählt er von seinem Leiden. Susanne Mayer hat den Autor besucht.
© Ben Gabbe/Getty Images

Der Autor während einer Filmvorstellung in New York
Es ist so ruhig, als hätte einer den Soundtrack der Großstadt auf null gedreht. Bedford Square im Londoner Stadtteil Bloomsbury atmet die Gelassenheit einer entspannten Epoche. Schnurgerade Häuserreihen um einen Park. Türbögen in Rot-Weiß. Man stellt sich vor, wie Virginia Woolf, vom Tavistock Square her kommend, ihrem Spaniel nachhechelte in Richtung Grün, aus dessen Hecken sich jetzt allerdings erstaunlich viele Männer lösen. Es kommen: einer von links, zwei von rechts, einer von geradeaus, es sind pralle Typen in schwarzen Anzügen, verkabelte fleischige Ohren. Security!
Ich versuche einen Scherz und sage: »Ich habe hier ein Date mit Salman Rushdie.« Sie fragen, wer Salman Rushdie sei. Ich frage sie, wer sie sind, und sie antworten, sie seien die Security zum Schutz der Studenten, die heute im Park Examen feiern.
Studenten! Ob das eine gute, eine schlechte Nachricht ist? Dass der Autor Salman Rushdie, auf dessen Kopf der islamische Mullah Ajatollah Chomeini am 14. Februar 1989 eine Million Dollar ausgesetzt hatte, dessen Name in Schockwellen um die Welt lief, der vom Special Service des Vereinigten Königreiches über zehn Jahre lang von Versteck zu Versteck gebracht, vor Mörderkommandos geschützt werden musste, dass Salman Rushdie einem Londoner Security Service heute ein Unbekannter ist? Und Studenten der Security bedürfen?
Wir sind mit Salman Rushdie in seiner Agentur verabredet. Zu Wylie hatte Rushdie sich geflüchtet, als der Boden unter seinen Füßen zu beben begann, als er hörte, was der Ajatollah Chomeini sagte:
Ich informiere das stolze muslimische Volk der Welt, dass der Autor des Buches »Die satanischen Verse«, welches sich gegen den Islam, den Propheten und den Koran richtet, sowie alle, die zu seiner Publikation beigetragen haben, zum Tode verurteilt sind. Ich bitte alle Muslime, die Betroffenen hinzurichten...
Heute sitzt der Autor bei Wylie auf der Terrasse, ein kleiner, molliger Herr. Er hat seine Autobiografie geschrieben, eine 700 Seiten lange Aufzählung der Horrorszenarien seiner Zeit im Untergrund. Alles überstanden! Besser gesagt: überlebt. Es ist ein sonniger Tag. In Pakistan wurde ein 14-jähriges Mädchen, das der Beleidigung des Korans angeklagt war, aus dem Gefängnis entlassen. Nicht so gut die Nachricht, dass, weil die iranische Schauspielerin Golshifteh Farhani in einem Künstlervideo eine Brust entblößt hat mit dem Satz: »Ich werde deine Träume nähren«, ihr Vater Drohanrufe erhält, jemand schrie ins Telefon, man werde ihr die Brüste abschneiden und ihm auf einem Tablett servieren. Wir wissen noch nicht, dass es eine Woche vor dem Tag ist, an dem ein Mob die amerikanische Botschaft in Bengasi stürmt und den Botschafter tötet, die deutsche Botschaft in Khartoum brennt und in Tripolis Kentucky Fried Chicken. Unruhen in Irak, Iran, Katar, Kaschmir und Ägypten, wegen eines Films, der den Propheten Mohammed verspottet.
DIE ZEIT : Die Fatwa gab Ihrem Leben eine völlig neue Richtung. Wann haben Sie das verstanden?
Salman Rushdie: Vielleicht eine Woche nachdem es begann. Als die diplomatischen Bemühungen gescheitert waren. Es gab diesen Moment, in dem ein Senior Police Officer sagte: Hören Sie, sieht so aus, als könnte es auf unbestimmte Zeit so bleiben.
