PädagogikDer "Anti-Sarrazin"

Der Pädagoge Paul Schwarz wechselte von der Schule zum Fernsehen. Er macht Filme über Bildung – und zeigt lieber den türkischen Arzt als den U-Bahn-Schläger. von Friederike Lübke

Wenn Paul Schwarz über sich spricht, dann benutzt er gerne einen Begriff, den er als Auszeichnung empfindet. Vor einem Jahr zeigte er im Stuttgarter Rathaus einen Film über Migranten. Danach befand eine Zuschauerin: »Sie sind ja ein richtiger Anti-Sarrazin.« Das Gegenteil von Thilo Sarrazin und seinen Thesen über Migrantenkinder – das trifft es, dachte Schwarz.

Paul Schwarz ist Pädagoge, doch er wechselte von der Schule zum Fernsehen. Seit mehr als 20 Jahren produziert er Filme über Bildung, insgesamt über 120, so viele wie kaum jemand sonst in Deutschland. 2007 bekam er dafür das Bundesverdienstkreuz am Bande. Dreimal waren seine Filme für den Grimme-Preis nominiert, darunter der ARD-Dreiteiler »Fremd und doch vertraut«. Aber bekannt wie Sarrazin ist er nicht. Schwarz glaubt, das liege an den Medien. »Ein türkischer U-Bahn-Schläger macht Schlagzeilen. Ein türkischer Arzt nicht«, sagt er. Gerade um solche Menschen geht es aber in seinen jüngsten Filmen. Bildung ist sein Thema, Erfolge zeigt er am liebsten. Oberstes Prinzip: Mut machen. Zeigen: Es geht doch.

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Paul Schwarz ist 68. Das weiße Haar fällt ihm lang über die Ohren. Er könnte aufhören zu arbeiten, aber er will nicht. Wenn Sarrazin schreibt, dass ungebildete Eltern mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder haben, gibt Schwarz ihm im Prinzip recht. Auch er sieht das häufig. Der Sohn des Arztes wird wahrscheinlich studieren. Der Sohn der Putzfrau nicht. Nur glaubt Schwarz, dass das nicht an den Eltern liegt. Seiner Ansicht nach scheitern Kinder am dreigliedrigen Schulsystem und nicht selten auch an Vorurteilen. Er hat Ärztinnen und Rechtsanwälte getroffen, die zuerst auf die Hauptschule geschickt wurden, »nur weil ihre Eltern Türken waren«. So etwas ärgert ihn. Vielleicht auch wegen seiner eigenen Geschichte.

In Japan hat er unterrichtet, heute filmt er in der ganzen Welt

Sein Vater fiel im Krieg, seine Mutter hatte wenig Geld. »Kleine Verhältnisse« nennt Schwarz das. Erst auf der Abendschule machte er das Abitur, studierte und wurde Lehrer. Insgesamt zehn Jahre lang hat er unterrichtet. Ende der siebziger Jahre ging er mit seiner Frau nach Japan und lehrte Deutsch an der Universität. Ende der achtziger Jahre verbrachte er mit ihr noch einmal vier Jahre als Dozent in Argentinien. »Ich kenne die Welt so ’n bisschen«, sagt er heute. Zurück in Deutschland, betreute er Sendungen über guten Unterricht und wurde vom Lehrer zum Beobachter der Lernkultur.

Dabei stieß er auf einen Widerspruch: Im Land der Dichter und Denker hat Schule einen schlechten Stand. Einmal drehte Schwarz in einem internationalen Physikkurs in Göttingen. Horst Köhler, damals Bundespräsident, besuchte den Unterricht und setzte sich zu den Schülern. »In Physik war ich nie gut«, sagte der Bundespräsident. Koketterie vielleicht, aber Schwarz fällt so etwas auf: Prominente, die mit schlechten Noten prahlen. Wettermoderatoren, die es als gute Nachricht bringen, wenn die Schule ausfällt. Wer es zu etwas gebracht hat, behauptet, dass es nicht an der Schule lag. »Keiner will ein Streber sein«, sagt Schwarz. Alle fänden Bildung wichtig, aber in den Massenmedien tauche sie kaum auf. »Wann lief der letzte Film über Schule, in dem es nicht um einen Amoklauf ging?«, fragt er. »Wann ging es in einer Talkshow mal um Bildung?«

Er bemerkt das auch, weil es ihn selbst betrifft. In den letzten Jahren war er viel im Auftrag staatlicher oder privater Bildungseinrichtungen unterwegs. Das Interesse der Sender aber hat nachgelassen. Für neue Filmideen muss er Sponsoren suchen.

