Ostasien : Sie schaden sich gegenseitig

China und Japan liefern sich Schaukämpfe um eine Inselgruppe – und belasten damit ihre Volkswirtschaften schwer.
Ein Radfahrer vor Börsenkursen Ende September in Tokio. Anfang Oktober wurde bekannt, dass der Absatz von Toyota in China im Vormonat um 40 Prozent eingebrochen war. © Yoshikazu Tsuno/Getty Images

Natürlich: In diesem Streit um ein paar Felseninseln im Ostchinesischen Meer geht es um die Rohstoffe. Japan, die Industrienation ohne eigene Bodenschätze, kann ohne ständige Einfuhren nicht viel produzieren. Und China will seine Macht demonstrieren, ist zugleich aber auch auf eine große Menge von Rohstoffeinfuhren angewiesen. Doch in Wirklichkeit, sagt Masuda Masayuki vom Nationalen Institut für Verteidigungsforschung in Tokio, stecke hinter dem augenblicklichen Konflikt noch sehr viel mehr. Er erlaube einen Blick in die Zukunft. »Was jetzt passiert«, sagt er, »ist eine rapide Verschiebung des wirtschaftlichen Gleichgewichts der Region.«

Das erklärt jedenfalls die ungleichen Bilder, die in diesen Tagen aus China und aus Japan um die Welt gehen. In China kocht der Volkszorn hoch, japanische Autos und Geschäfte auf chinesischem Boden werden demoliert. Dagegen üben sich die Japaner in Beschwichtigung und vorsichtiger Diplomatie. Man bewahrt die Ruhe. Japans Wirtschafts-Trendforscher Kenichi Ohmae gibt sich betont lässig: »Es wäre ja nicht die erste Unstimmigkeit.« Hinter den Kulissen versuchen einzelne Vertreter japanischer Handelsverbände und Unternehmen Schadensbegrenzung, teils in privater Initiative.

Doch bei aller japanischen Coolness lässt sich eines nicht verhehlen: Die Angst, vom großen und wachsenden Nachbarn China abgeschnitten zu werden – und zwar von Rohstoffen wie auch von Märkten –, wird größer. Es gab sie schon immer: Die Japan AG hat stets äußerst zurückhaltend in China investiert. Wenn es um eine engere Kooperation mit der Volksrepublik ging, war die Zahl der Zauderer im Wirtschaftsverband Keidanren stets größer als die Zahl der Völkerverständiger. »In Japan war man sich immer im Klaren: China will Technologie, wird aggressiv und rücksichtslos vorgehen«, erklärt Jesper Koll, Chefökonom für Japan bei J.P. Morgan. So haben Nippons Unternehmen lieber ihre Produktionsstätten über ganz Asien verteilt.

Doch die Abgrenzungsstrategie nützt heute kaum noch etwas. Weil der chinesische Markt so unglaublich schnell wächst, hängt Japan sowieso eng am ungeliebten Nachbarn. Der Handel zwischen beiden Ländern hat sich über zehn Jahre auf mehr als 34 Milliarden US-Dollar verdreifacht. China ist Japans größter Exportmarkt, die Japaner haben im vergangenen Jahr 12 Milliarden Dollar in China investiert.

»Im Moment planen japanische Unternehmen Rekordinvestitionen«, sagt Martin Schulz vom Fujitsu Research Institute in Tokio, »und dafür ist nun mal China der wichtigste Markt. Vor Jahren hat man dort Maschinen verkauft, doch jetzt ist alles zunehmend von Konsumenten und Stimmungen getragen.« Sprich: Der Konflikt und die Sorgen um noch größere Auseinandersetzungen in der Zukunft richten echten wirtschaftlichen Schaden an.

Ein paar Beispiele: All Nippon Airways erwägt Stornierungen. Japan Airlines will seine täglichen Flugangebote nach China bis Ende Oktober verringern. In den vergangenen Tagen hatten 12.000 Kunden Flüge von oder nach China bei Japan Airlines gecancelt. Und Japans Hoffnungsträger, die Autoindustrie, ist hart getroffen. Toyota, Honda und Nissan hatten größere Kapazitäten in China aufgebaut. Aber jetzt mussten nach Informationen der Bank of America japanische Autobauer in Verkaufsräumen in der chinesischen Provinz Guangdong einen Absatzrückgang von 60 Prozent hinnehmen. Vielen Verbrauchern sei signalisiert worden, keine japanischen Autos zu kaufen, wenn sie Probleme vermeiden wollten. Etwa an Tankstellen, wo möglicherweise kein Benzin an sie ausgegeben werde. He Maochun, Ökonom an der Tsinghua-Universität, glaubt gar, dass einige japanische Firmen China verlassen müssen.

