"Der Turm"Und nun alle: "Sozialismus"

Zum Tag der Einheit ist Uwe Tellkamps Erfolgsroman "Der Turm" als TV-Spektakel zu sehen. von Alexander Cammann

Erzählt euch eure Geschichten, eure Biografien: Seit mehr als zwanzig Jahren nun hören die Deutschen diese Aufforderung aus mahnenden Politikermündern. Der Sinn des Appells entstand durch eine andere, ebenso klangvolle wie nebulöse Rede, oft vorgetragen zum wieder anstehenden Nationalfeiertag: die von der inneren Einheit.

Erzählt euch eure Geschichte: Das bedeutete nebenbei auch den endgültigen Siegeszug der therapeutischen Idee in der Gesellschaftspolitik. Zwei Wunden sollten jetzt durch das Therapiegespräch wenn nicht geheilt werden, so doch vernarben, bis Normalpolitik irgendwann hinterhergehechelt käme: die Teilung und das soziale Drama im Osten nach 1990. Diese stabilisierende Funktion allerdings ist kein Einwand gegen das Geschichtenerzählen – auch wenn man schwer ächzt unter der erdrückenden Fülle an Ost-Storys und zudem leider einige im Osten die Angelegenheit unterdessen als Freibrief missverstanden, die Öffentlichkeit ständig mit ihren belanglosen Erinnerungen an Bummi- Lektüren oder Ähnlichem zu behelligen (im Namen der inneren Einheit: so hieß die mit 700.000 Exemplaren auflagenstärkste Kinderzeitschrift in der DDR).

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Uwe Tellkamp ist hingegen ein fulminanter Geschichtenerzähler. Der knapp tausendseitige Roman, den der 1968 geborene Dresdner Schriftsteller 2008 unter dem Titel Der Turm veröffentlichte, wurde zu einem der großen Bucherfolge der letzten Jahre, ausgezeichnet mit dem Deutschen Buchpreis 2008; mit bislang 750.000 Käufern in Ost und West, übersetzt in 15 Sprachen. Tellkamp erzählt darin die Geschichte der Familien Hoffmann und Rohde im Dresden der Jahre 1982 bis 1989: Ärzte, Intellektuelle, illusionslose Betriebsleiter, jung und alt, meist Nischenbürger der untergehenden DDR, zwischen Lüge und Wahrheit, Karriere, Anpassung, Verweigerung und Ausreise in den Westen, zwischen sozialistischem Schulalltag, Stasi und Wehrdienst und vor allem Kultur als alltäglichem Lebenselixier. Der Roman ist ein anspruchsvolles Epochenpanorama, das vor Handlung und Figuren wimmelt. Vielen Westdeutschen eröffnete das Buch einen Blick auf den Osten, den sie so zuvor nicht hatten; der Turm wurde zum vorläufig letzten großen Volksbuch der Deutschen. Pünktlich zum 3. Oktober kann die Nation an zwei Abenden in der ARD sehen, wie Fernsehen, das immer noch mächtigste Medium unserer Zeit, uns diese Geschichte erzählt.

Als der Suhrkamp Verlag die Turm-Filmrechte an den Produzenten Nico Hofmann und seine Firma Teamworx vergab, war manchem unwohl. Um die 30 Mal habe er bei der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz vorsprechen müssen, berichtet Hofmann heute. Der Produzent hat seit der Jahrtausendwende das populäre Geschichtsbild hierzulande geformt wie niemand sonst. Besessen von Geschichte, wie er es selbst oft nannte, sind viele seiner Produktionen generalstabsmäßig inszenierte, von Starinterviews und Vorabberichterstattung flankierte TV-Events, die beim Zuschauer, ob öffentlich-rechtlich oder privat, »ein Must-See-Momentum wecken« (Hofmann).

Kitsch ist gerne dabei, wenn es um die Quote geht; unter seinen circa 30 Filmen im Jahr waren Die Frau am Checkpoint Charlie, Die Mauer, Dresden (2006 mit der Rekordquote von fast 13 Millionen Zuschauern), Die Sturmflut, Mogadischu, Der Mann aus der Pfalz, Das Wunder von Berlin, Die Flucht, Die Luftbrücke, neulich erst ging die Laconia unter, bald kommt Rommel, irgendwann Guttenberg. Hofmann schneidet Filme seiner Regisseure auch mal zu Ende, bis sie ihm ins Format passen: »Wir sind eine Manufaktur, wer uns beauftragt, bekommt genau den Film, den er für sein Programm und seine Zuschauer passgenau einsetzen kann.« Im Serien- und Internetzeitalter sind allerdings die ganz großen Publikumserfolge solcher TV-Events kaum mehr möglich: Zu flüchtig ist der zappende Zuschauer geworden.

