Frauenquote : Das Ende des bornierten Machotums

An einer gesetzlich geregelten Quote zugunsten der Frauen in Führungspositionen führt kein Weg mehr vorbei.

Die unheilige Allianz zur Torpedierung einer gesetzlichen Frauenquote in den Vorständen und Aufsichtsräten hat einen fatalen Erfolg erzielt. Unter dem massiven Druck der FDP, die schon deshalb an der Fünfprozenthürde scheitern sollte, aber auch einer Leitfigur reaktionärer Politik wie Familienministerin Schröder hat Bundeskanzlerin Merkel zunächst einmal die Weichen für die Blockade einer gesetzlich fixierten Quote gestellt, da sie der CDU/CSU die ominöse Flexibilitätsquote, dieses Lieblingskind der Macho-Netzwerke, als Beschlusslage empfohlen hat.

So viel politische Unvernunft ist schon lange nicht mehr zusammengekommen. Denn die eklatante Diskriminierung von Frauen in den Führungspositionen namentlich der Großunternehmen ist unbestritten. Arbeitsministerin von der Leyen hat sich deshalb völlig folgerichtig und mit bewundernswürdiger Konstanz für eine Remedur in Gestalt der gesetzlichen Quote eingesetzt, nachdem jahrzehntelang jeder Appell an eine freiwillige Korrektur der Personalpolitik vergeblich geäußert worden ist. Alle guten Argumente sprechen für ihre Position.

Auf dem Arbeitsmarkt baut sich der Druck hoch qualifizierter Frauen auf. Denn Abiturientinnen übertreffen seit etwa 2000 mit mehr als 55 Prozent die Anzahl der Abiturienten. Auch Studentinnen liegen bereits seit 1994 mit mehr als 52 Prozent vor den Studenten – in beiden Fällen: weiterhin steigende Tendenz. Nach dem Eindruck zahlreicher Hochschullehrer schaffen die Studentinnen auch die besseren Examensnoten. Und diesen hoch qualifizierten Frauen, die zurzeit Doktortitel, Praktika und Erfahrungen sammeln, sollen weiterhin obere Positionen in der Unternehmenshierarchie so konsequent wie bisher verweigert werden? Überdies ignorieren die Kritiker der Frauenquote, dass in der sozialstaatlichen Demokratie das Gerechtigkeitsargument auf lange Sicht für die weibliche Hälfte der Menschheit arbeitet. Selbst eine bescheidene Quote von 30 Prozent erreicht daher bei Weitem noch nicht die Hälfte der Stellen mit Entscheidungskompetenz.

Hans-Ulrich Wehler

81, ist emeritierter Professor für Allgemeine Geschichte der Universität Bielefeld.

Das Ringen um die Alternative zwischen gesetzlicher und freiwillig konzedierter flexibler Quote gehört in den historischen Zusammenhang der mühsam erstrittenen Gleichberechtigung der Frauen, die besonders in den letzten vier Jahrzehnten ausgedehnt worden ist. Ihre Hoffnung auf Karrierechancen trifft aber noch immer auf das »Gesetz der hierarchisch zunehmenden Männerdominanz« (so der Soziologe Rainer Geißler): Je höher die Berufsposition gelagert ist, desto ausgeprägter kommt die Vorherrschaft der Männer zur Geltung. Das bestätigen zahlreiche Beispiele. In den Chefetagen der 626 umsatzstärksten deutschen Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung fanden sich unlängst sage und schreibe zwölf Frauen (0,5 Prozent) unter 2286 Männern. An den höchsten Bundesgerichten stellen Frauen fünf Prozent. Immerhin wurde ihre Zahl auf den Richter- und Staatsanwaltsstellen in den 20 Jahren bis 2000 von zehn auf 28 Prozent erhöht. An den Schulen stellen Lehrerinnen zwar 56 Prozent des Personals, von den 24.000 Schulleitern aber ganze 3000 (13 Prozent), von den Schulräten sogar nur acht Prozent. Die Mehrheit der Akademikerinnen arbeitet als Lehrerin oder Ärztin, jedoch nur selten erreichen diese die Hierarchiespitze der Chefärzte.

In den Redaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kamen Journalistinnen bis 2000 auf 20 Prozent, in den Führungspositionen aber nur auf drei Prozent. Erst vor Kurzem haben einige Frauen den Sprung auf den Intendantenposten geschafft. Wegen dieser Ungleichverteilung gehört die Bundesrepublik im Hinblick auf die berufliche Gleichstellung der Frauen noch immer zu den Schlusslichtern der EU.