Das alles ist durchaus auch zum Schaden der Chinesen selbst. Japanische Niederlassungen in der Volksrepublik verkaufen alles von Autos bis Konsumelektronik, man schätzt sehr die japanische Qualität. Und natürlich wird ein großer Teil japanischer Güter von chinesischen Arbeitern mit lokalen Materialien gefertigt. Ein Boykott japanischer Waren trifft also so oder so auch die chinesische Wirtschaft. Und China kann sich das nicht unbedingt leisten: Nach Jahren des Turbowachstums droht dort gerade eine schnelle Abkühlung der Konjunktur. Der Handelsbilanzüberschuss ist kollabiert, manche Leistungsträger verlassen das Land, Kapital fließt ab. In Peking sorgt man sich eigentlich darum, dass Direktinvestitionen aus dem Ausland zurückgehen könnten.

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Nee, Frau Karschöldgen,

erstmal dreht es sich nicht um Bodenschätze, Fischrechte und anderen Unsinn.

Japan geht es darum, die jüngere Geschichte umzuschreiben.

Japan hat den letzten Krieg nicht verloren, Japan hat auch keine Kriegsverbrechen begangen, die Trostfrauen waren alle ganz begeistert davon, den japanischen Soldaten zu Diensten zu sein, und die Inseln gehören sowieso zu Japan.

Und China? Stört genau das.

Und wer wirtschaftlich verliert, das habe ich vor Tagen vorausgesagt: Japan.

Kein Chinese wird auf absehbare Zeit ein japanisches Auto kaufen, weil er sich damit nicht in der Nachbarschaft blicken lassen kann.

So einfach ist das.

Und so strunzdumm war es von Herrn Noda, da nicht rechtzeitig gebremst zu haben.

Mao zu Japan

Der Staatsgründer der Volksrepublik China und langjähriger Vorsitzender der KPCh zum Chinesisch-Japanischen Krieges:
Mao zu dem japanischen Gast Kouzou Sasaki, 1964

Kouzou Sasaki: Früher, die Invasion des japanischen Militarismus hat euch große Schäden gebracht, uns tut es deshalb sehr leid.

Mao: Es gibt nichts zu entschuldigen. Der japanische Militarismus hat China große Nutzen gebracht, es hat dazu geführt, dass das chinesische Volk die Macht ergriffen hat. Ohne euch kaiserliche Armee hätten wir die Macht nicht ergreifen können. In diesem Punkt bin ich anderer Meinung als ihr.

Kouzou Sasaki: Dankeschön

Quelle: Seite 139, 毛泽东思想万岁 1961-1968

Mao zu Japan (2)

Mao im Jahr 1961 zu dem Japaner 黒田寿男:
"Als der Japaner 南乡三郎 mich besuchte, sagte er sofort, dass es ihm leid tat, dass Japan in China eingefallen war. Ich sagte zu ihm: Sehen wir doch nicht so.Die japanischen Warlords haben den Großteil Chinas besetzt und dadurch das chinesische Volk erzogen.Sonst wäre das chinesische Volk nicht aufgewacht, wäre nicht solidarisch geworden, und wir wären heute noch auf einem Berg und würden heute nicht in Peking sitzen, um Theater zu schauen. Gerade weil die japanische kaiserliche Armee den Großteil Chinas besetzt hat, konnte das chinesische Volk nichts anderes, als sich bewaffnet zur Wehr zu setzen und viele antijapanische Stützpunkte [hinter feindlicher Linie] zu errichten. Dies hat Voraussetzungen für den Sieg des Befreiungskriegs [Befreiungskrieg:Krieg gegen die Kuomintang] geschaffen. Deshalb haben die japanische Warlords und Monopolisten eine gute Sache getan. Wenn Worte des Dankes gesagt werden sollen, möchte ich eher den japanischen Warlords danken.
"

Quelle Seite 460-461, die diplomatischen Schriften des Mao Zedong, 毛泽东外交文选.

Mao zu Japan

Ironie der Geschichte ist, dass China, das im 2. Weltkrieg sehr gelitten hat, inzwischen militaristischer geworden ist als Japan. Japanische Grundschüler oder Gymnasiasten müssen nicht ständig für mehrere Wochen in die Militärkaserne, um gedrillt zu werden und einer intensiven „patriotischen Erziehung“ zu unterziehen, chinesische schon.