ZEIT: Auf unbestimmte Zeit ein Fliehender. Sie, der Star des literarischen London, Gewinner des Booker Prize für Midnight’s Children, verjagt aus dem eigenen Leben. Was waren Ihre Gefühle?
Rushdie: Furchtbar. In den ersten zwei Jahren war ich in Gefahr, mich zu verlieren. Eine Spirale in die Depression. Nicht schreiben können, nicht arbeiten, können nicht klar denken können. Sie betonten, ich würde nicht mehr nach Hause zurück können. Ich hatte ein wunderbares Haus, ich hätte darauf bestehen sollen, dort zu bleiben.
ZEIT: Sie verloren Ihr Haus, Ihre Ehe ging zu Bruch, Ihr Name war nur noch ein Symbol, Sie brauchten einen neuen. Sie wählten: Joseph Anton.
Rushdie: Joseph wie Joseph Conrad. Anton wie Anton Tschechow.
ZEIT: Wir alle lernten, dass eine heilige Fatwa nie mehr zurückgerufen werden kann.
Rushdie: Die theologische Komponente ist mir egal. Entscheidend war, dass es um einen staatlich unterstützten Terrorismus ging. Die iranische Regierung hatte Killer. Mir wurde klargemacht, dass mir der Schutz des britischen Staates nur zuteil würde, weil es sich um einen Angriff eines Staates auf einen britischen Bürger handelte.





Wie sagte Marx, Religion ist Opium für das Volk. Dieser Satz stimmt meiner Meinung nach immer noch oder gerade wieder.
Es soll jeder an das Glauben, was er möchte, aber andere zu missionieren, das ist das Desaster.
Regionen bieten immer wieder den Anlass sich den Schädel einzuschlagen, für etwas was keiner belegen kann, das es das gibt oder nicht.
Marx mag das gesagt haben, aber ich würde ihm widersprechen. Schließlich ist Opium eine bewusstseinsERWEITERNDE Droge.
Marx sprach vom "Opium des Volks" nicht vom "Opium für das Volk". Das ist schon ein Unterschied.
Ansonsten stimme ich Ihnen zu.
Der Welt würde es besser gehen, wenn die Taufscheinchristen Europas ihre Religion ernster nehmen würden. Ich spreche hier wohlgemerkt nicht von Institutionen, Diözesen, Anzahl der Kirchenbesuche etc., sondern vom Geist des Evangeliums : Gesetzt den Fall, ALLE würden Jesu Gebot der Nächstenliebe wirklich ERNST nehmen, hätten wir mit einem Schlag einen Großteil der gesellschaftlichen Probleme gelöst..
Hierfür zu missionieren, halte ich für ein lohnendes Werk.
Warum Sie nicht auch?
Wenn Marx heute leben würde und die Kommentare zu Religionsthemen hier läse, würde er vermutlich sagen, daß die zeitgenössische Religionskritik das Opium des Volkes sei.
Nicht die eines Salman Rushdie, der gute Gründe für seine Polemik hat. Sondern die der Kommentatoren hier, die sich aus Mangel an billigen Feindbildern an allem Religiösen abarbeiten, völlig gleichgültig, ob sie in ihrem Leben jemals einem "Fundamentalisten" begegnet sind oder nicht.
Leute, die in einer durch und durch protestantischen Gegend leben könnten, in der, sofern sehr ländlich, der größte Teil "kosmopolitischer" Erwachsenenbildung wahrscheinlich in evangelischen Gemeindehäusern stattfindet ... aber HIER reden sie, als ob der Papst persönlich zum Kreuzzug gegen sie aufgerufen hätte.
So ziemlich jeder religionskritische Philosoph des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dürfte im Grabe rotieren, wenn er wüsste, mit wieviel Halbwissen, kleinbürgerlicher Borniertheit und Geschichtsvergessenheit man heute seinen Namen und Zitate seines Werks ins Feld führt.