Achtbares Ergebnis

Kann unter diesen Umständen eine TV-Adaption von Tellkamps Turm gut gehen? Braucht dieser so farbenprächtige, bilderreiche Roman nicht ohnehin das Breitwandkino, wie es jedem Leser sofort vor Augen steht und wie es bei Literaturverfilmungen von Boris Pasternaks Doktor Schiwago und Giuseppe Tomasi di Lampedusas Leopard so unterschiedlichen Regisseuren wie David Lean und Luchino Visconti gelang?

Eine der vielversprechendsten deutschen Regiehoffnungen hat sich nun trotz allem auf den Fernseh-Turm eingelassen: Christian Schwochow, Jahrgang 1978, aufgewachsen in Leipzig und Ost-Berlin, reiste mit seiner Familie 1989 in den Westen aus und lebt heute wieder in Prenzlauer Berg. Mit seinem Debütfilm Novemberkind, in den Hauptrollen Ulrich Matthes und Anna Maria Mühe, hat er 2008 einen Achtungserfolg bei Kritik und Publikum vorgelegt. Jetzt probierte er in seiner erst dritten Filmproduktion populäres Fernsehen aus sowie den Umgang mit einem 7-Millionen-Budget. Angesichts der ästhetischen Grenzen des Genres ist das Ergebnis durchaus achtbar.

Leserkommentare
    • Chali
    • 03. Oktober 2012 9:51 Uhr

    Hab's mir doch gedacht:
    Wenn Claudia Michelsen, dann kann es nicht ganz schlecht sein.

    • HeidiS
    • 03. Oktober 2012 9:57 Uhr

    http://www.leselupe.de/lw...
    All diese Geschichten würden sonst in Vergessenheit geraten. Sie sind aber genauso wichtig für die Geschichte der DDR wie die literarischen Werke hierzu.

    • Fackel
    • 03. Oktober 2012 10:47 Uhr

    diesen DDR-Mief nicht mehr ertragen.

    Immer wenn ich mir solche Filme/Bücher verinnerliche muss ich feststellen dass der Mief und das Kleingeistige der DDR nur unzureichend dagestellt wurde. So auch in der Romanvorlage des Filmes. Man sollte alle die diese "kritische" Auseinandersetzung loben mal in eine Zeitreise stecken, damit sie sehen, dass fast alles verklärt wird. Die Wirklichkeit war schauderhaft.

    • ikonist
    • 03. Oktober 2012 10:55 Uhr

    es sind doch wieder die üblichen smarten fernsehgesichter

    • Gomulka
    • 03. Oktober 2012 10:56 Uhr

    den BRD-Mief nicht mehr ertragen.

    Dieses kleingeistige "wir sind die Guten" und das "im Osten war alles schlecht und böse" finde ich schauderhaft.

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    • gooder
    • 03. Oktober 2012 13:19 Uhr

    Erinnern sie sich nicht? Suppenküchen,Arbeitslosigkeit,Obdachlosigkeit ja nicht mal Existenzängste gab es in der DDR,wirklich eine Mangelwirtschaft.

    • water45
    • 03. Oktober 2012 10:57 Uhr

    "inquisitorische FDJ-Versammlungen, die existenziell aufgeladene Bedeutung, die einem unbedingt zu erlangenden Abitur und Studienplatz zukam, Stasierpressungen, das Warten auf die Ausreise und die menschenverachtende Quälerei bei der NVA"
    Das hat nichts mit Geschichte zu tun....Das grenzt an Hetze... und üble Propaganda...wir haben dieses Land und unsere Zeit vollkommen anders erlebt...Dieser Schriftsteller entwirft ein schauriges Bild in seinem düsteren Roman welches vor allem von jetzigen bundesdeutschen Ansichten und Darstellungen über unser Leben geprägt ist. Junge Menschen vor allem im Westen glauben dann dieses schaurige Bild....Aber das ist nicht das erste und letzte Machwerk über unseren ehemaligen Staat in dem ich 40 Jahre gelebt, geliebt, Kinder erzogen und über dessen Mängel und Verfehlungen ich mich geärgert und geschimpft habe. Aber das Bild welches hier wieder gemalt wird, ist so unrealistisch wie viele Vorgänge und Zusammenhänge an den Haaren herbeigezogen sind. Dieser Schriftsteller kann einem leid tun. Von denen die solch einen Schinken drehen noch ganz abgesehen, denn sie müssen halt Geld verdienen......