»Paul Schwarz ist jemand, der dranbleibt«, sagt der Pädagoge und Schulreformer Heinz Klippert. Die beiden sind auf einer Wellenlänge, seit 20 Jahren kennen sie sich, immer wieder arbeiten sie zusammen. Wenn Schwarz über die Bildungschancen von Migranten berichte, geschehe das »aus innerem Antrieb und persönlichem Anliegen«, glaubt Klippert. Er hat erlebt, wie Schwarz mit Politikern diskutiert. »Da legt er den Finger in die Wunde. Er ist unerbittlich, wenn sich ihre Ansprüche nicht mit der Realität decken.« Gleichzeitig sei Schwarz pragmatisch. Es gehe ihm um normale Schulen, nicht um einzelne Leuchtturmprojekte.

Leserkommentare
    • E.Wald
    • 27. September 2012 20:29 Uhr

    Ein sehr schönes Porträt, vielen Dank!
    Zwei Passagen finde ich besonders beachtenswert:

    "Seiner Ansicht nach scheitern Kinder am dreigliedrigen Schulsystem und nicht selten auch an Vorurteilen. Er hat Ärztinnen und Rechtsanwälte getroffen, die zuerst auf die Hauptschule geschickt wurden, »nur weil ihre Eltern Türken waren«."

    Zu Skandinavien: "»Diese Länder lobt man, aber man lernt nicht von ihnen«, sagt er."

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    Eltern befürchten das "dumme" Kinder das Leistungsniveau ihrer Sprösslinge runterziehen könnte...

    Aber wer weiß... Je weniger gebildete Leute, desto wertvoller die Bildung; Inflation an Bildung ist total schlimm...

    http://www.youtube.com/wa...

    Obwohl das Video überspitzt ist, zeigt es wie es wirklich hier in Deutschland zugeht.

    Und das mit den türkischen Eltern stimmt leider; die Lehrer berücksichtigen die Sprachkenntnisse des Kindes fürs Gymnasium zu sehr, obwohl das Kind beim Erwerb der deutschen Sprache es deutlich schwerer hat, auch wenn das Kind dafür in anderen Fächern gute bis sehr gute Leistungen bringen könnte.

    Aber Bildung ist nur noch Ware, die dazudient seinen Marktwert zu steigern...

    Manchmal kann ich kaum glauben, in was für einer Welt wir leben; würde man allen Menschen Bildung zukommen lassen, hätten wir viel weniger Konflikte auf der Welt. Die Menschen würden mehr nachdenken, reflektieren und kritisch nachfragen und nicht jeden Unsinn glauben.

    Eltern befürchten das "dumme" Kinder das Leistungsniveau ihrer Sprösslinge runterziehen könnte...

    Aber wer weiß... Je weniger gebildete Leute, desto wertvoller die Bildung; Inflation an Bildung ist total schlimm...

    http://www.youtube.com/wa...

    Obwohl das Video überspitzt ist, zeigt es wie es wirklich hier in Deutschland zugeht.

    Und das mit den türkischen Eltern stimmt leider; die Lehrer berücksichtigen die Sprachkenntnisse des Kindes fürs Gymnasium zu sehr, obwohl das Kind beim Erwerb der deutschen Sprache es deutlich schwerer hat, auch wenn das Kind dafür in anderen Fächern gute bis sehr gute Leistungen bringen könnte.

    Aber Bildung ist nur noch Ware, die dazudient seinen Marktwert zu steigern...