Und Marx würde sich den Bart abnehmen, wenn er wüsste, daß die "herrschende Klasse" seine Religionskritik heute als platten Slogan zur Rechtfertigung ihres Hedonismus mißbraucht.
Marx mag das gesagt haben, aber ich würde ihm widersprechen. Schließlich ist Opium eine bewusstseinsERWEITERNDE Droge.
Marx sprach vom "Opium des Volks" nicht vom "Opium für das Volk". Das ist schon ein Unterschied.
Ansonsten stimme ich Ihnen zu.
Der Welt würde es besser gehen, wenn die Taufscheinchristen Europas ihre Religion ernster nehmen würden. Ich spreche hier wohlgemerkt nicht von Institutionen, Diözesen, Anzahl der Kirchenbesuche etc., sondern vom Geist des Evangeliums : Gesetzt den Fall, ALLE würden Jesu Gebot der Nächstenliebe wirklich ERNST nehmen, hätten wir mit einem Schlag einen Großteil der gesellschaftlichen Probleme gelöst..
Hierfür zu missionieren, halte ich für ein lohnendes Werk.
Warum Sie nicht auch?
Wenn Marx heute leben würde und die Kommentare zu Religionsthemen hier läse, würde er vermutlich sagen, daß die zeitgenössische Religionskritik das Opium des Volkes sei.
Nicht die eines Salman Rushdie, der gute Gründe für seine Polemik hat. Sondern die der Kommentatoren hier, die sich aus Mangel an billigen Feindbildern an allem Religiösen abarbeiten, völlig gleichgültig, ob sie in ihrem Leben jemals einem "Fundamentalisten" begegnet sind oder nicht.
Leute, die in einer durch und durch protestantischen Gegend leben könnten, in der, sofern sehr ländlich, der größte Teil "kosmopolitischer" Erwachsenenbildung wahrscheinlich in evangelischen Gemeindehäusern stattfindet ... aber HIER reden sie, als ob der Papst persönlich zum Kreuzzug gegen sie aufgerufen hätte.
So ziemlich jeder religionskritische Philosoph des 19. und frühen 20. Jahrhunderts dürfte im Grabe rotieren, wenn er wüsste, mit wieviel Halbwissen, kleinbürgerlicher Borniertheit und Geschichtsvergessenheit man heute seinen Namen und Zitate seines Werks ins Feld führt.
Und Marx würde sich den Bart abnehmen, wenn er wüsste, daß die "herrschende Klasse" seine Religionskritik heute als platten Slogan zur Rechtfertigung ihres Hedonismus mißbraucht.
Herr Rushdie spricht mir aus der Seele.
Und wie.
.wie in der Biologie entstehen Plagen/Seuchen nicht aus dem
Nichts heraus.Wenn so etwas entsteht,hat das immer Gründe.
Auffällig doch ,die Parallelität des Anwachsens des sowohl islamischen ,als auch christlichen Fundamentalismus (z.B. USA) seit den 80-iger Jahren.
Darüber wird mir in den Medien zu wenig nachgedacht und diskutiert.
Und wie.
.wie in der Biologie entstehen Plagen/Seuchen nicht aus dem
Nichts heraus.Wenn so etwas entsteht,hat das immer Gründe.
Auffällig doch ,die Parallelität des Anwachsens des sowohl islamischen ,als auch christlichen Fundamentalismus (z.B. USA) seit den 80-iger Jahren.
Darüber wird mir in den Medien zu wenig nachgedacht und diskutiert.
Es ist wirklich jämmerlich anzusehen, wie religiöse Spinner - viele unter dem Halbmond, viel zu viele wenige unter dem Kreuz - dabei sind die Diesseitigkeit der Staaten zu untergraben.
Als die Satanischen Verse (an sich eher ein laues Buch) veröffentlicht wurden, war ich noch ein junger Hupfer. Ein katholischer Priester (wohl um die 50, mit 16 sehen alle Erwachsenen gleich aus) meinte damals nachdenklich: "Tja, das (die Fatwa) hat er sich selbst zuzuschreiben. Das hätte er wissen müssen, dass man mit so etwas nicht einfach gewissenlos herumspielt.".
