DIE ZEIT: Herr Muskiet, Sie arbeiten als Purser für die KLM. Unterwegs suchen Sie an freien Tagen oft die Büros anderer Fluggesellschaften auf und fragen nach Stewardessen-Uniformen für Ihre Sammlung. Wie reagieren die Kollegen anderer Airlines auf Ihre Sammelleidenschaft?

Cliff Muskiet: Für mich ist das ein unschuldiges Hobby. Aber manche Fluggesellschaften sehen das offenbar anders – besonders japanische und chinesische. Auf Mail-Anfragen reagieren die erst gar nicht. Und wenn ich vorbeischaue, heißt es, die Abgabe einer Uniform sei gefährlich. Ein Fremder, entsprechend eingekleidet, könne eines der Flugzeuge betreten und Menschen entführen. Ich habe einen Stewardessen-Hut von Japan Airlines aus den siebziger Jahren, und mir fehlt die Uniform dazu. Es scheint aber aussichtslos, über die Fluglinie dranzukommen. Das ist frustrierend.

ZEIT: Immerhin haben Sie schon 1134 Stewardessen-Uniformen von 443 Airlines, allesamt dokumentiert auf Ihrer Website Uniformfreak.com . Was war Ihr letztes Erfolgserlebnis?

Muskiet: Vor ein paar Wochen war ich in Angola. KLM hat die Strecke nach Luanda erst kürzlich aufgenommen. Normalerweise arbeite ich auf Flügen nach Amerika oder Asien. Für Luanda habe ich mich extra beworben, weil ich noch keine angolanische Uniform besaß. Und es ist mir tatsächlich gelungen, ein komplettes Outfit von Angola Airlines zu bekommen. Diese Mission ist erfüllt.

ZEIT: Da hat Sie keiner komisch angeguckt?

Muskiet: Nein, ich betrat das Büro in meiner KLM-Uniform, zeigte Fotos aus meiner Sammlung, ein paar Artikel aus der Presse, schließlich meine Website. Das überzeugt meistens.

ZEIT: Es geht Ihnen nur um den weiblichen Dress?

Muskiet: Kleidung für Männer finde ich langweilig. Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, das ist es in der Regel. Stewardessen-Uniformen sind viel verspielter, haben mehr Accessoires.

ZEIT: Was macht für Sie eine schöne Uniform aus?

Muskiet: Ein Hut ist das Sahnehäubchen jeden Outfits. Besonders die Pillbox-Hüte aus den sechziger Jahren gefallen mir. Damit sticht eine Frau aus der Masse hervor. Die Sechziger waren überhaupt eine spannende Zeit, es gab Uniformen in verschiedenen Farben, in Gelb, Orange, Lila. Es gab kurze Röcke, lange Röcke, Hosen, Hütchen...

ZEIT: Besonders Braniff International scheint experimentierfreudig gewesen zu sein.

Um die Uniformen aus der Sammlung von Cliff Muskiet zu sehen, klicken Sie bitte auf das Foto.

Muskiet: Deren Uniformen sind besonders. Die Outfits waren bunt, fast psychedelisch und sind heute so etwas wie Sammlerstücke. Für Stewardessen waren die Uniformen gewagt. Aber in den späten sechziger Jahren ging es noch darum, hauptsächlich männliche Kunden anzulocken.

ZEIT: Heute ist alles dezenter geworden?

Muskiet: Ja, viele Flugbegleiterinnen gleichen einander. Blaue Kostüme, weiße Blusen, goldene Knöpfe am Ärmel. In den USA unterscheiden sich American Airlines oder United kaum mehr.

ZEIT: Haben Sie eine Erklärung für das viele Blau?

Muskiet: Blau ist eine einfache Farbe, sie passt zu blonden wie brünetten Typen, wirkt professionell, und wenn Kaffee verschüttet wird, sieht man die Flecken nicht so stark wie bei helleren Farben.

ZEIT: Sie sammeln Uniformen aus allen Jahrzehnten. Welche Trends können Sie ablesen?

Muskiet: In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren kamen kurze Röcke oder Hosen in Mode. In den achtziger Jahren gingen die Röcke wieder bis über die Knie, die Jacketts wurden in den Schultern breiter. Ab den neunziger Jahren durften Frauen die Röcke erneut höher tragen, dafür verengten sich die Schultern. Insgesamt haben sich die Stoffe sehr verbessert. Früher war fast alles aus Polyester – ein extrem brennbares Material. Heute dominieren Wolle oder Baumwolle.

ZEIT: Sehen Sie regionale Besonderheiten?

Muskiet: Wenige. Im Nahen Osten gibt es Airlines wie Emirates, wo Stewardessen einen kleinen Schleier an den Hüten haben. Im Fernen Osten tragen Frauen bei Singapore und Malaysia Airlines eine Art Sarong – bodenlange Röcke, die typisch für die Länder sind.

ZEIT: Wie hat es eigentlich begonnen mit Ihrer Uniform-Obsession?

Muskiet: Über meine Begeisterung für die Luftfahrt. Seit meiner Kindheit sammle ich alles, was mit Fliegen zu tun hat. Uniformen von Polizistinnen oder Schiffs-Stewardessen würden mich nicht die Bohne interessieren.