Koreas Autobauer : Die haben verstanden
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 Sieben Jahre Garantie, das war mutig

Entgegen dem Ruf des zentralistisch geführten koreanischen Konzerns hätte sein aus einem Dutzend Nationalitäten rekrutiertes Team »viel Freiraum« bekommen, betont der europäische Chefdesigner. Bürkle und seine 30 Kreativen residieren im kreisförmig angelegten Europäischen Entwicklungszentrum von Hyundai am Rande von Rüsselsheim. Schon das erste dort entwickelte Modell, das Kompaktauto i30, kam beim Publikum sehr gut an. Weitere erfolgreiche Modelle vom Kleinwagen bis hin zum VW-Passat-/Opel-Insignia-Konkurrenten Hyundai i40 haben das Standing der Rüsselsheimer in Seoul gefestigt.

Deutsche Ingenieurskunst. Doch die Hyundai-Strategen haben ihre Autos nicht nur optisch europäisiert. Auch technisch galt es die Erwartungen der verwöhnten Kundschaft zu erfüllen. Dafür steht beispielsweise das 80-köpfige Team von Motoren- und Getriebeentwicklern um den Ingenieur Jürgen Grimm, das ebenfalls im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum seinen Platz hat. Der 43-jährige Franke ist der Prototyp des deutschen Ingenieurs, der sich einem Thema verschrieben hat – dem effizienten Einsatz von Energie. Er hat Maschinenbau mit Schwerpunkt Energietechnik studiert, bei VW und Zulieferern an der modernen Dieseltechnik gearbeitet. Im Jahr 2002 ereilte ihn der Ruf von Hyundai, das damals seine Dieselmotoren noch von anderen Herstellern zukaufte. »Die Chance, quasi auf einem weißen Blatt Papier einen eigenen Dieselmotor zu entwickeln, war äußerst reizvoll«, erinnert er sich.

Das Beispiel der Motorenkonstrukteure macht klar, weshalb die Strategen aus Seoul Rüsselsheim unweit des Frankfurter Großflughafens auswählten. »Mit dem Standort Deutschland hatte man das ganze Umfeld der namhaften Zulieferer«, erklärt Jürgen Grimm. Elektronik von Bosch, Turbolader von Borg Warner, Entwicklungsdienstleistungen von AVL... »Die meisten Patente liegen nicht bei den Autoherstellern, sondern bei den Zulieferern«, klärt Grimm auf, »so war es keine Utopie, den Vorsprung der deutschen Hersteller wie Mercedes, VW/Audi oder BMW aufzuholen.«

Knapp zehn Jahre später kann der zum Chef-Antriebsentwickler in Rüsselsheim beförderte Grimm bei einem Test mit einem seiner kleinen Diesel-Pkw den niedrigsten Wert bei den CO₂-Emissionen eines konventionell angetriebenen Pkw vorweisen. »Bei Dieselmotoren brauchen wir uns vor den Konkurrenten nicht zu verstecken, unsere Motoren sind auf europäischem Niveau«, sagt ein stolzer Ingenieur in Rüsselsheim. Grimms Truppe liefert für Hyundai und für Kia. Nach dem Muster des großen Vorbilds aus Wolfsburg, das seine Motoren und Getriebe kostensparend bei seinen Marken VW, Audi, Škoda und Seat einsetzt.

Und schon im kommenden Jahr kommt die neue Generation von Benzinmotoren in die Autos. Dann spiele man auch hier vorne mit, verspricht Grimm. Das Wort eines deutschen Ingenieurs.

Lange Garantie schafft Vertrauen. »Der Benzinverbrauch ist das eine, aber Design ist immer noch Kaufgrund Nummer eins«, weiß Benny Oeyen nach 22 Jahren Erfahrung in Marketing, Produktplanung und Vertrieb von Autofirmen. Der 50-jährige Belgier hat für Ford, Mazda und DaimlerChrysler in Europa gearbeitet, dann für Chrysler in den USA. Dort erreichte ihn mitten in der Branchenkrise 2009 der Anruf eines Headhunters. Ob er sich vorstellen könne, sich in Frankfurt bei Kia um Marketing und Produktplanung zu kümmern? Oeyen konnte.

Vier Manager aus vier Ländern sollten die Marke aus dem Exotenstatus in Europa herausholen.

Der europäische Markt sei gesättigt, beschreibt Oeyen die Ausgangslage. Also brauchte man – neben dem Design – ein weiteres Argument, um Kunden anderer Marken herüberzuziehen. Qualität sollte die zweite Achse in der Marketingstrategie sein. »Die Leute glauben erst mal, dass die Qualität bei einem Newcomer nicht gut ist«, schildert Oeyen die Herausforderung. »Wie kann man das ändern?«, fragten sich Oeyen und sein Chef.

