BankenregulierungAngriff auf die Deutsche Bank

Die SPD marschiert vorweg, und die Kanzlerin folgt – dem Branchenprimus droht die Aufspaltung. von  und

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt  |  © Martin Oeser/dapd

Die Peer-Steinbrück -Festspiele beginnen am kommenden Dienstagnachmittag um 15 Uhr an einem geschichtsträchtigen Ort: im Sitzungssaal der SPD-Bundestagsfraktion. Hier kämpfte Gerhard Schröder für seine Sozialreformen, setzte er den ersten Kriegseinsatz der Bundeswehr durch. Mit einem knapp 20-seitigen Papier in der Hand wird Steinbrück vor die 146 Abgeordneten treten und erläutern, wie die deutsche Sozialdemokratie die internationalen Finanzmärkte regulieren will. Am Tag danach präsentiert der Ex-Finanzminister sein Konzept dann der Öffentlichkeit. Allein. So steht es im Drehbuch. Ohne den Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier . Ohne Parteichef Sigmar Gabriel . Ohne die Last der Troika.

Die Banken an die Kette legen – das ist jetzt Steinbrücks Thema. Es soll die Genossen mobilisieren und die Partei, die einfach kein Rezept gegen die populäre Kanzlerin findet, auf Augenhöhe mit der CDU heben. Denn im fünften Jahr der Krise ist unter den Deutschen das Gefühl verbreitet, dass die Banken ungestört weiterzocken und die Steuerzahler die Rechnung präsentiert bekommen. Dass die Banker bestimmen – und die Politik kuscht. Dass sich nichts geändert hat.

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Die kommende Woche wird darüber entscheiden, wie die Sozialdemokraten ins Wahljahr 2013 marschieren: mit neuer Zuversicht oder dem Schicksal ergeben. Sie könnte den Ausschlag geben, wer gegen Angela Merkel antritt. Und sie markiert den Startpunkt für einen Angriff auf die Deutsche Bank .

In diesen Tagen ist das Schicksal des größten deutschen Kreditinstituts mit dem der ältesten deutschen Partei aufs Engste verwoben. Die Sozialdemokraten wollen mit ihrer Attacke auf die internationalen Finanzmärkte die Sehnsucht nach Gerechtigkeit stillen. Die Deutsche Bank ist das einzig verbliebene deutsche Kreditinstitut von Weltrang. Damit ist jeder Angriff auf die Finanzmärkte ein Angriff auf den letzten Global Player unter Deutschlands Banken.

Das Unbehagen reicht bis in die Spitzen der deutschen Wirtschaft

Will man die Geschichte dieses Angriffs erzählen, kann man beim Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 beginnen. Oder bei der großen Deregulierung der achtziger Jahre, als die Regierungen, beseelt vom Glauben an die segensreiche Wirkung der internationalen Finanzmärkte, eine Bankenvorschrift nach der anderen lockerten.

Man kann aber auch die Akademie der Künste am Brandenburger Tor besuchen.

Sein Name steht auf einem Buchcover zwischen Christa Wolfs Stadt der Engel und Cees Notebooms Schiffstagebuch in dem kleinen Literaturladen gleich am Eingang. Er selbst sitzt im Restaurant. Strubbelige Locken, Nickelbrille, ausgebleichtes Poloshirt, Jeans, Sandalen. Ingo Schulze , der Schriftsteller (Adam und Evelyn), ist der Mann, der die Wut der Bürger in ein Buch gegossen hat: Unsere schönen neuen Kleider – Gegen die marktkonforme Demokratie.

Es basiert auf 13 »Thesen gegen die Ausplünderung der Gesellschaft«, die Schulze zu Jahresbeginn in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht hat. »Auf nichts, was ich je geschrieben habe, bekam ich so viele Reaktionen wie auf diesen Artikel«, erzählt Schulze. Der Schriftsteller ist ein Seismograf des Unmuts. »Wenn die Volksvertreter meinen, das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen zu müssen, dann stellen sie die demokratische Welt auf den Kopf, dann unterwerfen sie das Gemeinwesen nicht nur genau jenen, die es um Milliarden geprellt haben, sondern geben auch das Primat der Politik preis.«

Leserkommentare
  1. ...aber ich habe auf die ersten posts über "das unbeschadet aus der Finanzkrise kommen" der Deutschen Bank geradezu erwartet. Eine Replik schreiben, macht wesentlich mehr Spass.

    Antwort auf "Schade!"
    • Xdenker
    • 20. September 2012 12:25 Uhr
    Antwort auf "Haben sie längst"
  2. Ich will auch gar nicht in Parteipolitik abgleiten. Hier mal eine Studie, die die „Bemühungen“ der Parteien in puncto Finanzmarktregulierung betrifft.
    http://ifg.rosalux.de/wp-...

    Natürlich gibt es „Gründe“ für die einigermaßen stabile „Positionierung“ der DB in den Wirrnissen der zurückliegenden Krisen. Das bei der internationalen Verflechtung der Finanzwelt die Banken von staatlicher Hilfe profitieren, ist doch unumstritten.

    Daraus hat doch die Hochfinanz ein Geschäftsmodell entwickelt. Eine Studie der ETH Zürich zeigt: Die internationalen Finanzinstitutionen haben die Krise genutzt, um sich noch stärker zu vernetzen. Die Banken betreiben diese Strategie offenbar ganz bewusst, um auf jeden Fall durch einen Bailout abgesichert zu sein. http://deutsche-wirtschaf...

