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Deutschlands Autobauer müssen sich nach drei glänzenden Jahren auf schwerere Zeiten einstellen. von 

Besucher am Porsche-Stand auf dem Pariser Autosalon

Besucher am Porsche-Stand auf dem Pariser Autosalon  |  © Thomas Samson/AFP/Getty Images

Was hilft, wenn ein Markt nicht mehr wächst? Neue Produkte natürlich, so denken sich Europas Autobosse. Und so präsentieren sie beim Pariser Automobilsalon in diesen Tagen mehr Neuheiten als je zuvor: VW kommt mit dem Golf VII, Opel stellt seinen Mini namens Adam und den kleinen Geländewagen Mokka vor. BMW baut mit dem Paceman seine Mini-Flotte aus, Audi hält mit dem A3 Sportback dagegen, Renault kontert mit dem neuen Clio, und Citroën setzt ein kleines Cabrio drauf.

Die Liste der Neuheiten ist noch um einiges länger – aber wenn die Auguren recht haben, werden in den nächsten Monaten die Strategen in den Autokonzernen lange Gesichter machen.

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Jüngste Voraussagen wie etwa die des Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen gehen davon aus, dass die Absatzflaute in Westeuropa noch länger anhält. Zugleich verliere die bisherige Gegenbewegung – das kräftige Wachstum in Ländern wie China, den USA oder Brasilien – an Schwung. Das würde dann nicht nur die stark auf Europa fixierten Hersteller wie Opel, Renault, Fiat oder Peugeot-Citroën noch mehr in die Bredouille bringen, sondern auch die bislang scheinbar unverwundbaren weltweit agierenden Hersteller wie Volkswagen, Audi, BMW, Daimler oder Porsche betreffen.

Zwei Nachrichten von deutschen Renommiermarken aus der vorvergangenen Woche können als Hinweise auf trübere Aussichten gewertet werden. So kündigte der in den vergangenen beiden Jahren mit stolzen Zuwachsraten verwöhnte Porsche-Chef Matthias Müller vorsorglich an, dass das Absatzplus der Marke im kommenden Jahr wohl etwas geringer ausfallen werde als geplant. Und Daimler-Chef Dieter Zetsche nutzte die Vorgabe seines Stuttgarter Nachbarn gleich, um seine eigenen Versprechen zu revidieren. Man werde im zweiten Halbjahr 2012 im Pkw-Geschäft weniger verdienen als im ersten Halbjahr, kündigte er an – in der Summe werden die Gewinne beim Verkauf der Marken Mercedes-Benz und Smart damit unter dem Spitzengewinn des Vorjahres bleiben. Zuvor schon hatten Zulieferer berichtet, dass sie von VW-Managern vor einem möglichen Rückgang der Teilebestellungen von bis zu 10 Prozent gewarnt worden seien.

Dabei hatten die deutschen Automobilhersteller mit Ausnahme von Opel doch gerade allesamt noch Absatzrekorde für die ersten acht Monate gemeldet. Der Verband der Autoindustrie (VDA) in Frankfurt bestätigte vor wenigen Tagen zwar einen deutlichen Rückgang für den westeuropäischen Pkw-Markt, der aber werde »durch das Wachstum in anderen Weltregionen mehr als ausgeglichen«. Zweistellige Steigerungsraten in den USA, China und Russland bescherten laut VDA den deutschen Konzernmarken überdurchschnittliche Zugewinne. Und die beiden härtesten Mercedes-Konkurrenten, Audi und BMW, sahen bislang auch keinen Grund, ihre bisherigen optimistischen Absatz- und Gewinnprognosen zu kassieren – beide wollen hier am Ende des Jahres neue Rekorde erzielt haben.

Wie passt das alles zusammen?

Vor allem zwei Entwicklungen erklären die scheinbare Diskrepanz. Die anhaltende Absatzflaute in Europa erhöht den Druck auf die Hersteller, dies durch Verkaufserfolge in anderen Weltregionen auszugleichen, und macht zugleich Schwächen im Modellprogramm deutlich. Zudem hat im mittlerweile wichtigsten Automobilmarkt der Welt, in China, ein Preiskampf unter den Luxusautomarken begonnen, wie die Experten von Automotive News China beobachtet haben. Der aber zehrt an den bisher dort erzielten üppigen Margen, wie Insider bestätigen.