    Manchmal kann ich kaum glauben, in was für einer Welt wir leben; würde man allen Menschen Bildung zukommen lassen, hätten wir viel weniger Konflikte auf der Welt. Die Menschen würden mehr nachdenken, reflektieren und kritisch nachfragen und nicht jeden Unsinn glauben.

  1. "Der Sohn des Arztes wird wahrscheinlich studieren. Der Sohn der Putzfrau nicht. Nur glaubt Schwarz, dass das nicht an den Eltern liegt."
    Es liegt überwiegend an den Eltern und dem sozialen Umfeld. Das Milwaukee-Projekt ist ein Beweis dafür:
    http://de.wikipedia.org/w...

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    Sicher sind die ersten beiden Sozialisationsphasen elementar für die Entwicklung eines Menschen. Und damit zwangsläufig auch das Elternhaus.

    Daraus aber abzuleiten, dass es an den Eltern liegt, ob Bildung fruchtbar oder im Sande verläuft, ist eine monokausale (!) Hypothese.

    Daraus ergeben sich zwei Schwierigkeiten.

    1. Monokausalität: Zu sagen, es liegt an den Eltern (und nicht an den Strukturen), ist in etwa so, als würde man sagen, Erfolg hängt nur (!) von Leistung ab.

    Das Erfolg von Leistung abhängt ist natürlich nicht falsch, aber neben Leistung sind andere Faktoren, wie etwa Strukturen, Netzwerke, oder der Zufall ebenfalls von Bedeutung.

    2. Problemlösungsstrategien: Die auf die Eltern reduzierte Monokausalität macht eine Bearbeitung des Eingangsproblems (Inklusion in Bildung möglichst Vieler) unmöglich. Denn, verorten wir die Verantwortung des Problems bei den Eltern, können wir nur dort (bei Ihnen) etwas ändern. Wie soll so etwas möglich sein: rechtlich, ethisch, personell, ökonomisch?

    Diese Haltung läuft also in der Umsetzung ins Leere, oder anders gesagt, sie wahrt den Status Quo.

    Schwarz argumentiert hier auf der Ebene der Struktur. Warum tut er das? Nun, ich glaube, dass er genau da ansetzt, wo gesellschaftlich und politisch Handlungsspielraum vorhanden ist.

    Dort wurden Kinder unterdurchschnittlich intelligenter Mütter im Kindergartenalter gefördert und ihr IQ dann im Verlauf mit einer Kontrollgruppe verglichen.
    Am Ende des Förderzeitraums hatten die geförderten Kinder einen Vorsprung vor der Kontrollgruppe, der sich bis zur Pubertät aber weitgehend verlor. Das beweist aber aus vielerlei Gründen überhaupt nichts: 1. war es nur eine kleine Zahl von Kindern, so daß Unterschiede schon sehr groß hätten sein müssen, um signifikant zu werden. 2. hatten etliche Mütter Alkoholprobleme, so daß bei vielen Kinder wohl schon angeborene Schädigungen bestanden 3. erfolgte die Förderung nur für ein paar Jahre und wurde im Alter von 6 vollständig eingestellt; auch erfolgte über die Vorschul-Förderung hinaus kein Versuch, die meist kaputten Familienverhältnisse zu sanieren, 4. waren die Mütter mit einem IQ von <80 schon wirklich weit unter Durchschnitt, 5. fand das ganze schon in den 6oger Jahren statt, wo die pädagogischen Mittel und Methoden sicherlich deutlich schlechter waren als heute.

    Heute haben wir es doch aber mit Kindern zu tun, die genau wie ihre Eltern zumeist normale Intelligenz-Anlagen besitzen, wo aber wg. z.B. dyfunktionaler Familienstrukturen oder mangelnder Sprachkenntnisse keine Förderung durch die Eltern erfolgt.

    Diese Studie ist also weder relevant noch sonst wie aussagekräftig. Wenn Sie heutige Problemkinder mit denen aus jener Studie vergleichen, ist das entweder ignorant oder vorsätzlich gehässig.

  2. Eltern befürchten das "dumme" Kinder das Leistungsniveau ihrer Sprösslinge runterziehen könnte...

    Aber wer weiß... Je weniger gebildete Leute, desto wertvoller die Bildung; Inflation an Bildung ist total schlimm...

    http://www.youtube.com/wa...