    Dagegen gilt es vorzugehen! Das aber macht die Politik nicht, weil sie sonst „ihre Staatsanleihen“ nicht mehr los wird. Und um den Steuerzahler zu beruhigen, tut die Politik so, als könne sie da was „regulieren“. Kann sie aber nicht wirklich, solange sie sich nicht durch Schuldenreduzierung aus der Abhängigkeit gegenüber der Hochfinanz heraus begibt.

  3. So sympathisch die Idee ja sein mag, glaube ich ehrlich gesagt nicht dass da außer Wahlkampfgetöse sehr viel passieren wird.

    Wahrscheinlich verlagert die DB ihren Schwerpunkt ohnehin nach Asien wo man sich höhere Gewinne verspricht. Nachdem Europa und die USA ja nun hinreichend abgemolken wurde reicht es auch aus dort nur noch unbedeutende Filialen, zur Wahrung des Scheins, zu unterhalten.

  4. sind später eingestiegen, aber waren schon einige Jahre vor 2008 dabei ;)

    von daher kann man es wohl der Dt. Bank nicht vorwerfen, dass sie besser als alle anderen war indem man rechtzeitig diese Papiere verkauft hat
    (p.s. die Landesbanken haben lt. medien) als einzige die Kreditpakete gekauft von allen möglichen Banken auch in den USA... (es war auch kein "Lehman-Schrott" - es waren Papiere die alle möglichen Banken gehandelt & zusammengestellt haben)

    2) mit AIG haben sie absolut Recht!
    aber wenn man diese Idee konsequent zu Ende denkt, hat so ziehmlich der gesamte Bankensektor nur durch staatl. Eingriff überlebt & damit natürlich auch der Privatsektor, wenn man schon ausstehende Forderungen (über mehrere Ecken) in die Betrachtung mit einbezieht.

    3) da die Zwangsvollstreckungen massenhaft Leerstand & Verfall mündet, bezweifele ich, dass diese noch mit einem hohen Wert in den Bilanzen stehen

    hinsichtlich G20 geben ich ihnen Recht, hinsichtlich der Taten der SPD in der Vergangenheit wäre ich skeptisch...
    diese Krise hätte es so in den USA auch gegeben, sich auf jeden Fall auch so auf Europa ausgewirkt - nur event. speziell auf Dtld anders - wobei niemand weiß ob es die Dt Bank überhaupt noch gäbe oder wie die dt. baneknlandschaft heute aussehen könnte - unmöglich abschätzbar und müßig darüber zu philosophieren...

    Antwort auf "Die Deutsche Bank..."
  5. ich meinte natürlich: die Landesbanken waren wohl die Einzigen, die diese Papiere noch kauften als zu diesem Zeitpunkt als alle anderen Banken verkauften...

    • Askay
    • 20. September 2012 14:21 Uhr

    "Aber man braucht auch als Bank einen "Heimatmarkt"."

    Ist das wirklich so? Welchen "Heimatmarkt" bedient die HSBC?

    Sicher ist, der Heimatmarkt braucht wenigstens eine international wettbewerbsfähige Bank. Die derzeitige freiwillige Selbstdemontage Deutschlands wird durch erhebliche Abhängigkeiten von ausländischen Instituten schwere Nachteile für die deutsche Wirtschaft und das Land bringen.

    Die Deutsche Bank hat darauf aber meiner Meinung nach schon reagiert. Nicht nur dadurch, dass ein erheblicher Teil der sinnvollen Regulierungen auf ihre Vorschläge zurückgreift (z.B. zu CCP´s), nein, wenn man das Geschäft sieht, das in Deutschland verblieben ist, stellt man fest, das sind nur noch die mundgerechten "Peanuts" für kurzsichtige Politiker, die damit das unvernünftige Volk bedienen können. Riester, Bausparen, Konten, Konsumentenkredite und all der Kram, den im Prinzip eine Sparkasse machen könnte.

    Das Investmentbanking ist schon nicht mehr in Deutschland und wer will schon sein Wealth management in einer Nation der Neider, Missgünstlinge und Unfairteiler machen lassen?

    Zum Glück sind Investmentleute global aufgestellt, selbst wir, als kleine Firma.

    Und man muss aber doch anerkennen, dass Ackermann einer der fähigsten Banker überhaupt ist (God save the king). Seine Überlegungen waren goldrichtig, für die DB und Deutschland - Jain muss das erst noch zeigen. Wie gefragt solche exzellenten Experte sind, zeigen ja die derzeitigen Aufgaben, die Ackermann übernehmen konnte.

    Antwort auf "Haben sie längst"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Das Investmentbanking ist schon nicht mehr in Deutschland und wer will schon sein Wealth management in einer Nation der Neider, Missgünstlinge und Unfairteiler machen lassen?"

    Eine niveaulose Entgleisung ...

    Die Deutsche Bank ist eine Universalbank (inkl. "normalem Privatkunden-Geschäft"), die HSBC ist eine reine Wealth Management Bank und auf Firmenkunden fokussiert.

    Bei der HSBC können sie nicht mal eben, online, ein Girokonto eröffnen.
    Sie werden auch keine flächendeckenden Filialen der HSBC finden, in Deutschland.

    Invesment-Banking betreiben alle großen Banken in Londen, auch die DEKA.

    Kein Mensch hat was dagegen, dass die Deutsche Bank Investment-Banking macht, nur sie soll es nicht übertreiben.

    Zu Ihrer Lobes-Hymmne auf den Helvetier,
    die Deutsche Bank hatte eigentlich immer gute Vorstände, ob das Abs war, den Adenauer nach London geschickt hat oder Herrn Herrhausen.

  6. http://www.disclose.tv/ac...

    Das Ei wurde gepellt NACH den Deregulierungen.
    OHNE Regulierung läuft garnichts.

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