StilkolumneEcht guter Lauf

Tillmann Prüfer über Joggingschuhe. von 

Ich laufe regelmäßig, ich bin gar nicht schlecht darin. Ich bin sogar einigermaßen schnell. Manchmal allerdings denke ich, dass ich deshalb so ein hohes Tempo vorlege, weil ich es schleunigst hinter mich bringen will.

In Berlin ist das Laufen ja keine Angelegenheit, die man in weitläufigen Parks betreiben könnte. Man muss sich auf staubige Straßen beschränken, hastet zwischen Menschen durch, die sich gerade nicht sportlich betätigen, und fühlt sich ein bisschen wie ein schwitzender Außerirdischer. Dabei drängen sich zwei große Modethemen auf: kurze Hosen und Laufschuhe .

Anzeige
Die EA7 »C-Cube Corsa« von Giorgio Armani, 165 Euro

Die EA7 »C-Cube Corsa« von Giorgio Armani, 165 Euro  |  © Peter Langer

Während der Sneaker sich immer weiter in Richtung eines Modeartikels verfeinert hat, wurde der Laufschuh zu einer Art Maschine. Es begann wohl in den achtziger Jahren mit dem Nike Air, einem Laufschuh, der im Fersenbereich ein sichtbares Luftkissen hatte. Fortan sahen Laufschuhe aus wie Roboterfüße aus einem Transformers- Film. Da der klassische Sneaker zum bürotauglichen Accessoire wurde, musste der Laufschuh umso vehementer unterstreichen, dass er ein Sportgerät ist: mit Dämmgummis in Neonfarben und einem Sohlenprofil, das aussehen sollte, als ob es den Boden förmlich fräße. Nun allerdings gibt es auch Laufschuhe, die modischen Aspekten genügen. Der belgische Designer Raf Simons entwirft schon seit einigen Jahren welche in Zusammenarbeit mit dem Sportschuhhersteller Asics. Große Modemarken nehmen sich des Themas an. Gerade hat Giorgio Armani mit seiner Sportmarke EA7 Laufschuhe vorgestellt, die mit einem neuen Karbon-Dämpfungssystem ausgestattet sind – dabei aber durchaus elegant aussehen. Damit wurde sogar die italienische Olympia-Mannschaft ausgestattet. Der Laufschuh ist gewissermaßen auf dem Weg in die Mode.

Neulich konnte ich ein Paar weißer Armani-Joggingschuhe ausprobieren. Ob man darin wirklich schnell ist, kann ich aber nicht sagen. Ich bin einfach ungemein entspannt gelaufen – eigentlich bin ich fast geschlendert durch die Straßen der Stadt. In den Park traut man sich damit nicht mehr, aus Angst, man könnte die Schuhe schmutzig machen.

Ungelöst bleibt jetzt nur noch das Problem mit den kurzen Hosen. Vielleicht laufe ich einfach weiter, bis ich andere Beine habe.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • splash
    • 24. September 2012 9:31 Uhr

    Bitte lasst uns beim Sport weiterhin verschwitzt, fertig, oder einfach „scheiße“ aussehen! Dieses Modellgehabe beim Sport nimmt Formen der absoluten Lächerlichkeit an. Funktionalität vor Schönheit, meine Schuhe müssen funktionieren, aussehen ist drittrangig! Klar es gibt für alles Fetischisten und Satussymbolsammler, aber jetzt auch schon beim Laufen?
    Kurze Hosen sehen generell nicht gerade vorteilhaft aus, aber Sie ziehen diese Hose nicht an, um anderen Mitmenschen Ihren Geschmack unter die Nase zu reiben, sondern Ihren Körper zu bewegen, und zwar mit einer solchen Intensität, dass eine lange Hose Ihre Leistung beeinträchtigt.

  1. Die Meinung, dass diese Armani-Schuhe elegant seien, hat der Autor wohl weitgehend exklusiv. Hier nutzt Armani einfach die Möglichkeit, das Geld von Leuten anzunehmen, die unbedingt eine einigermaßen prestigeträchtige Marke auch beim Laufen tragen wollen oder sogar meinen, gut gekleidet zu sein, nur weil ihr Turnschuh "made in Italy" ist. Langfristig macht man sich so eine Marke natürlich kaputt, weswegen z.B. Burberry das Nutzen allzu plakativer Designs mittlerweile eingeschränkt hat (und Dolce und Gabbana die Untermarke D&G eingestellt haben), auch wenn es dadurch kurzfristig Kunden verliert, die zeigen wollen, dass sie eine "Marke" tragen.