Das fand ich damals sehr aufschlussreich. Selten sind sich die Kleriker jedweder Couleur einiger, als wenn es darum geht ihre Pfründe mit gottgewollten Ansinnen zu untermauern. Da wird dann schonmal ein Todesurteil wegen Ketzerei akzeptiert, selbst wenn es mit dem eigenen Glauben nix zu tun hat.
Die Kirche oder der Islam haben eben mit dem Glauben genau so viel gemeinsam, wie unser Staat mit dem Grundgesetz: Toleriert, aber ungeliebt.
das der Islam und der muslimische Frühling nur die Kraft aufbingen konnte um sich gegen das westliche Unrechtssystem aufzulehnen und die vom Westen gestützen militärische übermächtigen Diktatoren zu stürtzen.
Nun greift der Funke auch auf Europa über und es ist hin mit der Politikverdrossenheit und religiöser Resignation. Die Rushdies dieser Welt zündeln nun an neuen bösartigen Ideen Ideen wie die Religionen gleich komplett abzusachaffen und durch Ersatzgötzen wie Gier, Konsum, Lust und Leistungswut zu ersetzen.
Das soeilt natürlich all Jenen in die Hände die auch die Diktatoren installierten, gegen die sie dann militärisch vorgingen und die Ressourcen klauten. Jetzt also werden pseudo-intellektuelle Schwafler gefördert, die als Herrschaft Substitute die Massen in Schach halten sollen mit Theorien wie 'Religionen sind Fluch.'
Größer kann die verblendung nicht sein vom Militärdiktat in die subventionierte pseudoaufklärerischen Debattierfalle.
Die Wahrheit ist was wir im moment sehen ist da Abstöpseln der menschen von der Medienmatrix, die es biher geschafft ht noch jeden krieg für gut zu verkaufen und millionenfachen Raubmord und Unterdrückung in Nahost als Friedensmission zu vermitteln.
Normalerweise war Frankreich Vorreiter bei solchen geistigen Prozessen des Erwachens und Deutschland stolperte hinterher.
Nun aber befinden sich beide immernoch im Tiefschlaf und beginnen erst ganz langsam aufzuwachen.
schreiben gute Bücher! Und vertreten aktiv und unter Mühen und persönlichen Einbußen die Freiheit der Kunst und der Meinung und das freie Denken und Leben.
Was Salman Rusdie über Religion und deren Rückkehr formuliert, sehe ich ein bißchen anders. Er hat aus meiner Perspektive völlig recht mit der Rückkehr zum Fanatismus. Fanatismus ist aber etwas anderes, geradezu das Gegenteil von Religiosität. Religiosität möchte ich nicht missen, obwohl selbst wenig religiös. Der Unterschied zwischen religiösen und fanatischen Menschen besteht darin, daß Fanatiker nicht wissen, wo sie aufhören und wo andere Menschen und ihre Rechte anfangen. Das gilt keineswegs nur für religiöse Fanatiker, sondern für alle fanatischen Ideologen.
Interessant finde ich seinen Gedanken über die Scham. 'Es bedeutet, etwa aus der Perspektive der muslimischen Kultur, dass Stolz eng verbunden ist mit der Identität. Wer gezwungen ist, sich so zu verhalten, das der Stolz verletzt wird – empfindet Scham.'
Schade, daß Sie Ihren in weiten Teilen klugen Kommentar durch die Schuldverschiebung an die 'Rushdies dieser Erde' so desavouieren.
Haben Sie Ihren Text gescrabbelt? Er macht keinen Sinn.
Entfernt, bitte gehen Sie sachlicher auf andere Beiträge ein. Danke, die Redaktion/se
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk
schreiben gute Bücher! Und vertreten aktiv und unter Mühen und persönlichen Einbußen die Freiheit der Kunst und der Meinung und das freie Denken und Leben.
