Offshore-Plattformen»Ein Riesenarbeitsmarkt«

Für den Bau von Offshore-Plattformen sind Qualitätsmanager sehr gefragt. von Alexandra Werdes

In Halle B4 auf der Schiffbaumesse SMM in den Hamburger Messehallen liegen in diesem Jahr Freud und Leid nah beieinander: Nach einer endgültigen After-Work-Party sieht es am Biertresen der Werftengruppe P+S aus; Ende August haben die Werften in Stralsund und Wolgast Insolvenz angemeldet. Am Messestand direkt nebenan dagegen präsentiert die Werftengruppe Nordic Yards in einem Glaskasten das Modell ihres neuesten Großauftrags: Neben Umspannplattformen für Offshore-Windparks baut die Werft nun auch ein Wartungsschiff zur Reparatur und Versorgung.

Schon im Frühjahr hat Nordic Yards mit Sitz in Wismar die Personalressourcen mit den neuen Vorhaben abgeglichen. Ergebnis: Bis zum Ende des Jahres fehlen 100 Leute, darunter 60 Ingenieure. Man könnte meinen, dass eifriges Werben notwendig ist, um diese Lücke zu füllen. Doch Personalleiter Björn Cleven schüttelt den Kopf: »Wir haben die klassischen Kanäle genutzt – die üblichen Internetplattformen wie Stepstone, vor allem aber Anzeigen in der regionalen Presse.«

Anzeige

Schon Ende Juni lagen 300 Bewerbungen auf dem Tisch, vier Monate später sind bereits drei Viertel der Stellen besetzt, zu großen Teilen von Mecklenburgern, die woanders gearbeitet haben und zurück wollen an die Küste. Nur fünf Facharbeiter fehlen noch, bei den Ingenieuren ist es nicht ganz so leicht: 20 muss Cleven noch finden. Auch deshalb ist er auf der Schiffbaumesse in Hamburg. Er wolle die Ingenieurslücke nicht kleinreden, meint Cleven. »Aber dass es ein bisschen schwerer ist, die passenden Spezialisten zu finden, ist kein Zeichen mangelnden Nachwuchses, sondern liegt an der neuen Disziplin.«

Offshore als große Chance

Das Wort »Offshore« ist auch an den Messeständen omnipräsent. Viele Werften, gerade die deutschen, die mit den Riesendocks in Asien nicht mehr mithalten können, sehen in dem neuen Markt ihre Chance. Nicht ohne Grund: Allein vor der deutschen Küste sind neben den 72 bestehenden 448 Windkraftanlagen im Bau. 8235 weitere wurden bereits genehmigt. Das beflügelt nicht nur die Hersteller von Windrädern, sondern auch eine ganze Zuliefererindustrie. »Es ist irre, wie weit man da den Bogen spannen kann«, sagt York Ilgner der beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI) den Arbeitskreis Schiffbau und Schiffstechnik leitet. »Das ist ein Riesenarbeitsmarkt.«

Wie baut man die Plattform? Wie bringt man sie vor die Küste, wie errichtet und gründet man sie?

Jede Menge Ingenieure und Techniker werden auch benötigt, um all die Anlagen am Laufen zu halten. »Mit viel Wartungsaufwand ist schon deshalb zu rechnen, weil die Erfahrung fehlt«, sagt Björn Cleven. »In Deutschland wurde der Offshore-Bereich bislang eher stiefmütterlich behandelt. Wir haben kein Öl und kein Gas, da haben die Niederländer und die Engländer einen Vorsprung.« Dafür mischen aber auch Konkurrenzländer wie Korea und China noch nicht mit.

 »Dass wir hier Neuland betreten, ist bei der Personalsuche unser Hauptargument«, sagt Cleven. Er sei selbst überrascht, wie viele junge Leute sich begeistern lassen von den erneuerbaren Energien und gerne irgendwo mitarbeiten, wo man die Welt verbessern kann. »Der Pioniergeist motiviert viele«, sagt Cleven. Offenbar nehme man den Werften auch wieder ab, dass sie Perspektiven bieten können.

Leserkommentare
  1. Besitzer einiger Offshore-Windpark-Projekte laut Wikipedia
    alpha ventus - EWE/EON/Vattenfall
    Borkum West - Trianel (Stadtwerkeverbund)
    Riffgat - EWE/ENOVA
    Nordsee Ost - RWE
    Amrumbank West - EON
    DanTysk - Vattenfall
    Sandbank24 - Wattenfall
    Albatros - STRABAG
    HeDreiht - ENBW
    Hohe See - ENBW
    ...u.s.w.
    Außerdem taucht häufig PNE Wind auf, das tatsächlich in "Streubesitz" ist
    Es gibt tatsächlich einige Gemeinschaftsprojekte. Aber haben die die besten Chancen? Die Großkonzerne scheinen auf jeden Fall viele Projekte aufzukaufen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die ist aber auch klar, dass die großen vier genauso Onshore Windparks aufkaufen können?

    Mit scheinen, könnten und würde ist leider nicht viel zu erreichen. Klar, werden die großen Energiekonzerne bei den Offshore einsteigen. Die werden um ihre Marktanteile kämpfen. Multibrid wurde auch von Areva gekauft. Aber darum geht es nicht. Es geht um Konkurrenz und die ist zur genüge vorhanden.