Vielleicht solltn Sie auch erwähnen, dass japanische Kriegsverbrechen und Gräueltaten, zum Beispiel das Massaker von Nanking, nach der kommunistischen Machtergreifung jahrzehntelang ein Tabuthema in China war und schnell in Vergessenheit geriet?Vielleicht sollten Sie auch erwähnen, dass Mao Zedong sich höchstpersönlich bei japanischen Staatsgästen für die japanische Invasion bedankt hat, dass die Kommunisten ohne die japanische Invasion in China und die darausresultierende schwächung der nationalchinesischen Armee niemals hätten China unterwerfen können?
Nach der Wirtschartsreform wurde Japan wieder als Feindbild in den Medien und Schulbüchern genommmen, Japan als ein Land dargestellt, das nur darauf warten würde, wieder in China einfallen zu können, um den chinesischen Nationalismus aufhetzen zu können, damit die Bevölkerung von den inneren sozialen Problemen abgelenkt werden kann. Die Geschichtsschreibung in China wurde höchst politisiert, um machtpolitischen Interessen der regierenden KP zu dienen.Das wäre den Opfern der japanischen Verbrechen auch nicht gerecht, politisch so sehr missbraucht zu werden, oder?

China stört es nicht

"Und China? Stört genau das."
Der chinesischen Regierung, sprich der KPCh, ist die Haltung der Japaner zu dem Chinesisch-Japanischen Krieg sowas von egal.Sonst wäre die japanische Kriegeshaltung wohl nicht jahrzehnte gar nicht von der chinesischen Regierung thematsiert worden. Hingegen haben sich KPCh-Vertreter damals keine Gelegenheit ausgelassen, um sich bei den Japanen für ihren Einfall in China zu bedanken, da die KPCh-Armee kurz vor der japanischen Invasion am Boden lag und ihre endgültige Vernichtung durch die Regierung der Republik China bereits abzusehen war, nur der japanische Einfall hat sie vor der Vernichtung gerettet.
Der japanische Tenno hat sich bei dem Besuch Deng Xiaopings in Japan für den Krieg entschudigt. Später haben auch mehrere japanische Premiere für den krieg entschudigt, und all diese Entschudigungen wurden in China verschwiegen, fielen einfach unter den Tisch, warum? weil es den Chinesen gar nicht um Kriegsreue der Japaner geht.

Nach der Aufgabe der Planwirtschaft sucht die chinesische Regierung nach neuen Feindbildern, sei es die US-Amerikaner, sei es die Japaner, um den eigenen Machterhalt zu legitimieren. Darum der ganze künstlich erzeugt Hass gegen Japan. Als ich in diesem Sommer in China war, da gab es keinen Tag, an dem nicht irgendwelche antijapanische Fernsehenserien liefen, wo Japaner als grausam, unmenschlich und abscheulich dargestellt wurden.

China Japan

die japanische Armee hat ohne Frage große Verbrechen in China begangen. Doch inzwischen sind schon 60 Jahre vergangen, Japan hat inzwischen per Verfassung verboten, jemals einen Krieg anzufangen, Japan hat seit dem Ende des 2. Weltkriegs auch an keinem Krieg mehr beteiligt, im Gegensatz zu China, das mehrmals Angriffskriege führte,(z.B 1950 gegen Tibet, 1962 gegen Indien, 1978 gegen Vietnam).
Eine solche massive Dämonisierung der Japaner in den chinesischen Massenmedien 60 Jahre nach dem Krieg,obwohl Japan ein pazifistisches Land geworden ist, lässt einem nur den Schluss zu, dass man hier nur Hass gegen Japan schüren will.
Und dass gerade jetzt der Inselstreit mit Japan in China durch Massendemonstrantionen in China hochstilisiert wurde, ist auch kein Zufall. China, wo normalerweise Demonstrationen sofort unterbunden werden, gingen letzte Zeit in mehr als 100 Städten hunderttausende Chinesen auf die Straße, zertrümmerten japanische Geschäfte, und Autos, griffen ihre Mitbürger an(Der schädel eines Chinesen wurde durchbohrt in Xian, weil er ein jap. Auto fuhr), all das wäre ohne eine zumindest Duldung der chinesischen Regierung gar nicht möglich gewesen.
Es haben sogar zahlreiche Medien davon berichtet, dass Polizisten in Zivil viele Großdemonstrationen gegen Japan organisiert und durchgeführt haben. Ein Polizeichef, der einen rasenden Mob anführte, um japanische Autos zu zerschlagen, wurde später als ein Polizeichef erkannt.