Bei Mercedes wird die Entwicklung beispielhaft deutlich. Zwar haben auch die Schwaben bis zum August weltweit mehr Autos verkauft als je zuvor, aber die Gewichte im Modellprogramm haben sich verschoben. Bei den beiden großen Modellreihen, der S-Klasse und der E-Klasse, mit denen traditionell pro Auto am meisten verdient wird, musste Daimler zuletzt Rückschläge hinnehmen. Beide stünden halt am Ende ihres Modellzyklus, erklären die Stuttgarter den nachlassenden Verkaufserfolg. Dies konnten die deutlich gestiegenen Verkäufe bei anderen Modellreihen, etwa bei den Geländewagen (M-Kasse) oder kleineren Modellen wie der B-Klasse, auf der Ertragsseite offenbar nicht vollkommen kompensieren. Und bei der mit großen Vorschusslorbeeren gestarteten kleinen A-Klasse, für die laut Daimler bereits »mehr als 50.000 Bestellungen« vorliegen, haben die Auslieferungen gerade erst in diesen Tagen begonnen. Gut, dass das Lkw-Geschäft der Stuttgarter überraschend gut läuft, sodass Zetsche und seine Mannen davon ausgehen, beim Konzerngewinn 2012 dennoch ihre avisierte Zielmarke erreichen zu können.

Beim größten deutschen Hersteller Volkswagen will man sich bislang nicht auf eine konkrete Zahl bei der Revision der optimistischen Pläne festlegen. »Wir haben das Zeug dazu, Volkswagen weiter auf Kurs zu halten«, verkündete Konzernchef Martin Winterkorn jüngst auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. Bis 2018 wolle man der beste Autohersteller der Welt werden. Dafür, dass die Flaute bald auch die Wolfsburger erreichen könnte, baute anschließend sein Finanzchef Hans Dieter Pötsch vor. Das zweite Halbjahr werde schwieriger, sagte Pötsch: »Die Rahmenbedingungen sind und bleiben herausfordernd.«

Anmerkung: Für die Online-Veröffentlichung des Textes wurden nach Erscheinen der Print-Ausgabe einige Zeitbezüge aktualisiert. (ae)

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Leserkommentare
  1. Mal so rum, 'Wo wirkt der Geist von S. Jobs' solch einen Artikel schonmal über den Erfinder des Minis gelesen? NEIN. Das ist nicht der Fehler der Presse. Der Apfel Konzern lässt sich runde Ecken und Design schützen und klagt jeden kaput der den gleichen Radius hat. Um Technik geht es da nicht. Heute ist Lego oder Puppen out, es muss ein bestimmtes smartphon sein. Ich kann heute im Smartphon sehen wo mein 'Call a Bike' steht, wo mein 'Call a car' steht, die Abrechnung ist easy. Teilweise (Smart) kanibalisiert sich da Mecedes selbst. Pedelecs, und wie in France ein Tram Boom, lassen die Jugend das Auto nicht als Object der absouten Begierde mehr sehen. Die Industrie klotzt mit PS Boliden oder bringt Winz Autos total überteuert als Kult raus.Kia, Toyota, die könnten die Kurve bekommen.
    Das das alles so nicht weitergeht ist klar. Koffer in den Zug und irgendwo in Europa bis zum Hotel oder airbnb, 'call a car' oder kaufe gleich einen Wochenpass fur Tube, Bus und Nachtaxi ist alles andere als einfach. Es geht schon. Ich mach das mit handy und dieses macht wifispot fürs netbook, dabei im schicken roten klein Rucksack nebst vielem das Frau braucht ist ein Muss, willste mal zb aus London raus, nicht easy zu planen aber geht. Immer noch gucken Leute komisch wenn ich Taxe sage, aber ich suche nicht 40 Minuten für einen Parkplatz, muss kein Anwohner parken fürchten es ist nicht zu teuer. Alles das beginnt die Auto Industrie zu spüren. Das ist erst der Anfang.....

  2. ...das wiederkehrende Gejammer kennt man zur Genüge v.a. im Schwabenland: 4000,- Euro pro Monat in Arbeiterlohngruppe 8, 7000,- Euro Jahresprämie, 21% Rabatt auf Jahreswagen, Verbilligungen aller Art von der Kantine über das Fitnessstudio bis zur Haussuche, 250000,- Euro für den vorgezogenen Ruhestand, 12-18 Millionen Jahressalär für Vorstände, 5,3 Milliarden! Sterntaler Gewinn in 2012: Da kann man einen Zulassungsrückgang von nicht einmal läppischen 2% verkraften im VDA.

    Antwort auf "schwere Zeiten ? "
    • starbug
    • 06. Oktober 2012 19:11 Uhr

    Bis vor kurzem konnte man doch lesen, dass die Absatzmärkte in Asien und USA boomen wie nie, mit steigender Tendenz. Wer hat denn da falsch recherchiert?

  3. ...Schwankungen im Markt, Marktzyklen. Noch weniger unnatürlich wenn man bedenkt, dass die "Krise" sich bisher in vielen Branchen in D gar nicht ausgewirkt hat. Gut dass unsere Autohersteller im Premium- und Nischbereich so hervorragend aufgestellt sind. Da wird trotz stagnierendem Absatz bei den "Brot und Butter" Autos immer noch gut Geld verdient. Sollte mich wundern, wenn VW, Audi, BMW und Mercedes in zwei/drei Jahren nicht noch besser da stehen, als sie es ohnehin schon tun.

  4. ... schiebt schon seit 20, 25 Jahren Überkapazitäten im Bereich von 30 Prozent vor sich her und wird immer wieder mit Steuergeldern gepäppelt (Dienstwagenregelung, Abwrackprämie, neue Vorschriften oder gleich Verstaatlichung wie im Land des freien Markts (General Motors). Die haben dank ihrer bankengleichen "Systemrelevanz" (früher nannte man das Lobbyarbeit, noch früher Korruption ...) einfach keinen Grund, sich anzupassen und wirklich innovativ zu werden.

    Eine Leserempfehlung
    • starbug
    • 08. Oktober 2012 14:41 Uhr
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "VW und BMW mit Rekorden
    09.10.2012 · Trotz der Krise in Europa vermeldet Volkswagen Rekordzahlen. Auch BMW verzeichnet ein klares Absatzplus."

    Quelle:
    http://www.faz.net/aktuel...

    Wieviele Kommentare wollen Sie denn noch unter diesen Artikel schreiben mit der Aussage, dass alles super ist?
    Im übrigen gehts im Artikel auch eher um Ausblicke für die nächsten Monate/Jahre. Die Absatzrekorde, die sie zitieren, beziehen sich auf die Vergangenheit.
    Im Übrigen sollte klar sein, dass es kein ständiges Wachstum geben kann, irgendwann hat auch die gesamte chinesische Mittelschicht Autos.
    Das Abendland wirds überleben.

  5. War das nicht nach der Abwrack-Prämie abzusehen? Damals haben sich mehr Menschen ein neues Auto zugelegt, als es nötig gewesen wäre (die Gelegenheit war halt da). Dass diese Menschen sich nicht dauernd neue Autos kaufen, ist wohl klar, oder?

    Ich habe da kein Mitleid mit. Das ist als wenn man sein Sparschwein früher killt, um dann später rumzuheulen, dass jetzt weniger drin ist... Auf die Zeit mit der Abwrackprämie gerechnet, ist der Handel wohl nicht so sehr eingebrochen wie behauptet.

    • zappp
    • 08. Oktober 2012 15:40 Uhr

    Golf VII, Opel Adam und Renault Clio mögen ja "neue Modelle" sein, aber was ist an denen fundamental neu?

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  • Schlagworte Autohersteller | Automobilindustrie | Mercedes | Audi | BMW
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