    Obwohl das Video überspitzt ist, zeigt es wie es wirklich hier in Deutschland zugeht.

    Und das mit den türkischen Eltern stimmt leider; die Lehrer berücksichtigen die Sprachkenntnisse des Kindes fürs Gymnasium zu sehr, obwohl das Kind beim Erwerb der deutschen Sprache es deutlich schwerer hat, auch wenn das Kind dafür in anderen Fächern gute bis sehr gute Leistungen bringen könnte.

    Aber Bildung ist nur noch Ware, die dazudient seinen Marktwert zu steigern...

    Manchmal kann ich kaum glauben, in was für einer Welt wir leben; würde man allen Menschen Bildung zukommen lassen, hätten wir viel weniger Konflikte auf der Welt. Die Menschen würden mehr nachdenken, reflektieren und kritisch nachfragen und nicht jeden Unsinn glauben.

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  3. Eltern befürchten das "dumme" Kinder das Leistungsniveau ihrer Sprösslinge runterziehen könnte...

    Aber wer weiß... Je weniger gebildete Leute, desto wertvoller die Bildung; Inflation an Bildung ist total schlimm...

    http://www.youtube.com/wa...

    Obwohl das Video überspitzt ist, zeigt es wie es wirklich hier in Deutschland zugeht.

    Und das mit den türkischen Eltern stimmt leider; die Lehrer berücksichtigen die Sprachkenntnisse des Kindes fürs Gymnasium zu sehr, obwohl das Kind beim Erwerb der deutschen Sprache es deutlich schwerer hat, auch wenn das Kind dafür in anderen Fächern gute bis sehr gute Leistungen bringen könnte.

    Aber Bildung ist nur noch Ware, die dazudient seinen Marktwert zu steigern...

    Manchmal kann ich kaum glauben, in was für einer Welt wir leben; würde man allen Menschen Bildung zukommen lassen, hätten wir viel weniger Konflikte auf der Welt. Die Menschen würden mehr nachdenken, reflektieren und kritisch nachfragen und nicht jeden Unsinn glauben.

    Antwort auf "Schönes Porträt"
  4. Herr Schwarz stimmt Thilo Sarazzin zu, wenn dieser sagt, ungebildete Eltern haben mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder. Er schlägt längeres geminsames Lernen vor, Sarazzin hat u.a. Ganztagsschulen empfohlen. Was macht ihn denn nun zum Anti-Sarazzin?

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    "Herr Schwarz stimmt Thilo Sarazzin zu, wenn dieser sagt, ungebildete Eltern haben mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder"

    "Nur glaubt Schwarz, dass das nicht an den Eltern liegt. Seiner Ansicht nach scheitern Kinder am dreigliedrigen Schulsystem und nicht selten auch an Vorurteilen. "

    Sarrazin liegt nun mal einfach falsch mit seinen Statistiken, dass bestimmte Zuwanderergruppen krimineller und erfolgloser sind als wir, weil sie zB ein anderes Elternhaus haben.

    Wir schummeln besser. Mein Papa hat mich immer rausgeholt, egal ob ich mal in einen Auto, dass nicht mir gehört, eingestiegen bin oder sonst wo war, wo ich nicht sein sollte. Das kam nie in die Statistik.
    Ich bin auch aufs Gymi gegangen, obwohl ich für die Realschule empfohlen wurde, weil meine Eltern auch studiert hatten und ich bis dahin durchgeboxt wurde. Mein türkischer Freund damals, der eigentlich besser war als ich, ist auf die Realschule gegangen. Auf dem Gymnasium haben unsere Eltern dafür gesorgt dass Lehre ausgetauscht werden, wenn wir schlechte Noten hatten, zB in Latein. Ich war Skifahren und wurde vom Vokabeltest überrascht.

    In der Statistik sehen die anderen schlechter aus, weil die nicht so gut schummeln wir wir, die kennen das noch nicht. Aber ich finde das unfair die anderen deswegen als irgendwie primitiver darzustellen, wie Sarrazin das macht. Wir sind nicht so böse, wir schauen ja einfach nur wo wir selber bleiben.