Ablenkungsmanöver

Es liegt nahe, dass die KPCh ein Interesse daran hat, die Bevölkerung von den derzeitigen Skandalen (sprichwort Wang lijun, Bo Xilai, etc)der KPCh und von der Machtwechsel der Führung abzulenken. Wahrscheinlich deshalb dieses ganze Schmiertheater. Das ganze wird sich demnächst wieder legen. Ein Krieg wird daraus nicht entstehen.

@Berlinkontakt
ich glaube, Sie unterschätzen die Abhängigkeit der chinesischen Wirtschaft von Japan.Mal von den japanischen Produktionsnalagen in China und den damit zusammenhängenden zigtausenden chinesischen Arbeitsplätzen abgesehen, sind ein Viertel aller in China angemeldeten Patenten in japanischen Händen, und ein Drittel der Patente letztens jahres kommen von japanischen Unternehmen. Wenn Chinesische Unternehmen in High-Tech-Bereichen tätig sein wollen, kommen sie an diesen ganzen japanischen Patenten und Technologien nicht drum herum.

Ach Gott, reven, eine Antwort in sechs Kapiteln.

Ermüdend.

Ich fange mal hinten an:

Was Sie da gelistet haben, sind die "Skandale", von denen die chinesische Führung ihre Schäfchen ablenken will?

Bei Wang Lijun, Bo Xilai und Gu Kailai handelt es sich um Verbrechen, die zur Zeit von regulären chinesischen Gerichten nach geltendem chinesischen Recht abgearbeitet werden.

Absolut nichts, von dem man das dumme Volk ablenken müsste.

Und der Machtwechsel der Führung, über den zur Zeit die gesamte westliche Presse in feuchte Träume (oder war das Fieber?) verfällt, zeigt dem Chinesen imho nur die Überlegenheit des chinesischen Systems - da stehen reihenweise gut qualifizierte Kandidaten bereit, die in verschiedensten Positionen ihre Eignung nachgewiesen haben, und warten auf den Ruf der Partei.

Die USA sind im Moment gerade das leuchtende Beispiel für das Konkurrenzmodell.
Da streiten sich ein glückloser Präsident, der kaum eines der tollen Versprechen aus seinem ersten Wahlkampf umgesetzt hat, mit einem Kandidaten, über den man in der übrigen Welt nur verständnislos den Kopf schüttelt, einem Verfechter übelster kapitalistischer Ideen, einem erfolgreichen Umgeher amerikanischer Steuergesetze und - last not least - einem bekennenden Anhänger und ehemaligen Missionar eines, vorsichtig ausgedrückt, sehr merkwürdigen Glaubens.

Finanziert wird das ganze Getöse durch Spenden.
Und da überlegt sich der Chinese, wie unabhängig ein solcher Entscheider gegenüber seinen Spendern eigentlich ist.

Und Deutschland?

Wir haben Guido

Auf Ihre Ausführungen zur geschichtlichen Aufarbeitung

der japanischen Schreckensherrschaft in China werde ich nicht weiter eingehen, das ist mir zu niedrig.

In den siebziger Jahren war China bemüht, das Verhältnis zu Japan zu normalisieren.
Herausragend in diesem Zusammenhang der Verzicht auf Reparationszahlungen, es ging um die für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von 50 Mrd USD.
Auf die hat Mao, barmherzig verzichtet - dem japanischen Volk gehe es schlecht genug, da wolle man es nicht durch eine so unvorstellbar hohe Summe weiter belasten.

Dumm nur, dass das von Japans Rechten als Absolution verstanden wurde.
Keine Reparationen = keine Kriegsschuld.

Die wiederholten Entschuldigungen japanischer Politiker wurden übrigens China durchaus nicht verschwiegen, war China doch auch an einer Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Staaten interessiert.

Sie werden nur in der Wahrnehmung durch das Volk immer wieder durch real existierende Vorgänge in Japan relativiert.

So wurden z. B. 1978 (das war acht Jahre nach dem Kniefall Willy Brandts in Warschau) die Namen der verurteilten Kriegsverbrecher in die Liste im Yasukuni-Schrein aufgenommen.
Dort werden sie nun zusammen mit den anderen japanischen Helden verehrt.
Sowas wird natürlich auch in China bekannt.

