Steinbrück schwebt dabei keine Zerschlagung vor, sondern eine organisatorische Spaltung: Die Banken müssten unterschiedliche Tochtergesellschaften unter einem gemeinsamen Dach gründen. Das hat den Vorteil, dass sie ihren Kunden trotzdem noch alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten können. Gerade große Unternehmen wollen nicht nur Kredite, sondern auch komplexe Finanzprodukte wie Währungsabsicherungen, die in den Handelsabteilungen konzipiert werden. Von Leuten wie Anshu Jain .

Jain war lange Jahre der oberste Investmentbanker der Deutschen Bank. Man nannte ihn in der Londoner City wegen seines Gespürs für die Finanzmärkte einen »Halbgott«. Seit Neuestem ist Jain Chef der Bank. An einem Donnerstagnachmittag im August sitzt er mit Außenminister Guido Westerwelle auf einer Holzbühne im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin. Sie sprechen über die Konjunktur, den Euro – und die Finanzbranche. Jain sagt, dass der »Vertrag« zwischen Bürgern und Banken gebrochen worden sei. Dass die Deutsche Bank Vertrauen zurückgewinnen wolle. Und einen »Kulturwandel« brauche .

In diesen Tagen klingt Anshu Jain nicht wie ein Halbgott, sondern wie ein Büßer. Die Deutsche Bank lernt aus der Krise, das ist seine Botschaft. Josef Ackermanns ambitionierte Renditeziele wurden einkassiert , im Investmentbanking werden Stellen gestrichen, Bonuszahlungen gestreckt. Die neue Bescheidenheit hat nicht nur mit einer neuen Kultur zu tun – viele Transaktionen im Investmentbanking sind wegen der Vielzahl neuer Regeln schlicht nicht mehr rentabel.

Spezialisten in den Frankfurter Doppeltürmen haben auch schon ausgerechnet, was eine Trennung der Geschäftsbereiche für die Bank bedeuten würde. Ergebnis: nichts Gutes. Zu gewichtig sind aus Sicht der Deutschbanker die Vorteile einer Vollbank. Schwächephasen in einzelnen Geschäftsfeldern können ausgeglichen werden. Die Einlagen der Kunden sorgen für eine stabile Finanzierung, weil Kleinsparer ihrer Bank in der Regel auch in schlechten Zeiten die Treue halten. Und die Kosten sinken, weil einheitliche Computersysteme verwendet werden können. In Zukunft wollen Anshu Jain und sein Co-Chef Jürgen Fitschen die Zentralisierung deshalb sogar vorantreiben.

Ein Trennbankensystem würde ihre Pläne durchkreuzen – und vielen Sozialdemokraten geht es genau darum. »Wir brauchen eine Redimensionierung der Deutschen Bank. Sie muss wieder zurückkehren zu ihrer eigentlichen Aufgabe: Dienstleister zu sein für die Realwirtschaft«, sagt Schäfer-Gümbel, der Beauftragte Gabriels. »Die Risiken großer Banken können den Wohlstand gefährden.«

Es gibt in Deutschland aber nur noch eine international tätige private Großbank. Die Dresdner Bank – wurde aufgekauft. Die WestLB – ist vom Markt verschwunden. Die Commerzbank – gehört dem Staat. So dreht sich bei der Regulierung alles um die Deutsche Bank. Und die stemmt sich gegen die Spaltungspläne. In der vergangenen Woche stellten Jain und Fitschen auf einer Investorenkonferenz die Vorteile ihres Modells einer »global führenden Universalbank« heraus. Ein breit aufgestelltes Haus sei stabiler als ein Spezialinstitut. Als Kronzeugen kamen Unternehmensgrößen wie Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender des Gaskonzerns Linde, oder Hans Dieter Pötsch, Finanzchef von Volkswagen, zu Wort, die den integrierten Ansatz lobten.

Die Zahl der Verbündeten schrumpft indes. Eine Abschirmung des Kundengeschäfts könne »Teil einer Strategie sein, die Finanzmärkte sicherer zu machen«, sagt Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband der Deutschen Industrie. Auch Angela Merkel hat die Popularität des Bankenthemas erkannt – und hat nicht vor, das Feld der SPD zu überlassen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble will die Bonuszahlungen deckeln und den Hochfrequenzhandel regulieren . Konkrete Vorschläge zum Thema Trennbanken sind geplant, wenn im Herbst die Ergebnisse einer vom finnischen Zentralbankchef Erkki Liikanen geleiteten EU-Expertengruppe vorliegen, weil Schäuble einen nationalen Alleingang vermeiden möchte. Doch auch in Brüssel hat die Idee Anhänger – und in einem Positionspapier von Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk heißt es bereits, man stehe »der Diskussion um eine Abschirmung des klassischen Bankgeschäfts vom Investmentbankgeschäft offen gegenüber«.

Steinbrück mag in der kommenden Woche die Schlagzeilen dominieren, die Kanzlerin aber hält schon dagegen. Wie so oft in den vergangenen vier Jahren hebt sie bei populären sozialdemokratischen Themen, von der Energiewende bis zum Mindestlohn, den Finger und sagt: Das mach ich jetzt auch.

Selbst wenn die SPD am Ende verliert, könnte das Land also gewinnen.