Im Herbst 2009 lag das Konzept auf dem Tisch: Sieben Jahre Garantie sollte es für jeden neuen Kia geben. Das war mutig. Denn Mercedes, VW, Audi, BMW und Co. geben nur zwei Jahre Garantie.

Einfach war es nicht, diese revolutionäre Idee in Seoul durchzusetzen. Doch schon im Januar 2010 wurde die 7-Jahres-Garantie tatsächlich eingeführt. »So schnell hätte man das bei einem amerikanischen oder europäischen Hersteller nie durch die Instanzen bekommen«, ist sich Oeyen sicher. Koreaner bereiten Entscheidungen bis ins Detail vor. »Wenn dann die Konzernspitze etwas beschlossen hat, geht es aber ruckzuck.«

Kommentare

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Seit wann zahlen die Spanier/Polen/Slowaken unsere Rente?

Ok, ersetzen Sie "Golf" durch "Polo". Der kommt aus einem Werk in Spanien. Was sagen Sie dann?

Im Übrigen: Scirocco, Sharan und Eos werden in Portugal gebaut, der Caddy und der T5 in Polen. Der Touareg kommt bekanntlich aus Bratislava. Der up! übrigens auch. Und der Beetle, der Jetta und der Golf Kombi werden aus Mexiko importiert. Und sie alle gelten als Premium-superduper-deutsche Wertarbeit (mit entsprechendem Aufschlag zu den Koreaner, die übrigens in der Türkei fertigen (i20) oder in Tschechien (i30)).

aber es geht doch nicht um die Rente

es geht um den Wettbewerb und um ein gutes Auto in der Garage. Außerdem, wenn jeder so denkt wie sie wird Volkswagen irgendwann unaufholbar abgehängt, da es die Lektion des Marktes nicht lernen konnte die da heisst: bessere Autos bauen!

Sonst siehts in deutschlands Autowerken irgendwann so aus wie in Frankreich und Italien. Das hilft ihnen auch nicht bei der Suche nach ihrer Rente.

Nicht ganz korrekt

Das mit dem T5 stimmt nicht. Viele Modelle werden logischerweise in verschiedenen Werken gebaut, meist stark angepasst an die jeweiligen Märkte. VW hat sein europäisches Stammwerk für PKW immer noch in Wolfsburg und das für Nutzfahrzeuge in Hannover.

VW-Werke in BRD (ohne Audi, MAN etc.)
Wolfsburg: Golf, Golf Plus, Tiguan, Touran
Osnabrück: Golf Cabrio
Zwickau: Golf, Passat
Emden: Passat mit Variant, CC
Dresden: Phaeton
Hannover: T5, Amarok
Düsseldorf und Ludwigsfelde: LT (mit Mercedes)
diverse: Motoren, Komponenten

Werke anderswo in Europa:
u.a. Up, Polo, Eos, Scirocco, Caddy, Sharan, Touareg. Wobei Entwicklung/ Motoren/ Komponente etc. jeweils oft auch Deutsche Jobs sichert.

Also das sind trotz allem hunderttausende Arbeitsplätze in D und VW zahlt mW relativ gut. Zudem hängen an Industriearbeitsplätzen immer noch je 3,4 mehr Jobs dran.

Kapazitätsüberhang

Als in den USA der Automarkt einbrach (von 17 Millionen auf unter 11 Millionen!) reagierten die Hersteller mit Werksschließungen. Heute wird in den USA mit dem Bau von Autos wieder Geld verdient.

Als in Europa der Automarkt einbrach, reagierten die Regierungen mit subventionierten Kaufanreizen. Als die Subventionen ausliefen, sackten die Verkaufszahlen wieder ab. Anstatt die Kapazitätsüberhänge abzubauen, schleppten die Hersteller diese mit und schreiben heute tiefrote Zahlen.

Selbst wenn es Hyundai/Kia auf dem europäischen Markt nicht gäbe, würden Renault, Peugeot, Fiat, Ford und Opel auch nicht profitabel arbeiten. Und ob der Volkswagen-Konzern wirklich mit seinen europäischen Werken profitabel ist oder nur Gewinne die außerhalb Europas entstehen (China) intern geschickt verrechnet werden, weiß man nur bei VW selbst.

An Werksschließungen geht kein Weg vorbei. Doch der Politik werden noch viele Subventionen einfallen, das unvermeidliche hinauszuzögern.

@2...

