BMW ActiveHybrid : Von A nach B

Mark Spörrle fährt mit dem BMW ActiveHybrid 5 einmal rund um den Starnberger See
Der BMW ActiveHybrid 5 ist ein 5er-BMW mit teilelektrischem Antrieb © Hersteller

Seeshaupt am Südende des Starnberger Sees . Die Sonne brennt. Auf der Straße viele Eis essende junge Mütter, keine Männer. Wir wollen hier diesen BMW testen, er ist schön, schnell und ein Hybrid. Bis zu 60 km/h soll allein der Elektromotor schaffen. Klingt gut – aber etwas paradox ist das schon: Was bringt Ökotechnik bei 340 PS? Degradiert der Sechszylinder den Elektroantrieb nicht zum Gimmick für Reiche? Was liegt da näher als eine Tour um den Starnberger See; hier ist das Pro-Kopf-Einkommen am höchsten, hier glitzert das Wasser, im Hintergrund die Alpen . Und vor der Eisdiele sitzt dann doch ein Mann, der aussieht wie Hansi Hinterseer .

Wir fahren in Richtung Bernried. Die Straße wird eng und kurvig, wir schleichen so, dass wir die elektrische Höchstgeschwindigkeit testen können. Schade – schon bei 40 km/h springt der Benziner bei. Wir cruisen durch Tutzing, Feldafing; Jahrhundertwendehäuser und grässliche Neubauten wechseln sich ab. Den See sehen wir nicht mehr, die Villengrundstücke sind dicht bepflanzt.

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Rushhour in Starnberg . Reicht das Elektroaggregat wenigstens für den zähen Stadtverkehr? Nein, aus der Ökotraum: Der Benzinmotor setzt immer zu früh ein. Weiter, zum Ostufer! Die Häuser werden kleiner, die Wiesen größer, es gibt Seeblick. Rechts liegt Berg, wo sie König Ludwig II. tot im Wasser fanden, links wohnte Heinz Rühmann , wieder rechts kommt Ammerland, wo Loriot lebte. Vor der Pizzeria am Münsinger Sportplatz sitzt Schauspieler Josef Bierbichler und isst. Wir fahren den Bergen entgegen, an weißbraunen Kühen vorbei, biegen ab zum See. Obwohl die Uferstraße in Ambach schmal und verboten ist, haben alle SUV-Fahrer Münchens beschlossen, herzukommen, zum Gasthof, der Josef Bierbichler gehört (kein Wunder, dass der Mann woanders isst!).

Vorbei am denkmalgeschützten Kasten von 1893, den Finanzinvestor Carsten Maschmeyer umbauen wollte und angeblich wieder loswerden will. Wir biegen wieder auf die Hauptstraße ein und ignorieren das Haus von Schauspieler Heiner Lauterbach . Zurück in Seeshaupt, haben wir viel mehr Sprit verbraucht, als BMW angibt, nach ein paar Hundert Kilometern wird der Schnitt bei 10 Litern liegen. Lohnt es sich, dafür ein Hybridauto zu kaufen? Darüber hätte man sich mit dem Mann unterhalten können, der aussieht wie Hansi Hinterseer und der immer noch vor der Eisdiele sitzt. Aber eine Mutter schnappt uns mit dem Kinderwagen den letzten Parkplatz weg.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Benzinmotor plus Elektromotor
Systemleistung: 250 kW (340 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Durchschnittsverbrauch: 7 Liter
CO2-Emission: 163 g/km
Basispreis: 62.900 Euro

Mark Spörrle ist stellvertretender Chef vom Dienst der ZEIT

Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Hybrid im 5er...?

Darauf hat die Welt sicherlich nicht gewartet. selbst wenn der 5er zusammen mit seinem eMotor genügsamer sein sollte als der normale 535i, dessen Motorisierung hier verwendet wurde - was ich mir kaum vorstellen kann, da das zusatzgewicht nicht außer acht gelassen werden darf - so müsste man dennoch eine CO2 Billanz aufstellen um zu sehen, ob der Produktionsaufwand der Akkus und des Motors gering genug ist, um ein derartiges Fahrzeug co2-Techisch rechzufertigen.