GerechtigkeitDumm macht arm

Wer das soziale Gefälle verkleinern will, muss in Bildung investieren.

Deutschland wird ungerechter. An diesem Urteil führt nach den neuesten Zahlen des Armutsberichtes der Bundesregierung kein Weg vorbei. Denn der Bericht dokumentiert: Die Reichen werden auch in der Krise reicher, die Armen ärmer. Bei den einen wächst das private Vermögen. Die anderen können mitunter sogar durch einen Vollzeitjob ihre Familie nicht mehr ohne staatliche Hilfe ernähren. Kurz: Deutschland verteilt um, und zwar von unten nach oben. Das ist politischer Sprengstoff. Zumal in diesem Land ja sowieso das Gefühl zunimmt, für die Finanzkrise bluteten immer die Falschen.

Trotzdem würde man es sich mit der puren Wiederbelebung klassischer Umverteilungspolitik zu leicht machen. Höhere Einkommens- und Erbschaftsteuern für die Wohlhabenden, endlich eine Transaktionssteuer gegen die Spekulation oder Mindestlöhne zur Unterstützung von Geringverdienern wären ja nicht falsch. Aber sie änderten nichts an einer entscheidenden Ursache des Problems: der mangelnden Bildung der Armen.

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Der Bericht der Bundesregierung wie auch eine Reihe anderer Studien belegen: Ob jemand arm bleibt oder reich wird, liegt ganz entscheidend an seiner Ausbildung. Wer sich bildet, dem geht es in diesem Land ganz gut. Wer aber als Kind nichts gelernt hat, der holt das später nur schwer auf und bleibt arm bis ins Rentenalter. Die Ungelernten mit den einfachen Jobs leiden unter der globalen Konkurrenz, ihre Löhne stagnieren. Dieses Schicksal trifft überproportional oft Migranten und Schulabbrecher, aber auch Mütter, die lange nicht gearbeitet haben.

Wer das ändern will, wer Chancen gerechter verteilen und mehr Menschen in diesem Land ein gutes Leben ermöglichen will, der muss in Ausbildung investieren, und zwar großzügig. Er muss Geld in die Kitas stecken, die Sprachausbildung für Migrantenkinder ausbauen, die Weiterbildung im Job erleichtern, den Wiedereinstieg der Mütter fördern.

Ein bisschen von alledem geschieht schon. Und man kann sogar die ersten, zarten Erfolge dokumentieren: Die Zahl der Schulabbrecher sinkt, Migranten mittleren Alters sind gebildeter als ihre Eltern, und die Beschäftigung liegt auf einem Höchststand. Das alles reicht bei Weitem nicht, zumal das augenblickliche Jobwunder auch viel mit der deutschen Sonderkonjunktur zu tun hat. Doch noch etwas anderes stimmt vorsichtig optimistisch: Die Kanzlerin redet heute oft und gern über Bildungsfragen, die Sozialdemokraten haben das Thema für ihren Wahlkampf entdeckt. Auf einem Kongress ließen sie am vergangenen Wochenende über Gerechtigkeit zunächst Bildungsexperten reden. Und das ist gut: Einen interessanten politischen Streit über den besten Weg in die Bildungsrepublik, den brauchen wir jetzt.

 
Leser-Kommentare
  1. Viel wichtiger aber: Arm macht dumm.
    Und hier stellt sich die Frage, ob dies nicht vielleicht sogar gewollt ist. Denn ein Volk von dummen Bildzeitungslesern und RTL-Sehern läßt sich leichter manipulieren und lenken, als ein gebildetes und aufgeklärtes Volk.In Zeiten des erstarkenden Finanzkapitalismus kann dies durchaus von Bedeutung sein. Zudem erklärt dies, wieso in der heutigen Zeit die Rolle der Religion wieder so in den Vordergrund gespielt wird. Als "Opium für Arme" ist Religion ja bestens bewährt.
    Mit diesen Hilfsmitteln können kleine Gruppen im Hintergrund umso besser ihre schmutzigen Geschäfte zur Befriedigung ihrer Gier betreiben.