Der Tenno geht übrigens seitdem nicht mehr zum Yasukuni-Schrein.
Japanische Politiker sehr wohl.

Noch was zum Thema "genug"

Sie argumentieren, seit den großen Verbrechen, die die japanische Armee ohne Frage in China begangen habe, seien inzwischen schon 60 Jahre vergangen.

Soll heißen, allmählich muss gut sein mit dem Thema, oder?

Irrtum, reven.
Japan hat kein Recht auf die Definition, wann es genug ist, das steht nur den Opfern zu.

Und seien Sie versichert:

solange es in Japan eine Gedenkstätte gibt, in der die Namen der Kriegsverbrecher verehrt werden
und in der japanische Veteranen meinen, in der damaligen Uniform auftreten zu müssen
in der Uniform, die die Soldaten trugen, die im besetzten China Kinder lebendig begraben haben,

solange wird es in China keine ausreichende Mehrheit für ein "jetzt ist es genug" geben.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht relativieren

Mao formuliert ein Körnchen Wahrheit aus seiner ironisch aufgeladenden Perspektive: seine KPCh stand in einem Zweifronten-Krieg mit der Kuomingtang und Japan. Insofern ist der japanische Angriffskrieg als eine Entlastung für die Volksbefreiungsarmee anzusehen, weil sonst die nationalchinesischen Truppen alle ihre Kräfte zur Vernichtung des Kommunismus hätte aufbieten können.

Ebenso kann man argumentieren, dass Mao Hitler's Kriege verübelte, weil er die Kräfte des Britischen Empires in Europa band, und die japanischen Truppen entlastete - also wäre der Holocaust und die deutschen KZ's aus Sicht der KPCh unentschuldbar - während die japanischen Kriegsverbrechen aber entschuldbar sind.

Die chinesische Bevölkerung hat ein sehr legitimes Interesse daran, dass japanische Kriegsverbrecher bestraft werden und ihre Taten in Erinnerung behalten werden. Schliesslich umfasste die Liste der Kriegsverbrecher ursprünglich hunderte von Personen, aber in den Tokioter in den Jahren 1946 bis 1948 wurden nur 28 Japaner angeklagt. Das ist ein Witz, wenn ihr revisionistisches Weltbild die Kriegsverbrecher schützt.

Kriegsverbrechen bleiben Kriegsverbrechen, sogar wenn das "friedliche, pazifistische" Japan gerade ein nützlicher Frontstaat gegen den Kommunismus bildet. Das geht in ihren Wirrkopf eben nicht hinein, dass Morde gesühnt werden müssen. An Morden und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gibt es nichts zu relativieren.

Bemerkung

"seine KPCh stand in einem Zweifronten-Krieg mit der Kuomingtang und Japan. "
Die KPCh führte beim Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges keinen krieg gegen Japan, woher also Ihr zweitfronten-krieg?? Die Kuomintang-Regierung führte aber sehr wohl Kriege gleichzeitig mit Japanern und Kommunisten vor dem Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges 1937, zum Beispiel 1931 die Schlacht in Schanghai zwischen der Kuomintang und Japanern, während die Kommunisten in Jiangxi einen separaten Staat ausriefen.

"Insofern ist der japanische Angriffskrieg als eine Entlastung für die Volksbefreiungsarmee anzusehen"
Der japanische Angriffskrieg hat die Kommunisten vor der Vernichtung gerettet. Ja.
übrigens: Die "Volksbefreiungsarmee" gab es damals nicht, sie entstand erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges nach 1945.

"aber in den Tokioter in den Jahren 1946 bis 1948 wurden nur 28 Japaner angeklagt. Das ist ein Witz, wenn ihr revisionistisches Weltbild die Kriegsverbrecher schützt."

Beschweren Sie sich hierbei bitte bei den Amerikanern, denn die waren damals die Besatzungsmacht und konrollierten die Justiz.