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    • Dirac
    • 03. Oktober 2012 11:23 Uhr

    Da haben Sie offensichtlich eine andere DDR erlebt.

    Woran ich mich erinnern kann:
    -Schulverweis für die Kritik am "sozialistischen Ende" des Brecht-Buchs des Galileo-Galilei.
    -Die Angst davor, in der Öffentlichkeit etwas falsches zu sagen.
    -In der NVA absolut zu verblöden und teilweise spionierende Kameraden. Hinzu kommt die Gefahr, bei systemkritischem Verhalten nach Bautzen zu kommen. Danach war einer meiner engsten Kameraden in der NVA ganz weich im Kopf. Da war nichts mehr. Wie Gehirnwäsche.
    -Studienplatz-Vergabe an die "sozialistischsten" Studienbewerber, nicht die besten. Ein falsches Wort in der mündlichen Abitur-Prüfung und es ging nur noch darum, woher ich den "westdeutschen Ausdruck" kenne. Da habe ich dann nicht mehr um eine gute Note reden müssen, sondern um da noch irgendwie heil rauszukommen.
    Vergessen Sie ebenfalls nicht, dass bei den Montags-Demos auch der Schießbefehl gegeben wurde - Ohne den Einsatz der BRD hätte das damals genauso wie heute in Syrien enden können!

    Klar, wer mit Sicherheit und den eigenen 4 Wänden zufrieden sein möchte, hätte in der DDR sicherlich ein Paradies erlebt. Aber so ist/war es eben in jeder Diktatur.
    Andere Leute wollen eben auch über den Tellerrand blicken.
    Ihre Meinung frei äußern, Kritik im öffentlichen Raum und der Presse ermöglichen. Selbst die DDR-Führung hat doch Wasser gepredigt und Wein getrunken - Deren Autos, Wohnungen und Versammlungen entsprachen keineswegs einem Arbeiter- und Bauern-Staat, sondern waren voller Prunk

    • hairy
    • 03. Oktober 2012 12:23 Uhr

    hat mit der Realitaet zu tun. Ist aber bei weitem nicht die ganze Realitaet. Das vergessen viele, leider.

    • APGKFT
    • 07. Oktober 2012 17:08 Uhr

    Das so etwas wohl gelitten ist? Man kann damit schön die Misere überdecken, in die Ostdeutschland seit dem steckt. Nur wenige zählen zu den Gewinnern. Die anderen sieht man nicht!

    • Dirac
    • 03. Oktober 2012 11:23 Uhr

    Da haben Sie offensichtlich eine andere DDR erlebt.

    Woran ich mich erinnern kann:
    -Schulverweis für die Kritik am "sozialistischen Ende" des Brecht-Buchs des Galileo-Galilei.
    -Die Angst davor, in der Öffentlichkeit etwas falsches zu sagen.
    -In der NVA absolut zu verblöden und teilweise spionierende Kameraden. Hinzu kommt die Gefahr, bei systemkritischem Verhalten nach Bautzen zu kommen. Danach war einer meiner engsten Kameraden in der NVA ganz weich im Kopf. Da war nichts mehr. Wie Gehirnwäsche.
    -Studienplatz-Vergabe an die "sozialistischsten" Studienbewerber, nicht die besten. Ein falsches Wort in der mündlichen Abitur-Prüfung und es ging nur noch darum, woher ich den "westdeutschen Ausdruck" kenne. Da habe ich dann nicht mehr um eine gute Note reden müssen, sondern um da noch irgendwie heil rauszukommen.
    Vergessen Sie ebenfalls nicht, dass bei den Montags-Demos auch der Schießbefehl gegeben wurde - Ohne den Einsatz der BRD hätte das damals genauso wie heute in Syrien enden können!