Das ist das gleiche Prinzip wie bei den Banken, es wird nicht das Problem erledigt, sondern die Zeit für die Bekämpfung der Symptome erkauft und irgendwann bricht es ehe zusammen.
Alles eine Frage der Zeit.
Das versteht eigentlich jeder normaler Mensch, nur die Politiker nicht, sie lassen sich auch noch von diesen Leuten beraten, die ganz sicher !1! keine eigene Interessen verfolgen.

Garantie 7 Jahre = Vertrauen in sein Produkt

Ich bin ein Anhänger Deutscher Automobilbauer, jedoch muss ich feststellen, dass die Koreaner sehr schnell begriffen haben, das die früheren Tugenden der deutschen Autobauer ein sehr gutes Werbeargument ist.

Jedoch kann dieses nur auf dem Markt verkauft werden, wenn man selbst an die Qualität glaubt. Deshalb diese 7 Jährige Garantie.

Wenn man sich jedoch den Garantie-Eiertanz der deutschen Hersteller ansieht, begreift man sehr schnell, dass diese an Ihre Produkt-Qualitäten langfristig den Glauben verloren haben.

Ansonsten wäre die von Ihnen gepriesene "Deutsche-Qualität" mit einer 2 Jahres Garantie bzw. Gewährleistung nicht zu erklären.

Da Kia es verstanden hat deutsche Ing.Kunst für sich zu gewinnen, Fahrzeuge in der EU entwickeln und bauen zu lassen, ist eine gute und werbewirksame Entscheidung gewesen.

Somit ziehen die Argumente der Deutschen-Marken-Verkäufer nicht mehr, es würde sich nur um billige Autos aus Asien handeln.

Ausserdem muss man nicht ständig etwas neues erfinden was schon längst auf dem Markt vorhanden ist. Vielmehr sollte mann vorhandene Technik zuverlässiger machen, vorhandene Technik nutzen und besonnen weiterentwickeln.

Das besten Beispiel hierfür sind die Comand-Anlagen welche zu preisen verkauft werden, die jedem den Atem raubt, mit einer Technik die jedes moderne Phon bei weitem übertrifft.

Diese Jungs haben verstanden worauf es ankommt, eben ein grosses Familien-Unternehmen.

Wie früher in Old GERMANY.

Volle Zustimmung in diesem Punkt

"Ausserdem muss man nicht ständig etwas neues erfinden was schon längst auf dem Markt vorhanden ist. Vielmehr sollte mann vorhandene Technik zuverlässiger machen, vorhandene Technik nutzen und besonnen weiterentwickeln."

Ich sehe das aber bezogen auf das Gesamtpaket Auto, nicht nur auf teure Gimmicks. Oft sind die Autos technisch gerade erst ausgereift, wenn schon wieder der Nachfolger präsentiert wird. Ich würde prinzipiell daher eher ein junges Auslaufmodell einer guten Baureihe zwei, drei Jahre nach seiner Ablösung mit wenig km kaufen als einen Neuwagen - trotz fehlender Garantie. Denn so hat man das ausgereiftere Auto mit entsprechenden Modellpflegen und Nachbesserungen sowie einem zumeist völlig ausreichendem Innovationsstand zum viel besseren Preis. Ist aber alles Geschmacksache. Manche mögen halt immer das Neueste haben und stören sich dann auch nicht an den Kinderkrankheiten. Tatsächlich wird die Qualität ja insgesamt auch immer besser.

7 Jahre Garantie

Ich stimme Ihnen im vollen Umfang bei, die DeutschenAutomobilbauer sollten sich wirklich auf die Alten Werte besinnen.

Es wirklich verwunderlich, dass für eine Steinzeit Technologie "Commandsysteme" Unsummen bezahlt ohne eine wirklich Zeitgemäße Gegenleistung zu bekommen.

Das liegt sehr wohl daran, dass mann bei den Zusatzgeräten die Gewinne optimiert.

Es ist nicht anzunehmen, dass sich dieses ändert.

Ich habe mir am Wochenende die Zeit genommen und bei Französischen und Koreanischen Herstellern vorbei zu schauen und habe mir in aller Ruhe diese Modelle angeschaut, es wundert mich heute nicht mehr warum die Franzosen Probleme haben.

Bestes Beispiel, dass Autos zu Vernünftigen Preisen produziert werden sieht mann bei Skoda.

Ich sehe nicht ein Premium Modele deutscher Hersteller zu kaufen welche ausserhalb der EU billig produziert werden um diese hier zu Premium Preisen zu verkaufen.

Deshalb bleibe ich ausschließlich bei den Produkten welche unter Deutschen Autobauern in der EU produziert werden. Auch wenn diese Garantie nur 2 Jahre ist.

Ich bin jedoch überzeugt es werden sich in naher Zukunft die Garantiebedingungen ändern.