Was Salman Rusdie über Religion und deren Rückkehr formuliert, sehe ich ein bißchen anders. Er hat aus meiner Perspektive völlig recht mit der Rückkehr zum Fanatismus. Fanatismus ist aber etwas anderes, geradezu das Gegenteil von Religiosität. Religiosität möchte ich nicht missen, obwohl selbst wenig religiös. Der Unterschied zwischen religiösen und fanatischen Menschen besteht darin, daß Fanatiker nicht wissen, wo sie aufhören und wo andere Menschen und ihre Rechte anfangen. Das gilt keineswegs nur für religiöse Fanatiker, sondern für alle fanatischen Ideologen.
Interessant finde ich seinen Gedanken über die Scham. 'Es bedeutet, etwa aus der Perspektive der muslimischen Kultur, dass Stolz eng verbunden ist mit der Identität. Wer gezwungen ist, sich so zu verhalten, das der Stolz verletzt wird – empfindet Scham.'
Schade, daß Sie Ihren in weiten Teilen klugen Kommentar durch die Schuldverschiebung an die 'Rushdies dieser Erde' so desavouieren.
Haben Sie Ihren Text gescrabbelt? Er macht keinen Sinn.
Entfernt, bitte gehen Sie sachlicher auf andere Beiträge ein. Danke, die Redaktion/se
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk
Marx mag das gesagt haben, aber ich würde ihm widersprechen. Schließlich ist Opium eine bewusstseinsERWEITERNDE Droge.
Weil Bewusstseinsveränderung trifft es besser.
In diesem Fall Schmerzen werden gelindert, aber man kann es auch zum Ruhigstellen missbrauchen
Sorry, das kann ich als jemand, der früher schon Opium probiert hat so nicht stehenlassen. Opium ist ein lustvoll einlullendes Narkotikum, dass ein gefährliches Suchtpotential hat. Also durchaus geeignet für den Religionsvergleich. Ich denke Sie verwechseln da etwas.
"Marx mag das gesagt haben, aber ich würde ihm widersprechen. Schließlich ist Opium eine bewusstseinsERWEITERNDE Droge."
Marx bezieht sich im Hinblick auf das Suchtpotential von Opium weniger auf psychotrope Substanzen und deren Wirkungen, als auf die geistige Abhängigkeit von der Religion. Doch zum besseren Verständnis was Marx wirklich damit gemeint hat, hier das Original:
"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist." (MEW, Bd. 1, S. 378-379)
Der Satz "Die Rückkehr der Religionen ist eine Plage unserer Gesellschaft" stellt die Wahrheit auf den Kopf. Er berücksichtigt nicht, wie bei Marx zu lesen ist, dass ZUERST der destruktive "Zustand" der Gesellschaft, das "Jammertal" aufzuheben ist, damit man letztlich keiner Religion mehr bedarf. Eine verstärkte Präsenz der Religionen ist immer auch mit einer Verschlechterung der geistigen und materiellen Lebensbedingungen der Menschen verbunden.
Religion ist eine Neurose (vereinfacht)
http://de.wikipedia.org/w...
Weil Bewusstseinsveränderung trifft es besser.
In diesem Fall Schmerzen werden gelindert, aber man kann es auch zum Ruhigstellen missbrauchen
Sorry, das kann ich als jemand, der früher schon Opium probiert hat so nicht stehenlassen. Opium ist ein lustvoll einlullendes Narkotikum, dass ein gefährliches Suchtpotential hat. Also durchaus geeignet für den Religionsvergleich. Ich denke Sie verwechseln da etwas.
"Marx mag das gesagt haben, aber ich würde ihm widersprechen. Schließlich ist Opium eine bewusstseinsERWEITERNDE Droge."