    Klar, wer mit Sicherheit und den eigenen 4 Wänden zufrieden sein möchte, hätte in der DDR sicherlich ein Paradies erlebt. Aber so ist/war es eben in jeder Diktatur.
    Andere Leute wollen eben auch über den Tellerrand blicken.
    Ihre Meinung frei äußern, Kritik im öffentlichen Raum und der Presse ermöglichen. Selbst die DDR-Führung hat doch Wasser gepredigt und Wein getrunken - Deren Autos, Wohnungen und Versammlungen entsprachen keineswegs einem Arbeiter- und Bauern-Staat, sondern waren voller Prunk

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    • uschumi
    • 03. Oktober 2012 13:35 Uhr

    -Elternbesuch in der 1. Klasse: Empfehlung, mich aus der Christenlehre auszuschließen (haben meine Eltern aus Angst getan)
    -Elternbesuch 2. Klasse: Empfehlung, mir das Westfernsehen zu verwähren (durfte weiter schauen, aber unbedingtes Schweigen darüber)
    -6. Klasse: Rauswurf aus dem Fanfarenzug, wegen politischem Vergehen, weil ich mit meinem Kumpel nicht am Wahlsonntag teilgenommen hatte
    -7. Klasse: keine Empfehlung für die EOS (Gymnasium) ... waren zu viele Kinder aus Stasihaushalten in meiner Klasse
    -mit 16 Jahren im ersten Lehrjahr vom Lehrmeister wegen offensichtlich zu freiheitlichem Denken gemaßregelt: "solche wie Euch ziehen wir mit durch" (hat später gegen mich als IM gespitzelt)
    - mit 18 Jahren erstes Mal "wählen" gehen ... haben mich meine Eltern aus Angst gezwungen ... ich bin hin und hab alles durchgestrichen
    -mit 20 Jahren bei der "NVA" größere Schikanen erlebt, als später im Gefängnis
    -mit 23 Jahren Versuch ein Studium aufzunehmen ... wäre gegangen, wenn ich in die "SED" eingetreten wäre
    -mit 25 Jahren Fluchtversuch ... 13 Monate "DDR"-Haft ... incl. Bespitzelung in meiner späteren westlichen Heimat
    -heute: Manager in einem DAX - Konzern (meine Frau mit ähnlichem Lebenslauf dito)
    Frage: was war schön in der DDR? ... mir fallen nur Kita und Zusammenhalt der "Eingeferchten" ein

    • water45
    • 03. Oktober 2012 13:49 Uhr

    Ich möchte nicht alles kommnentieren, aber nach Bautzen zu kommen bei der Fahne war schon sehr schwierig.., für dumnme Sprüche oder andere antikommunistische Sprüche kam man nicht nach Bautzen. Da musste man kriminell und vorsätzlich Straffällig geworden sein. Da ich auch bei der Armee war, weiss ich sehr genau was man sich so alles erlauben konnte bevor es brenzlich wurde. Miltärknast hatt jede richtige Armee. Die Bundeswehr zähle ich nicht mehr dazu.
    Einen Schiessbefehl bei Montagsdemo gab es ausdrücklich nicht.Die BRD spielte da absolut keine Rolle. Krenz hatte es ausdrücklich verboten.Die Menschen haben für eine andere DDR demonstriert, bevor die Parolen umschlugen. Der BND war über die Wende sehr umtriebig.
    Angst in der Öffentlichkeit was zu sagen, mit Verlaub das ist und war Blödsinn. Sie dürfen nicht die Verhältnissse der 50ziger Jahre auf die spätere Zeit umlegen.
    Man konnte und kann sehr wohl über den Tellerrand schauen, auch Westfernsehen gehörte dazu, aber man sollte sich einen kritischen Blick für alles genehmigen. Wieviel im Westen stank und immer noch stinkt ist nicht der Platz hier zu diskutieren.
    Was das studieren betriff, habe ich wahrscheinlich auch in einem anderen Land gelebt. Meine Frau offensichtlich auch, denn sie hat auch studieert und kommt aus einem einfachen Haus einer Ostvertrieben und eines Arbeiters der es zum Meister geschfft hat. Ohne dieses sozialisztische Palaver was angeblich überall dazugehörte. Mit Verlaub, auch das ist Quatsch.

