Smart E-BikeVon A nach B

Tillmann Prüfer fährt mit dem "smart electric bike" von seiner Wohnung zum Zahnarzt. von 

Das Smart E-Bike

Das Smart E-Bike  |  © Hersteller

Mein Vater ist Zahnarzt von Beruf, das macht einige Dinge im Leben leichter und einige schwerer. In meiner Jugend war es sehr angenehm, dass ich so viele Süßigkeiten essen durfte, wie ich wollte. Während die Eltern anderer Kinder stets vor den Bösewichtern Karies und Baktus gewarnt wurden, war mein Vater reichlich unbesorgt um meine Zähne. All die Löcher in meinem Gebiss konnte er ja schnell wieder flicken, so wie andere Eltern vielleicht die Löcher in den Hosen ihrer Kinder flicken konnten. Ich trug bald allerlei Amalgamfüllungen in den Zähnen, einige davon habe ich heute noch.

Der Nachteil ist, dass man sich nur schwer daran gewöhnt, dass man irgendwann auch mal zu einem anderen Zahnarzt gehen muss als zum eigenen Vater. Den eigenen Erzeuger lässt man gerne in die Mundhöhle schauen und dort auch Reparaturen vollführen. Gewissermaßen ist das ja einfach eine Revision. Anderer Kinder Väter an meine Zähne zu lassen fällt mir hingegen sehr schwer. Aber mein Vater wohnt in Darmstadt , ich in Berlin , das ist einfach zu weit weg. Also ist der Weg zum Zahnarzt für mich kein einfacher. Ich zittere vor dem fremden Bohrer. Als ich mich aber auf das "smart electric bike" von Mercedes setze, um diesen Weg trotzdem auf mich zu nehmen, ist mein Vater plötzlich doch irgendwie da.

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Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Das Smart-Bike hat einen kräftigen Elektromotor. Und sobald ich an der Ampel in die Pedale trete, schiebt er mich regelrecht nach vorn. So viel Schwung habe ich, dass ich flugs über die Kreuzung drüber bin: 25 Stundenkilometer zu erreichen ist ein Leichtes. Dieses Gefühl hatte ich bislang nur einmal im Leben: Als mir mein Vater Fahrrad fahren beibrachte. Er rannte neben mir her, die Hand zwischen meinen Schulterblättern, und schob mich an. Dabei rief er: "Treten, du musst kräftig treten, du schaffst das schon!"

Es dauerte lange, bis ich verstand, dass Fahrrad fahren normalerweise nicht bedeutet, dass die ganze Zeit jemand nebenherläuft und schiebt. Das Smart-Bike versetzt mich wieder in diesen Zustand kindlicher Gelassenheit. Es ist, als ob mein Vater mir Mut gibt, als ob er neben mir "Du schaffst das!" brüllt. Voller Zuversicht sause ich zum Zahnarzt. Der wundert sich ein bisschen über die alten Amalgamfüllungen, meint aber, die seien noch top. Als ich wieder aus der Praxis trete, sehe ich, dass mir jemand die Luft aus dem Rad gelassen hat. Berlin eben. Man muss aufpassen, wo man einen Mercedes rumstehen lässt.

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Reifengröße: 26 Zoll
Gewicht: 26,1 Kilogramm
Motor: 250 Watt
Akku-Reichweite: 100 Kilometer
Schaltung: 3-Gang-Nabenschaltung
Kraftübertragung: Zahnriemen
Bremsen: hydraulisch
Basispreis: 2.849 Euro

Tillmann Prüfer ist Style Director des ZEITmagazins

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Leserkommentare
  1. ... doch die "günstigere" Entscheidung:
    Mit 26kg ist dieses "Smart-Bike" als Freizeit-Rad ordentlich übergewichtig. Sportliche Pedelecs liegen bei gut 19kg. Als Einkaufsrad taugt das Ding ohne Gepäckträger ja eh' nicht.
    (Der liegt - wenn lieferbar - dann womöglich gut 3-stellig in der Aufpreisliste)
    Mit "nur" 3 Gängen taugt das Smart-Pedelec ja auch nicht für längere Ausflüge in hügligem Gelände. Eine zumindest 5- oder 11-Gang Nabenschaltung wäre wünschenswert, allerdings ist das Ding mit einem Preis von 2.849€ schon reichlich überteuert für das Gebotene.

  2. Ich glaube ich hab langsam genug über Pedells etc. auf zeit.de gelesen. Können Sie bitte in Zukunft für andere Sachen Werbung machen?

  3. Trotz meiner ausgeprägten Vorbehalte gegenüber Pedelecs (IMO ist das was für Leute mit Handicap) finde ich dieses Teil ganz gut. Ich habe es in Kassel mal probieren dürfen. Im Gegensatz zu anderen Modellen wirkt es "aus einem Guss". Der Motor ist kräftig und der Rahmen ist endlich mal richtig steif - er nimmt die Kräfte des starken Antriebs und der super Bremsen auf, ohne sich zu verwinden. Der Akku hat auch mehr Reichweite als die Konkurrenz.

    • zappp
    • 01. Oktober 2012 18:30 Uhr

    Vor allem wurde einiges an Funktionalität dem Design untergeordnet. Die Abkehr vom konventionellen Diamantrahmen macht das Rad nur unnötig schwer, wie man an der massiven (Pseudo-) Hinterradaufhängung sieht. Der Lenker ist nicht höhenverstellbar. Eine Version mit tiefem Durchstieg fehlt, für Damen wie für Senioren. (Häßliche) Schutzbleche und Gepäckträger nur gegen Aufpreis. Die Kettenlinie ist weit außen, man sitzt extrem breitbeinig auf dem Rad, was für eine optimale Kraftentfaltung nicht ideal ist. Für die Bedienung des Antriebs muss man die Hand vom Lenker nehmen. Die Beschränkung auf drei Gänge bedeutet, dass der Elektromotor bei nicht optimaler, zu hoher Gangwahl mehr arbeiten muss und entsprechend viel Strom zieht. Und wozu hat ein Pedelec mit Riesenakku einen bremsenden Nabendynamo?

  4. 5. Egal,

    obs unpraktisch ist, Hauptsache die Optik stimmt. Leider macht Mercedes das Gleiche bei den Autos. Nach hinten rechts sieht man fast gar nichts und gefährdet so beim Rechtsabbiegen die Radfahrer. Aber was soll man von solche fortschrittsfeindlichen Firmen schon erwarten.

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  • Schlagworte Mercedes | Aluminium | Elektromotor | Eltern | Erzeuger | Fahrrad
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