  2. EON 1x
    Vattenfall 3x
    EnBW 4x
    RWE 3x

    Insgesamt 11x in einer Liste mit über 100 Einträge würde ich nicht öfters nennen.

    Sicher werden die in den einem oder anderen Verbund mitwirken. Tun sie ja auch bei Alpha Ventus. Aber eine zZementierung der großen Energiekonzerne durch die Offshore Windparks ist einfach nicht gegeben.

    Antwort auf "Namen..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... einige Projekte wurden anscheinend inzwischen verkauft, z.B. Albatros und Sandbank 24.
    Natürlich können die Energieriesen auch onshore-Parks kaufen. Allerdings ist bei denen das Investitionsrisiko bedeutend geringer, und die Notwendigkeit, dass der Besitzer verkaufen muss, ergibt sich gar nicht so schnell.
    Ich will gar nicht sagen, dass Stadtwerkeverbünde da gar keine Chance haben - schön wäre es, wenn es gut liefe! Aber das Risiko ist nicht unerheblich, und das nutzt am Ende am ehesten den Großen, die sich das leisten können.

  3. Die ist aber auch klar, dass die großen vier genauso Onshore Windparks aufkaufen können?

    Mit scheinen, könnten und würde ist leider nicht viel zu erreichen. Klar, werden die großen Energiekonzerne bei den Offshore einsteigen. Die werden um ihre Marktanteile kämpfen. Multibrid wurde auch von Areva gekauft. Aber darum geht es nicht. Es geht um Konkurrenz und die ist zur genüge vorhanden.

    Antwort auf "Besitzverhältnisse"
  4. ... einige Projekte wurden anscheinend inzwischen verkauft, z.B. Albatros und Sandbank 24.
    Natürlich können die Energieriesen auch onshore-Parks kaufen. Allerdings ist bei denen das Investitionsrisiko bedeutend geringer, und die Notwendigkeit, dass der Besitzer verkaufen muss, ergibt sich gar nicht so schnell.
    Ich will gar nicht sagen, dass Stadtwerkeverbünde da gar keine Chance haben - schön wäre es, wenn es gut liefe! Aber das Risiko ist nicht unerheblich, und das nutzt am Ende am ehesten den Großen, die sich das leisten können.

    Antwort auf "Öfters?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    --> Aber das Risiko ist nicht unerheblich, und das nutzt am Ende am ehesten den Großen, die sich das leisten können.

    Und genau aus diesem Grund können sich die großen Vier es garnicht erlauben, den Großteil der Windparks unter sich aufzuteilen. Wenn das Risiko nicht unerheblich ist, ist die einzige möglichkeit eine breite Streuung. Wenn nur die großen vier das Risiko alleine tragen, wird es denen sehr schlecht gehen, wenn diese sich übernommen haben.

  5. --> Aber das Risiko ist nicht unerheblich, und das nutzt am Ende am ehesten den Großen, die sich das leisten können.

    Und genau aus diesem Grund können sich die großen Vier es garnicht erlauben, den Großteil der Windparks unter sich aufzuteilen. Wenn das Risiko nicht unerheblich ist, ist die einzige möglichkeit eine breite Streuung. Wenn nur die großen vier das Risiko alleine tragen, wird es denen sehr schlecht gehen, wenn diese sich übernommen haben.

  6. und ausländische Finanzinvestoren.

    Außerdem ist Offshore Windstrom 3-4mal teuerer als an der Küste u. immerhin noch über doppelt so teuer wie in Süddeutschland. Und die nötigen, neuen Stromleitungen sind noch nicht mit eingerechnet.

    • xguido
    • 13. November 2012 18:14 Uhr

    Die Energiewende hat mitunter tödliche Folge. Nach Presseinformationen vom Frühjahr 2012 gab es auf Baustellen deutscher Offshore-Windparks bereits 80 schwere Unfälle. Drei Männer kamen dabei ums Leben – und es dürfte noch mehr Tote geben.
    Unter den Todesopfern befanden sich ein polnischer Arbeiter sowie ein schwedischer Taucher. Beide ertranken im Zuge der Errichtung der Windfarm „Bard Offshore 1“, die 120 Kilometer vor der ostfriesischen Küste bei Emden entsteht. Zudem registrierten die Behörden bislang 80 schwere Unfälle auf Baustellen in der Nord- und Ostsee.
    Blutjobs, um es mal deutlich anzusprechen werden in Ihrem Artikel angeboten. Wir sollten uns darüber mal ernste Gedanken machen!

  7. …dieselbe Solar-Dimensionen. Am Ende schau ich die Kommentare nochmal durch, ob sich ein EE-Artist findet und erklärt, wie groß die Dimensionen sind eine einzige Kilowattstunde offshore-Windstrom von all diesen Windparks zukriegen, wenn „ja!“, wie viel und wann?! Es sieht aber so aus, dass das bloß Windparks „kaufen-verkaufen“ Spekulationen sind…

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Ingenieure | Offshore-Windkraftanlagen | Karriere
Service