Geprüft wird in der Tat ziemlich viel – bloß bemängeln Kritiker, dass im Akkreditierungsverfahren lediglich formale Aspekte im Vordergrund stünden. "Eine inhaltliche Prüfung im eigentlichen Sinne findet kaum statt", sagt Matthias Jaroch, Sprecher des Deutschen Hochschulverbandes. "Die Akkreditierung ist weitgehend eine formale Kontrolle. Man kann sich natürlich fragen, was der Sinn des Ganzen ist. Da wird ein Siegel vergeben, das eigentlich nichts aussagt." Auch die Hochschulforscherin Margret Bülow-Schramm von der Uni Hamburg bemängelt, im Akkreditierungsprozess sei die "Fachlichkeit generell unterbelichtet".

Bislang hat der Wissenschaftsrat erst einen Teil der Privathochschulen geprüft. 58 Einrichtungen hat er sein Okay gegeben, lediglich acht Hochschulen bekamen die Akkreditierung nicht.

Einer der wenigen Fälle, in denen der Wissenschaftsrat aus inhaltlichen Zweifeln einem Angebot die Akkreditierung verweigerte, ist die anthroposophische Freie Hochschule Mannheim, die Bachelor- und Mastergrade in Waldorfpädagogik vergeben wollte. Das Urteil des Wissenschaftsrates fiel hart aus: Das Institut erreiche auf "einer grundsätzlichen Ebene nicht die für eine Hochschule erforderliche Wissenschaftlichkeit", schrieben die Gutachter in ihrer Entscheidung aus dem Januar 2011. "Dies betrifft die Vielfalt methodischer Ansätze und den Anspruch, den in den Erziehungswissenschaften üblichen Standards gerecht zu werden. Ohne eine solche Klärung besteht jedoch die Gefahr, eine spezifische, weltanschaulich geprägte Pädagogik im Sinne einer außerwissenschaftlichen Erziehungslehre zur Grundlage einer Hochschuleinrichtung zu machen." Im Klartext: Waldorfpädagogik ohne ein Minimum an erziehungswissenschaftlicher Grundbildung ist akademischer Weihen nicht würdig.

Die Freie Hochschule Mannheim nennt sich seither "Akademie für Waldorfpädagogik" – was akademisch klingt, es aber nicht ist. Im Gegensatz zu "Hochschule" ist die Bezeichnung "Akademie" nicht geschützt. Den Bachelorstudiengang gibt es nach wie vor: Mit einem Trick wird das Votum umschifft. Ihre Dozenten hat die ehemalige Freie Hochschule Mannheim an die ebenfalls anthroposophische Alanus-Hochschule in Nordrhein-Westfalen angedockt; sie geben per Franchisevertrag Unterricht für die Mannheimer Studenten und bereiten sie auf die Prüfungen der Alanus-Hochschule vor. Da die Alanus-Hochschule in Nordrhein-Westfalen anerkannt ist, ist dieses Vorgehen in Baden-Württemberg rechtens. Ähnlich wird sich wohl auch die Traunsteiner Hochschule für Homöopathie durch den bildungsföderalen Wirrwarr schlagen. Ein Weiterbildungsinstitut für Heilpraktiker dürfte sich nämlich nicht ohne Weiteres als Hochschule bezeichnen.

Eine Hochschule nimmt die nächste Huckepack

Gerade in Bayern sind die formalen Hürden für eine Gründung hoch: Das Land verlangt unter anderem, dass für die Lehre überwiegend hauptberufliche Fachkräfte eingesetzt werden, die Zugangsvoraussetzungen müssen die gleichen sein wie an einer öffentlichen Hochschule, und es müssen mehrere Studiengänge angeboten werden. Es sei denn, eine Hochschule, die sich andernorts etablieren konnte, nimmt die neue Einrichtung huckepack: Ein solcher Partner soll in Traunstein die homöopathiefreundliche Steinbeis-Hochschule aus Berlin werden. Ist eine Hochschule bereits in einem anderen Bundesland anerkannt, kann sie auch in Bayern Lehrangebote machen – ohne dass noch einmal neu geprüft werden muss, ob ihre Vorlesungen und Seminare tatsächlich wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

Auf diese Weise bietet beispielsweise schon jetzt die Berliner Hochschule für Gesundheit und Sport in Ismaning den Studiengang Komplementärmedizin an. "Wenn eine Hochschule bereits in einem anderen Bundesland oder EU-Staat anerkannt ist und hier einen Standort aufmacht, können wir das nicht einfach untersagen", erklärt eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. "Selbst wenn es uns nicht gefällt."