Die Hiobsbotschaften drehen sich heute nicht mehr um Mord und Totschlag, sondern werden von Moody’s und Co. verkündet. Die Meldung, dass Deutschlands Kreditwürdigkeit von der Bestnote »Triple A« herabgestuft werden könnte, versetzte ganz Europa in Angst und Schrecken. Staaten haben Schulden in Milliardenhöhe, und trotzdem wird das Geld weiterhin mit vollen Händen ausgegeben. Diese Entwicklung geht auch an unseren Jugendlichen nicht spurlos vorbei.

Die Jugendlichen verstehen wohl kaum die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge, sicher bleibt ihnen aber nicht verborgen, dass es scheinbar einfach zum Leben gehört, Schulden zu machen. Das ist fatal. Denn während (noch) niemand in Europa bereit ist, Griechenland bankrottgehen zu lassen und die EU weiterhin Rettungsschirme aufspannt, reißen die Stricke bei privaten Schuldnern schneller und oft mit dramatischen Konsequenzen.

So weist die Betreibungsstatistik der Stadt Zürich im ersten Quartal 2012 31.885 Betreibungen aus, wovon 30 Prozent in Pfändungen enden. Rund 13 Prozent der Betriebenen sind Jugendliche zwischen 17 und 26 Jahren. Die Chancen, dass diese den Weg aus der Schuldenspirale finden, stehen schlecht.

80 Prozent aller verschuldeten Erwachsenen haben nämlich schon vor ihrem 25. Altersjahr mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Laut dem kürzlich publizierten Radar Jugendverschuldung der Firma Intrum Justitia verprassen junge Männer das Geld vorwiegend im Internet und über ihr Handy, während sich junge Frauen durch offene Arzt- und Laborrechnungen verschulden. »Schönheitseingriffe« werden bekanntlich nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Jugendverschuldung ist keineswegs ein Phänomen, das sich nur in der weniger gut gebildeten Unterschicht manifestiert. Die meisten Kredite und Darlehen werden in der breiten Mittelschicht aufgenommen.

Mitverantwortlich für die Verschuldung Jugendlicher sind neben den schlechten Vorbildern aus Politik und Wirtschaft die Verlockungen des Privatkonsums. Mitverantwortlich sind aber auch wir Eltern, die Lehrer und Bildungspolitiker, die es unterlassen, unseren Jugendlichen das Einmaleins der Ökonomie und den Umgang mit Geld beizubringen.

Vor einiger Zeit habe ich gemeinsam mit meiner Young-Global-Leader-Kollegin und Ständerätin Pascale Bruderer im Rahmen der Pro-Juventute-Aktion »Kindercash« eine Schulklasse besucht, um die Schüler an das Thema »Umgang mit Geld« heranzuführen. Die Schüler fragten uns zum Abschied, wann wir wiederkämen. Offenbar hat es ihnen Spaß gemacht. Entsprechend wurde das Programm mittlerweile an vielen weiteren Schulen erfolgreich durchgeführt.

Selbstverständlich ist eine einzige Schulstunde nicht die Lösung unserer Finanzprobleme, und natürlich können Privatinitiativen allein nicht die Lücke füllen, die in schweizerischen Lehrplänen klafft. Die Lehre vom Umgang mit Geld muss im Schulunterricht ein größeres Gewicht erhalten, was – das ist mir durchaus bewusst – nicht einfach ist. Häufig haben die Lehrenden selbst kein profundes Wissen in ökonomischen Fragen. Und privaten Initiativen, insbesondere wenn sie etwa von Banken kommen, wird mit großem Misstrauen begegnet.

Grund zur Hoffnung gibt es dennoch. Mit dem Fachbereich Wirtschaft, Arbeit und Haushalt des Lehrplans 21 wurde der Grundstein gelegt, bereits Kindern und Jugendlichen erste Finanzkompetenzen zu vermitteln. Nun liegt es an allen Beteiligten, geeignete Lehrmittel zur Verfügung zu stellen und für eine adäquate Umsetzung des Lehrplans zu sorgen. Über Geld sollte man durchaus reden, aber nicht erst dann, wenn die Kasse leer ist und sich die Schulden türmen. Das gilt für Staaten, aber auch für uns alle.