    • th
    • 28. September 2012 11:01 Uhr

    denen liegt doch nicht an Bildung, oder an Schwarz, sondern am "Aufreger" - und da wirk "Sarrazin" maximal.

    Auf den Inhalt kommts dabei weniger an ...

    Wer weiss, ob sich Schwarz und Sarrazin und Buschkowsky im privaten Gespräch über das Schulwesen nicht durchaus verständigen könnten.

    Aber das bringt eben keine Aufreger-Quote.

    Zitat:
    "5. Seltsam
    Herr Schwarz stimmt Thilo Sarazzin zu, wenn dieser sagt, ungebildete Eltern haben mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder. Er schlägt längeres geminsames Lernen vor, Sarazzin hat u.a. Ganztagsschulen empfohlen. Was macht ihn denn nun zum Anti-Sarazzin?"

    • Soruz
    • 04. Oktober 2012 20:12 Uhr

    "ungebildete Eltern mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder"
    Ist das wirklich ein Zitat von Thilo Sarazin? Wenn ja, dann weiß der Vorbild vieler namhaften Deutschen möglicherweise viel Kenntnisse über Finanzen und Scheinen, aber bezüglich der Bildung besser wenn er sich erst informiert und nicht Unsinn redet. Zunächst sollte Herr Sarazin sich über die Bildungstheorien, insbesondere der Deutschen z.B. Humboldtischen Bildungstheorie informieren. Alexander von Humboldt war ein Berliner!

    Niemand ist ungebildet. Bildung wird mit "haben" konjugiert und Erziehung mit "sein". Das muß er eigentlich wissen!

    Kein Mensch ist nicht erzogen und kein Mensch hat keine Bildung. Nur z.B. eine Kuh ist gebildet, weil sie ihre Bestimmung bereits jetzt auch ohne Tod erreicht hat und sich nicht mehr weiter entwickelt, bis auf körperlich und Milch geben und Altern.

    Aber der Prozeß der Bildung (Eigen) und Erziehung (Fremdenhilfe - Fremdenhilfe kann im Sinne der Betreuung auch in hohem Alter nötig sein) eines Menschen ist nur durch Tod abgeschlossen werden. Bildung und Erziehung sind sowohl ein Zustand als auch ein Prozeß. Ausbildung hat zunächst mit Bildung nichts zu tun.

    Bildung und Erziehung sind mehr als Lernen + Stoffauswendig lernen + Unterricht + Ausbildung und Bücher zu schreiben oder Zitate kopieren und interpretieren! Ich wünschte mir, Thilo Sarazin hätte weniger Wissen und mehr Bildung im Sinne von Humboldt. Viele Menschen mit "von" und "zu" haben das. der Sozialdemokrat?

    • Sven88
    • 27. September 2012 21:29 Uhr

    Ich finde auch, dass es oft an den Eltern liegt. Kinder brauchen Vorbilder. Wenn die Eltern nur zu Hause rumliegen, wird das Kind sich fragen, warum es lernen musst.
    Sind die Eltern bildungsfern, aber bemühen sich, ihrem Kind die Welt zu zeigen, dann kann aus dem Kind auch was werden.
    Im Bus sehe ich oft Eltern mit Kindern. Das klingt zwar gemein, aber vielen sieht man an, dass sie "bildungsfern" sind. Trotzdem gibt es gewaltige Unterschiede, wie diese Leute mit ihren Kindern umgehen. Die einen spielen nur auf ihren Handys und das Kind sitzt sabbernd im Kinderwagen oder auf dem Schoß. Und die anderen reden mit ihren Kindern. Zeigen ihnen Dinge und erklären ihnen etwas, wenn diese fragen haben. Was dabei sehr auffällt, die Kinder können sich dann auch entsprechend artikulieren. Die einen sabbern, die anderen sprechen ganze Sätze und dabei ist das Alter schätzungsweise gleich.

