Ich laufe regelmäßig, ich bin gar nicht schlecht darin. Ich bin sogar einigermaßen schnell. Manchmal allerdings denke ich, dass ich deshalb so ein hohes Tempo vorlege, weil ich es schleunigst hinter mich bringen will.

In Berlin ist das Laufen ja keine Angelegenheit, die man in weitläufigen Parks betreiben könnte. Man muss sich auf staubige Straßen beschränken, hastet zwischen Menschen durch, die sich gerade nicht sportlich betätigen, und fühlt sich ein bisschen wie ein schwitzender Außerirdischer. Dabei drängen sich zwei große Modethemen auf: kurze Hosen und Laufschuhe .

Während der Sneaker sich immer weiter in Richtung eines Modeartikels verfeinert hat, wurde der Laufschuh zu einer Art Maschine. Es begann wohl in den achtziger Jahren mit dem Nike Air, einem Laufschuh, der im Fersenbereich ein sichtbares Luftkissen hatte. Fortan sahen Laufschuhe aus wie Roboterfüße aus einem Transformers- Film. Da der klassische Sneaker zum bürotauglichen Accessoire wurde, musste der Laufschuh umso vehementer unterstreichen, dass er ein Sportgerät ist: mit Dämmgummis in Neonfarben und einem Sohlenprofil, das aussehen sollte, als ob es den Boden förmlich fräße. Nun allerdings gibt es auch Laufschuhe, die modischen Aspekten genügen. Der belgische Designer Raf Simons entwirft schon seit einigen Jahren welche in Zusammenarbeit mit dem Sportschuhhersteller Asics. Große Modemarken nehmen sich des Themas an. Gerade hat Giorgio Armani mit seiner Sportmarke EA7 Laufschuhe vorgestellt, die mit einem neuen Karbon-Dämpfungssystem ausgestattet sind – dabei aber durchaus elegant aussehen. Damit wurde sogar die italienische Olympia-Mannschaft ausgestattet. Der Laufschuh ist gewissermaßen auf dem Weg in die Mode.

Neulich konnte ich ein Paar weißer Armani-Joggingschuhe ausprobieren. Ob man darin wirklich schnell ist, kann ich aber nicht sagen. Ich bin einfach ungemein entspannt gelaufen – eigentlich bin ich fast geschlendert durch die Straßen der Stadt. In den Park traut man sich damit nicht mehr, aus Angst, man könnte die Schuhe schmutzig machen.

Ungelöst bleibt jetzt nur noch das Problem mit den kurzen Hosen. Vielleicht laufe ich einfach weiter, bis ich andere Beine habe.