In dem Streit um die Frauenquote in den Leitungsfunktionen der Unternehmen schlägt sich das Vorurteilssyndrom des Machismo nieder. Dem sprichwörtlich männlichen Zweifel an der Kompetenz, der Belastbarkeit, der Führungsfähigkeit von Frauen widerspricht die berufliche Realität.

Es lohnt sich, die rundum ignorierte Fachliteratur, die namentlich von Ökonomen und Soziologen stammt, zu den Folgen der Frauenquote in Skandinavien, England, Frankreich, den Niederlanden, Spanien und in den USA endlich zur Kenntnis zu nehmen. Unter dem Strich tritt aus den Ergebnissen dieser Studien hervor, dass Frauen Leitungsfunktionen mindestens so gut, wenn nicht sogar besser als Männer ausfüllen können. Denn sie sind teambewusster, kommunikativer, innovativer, planungsfähiger, wenn sie auf Entscheidungspositionen operieren. Vor allem aber erwirtschaften sie, last, but not least, eine höhere Rendite für ihre Unternehmen, als das die Männerrunde vor ihnen getan hat. Klassische Beispiele sind die schwedische Spitzenbankerin und die norwegische Topunternehmerin. Das ist ein so verblüffend positives Ergebnis, dass es in jeder Marktwirtschaft ein durchschlagendes Argument verkörpert, welches die Gerechtigkeits- und Qualifikationspostulate nachdrücklich unterstützt.

Vergegenwärtigt man sich diesen internationalen Kontext (zu dem jetzt auch die Quotenunterstützung durch die Brüsseler Justizkommissarin Reding gehört) und die Schubkraft der auf den Arbeitsmarkt vordrängenden jungen Frauen, lässt sich keine stichhaltige Ablehnung der gesetzlichen Frauenquote auf die Dauer durchhalten. Die Opposition aus der bornierten Männerwelt der FDP, von Ministerin Schröder auf ihrem neuen Irrweg und einer kurzatmig nachgebenden Kanzlerin hat so nur zu einem Pyrrhussieg geführt. Denn die realistisch denkende Mehrheit des Parlaments wird in absehbarer Zeit die überfällige Entscheidung zugunsten von Ursula von der Leyen durchsetzen. Wie töricht kann die schwarz-gelbe Koalition aus ihrem engstirnigen Interessenegoismus nur sein, sich diese Quotenblöße ausgerechnet vor dem Wahlkampf von 2013 zu geben?

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Kommentare

220 Kommentare Seite 1 von 35 Kommentieren

@TDU #1: Was hätten Sie denn für Vorschläge?

Wissen Sie, natürlich ist eine Quote nur die zweitbeste Lösung. Die beste wäre Unvoreingenommenheit, aber die ist leider zu selten.

Wie würden Sie denn ändern, daß gleich sich gerne mit gleich umgibt und fördert? Männer halten nun einmal die weitaus meisten Führungspositionen und protegieren diejenigen, die ihnen ähnlich sind, also wieder Männer.
Und ohne Sponsor werden Sie namentlich in großen Firmen nichts.

Inwieweit die von manchen Politikern propagierte Quote in ARen hier Abhilfe schaffen wird, wage ich nicht zu beurteilen.
(Vermutlich nutzt sie nur Arbeitnehmervertreterinnen und Angehörigen der Elite, die sowieso alle Arbeitgebervertreterposten besetzt)
Eine Quote müßte m.M.n. zuerst im unteren Management wirken und dann sukzessive durch die Ebenen hochstrahlen.

Jedenfalls wurde durch das jahrelange Selbstverpflichten nichts erreicht und wieder fast eine Generation Frauen exkludiert.

k.

Die Quote ist eine Beleidigung

Ich bin selbst eine Frau, Akademikerin. Auf keinen Fall möchte ich in einem Unternehmen etwas erreichen und dann als Quotenfrau bezeichnet werden.

Es ist traurig, aber ich glaube, dass wir einfach den Sinneswandel in der Gesellschaft abwarten müssen.
Eine Frauenquote ist in meinen Augen kontraproduktiv, weil sie die angebliche weibliche "Schwäche" belegt. Denn die Quoten, die bisher gelten, sind für die Schwachen da - Stichwort Behindertenquote.

Ich möchte nicht als schwach gelten, mir muss ja auch kein Mann die Tür aufhalten.

Die Quote ist die zweitbeste Lösung, richtig.

Natürlich wären Einsicht und Unvoreingenommenheit die besseren Wege.