    Na ja, das war halt staatliche Willkür.
    Aber man sollte nicht so tun, als gäbe es diese hier und heute nicht mehr:
    - Zwangsvereinbarungen mit Arbeitssuchenden, die zur Not einseitig staatlich erlassen werden. (Eingliederungsvereinbarung per Verwaltungsakt - schon die Widersprüchlichkeit der beiden Begriffe ist verräterisch)
    - Kürzung des Existenzminimums bis zu 100 % bei Zuwiderhandlungen
    - Grundgesetzwidrige Ortsanwesenheitspflicht
    - Benachteiligung von Kindern aus sozial schwachen Familien im Bildungssystem
    - Vortäuschung von nicht vorhandenen und rechtlich nicht begründbaren Unterhaltsverpflichtungen durch Bedarfsgemeinschaften.
    Und mit der Meinungsfreiheit ist das auch so eine Sache: Wer als Leistungsempfäönger etwa bei einem Vorstellungsgespräch sich über einen Betriebsrat erkundigt, läuft ebenso Gefahr sanktioniert zu werden wie derjenige, der sich weigert unter dem Deckmantel "Praktikum" kostenlos für ein Callcenter zu arbeiten.

    Ob nun eine politische Idee wie der Sozialismus oder der rücksichtslose Wachstumswahn des Kapitalismus im Fokus stehen, für die Bürger bedeutet dies immer Verlust von Freiheit und Demokratie.

    • hawat
    • 05. Oktober 2012 10:03 Uhr

    sein konnte man über den smarten Stasi-Offizier mit "Schnauzbart".

    dass die SPD und viele andere die Einheit nicht wollten! Mal so viel zum Schießbefehl.

  1. Ich war bis nach der Wende Chef eines großen Heizwerkes ("der falsche Beruf eben"), und als ich Ende 91 den Laden dicht machen musste - die Firma war bereits liquidiert, also brauchte auch keiner mehr warme Büros und Werkhallen - da machte ich mit den Heizern einen letzten Umtrunk. Und nach ein paar Runden brüllte der Brigadier durch den Kesselraum:
    "So fett, wie wir im Osten gefressen haben, haben die im Westen noch nicht mal geträumt!" Huh, das hallt bei mir bis heute nach.
    Die haben es wirklich immer noch nicht kapiert.

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    Wieso ist Heizwerkleiter der „falsche Beruf“? Wird man da im Sommer nicht bezahlt? Muß man nachts um Drei aus dem Bett? Ist er nicht zukunftsträchtig?

    Wieso heizte das Heizwerk noch, obwohl die Eigentümerin – „die Firma“ – liquidiert wurde? Eigentlich hinterläßt man doch besenrein.

    Wieso braucht niemand mehr warme Büros und Hallen, weil eine Heizwerkeigentümerin liquidiert wurde? Der nächste Winter kommt bestimmt.

    „So fett, wie wir im Osten gefressen haben …“ – das bezieht sich sicher nicht auf die Qualität des Kantinenessens.

    Wenn mit „die“ die Wessis gemeint sein sollten – Stimmt. Ich habe keinen einzigen Satz kapiert.

    • Mardi12
    • 03. Oktober 2012 15:31 Uhr

    ... im negativen, ernährungskundlichen Sinne ist das Essen im Osten heute manchmal noch. Merkt man bei Geburtstagen, Betriebsfeiern u.ä.

    Mir ist nicht klar, wer Ihrer Meinung was nicht kapiert haben soll.

    Aber der Ausruf Ihres Heizers erinnert mich an eine Haltung, die man noch heute im Osten bei der Generation ab ca. 40+ häufiger erlebt: Andere ausschließen, weil sie "es", den DDR-Osten, nicht selbst erlebt haben. Ein Totschlagargument, ein provinzielles Argument darüber hinaus. Dient nicht der Verständigung, sondern der Selbstvergewisserung und Abgrenzung. Erinnert an die Argumentation der Kriegsgeneration gegenüber den Nachgeborenen: Ihr wisst ja gar nicht, wovon Ihr redet ...

    Weswegen ich diesem "Erzählt Euch Eure Geschichten" nicht viel abgewinnen kann. Es ist eine naive Forderung.

    • thobi63
    • 07. Oktober 2012 18:12 Uhr

    Tellkamps Roman beschreibt den Osten so wie er war.

    Wie gesagt die Süddeutsche, die müssens ja wissen.

    Ich wollte einfach auch mal einen Kommentar abgeben, den nicht alle verstehen müssen.

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  • Schlagworte Film | Fernsehen | Roman | Uwe Tellkamp | Filmrezension | Deutsche Einheit
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