Marx bezieht sich im Hinblick auf das Suchtpotential von Opium weniger auf psychotrope Substanzen und deren Wirkungen, als auf die geistige Abhängigkeit von der Religion. Doch zum besseren Verständnis was Marx wirklich damit gemeint hat, hier das Original:
"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist." (MEW, Bd. 1, S. 378-379)
Der Satz "Die Rückkehr der Religionen ist eine Plage unserer Gesellschaft" stellt die Wahrheit auf den Kopf. Er berücksichtigt nicht, wie bei Marx zu lesen ist, dass ZUERST der destruktive "Zustand" der Gesellschaft, das "Jammertal" aufzuheben ist, damit man letztlich keiner Religion mehr bedarf. Eine verstärkte Präsenz der Religionen ist immer auch mit einer Verschlechterung der geistigen und materiellen Lebensbedingungen der Menschen verbunden.
Religion ist eine Neurose (vereinfacht)
http://de.wikipedia.org/w...
Die Frage, ob es im Namen einer Religion gerechtfertig sein kann, ein Todesuteil auszusprechen, ist überflüssig zu diskutieren.
Dennoch scheint mir bei meinen Vorrednern die Differenzierung zu fehlen. Pauschale Aussagen wie "Religion ist Opium für's Volk", "Religonen sind ständig Anlass für Kriege" etc helfen nicht weiter. Der Missbrauch in der Geschichte von religiösen Inhalten zur Durchsetzung z.B. machtpolitischer Ziele kann nicht bestritten werden. Ich gebe aber zu bedenken, dass keine der im Artikel beschriebenen Menschensrechtsverletzungen theologisch (vom christlichen Standpunkt aus) zu rechtfertigen ist, vielmehr in krassem Gegensatz zu dessen zentralen Paradigmen steht.
Das Moment, das für eine Fatwa verantwortlich ist, ist im Islam verankert, dessen Ethik sich stark von der christlichen unterscheidet.
In meinen Augen ist daher ein wesentlich differenzierter Umgang mit religiösen oder theologischen Inhalten vonnöten.
" ...dass keine der im Artikel beschriebenen Menschensrechtsverletzungen theologisch (vom christlichen Standpunkt aus) zu rechtfertigen ist,.." ja, das denkt man HEUTE.
Zu Zeiten der Heiligen Inquisition und des Malleus Malleficorum sah das aber noch GANZ anders aus. Und leider sind die Denkwelten des sich zum Islam-Mainstream entwickelden sog."Salafismus" eher dort zu verorten als in der modernen Demokratie, die leider auszusterben droht.
Die Aufklärung war ein langer Prozess, der mit viel Blut eingeleitet wurde. Das ist durchaus beängstigend, vor allem in Relation der Waffen damals und heute.
Der sich abzeichnende radikale Salafismus weist in der Tat verblüffende Ähnlichkeiten mit einer mittelalterlichen "Inquisitionstheologie" auf. Allerdings muss auch hier bedacht werden, dass es sich bei der Inqusition primär um ein Instrument zur forcierten Zusammenhaltung der Kirche handelte (getreu dem Motto: Alles, was zu kritisch erscheint, muss beseitgt werden), ergo mehr ein politisches Ziel verfolgt.
Ich hier mehr einen kirchen-machtpolitischen Auswuchs und völligen Fehltritt. Biblisch betrachtet entbehrt diese Praxis jeder Grundlage (was wohl auch jedem Menschen, der einigermaßen unvoreingenommen das Neue Testament ließt, anno dazumal eingeleuchtet sein dürfte).
" ...dass keine der im Artikel beschriebenen Menschensrechtsverletzungen theologisch (vom christlichen Standpunkt aus) zu rechtfertigen ist,.." ja, das denkt man HEUTE.
Zu Zeiten der Heiligen Inquisition und des Malleus Malleficorum sah das aber noch GANZ anders aus. Und leider sind die Denkwelten des sich zum Islam-Mainstream entwickelden sog."Salafismus" eher dort zu verorten als in der modernen Demokratie, die leider auszusterben droht.
Die Aufklärung war ein langer Prozess, der mit viel Blut eingeleitet wurde. Das ist durchaus beängstigend, vor allem in Relation der Waffen damals und heute.
