ItalienFiat in Not

Der angeschlagene Autobauer verlangt ultimativ Hilfe vom italienischen Staat. von 

Als EU-Wettbewerbskommissar kämpfte Italiens Premier Mario Monti für den freien Markt. Auch mit dem Volkswagen-Konzern legte er sich an. Jetzt holt die Vergangenheit Monti ein: Fiat-Chef Sergio Marchionne fordert vom Regierungschef Steuererleichterungen und Staatszuwendungen für Kurzarbeiter. Im Gegenzug verspricht Fiat, nicht in die USA abzuwandern und in Italien zu bleiben, keines seiner fünf Werke soll geschlossen werden. Jedenfalls vorerst. Auch von einem möglichen Verkauf der Edelmarke Alfa Romeo an VW will der Turiner Konzern nichts wissen.

Mit 23.700 Beschäftigten ist die Fiat-Autosparte der größte private Arbeitgeber Italiens, hinzu kommen 80.000 Arbeitsplätze in der Zulieferindustrie. Doch es kriselt bei den Autobauern. Der italienische Markt ist eingebrochen und auch im übrigen Europa verkaufen sich die Fiat schlecht. Vergangene Woche warf Marchionne Monti den Fehdehandschuh hin: Das 2010 verabschiedete Investitionsprogramm Fabbrica Italia mit mehr als 20 Milliarden Euro in fünf Jahren sei obsolet geworden. Die Regierung bestellte Marchionne und Fiat-Präsident John Elkann postwendend zum Rapport nach Rom.

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Das fünfstündige Treffen brachte nur Absichtserklärungen. »Staatliche Finanzhilfen wurden nicht angefragt. Wir hätten sie auch nicht bewilligt«, erklärte Monti. Der Premier meinte direkte Hilfen. Immerhin sollen Steuererleichterungen für den Export »sondiert« werden. Denn im US-Geschäft liegt laut Fiat die Zukunft, aus Italien sollen künftig Modelle für den 2009 übernommenen Autobauer Chrysler kommen – wenn Monti mitspielt. Dazu müssten freilich auch die Produktionskosten in Italien gesenkt werden.

Die Zukunft für die Traditionsmarke sieht düster aus. Marchionne rechnet frühestens 2014 mit etwas mehr Nachfrage. Derzeit gibt es bei Fiat Kurzarbeit, allein am Stammwerk in Turin sind 5.000 Mitarbeiter betroffen. Das Kurzarbeitergeld zahlt der Staat. Dieses läuft 2013 für die Fiat-Arbeiter aus. Um das zu verhindern, ist Monti schon jetzt gefragt. Ausgerechnet seine Regierung wird eine Sonderregel, eine Lex Fiat verabschieden müssen, um das größte Industrieunternehmen im Land zu halten. Und sei es nur als Kulisse. Birgit Schönau

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