    4 Leser-Empfehlungen
  2. "wieso weshalb warum? - Wer nicht fragt bleibt dumm"
    Wenn man diesen Satz, sowie diesen Artikel liest könnte man meinen, dass Menschen dumm geboren werden und insbesondere Kinder von Geburt aus dumm sind.
    Wie Menschenverachtend ist das denn bitte? Glauben Sie wirklich das akademisches Wissen Menschen intelligent macht? Das auswendiglernen von Zahlen und Wörtern soll schlau machen? Wenn das so wäre müsste die Welt ja ein wunderbarer Ort sein.
    Dass dies nicht der Fall ist kann man sehen, wenn man sich anschaut was die sogenannte Bildungselite so treibt.
    (Hochmut kommt vor dem Fall)Zur Intelligenz gehört aber eben viel mehr als nur Zahlen und Wörter auswendig lernen. Es existiert auch sowas wie eine gesisse "Geistessschärfe". Die hilft dabei Zusammenhänge zu erkennen und Systeme zu durchschauen. So etwas lernt man nicht in der Schule sondern im Leben.Gleiches gilt für moralisches Verhalten und Vernunft.
    Menschen als dumm zu stigmatisieren blos weil sie vielleicht nie die Chance erhalten haben sich eine Höhere Bildung anzueignen...
    Ja das passt zur heutigen Mentalität. Wer mit Geld um sich werfen kann und ein dickes Auto fährt muss schlau sein, denn der hat es sich ja durch seine "(Bildungs-)Leistung verdient...ohne Worte...

    3 Leser-Empfehlungen
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    Selbstverständlich ist Bildung etwas anderes als Intelligenz. Bildung ist aber erstens wichtig, und zweitens das einzige, auf das Erziehung Einfluss nehmen kann. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    man kann jedes noch so große geistige potential verblöden, in dem man es von wissen und denken fernhält.
    bildung und intelligenz lassen sich nicht so einfach voneinander trennen.

    Selbstverständlich ist Bildung etwas anderes als Intelligenz. Bildung ist aber erstens wichtig, und zweitens das einzige, auf das Erziehung Einfluss nehmen kann. [...]

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    man kann jedes noch so große geistige potential verblöden, in dem man es von wissen und denken fernhält.
    bildung und intelligenz lassen sich nicht so einfach voneinander trennen.

  3. ...oder dumm gemacht und bekommen keine Chancen.
    Deutschland ist das Land, in dem die Herkunft die Möglichkeiten an Bildung und Berufseinstieg maßgebend bestimmt.-Mehr als in anderen europäischen Ländern.
    'Ein BWLer mit Promotion (summa cum laude) aus einer wohlhabenden Familie hat 10x höhere Chancen Karriere zu machen als ein BWLer mit Promotion (summa cum laude) aus einer Arbeiterfamilie.' H. J. Bontrup

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  4. Selbstverständlich ist Bildung etwas anderes als Intelligenz. Bildung ist aber erstens wichtig, und zweitens das einzige, auf das Erziehung Einfluss nehmen kann. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

  5. man kann jedes noch so große geistige potential verblöden, in dem man es von wissen und denken fernhält.
    bildung und intelligenz lassen sich nicht so einfach voneinander trennen.

    • a.p.
    • 08.03.2013 um 10:13 Uhr

    Titel wie Artikel sind gleichermaßen falsch und ungerecht und bestätigen das, was in Deutschland Konsens zu sein scheint: Einfache Arbeit ist nichts wert und muss auch nicht so entlohnt werden, dass die Menschen davon leben können, geschweige denn gut leben können. Dass über 4 Millionen Menschen in Deutschland weniger als 7 Euro Brutto (!) die Stunde verdienen, während man in einer Stadt wie München oder Hamburg auch von 10 Euro brutto die Stunde nicht sorgenfrei leben kann, obwohl sich die Menschen 40h die Woche abplacken in Berufen, die als solche wahrscheinlich weniger erfüllend sind als für die Zeit zu schreiben - all dies und noch viel mehr will die Autorin offenbar gar nicht sehen. Wer mehr will, der soll sich eben qualifizieren. Natürlich ist Bildung ein Schlüssel für ein besseres und erfüllteres Leben und es muss endlich etwas passieren, damit unser Bildungssystem gerechter wird und allen, auch dem HArtz IV Kind den Weg zur Uni ermöglicht, aber es wird immer Menschen geben und wir werden immer Menschen brauchen, die einfache Arbeiten erledigen und deswegen doch nicht dumm sind!! Dass diese für ihre Leistung nicht angemessen entlohnt, nicht wertgeschätzt und auch noch stigmatisiert werden, ist eine schreiende Ungerechtigkeit! Die Verfasserin sollte sich schämen, diese Vorurteile unreflektiert zu reproduzieren.

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