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  5. "Herr Schwarz stimmt Thilo Sarazzin zu, wenn dieser sagt, ungebildete Eltern haben mit großer Wahrscheinlichkeit ungebildete Kinder"

    "Nur glaubt Schwarz, dass das nicht an den Eltern liegt. Seiner Ansicht nach scheitern Kinder am dreigliedrigen Schulsystem und nicht selten auch an Vorurteilen. "

    Sarrazin liegt nun mal einfach falsch mit seinen Statistiken, dass bestimmte Zuwanderergruppen krimineller und erfolgloser sind als wir, weil sie zB ein anderes Elternhaus haben.

    Wir schummeln besser. Mein Papa hat mich immer rausgeholt, egal ob ich mal in einen Auto, dass nicht mir gehört, eingestiegen bin oder sonst wo war, wo ich nicht sein sollte. Das kam nie in die Statistik.
    Ich bin auch aufs Gymi gegangen, obwohl ich für die Realschule empfohlen wurde, weil meine Eltern auch studiert hatten und ich bis dahin durchgeboxt wurde. Mein türkischer Freund damals, der eigentlich besser war als ich, ist auf die Realschule gegangen. Auf dem Gymnasium haben unsere Eltern dafür gesorgt dass Lehre ausgetauscht werden, wenn wir schlechte Noten hatten, zB in Latein. Ich war Skifahren und wurde vom Vokabeltest überrascht.

    In der Statistik sehen die anderen schlechter aus, weil die nicht so gut schummeln wir wir, die kennen das noch nicht. Aber ich finde das unfair die anderen deswegen als irgendwie primitiver darzustellen, wie Sarrazin das macht. Wir sind nicht so böse, wir schauen ja einfach nur wo wir selber bleiben.

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    Antwort auf "Seltsam"
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    ... von allem ganz überzeugt, was in #7 steht.

    Aber mit Sicherheit ist hier ein gutes Stück Wahrheit enthalten:

    Gut situierte Elternhäuser können mehr durchsetzen als andere. Sie können versuchen, Einfluss zu nehmen, können intensive Nachhilfe bezahlen, können mit Förderung und Bildungsangeboten ein bisschen ausgleichen, was an Grundverständnis nicht da ist usw.

    Gerade das mit dem Einfluss hat zugenommen, seit dem es mehr oder weniger den Eltern überlassen wird, auf welche Schule ihr Kind nach der Grundschule geht.

  6. Sicher sind die ersten beiden Sozialisationsphasen elementar für die Entwicklung eines Menschen. Und damit zwangsläufig auch das Elternhaus.

    Daraus aber abzuleiten, dass es an den Eltern liegt, ob Bildung fruchtbar oder im Sande verläuft, ist eine monokausale (!) Hypothese.

    Daraus ergeben sich zwei Schwierigkeiten.

    1. Monokausalität: Zu sagen, es liegt an den Eltern (und nicht an den Strukturen), ist in etwa so, als würde man sagen, Erfolg hängt nur (!) von Leistung ab.

    Das Erfolg von Leistung abhängt ist natürlich nicht falsch, aber neben Leistung sind andere Faktoren, wie etwa Strukturen, Netzwerke, oder der Zufall ebenfalls von Bedeutung.

    2. Problemlösungsstrategien: Die auf die Eltern reduzierte Monokausalität macht eine Bearbeitung des Eingangsproblems (Inklusion in Bildung möglichst Vieler) unmöglich. Denn, verorten wir die Verantwortung des Problems bei den Eltern, können wir nur dort (bei Ihnen) etwas ändern. Wie soll so etwas möglich sein: rechtlich, ethisch, personell, ökonomisch?

    Diese Haltung läuft also in der Umsetzung ins Leere, oder anders gesagt, sie wahrt den Status Quo.

    Schwarz argumentiert hier auf der Ebene der Struktur. Warum tut er das? Nun, ich glaube, dass er genau da ansetzt, wo gesellschaftlich und politisch Handlungsspielraum vorhanden ist.

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    Antwort auf "Doch, liegt es."
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    Ich will Sie nicht beleidigen, aber Ihr Schreibstil ist ohne Zweifel der ärgerlichste, dem ich auf diesem Forum jemals begegnet bin.

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