DIE ZEIT: Herr Bender, Sie sind zwar noch jung, aber sammeln Sie schon Karriere-Erinnerungsstücke, die ins neue Fußballmuseum passen könnten?

Sven Bender: Ich habe ein paar Trikots zu Hause. Die von vor sechs, sieben Jahren sehen schon richtig alt aus; gerade in der Trikotbranche tut sich ja viel.

ZEIT: Hängen die bei Ihnen an der Wand?

Bender: Dann wären da jetzt schon drei Schichten! Ich habe sie alle nebeneinander auf einem Kleiderständer aufgehängt.

ZEIT: Gewaschen?

Bender: Ja, die werden einmal gewaschen.

ZEIT: Was ist Ihr wertvollstes Sammlerstück?

Bender: Das weiß ich gar nicht... Vom DFB gibt es bei der Meisterschaft und beim Pokalsieg für jeden Spieler eine Medaille. Manche lassen sich sogar von der Meisterschale oder vom Pokal ihr eigenes Exemplar nachmachen.

ZEIT: In klein?

Bender: Auch im Originalformat. Ich hab das gemacht. Das sind doch Erinnerungen! Ich eröffne dann mein eigenes Museum.

ZEIT: Herr Neukirchner, Herr Engelke, da haben Sie einen harten Konkurrenten zu Ihrem Projekt!

Lutz Engelke: Wir planen ja keine klassische Vitrinenausstellung. Es wird keine Inflation von Wimpeln und Trikots geben, sondern eine szenische, fast theaterhafte Inszenierung zum Thema Fußball. Eine der Kernfragen ist: Wie schafft man es, die Bewegung, die Stadionatmosphäre, die ganzen Emotionen lebendig zu machen? Ein Museum scheint ja immer rückwärtsgewandt, stillgestellt zu sein. Aber wir wollen die Leute mit der Euphorie des Fußballs anstecken und emotionalisieren.

Manuel Neukirchner : Ein Haus, das eine Art kollektives Gedächtnis des Fußballs ist, gibt es bislang nicht. Genau das wollen wir schaffen. Man soll die WM 1954 oder die WM 2006 richtig erleben können. Wir wollen zwar die historische Entwicklung des deutschen Fußballs zeigen, aber auch die Gegenwart des Fußballs ins Haus holen. Wir werden immer wieder aktuelle Ereignisse einbinden. Das müssen natürlich die Highlights sein, die sich auch in der Rückschau noch bewähren.

Engelke: Diese magischen Momente wollen wir so inszenieren, dass die Besucher sie von überall sehen können. Das Haus wird ein Verwandlungshaus, in dem man sich für Momente fühlt wie im Stadion – der Sound ändert sich, das Licht. Wir wollen Geschichte nicht linear erzählen, wir deuten sie.

ZEIT: Gibt es Vorbilder für solch ein Haus? Borussia Dortmund hat ja auch ein Museum.

Bender: Das kann ich sehr empfehlen! Aufgrund unserer Erfolge in den letzten Jahren muss das auch immer wieder aktualisiert werden.

Engelke: Vorbilder sind alle modernen Museen, die nicht einfach eine lineare Geschichte erzählen, sondern in der Lage sind, über crossmediale Inszenierungen Besucher ganz anders zu faszinieren. Im Bereich Fußball gibt es das bisher nicht. Wir haben uns alles angesehen, von Barcelona bis Madrid und München. Die haben respektable eigenständige Konzepte, aber wir gehen einen Schritt weiter. Wir nähern uns dem Fußball von zwei Seiten: einmal über die Nationalmannschaft, zum anderen über die Entwicklung des Vereinssports seit 112 Jahren.

ZEIT: Der DFB wurde im Jahr 1900 gegründet. Warum entsteht das Museum erst jetzt? Weil sich der Verband mit seiner Vergangenheit schwertut?

Neukirchner : Weil sich erst nach einer gewissen Zeit ein historisches Bewusstsein entwickelt hat. Zuerst kam dieser Gedanke im Jahr 2000 zum 100-jährigen Bestehen auf. Da gab es in Oberhausen die große Ausstellung Der Ball ist rund und die Idee, daraus etwas Dauerhaftes zu machen. Aber dafür braucht man auch Mittel. Aufgabe des DFB ist die Förderung des Fußballs und nicht, ein Museum zu errichten. Dann kam die tolle WM 2006, die dem DFB auch einen wirtschaftlichen Gewinn beschert hat, und der Verband beschloss: Wir wollen den Menschen im Land, die mit ihrer Begeisterung zum »Sommermärchen« beigetragen haben, etwas Nachhaltiges zurückgeben. Das ist das Fußballmuseum.

ZEIT: Hat der DFB denn eine eigene Sammlung?

Neukirchner : Ein Archiv. Das Sammelbewusstsein jedes Präsidenten war anders ausgeprägt. Für manche Epochen hat man mehr, für manche weniger.

ZEIT: Was werden Ihre »Meisterwerke« sein?

Neukirchner : Für mich ist das Highlight der Endspielball von 1954. Es gab Gerüchte, wir besäßen nicht das Original. Lassen Sie sich davon nicht irritieren: Wir besitzen ihn! Sepp Herberger hat ihn nach dem Spiel mitgenommen. Wenn man sich den Ball anguckt, bekommt man eine Gänsehaut.

Engelke: Ein Freund von mir hat ein Interview mit jemandem geführt, der beim Spiel hinter Toni Tureks Tor stand, kurz vor Schluss den Ball fing und ihn zehn Sekunden festhielt, sodass Puskás mit der Ecke warten musste – der Mann behauptet, eigentlich habe er damit verhindert, dass Ungarn doch noch Weltmeister wurde.