  2. ...keiner, vorausgesetzt, der Fuß wird regelmäßig durch Laufen trainiert. Die Natur formt besser, als es jedes von Menschenhand geschaffene Produkt je könnte, kostenlos.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Zack34
    • 24. September 2012 10:43 Uhr

    Die Frage ist nur, wie und wie lange die Natur den Fuß für asphaltierte Wege, gegen Glasscherben und div. kl. Metalteile wappnen kann... ich vermute, mit DER Hornhaut kämen Sie in keinen einzigen Schuh mehr rein, und er sähe alles andere als elegant aus.

    • Zack34
    • 24. September 2012 10:43 Uhr

    Die Frage ist nur, wie und wie lange die Natur den Fuß für asphaltierte Wege, gegen Glasscherben und div. kl. Metalteile wappnen kann... ich vermute, mit DER Hornhaut kämen Sie in keinen einzigen Schuh mehr rein, und er sähe alles andere als elegant aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...(es gibt sogar ausgewiesene Barfußpfade) bevor man sich Samstagabend durch kneipengesäumte Innenstadtareale bewegt, barfuß, Sie werden bald keinerlei Fußwerk mehr an sich haben wollen.

    • zappp
    • 24. September 2012 11:34 Uhr

    oder warum sehe bei Sneakers und Laufschuhen vor allem die gewaltige Spanne zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis?

  3. ...(es gibt sogar ausgewiesene Barfußpfade) bevor man sich Samstagabend durch kneipengesäumte Innenstadtareale bewegt, barfuß, Sie werden bald keinerlei Fußwerk mehr an sich haben wollen.

    Antwort auf "Theorie und Praxis"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie haben ja recht (habe in meiner Jugend auch ein paar Barfußsommer verbracht), aber das kann man vielleicht als Freiberufler in Berlin lebend machen, oder man hat ein sehr dickes Fell. Als Barfußgänger gilt man nämlich vielerorts automatisch als Penner. Gehen Sie mal barfuß durch Stuttgart, da werden Sie sogar von Schulkindern angepöbelt. Und als Angestellter gehts natürlich gleich gar nicht.

  4. Sie haben ja recht (habe in meiner Jugend auch ein paar Barfußsommer verbracht), aber das kann man vielleicht als Freiberufler in Berlin lebend machen, oder man hat ein sehr dickes Fell. Als Barfußgänger gilt man nämlich vielerorts automatisch als Penner. Gehen Sie mal barfuß durch Stuttgart, da werden Sie sogar von Schulkindern angepöbelt. Und als Angestellter gehts natürlich gleich gar nicht.

  5. . . .denke ich, im armani design. Sehr schön, gesünder für Knie - und Hüftgelenke wird das Laufen auf harte Oberflächen dadurch nicht. Aber mit einer eleganten Kleidung zu diesen und anderen armani-Sportschuhen hat man die Chance besser auszusehen. Bin bis zum Jahr 2000 jahrelang regelmässig gelaufen und sollte dadurch ja total gesund sein. Dann betrachtete ich mich und andere Läufer mal genauer. Wir sahen aber nicht so aus, wir waren mager, unproporptierte Körpersymetrie, verschwitzte und blasse Haut, ausgezehrte Gesichter. Die in der, manchmal ewigen ;-), Abnehmphase waren nicht mager, zugegeben. So trabten wir durch den Marathon, Schmerzen hin oder her. Neee, jetzt gehen für mich ( fast ) nur noch sitzende Sportarten: Rennradfahren und MuckiBude. Beim ersteren hat man die gewünschte Eleganz, trotz Schweiß, beim letzteren die besseren Proportionen. Und keine Schmerzen. Aber, nun ja, damals hätte mir auf einem Marathon damit auch keiner kommen können. Manchmal mache ich noch Bergwandern, Hiking nennt man es jetzt wohl auch.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Stilkolumne
  • Schlagworte RAF | Film | Accessoire | Giorgio Armani | Mode | Stadt
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service