Der sich abzeichnende radikale Salafismus weist in der Tat verblüffende Ähnlichkeiten mit einer mittelalterlichen "Inquisitionstheologie" auf. Allerdings muss auch hier bedacht werden, dass es sich bei der Inqusition primär um ein Instrument zur forcierten Zusammenhaltung der Kirche handelte (getreu dem Motto: Alles, was zu kritisch erscheint, muss beseitgt werden), ergo mehr ein politisches Ziel verfolgt.
Ich hier mehr einen kirchen-machtpolitischen Auswuchs und völligen Fehltritt. Biblisch betrachtet entbehrt diese Praxis jeder Grundlage (was wohl auch jedem Menschen, der einigermaßen unvoreingenommen das Neue Testament ließt, anno dazumal eingeleuchtet sein dürfte).
Weil Bewusstseinsveränderung trifft es besser.
In diesem Fall Schmerzen werden gelindert, aber man kann es auch zum Ruhigstellen missbrauchen
schreiben gute Bücher! Und vertreten aktiv und unter Mühen und persönlichen Einbußen die Freiheit der Kunst und der Meinung und das freie Denken und Leben.
Was Salman Rusdie über Religion und deren Rückkehr formuliert, sehe ich ein bißchen anders. Er hat aus meiner Perspektive völlig recht mit der Rückkehr zum Fanatismus. Fanatismus ist aber etwas anderes, geradezu das Gegenteil von Religiosität. Religiosität möchte ich nicht missen, obwohl selbst wenig religiös. Der Unterschied zwischen religiösen und fanatischen Menschen besteht darin, daß Fanatiker nicht wissen, wo sie aufhören und wo andere Menschen und ihre Rechte anfangen. Das gilt keineswegs nur für religiöse Fanatiker, sondern für alle fanatischen Ideologen.
Interessant finde ich seinen Gedanken über die Scham. 'Es bedeutet, etwa aus der Perspektive der muslimischen Kultur, dass Stolz eng verbunden ist mit der Identität. Wer gezwungen ist, sich so zu verhalten, das der Stolz verletzt wird – empfindet Scham.'
Schade, daß Sie Ihren in weiten Teilen klugen Kommentar durch die Schuldverschiebung an die 'Rushdies dieser Erde' so desavouieren.
Was ist der Unterschied zwischen Fanatismus und extrem strenger Gläubigkeit?
Ich meine zum Beispiel die das "Wörtlichnehmen" des Korans.
Ist der Wahabitismus mit seiner strengen Auslegung nicht Fanatismus?
Muß zwischen Fundamental und Radikal unterschieden werden?
Ist nicht im Kern der koranischen Lehre die strenge Auslegung des Koran die Pflicht?
Ist die Säkularisierung im Islam überhaupt möglich, ohne das Wesen der Koranischen Lehre (das unveränderbare Wort Gottes) zu verändern?
Ich verstehe S. Rushdie so, daß er die Kernfragen über Religion im allgemeinen und Islam in besonderen richtig stellt.
Das ist ernsthafte Auseinandersetzung an der niemand vorbei kommt.
Was ist der Unterschied zwischen Fanatismus und extrem strenger Gläubigkeit?
Ich meine zum Beispiel die das "Wörtlichnehmen" des Korans.
Ist der Wahabitismus mit seiner strengen Auslegung nicht Fanatismus?
Muß zwischen Fundamental und Radikal unterschieden werden?
Ist nicht im Kern der koranischen Lehre die strenge Auslegung des Koran die Pflicht?
Ist die Säkularisierung im Islam überhaupt möglich, ohne das Wesen der Koranischen Lehre (das unveränderbare Wort Gottes) zu verändern?
Ich verstehe S. Rushdie so, daß er die Kernfragen über Religion im allgemeinen und Islam in besonderen richtig stellt.
Das ist ernsthafte Auseinandersetzung an der niemand vorbei kommt.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren