Bundeswehr-Karriere : Im Action-Camp

Die Bundeswehr darf Jugendliche nicht zum Dienst verführen.

Wie außerordentlich abgefahren sind neuerdings die Streitkräfte. »Bei der Luftwaffe auf Sardinien, (...) wo es auch im Herbst noch warm ist«, bieten sie eine »große Team Challenge« mit »Beachparty« an. Bewerben darf sich jeder, der zwischen 16 und 21 Jahre alt ist und »topfit«. Oder lieber zum Alpen-Adventure in die »coole Berghütte der Bundeswehr«?

Zum Soldatenberuf gehört Töten und Sterben dazu

Jugendsprachlich treffsicher wie eine Stalinorgel wirbt die Bundeswehr mit Unterstützung der Bravo so in Anzeigen und Internetseiten um Nachwuchs. Noch bis Ende vergangener Woche war außerdem ein Video für die »Adventure-Camps« im Netz zu sehen. Es wurde mittlerweile entfernt, angeblich, weil die Camps ausgebucht seien. Die Löschung habe, so das Verteidigungsministerium, nichts mit dem Protest von Kinderschutzgruppen zu tun. Die nämlich sehen in der ganzen Kampagne eine völkerrechtswidrige Anwerbung von Minderjährigen zum Militärdienst.

Das ist sie, bei aller Kinderliebe, nicht. Die UN-Kinderrechtskonvention verbietet das recruitment, also das tatsächliche Heranziehen von Kindern unter 15 Jahren zum Waffendienst. So gekünstelt die Empörung gegen die »BW-Action-Camps« zum Teil also sein mag, so klar entblößt sie das wahre Problem: Die Bundeswehr muss im pazifistisch grundierten Deutschland immer noch gegen einen Misstrauensvorschuss ankämpfen. Man mag ihr vorwerfen, dass sie die Imagearbeit noch übt und dabei nicht immer den richtigen Stil trifft; mit »crazy Strandspielen« und »jeder Menge Fun« für die Militärlaufbahn zu werben, dürften als Allererste diejenigen Soldaten geschmacklos finden, die in Afghanistan jeden Tag einen ganz und gar unlustigen Krieg erleben.

Die Bundeswehr führt neben Auslandseinsätzen heute aber eben auch eine Schlacht im Inneren: Seit der Abschaffung der Wehrpflicht konkurriert sie – wie jeder andere Arbeitgeber – um gute junge Leute. Sie hat es dabei schlicht deswegen ein bisschen schwerer, weil sogar Bravo- Leser ahnen, dass zum Soldatenberuf »Töten und Sterben« gehören, wie jüngst der Verteidigungsminister ganz unwerberisch feststellte. Etwas strategischer angelegte Kennenlernmethoden seien der Bundeswehr deshalb zugestanden. Sie darf dabei allerdings nicht der Verführung der Kindesverführung erliegen. Gerade weil es um Leben und Tod geht, muss ihre Werbung ehrlich bleiben. Und zur Wahrheit gehört derzeit vor allem, dass nichts cool ist in Afghanistan.

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Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

hoffen wir mal...

"einem Pädophilen der Minderjährige, mit Hilfe von Süßigkeiten ins Auto lockt."

das sie nie Hilfe von diesen Staat benötigen! Dieser Vergleich ist schon der Gürtelline.

Sie unterstellen auch der Bundeswehr das sie die Gehirne ihrer Soldaten wäscht, fakt ist man kann jederzeit aus der Bundeswehr raus auch wenn man sich befristet hat kann man alles tun gefeüert zu werden.

Treffsicher daneben

>> Was meint der Autor mit "jugendsprachlich treffsicher wie eine Stalinorgel"? Die Stalinorgel war alles andere als treffsicher. >>

Scheinbar ist er weder mit der Charakteristik einer Flächenwaffe wie der Stalinorgel noch mit Jugendsprache vertraut.
Denn die BW-Werbung wirkt allenfalls peinlich bemüht, ich würde gar von Sabotage der verantwortlichen PR-Agentur ausgehen.
Man könnte gerade meinen, der Werbespot in all seine crazy-coolness käme direkt von Oliver Kalkofe ...

Achso!

Nein dieser Vergleich ist einfach zutreffend.

Der Ausstieg aus der Bundeswehr ist oft nicht so einfach, da die potentiellen Aussteiger, dann auch auf Pensionierung und sonstige Fördermittel verzichten und sich stattdessen in unbekannte Gewässer wagen mit ungewissen Zukunft.
Deswegen würde ich behaupten, dass Viele vor dem Ausstieg, auf Grund genau dieses sozialen Druckes zurückschrecken.

Zugegeben..

dafür, dass ich "dünner Brei" fabriziere, tangiert dieser sie doch schon so stark, dass sie sich provoziert fühlen.

Ich kann mir vorstellen, warum sie so allergisch auf den Artikel und auf meine Kommentare reagieren.
Aber dies sollte ich nun für mich behalten, da sonst diese Diskussion in die Absurdität getrieben wird
Ich denke jeder Leser bekommt relativ schnell ein eigenes Bild für die Intention ihrer Kommentare.

Richtig...

99% der Personen die über die Bundeswehr dreckt verbreiten waren nie in der Bundeswehr (darunter gehören sie auch).

Ein Großteil hat nicht mal Zivi gemacht!

Alleine zwanzig Freunde und Bekannte fallen mir spontan ein die beides nicht gemacht haben, diese reden aber auch gerne so als würden sie wissen wie es in der Bundeswehr ist.

Ist aber auch typisch für diesen Sozialstaat und die "Solidargemeinschaft", ein großer Teil hat nie einen Dienst für diesen getan.

"Bundeswehr als Ausbilder und...

sicherer Arbeitgeber für mehrere Jahre". Wäre wohl die beste Werbung.

Ein Bruchteil der Bundeswehrsoldaten ist überhaupt in einer Kampf- oder Sicherungseinheit.

Die meisten sorgen für den Nachschub oder Kümmern sich um die Geräte. Man kann bei der Bundeswehr eine staatlich anerkannte Ausbildung machen oder über den Bundeswehrförderungsdienst nachholen bzw. sich sogar bilden lassen (gab es beim Grundwehrdienst).

Verführen tut niemand die Jugendlichen, das machen eher Medien wie RTL die DSDS C Promis für ein halbes Jahr suchen.

Verführung??!

Wenn hiermit geworben wird:
"Bei der Luftwaffe auf Sardinien, (...) wo es auch im Herbst noch warm ist«, bieten sie eine »große Team Challenge« mit »Beachparty«"
Wie sollte man es denn Ihrer Meinung nach anders nennen?!

By the Way die anerkannte Berufsausbildung bei der Bundeswehr ist seit mehreren Jahrzehnten Minderwertig, technisch veraltet und die Azubis sitzen mahr als 70% einfach nur ihre Zeit ab und werden nur selten praktisch tätig, da viel zuviel Personal vorhanden ist, welches aus purer langeweile lieber die Aufgaben selber erfüllt.

...und Ja! Die Argumentation beruht auf persönlichen Erfahrungen.

Die einzige Intention für das Anbieten von zivile Ausbildungsplätzen bei der Bundeswehr ist und bleibt "soldatische Nachwuchsgewinnung"

Die Realität der Langeweile

>> Diese Masche das alle bei der Bundeswehr Kampfmonster sind und alles so so schlecht ist das können sie gerne verbreiten, mit der Realität hat das aber leider nichts zu tun. >>

Wie sieht die Realität denn bei der BW aus?
Völlig langeweilig. Absitzen der Zeit.
Alle nennenswerten "Erlebnisberichte" die ich von Ex-BWlern kenne, drehten sich dann auch darum, mit möglichst skurillen und kreativen Mitteln, gegen diese Dienst-Öde anzukämpfen.

Und wer spricht hier von "Kampfmonstern"?
Sie doch nur.
Den blutrünstigen Einzelkämpfer, der seine Gegner mit dem Göffel skalpiert, werden sie in der BW kaum finden.
Wohl aber Idioten und Mitläufer, denen man das selbstständige Denken abgewöhnt hat und die geistig nicht mehr fähig sind, über Sinn und Unsinn von Befehlen zu reflektieren.
Und um Hierachien, Disziplin, Gehorsam und Waffen toll zu finden, muss der Soldat auch kein Falli oder Panzergrenadier sein.

Denn zur Aufstandsbekämpfung (gerne auch im Inneren) braucht es keine "Kampfmonster", da tuts auch ein "erlebnisorientierter" Logistiker mit G36, der es geil findet, ungestraft Macht mit Zwangsmitteln über andere (unbewaffnete) ausüben zu können.

Es geht nicht um Kampfkraft, sondern um Verstand und Gewissen!

Was für Wirtschaftsinteressen??

So etwas unsachliches und falsches liest man hier selten. Wo wird die Bundeswehr denn im Ausland eingesetzt? Hauptsächlich im Kosovo, in Bosnien und in Afghanistan. Was sollen denn in solchen Ländern bitte für Witrschaftsinteressen hinter stehen? Wissen sie überhaupt, was so ein Auslandseinsatz den staat kosten? Einen dieser Einsätze aus ökonomische Gründen zu führen, wäre völliger Schwachsinn, all diese Länder sind wirtschaftlich unbedeutend und werden es auf absehbare Zeit bleiben. Wirtschaftliche Motive für Auslandseinsätze der Bundeswehr zu unterstellen, ist für mich daher nicht im Geringsten nachvollziehbar.

Re: Wirtschaftsinteressen

So dürfen sie das nicht sehen, natürlich sind oft die Aufmarschgebiete manchmal wirtschaftlich uninteressant, aber um einen Kontinent zu stabillisieren, damit die eigenen Interessen verwirklicht werden können bzw. erhalten bleiben, muss auch mal in einer unwirtlichen Gegend gekämpft werden.

Tja, Ruanda hatte eben Pech, da haben wir dem Abschlachten von Mio. Kindern, Frauen und Männern zugeschaut, hätte sich wirtschaftlich nicht gelohnt dort Brunnen und Mädchenschulen zu errichten. (Shame)

Weil, den Afrikanischen Kontinent, den haben wir, der so "glorreiche Westen", ja schon fest im wirtschaftlichen Würgegriff.

Zum Anwerbeverfahren muss ich sagen das ist einer Bundeswehr nicht würdig, die schlechten Rekrutierungszahlen mit Anlocken von Schülern durch "falsche Tatsachen" zu kompensieren.

Bw ist kein "Freizeitspass" !

Interessen?

Am Horn von Afrika geht es um die militärische Sicherung ungestörten Passierens privater Frachter. Was Afghanistan angeht, können Sie sich gerne über Drogenexporte und Pipelinerouten informieren und im Kosovo finden Sie mit die größte Dichte an verwertbaren Bodenschätzen in ganz Europa. Im Übrigen: Jede Patrone, die verschossen wird, muss nachproduziert werden. Wer ist weltweit der drittgrößte Waffenexporteur? Noch Fragen?