Nur: Gleich umgibt sich gerne mit gleich.
Männer in Führungspositionen sponsorn wieder Männer.
Mann fördert, wen er zu kennen meint, das ist die risikolosere Entscheidung.

Daran wird sich von selbst nicht so viel ändern.
Abwarten bedeutet da nur: Noch eine Generation Frauen wird von der Teilhabe ausgeschlossen.

Ihre Angst vor der Bezeichnung Quotenfrau finde ich übertrieben.
Ich denke, daß ein Anfang gemacht werden muß, wobei ich die Quote für ARe nicht so sinnvoll halte.
Eher würde sie im unteren Management wirken, damit mehr Frauen in Führungspositionen 'reinwachsen und qualifizierter Nachwuchs in der Breite gefördert wird.

Dann gibt es Vorbilder und Frauen, die ihrerseits wieder Frauen fördern können und eine Eigendynamik könnte sich entwickeln, die Quoten dann tatsächlich auch wieder überflüssig machen würden.

k.

Quote klingt halt besser

"Männer in Führungspositionen sponsorn wieder Männer."

Oder "Köhle sponsorn Merkels" - Was dabei rauskommt, sieht man ja. Wir haben eine Frau zur Kanzlerin. Die bekommt das gerade aber auch nicht besser hin als "ihre Männer"...

Ich persönlich (ich habe überhaupt nichts gegen Frauen in Chefetagen, wenn sie durch ARBEIT und nicht wegen Brüsten, Vagina, Eierstöcken dahingelangt sind) meine ja, dass es einfach schöner klingt, wenn man sagt "die wurde wegen der Quote befördert" und nicht mehr "die hat sich nach oben geschlafen"...

Herr Wehler!

Ihre Behauptungen sind längst veraltet und können nur mehr als peinliches Rückzugsgefecht einer längst antiquierten Form des Feminismus gewertet werden. Das neueste Buch von Frau Bauer-Jellinek (die sich einst selbst zur Speerspitze des Feminismus zählte) darf ich Ihnen wärmstens ans Herz legen: "Der falsche Feind - Schuld sind nicht die Männer".

--> http://www.amazon.de/Der-...änner/dp/3711000290

Es ist eine alte Weisheit: "Befreiungs"bewegungen verpassen fast immer den Moment, ab dem sie sich erübrigen. Radikalisierung als Selbsterhaltungsstrategie ist die unvermeidbare Folge.

@ 126 kassandra K

Mit wird hier zuviel durcheinander geworfen.

In den Aufsichtsrat wird man berufen. Es könnte also der Punkt kommen wo man den Besseren der Quote vorziehen muss. Bei 2% der im Dax vertretenen Unternehemn wäre das zu verkraften. In den Konzernen vielelicht auch.

Aber im mittelständischen Unternehmen?. Der, der Geld hat stellt ein paar Begrüßungsdamen ein und hat die Quote samt des öffentlichen Auftrags, der in NRW ja schon an die Quote gebunden werden soll.

Des Autors Beispiel sind richtig bezogen auf Führungsposten. Aber im mittleren Segment ist längst in Behörden, Rundfunk und Fernsehen Frauenüberschuss. Das Mittel macht den Staat und seinen Wohlstand.

Wenn man da zuviel reglementiert, sollte man besser die Planwirtschaft einführen. Dann bekommt man auch die Männer in den Griff, die wegen geschlosssener Arbeitsmärkte und Chancen draussen bleiben müssen.

Es ist ja nicht so, dass der Quote eine Vielzahl an anderen Möglichkeiten gegenüber stünde. Wachstum nein, Industrie nein, Entwicklung nein, der Verwaltungsstaat ist angesagt.
Etwas pauschal mein Kommentar, aber der Artikel machts ja vor. Und mein Vorschlag?

Ein anderes Deustchland. Endlich mehr Möglichkeiten schaffen für Arbeit und auskömmliche Jobs, nicht nur in der Staatsverwaltung. Dann setzt sich qualifizierte Frau von alleine durch. Was im Moment passiert, wird eine Generation Frauen und Männer excludieren. Und die Demographie? Wenn es so weiter geht, ist vielleicht zwar Frauenherrschaft aber "Johanna ohne Land".

Gegenargument

Nicht jeder kann nicht alles schaffen.
Und das liegt nicht in der Verschiedenheit des Menschen, sondern in aus Seilschaftentum, Gefälligkeiten und Voruteilen erwachsenen Ungerechtigkeiten.
Als Beispiel will ich hier die Zulassung auf das Gymnasium nennen, wo eben nicht NUR Leistung sondern auch soziale wie völkische Zugehörigkeit über die berufliche Zukunft eines Menschen mitentscheidet.
Solche Strukturen können nur aufgebrochenwerden, indem der Gesetzgeber Zulassungs-/Einstellungsquoten oberhalb der Statistik festlegt, wenn der Verdacht der Benachteiligung zu oft zu klar auf der Hand liegt oder eben durch Statistiken belegt wird, was natürlich kein Freifahrtsschein sein kann, und auch keine Gleichberechtigungsquote a la 50/50.
Generell finde ich jedoch noch, dass die Diskussion zu populistisch/unsachlich geführt wird.

Pauschaler Unsinn

Dieser "Artikel" pauschalisiert gnadenlos.
"Denn sie sind teambewusster, kommunikativer, innovativer, planungsfähiger, wenn sie auf Entscheidungspositionen operieren."

Gut, sie behaupten also, dass ALLE Frauen bessere Führungskräfte sind als ALLE Männer!?
Da höre ich die Peitsche zischen.
Solch eine Pauschalisierung ist einfach Unsinn.

Es mag Ungerechtigkeiten geben aber: Der Zweck heiligt niemals und unter keinen Umständen die Mittel!

Und eine Quote wird niemals zu Gleichberechtigung und Akzeptanz weiblicher Führungskräfte führen, denn jeder abgelehnte Mann wird sich sagen, dass nicht nach Qualifikation sondern nach Quote eingestellt wird und jede eingestellte Frau muss doppelt so hart arbeiten wie ihre männlichen Kollegen, weil sie sonst nur eine Quotenfrau ist. Insgesam wird sich die Geschlechtertrennung nur verfestigen.

Es gibt eben keinen einfachen Lösungen. Aber komplizierte Sachverhalte und Lösungen eigenen sich nicht für Kampfrethorik

Komische Sicht des Mainstreams

Wenn es um die Stärken von Männern geht wird stehts und ständig egalisiert mit dem Hinweis, dess es diesen genderspezifisch , als "naturgegeben", nicht gibt und Mann und Frau eigentlich gleich sind.
Dann kommt aber immer noch der Nachsatz, dass Frauen doch besser gefördert werden müssten weil sie genderspezifisch Vorteile haben, die Männenr fehlen.

Also: Zum Abwerten von Männern wird zu deren Nachteil relativiert und egalisiert, zum Aufwerten der Frauen zu ihrem Vorteil positiv in eine Richtung differenziert.

Nur nicht aufregen

die Diskussion ist dovch müssig und wurde doch in D bereits ad Absurdum geführt. Das beste Beispiel dieses Genderterrorismus ist doch der ÖD der in D zu 95 % aus FRauen besteht und wo in jeder Anzeige Frauen besonders aufgefordert werden sich zu bewerben, um die Frauenquote zu erhöhen.

Jeder der dort schin mal mit den Frauen in Leitungspositionen zu tun hatte, weiß doch was da für Unterleister sitzen. Oder wie eine Bekannte eingestellt wurde, obwohl sie nach eigener Auskunft als Verfahrensingenieurin keine Frage des Bereiches Untere Wasserbehörde beantworten konnte, aber in dem Moment als rauskam, dass sie drei Kinder hat, war die Nummer gelaufen. Ist kein Neid, da ich ihr die Stelle (regelmäßige Bezahlung über dem was in Ing.Büros Usus ist) wünsche, denn so hat die Familie wenigsten halbwegs Planungssicherheit.

Aber ich hoffe das die Regierung und besonders die Genderterroristinnen damit durchkommen, denn die Folgen werden wie bei dem EE die gleichen sein, das wird dem Staat um die Ohren fliegen.

Und in diesem Kontext macht auch der Artikel von Martenstein Sinn
http://www.zeit.de/2012/4...

das sich Jungs und Männer aus dem Spiel rausnehmen, da es keine Möglichkeit gibt zu gewinnen und man nicht Don Quijote sein möchte.

Dem ist nichts hinzuzufügen

Es ist doch interessant, wie dieses Thema immer wieder in den Medien und der Politik forciert wird. Und das vor dem Hintergrund, dass erwiesenermaßen weder die Bevölkerung und noch viel weniger die Frauen, denen hier "geholfen" werden soll, Handlungsbedarf sehen. Aber all das wird nichts nützen: Die Frauenquote wird kommen (genauso wie z. B. die Erdbeben- und Tsunami-Warnsysteme für norddeutsche AKW).