Bemerkung(2)

Die japanischen kriegsverbrecher vom 2. Weltkrieg sind allesamt tot. Die chinesischen kriegsverbrecher, die in Tibet, Vietnam und CO gewütet haben, sind aber noch am Leben und werden in China gehuldigt. die chinesischen kriegsverbrecher gegen das eigene Volk (vgl. beijing 1989)laufen bis heute frei herum und führen mit ihren Sippen ein privilegiertes Leben als pensionierte Partei und Staatsführer.Ebenso hat das chinesische Volk das Recht von all den Greueln der KPCh im Bürgerkrieg(bei der belagerung von changchun, wo hunderttausende Menschen verhungert waren, schossen die KPCh-Soldaten die flüchtende Zivilisten in die Stadt zurück, damit diese schön die Lebensmitteln der Stadt verbrauchen konnten), in der Mao-Ära und auch späteren Perioden zu erfahren. Ebenso hat das Volk das Recht zu erfahren, dass die KPCh im. 2.Weltkrieg trotz des Opium-Verbots der Regierung massenhaft Opium anpflanzten und in die freie Zone verkaufte, um an Geld ranzukommen, während die nationalchinesischen Truppen zu tausenden an der Front verbluteten. Mao ermahnte seine Getreuen, dass sie nicht dazu da waren, "das Land von Chiang Kai-Shek " vor den Japanern zu retten, lieber schauten sie Japaner und nationalchinesische Truppen gegenseitig zerfleischen.Doch diese selektive berichterstattung in den chinesischen Massenmedien, die von den Verbrechen der KPCh nichts, aber von den Verbrechen der Japaner masslos berichten, dabei die Liberalisierung in Japan verschweigen, ist einfach nur Propaganda pur.

Nachtrag zum Militarismus in China

Hat ein wenig gedauert, weil ich mich erst in meiner chinesischen Bekanntschaft rückversichern musste:
keiner von denen war jemals zu Drill und patriotischer Erziehung in der Militärkaserne.

Kam mir auch komisch vo - gäbe es sowas in China, wäre das schon lange nach allen Regeln der Kunst in unserer Presse, die ja nicht so ganz unkritisch ist, wenn es um China geht ist, breitgetreten worden.

Nun wollen wir hier aber keine maßlosen Übertreibungen...

"...für mehrere Wochen in die Militärkaserne, um gedrillt zu werden und einer intensiven patriotischen Erziehung..."

Auch die chinesischen Schüler oder Studenten werden nicht in die Militärkaserne geschickt (allein von der Menschenmassen wäres nicht möglich) und schon gar nicht über mehreren Wochen. Denn diese Training findet in allen Unis oder Schulen for Ort jedes Jahr für die Erstsemestler gleichzeitig statt, und mehr als eine Woche Training würde es mit dem ohnehin schon straffen Lehrplan Problem geben)!

Die patriotische Erziehung ist tatsächlich ein Bestandteil der Militärtraining, dient aber nicht dem Hauptzweck der Training. Solange es kein Nationalismus in China beigebracht wird, bleibt die Kritik an ihren Patriotismus willkürlich, unsachlich und ungerecht. Und ich habe noch von keinen Chinesen die Behauptung gehört, sie seien die besten und reinsten Rasse der Welt.

Was tatsächlich in dieser Militärtraining vor sich geht ist, dass man den Studenten die Ausdauer, Disziplin, keine Furcht vor Schwierigkeiten und das Leben in der Gemeinschaft (wegen der Einkindpolitik) etc. beibringt. Auch die Übungen, auch wenn manche Unis Uniform tragen, haben in der Tat am wenigsten mit Militärübungen zutun, sondern man lernt z.B. Selbstverteiligung. Aus westler Sicht sind viele Übungen gegen die Menschwürde, weil sie extreme Ausdauer und Disziplin fordern,aber in Asien sind die Menschen dieser Härte bzw. dem "gedrillt sein" gewohnt, das gilt übrigen auch für die Japaner.

Anmerkung

noch ein Link:
Die Gymnasiasten dieser Schule werden da in einer Kaserne gedrillt, zusammen mit den "richtigen" Soldaten
http://www.zz4z.com:8101/...

" Solange es kein Nationalismus in China beigebracht wird, bleibt die Kritik an ihren Patriotismus willkürlich"

Einst sagt jemand:"Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt. Ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anden verachtet."

Das, was wir in den letzten Wochen in China gesehen haben, das war kein "Patriotismus", das war "Nationalismus". Patrioten kann keiner sein, der seine eigenen Mitbürger dafür angreift oder Eigentümer seiner Mitbürger beschädigt, Nationalisten sind es aber, die andere Länder und Völker grenzenlos entwerten und verteufeln, zum Beispiel in diesem Fall gegen Japan. "Macht Tokio dem Erdboden gleich", oder " tötet alle Japaner, selbst wenn überall in China Gräber liegen würden" oder "vergewaltigt alle japanische Frauen" waren eine der gebräuchsten Schlatrufe der chinesischen Demonstranten.

Dieser Nationalismus, der in den letzten Wochen von hunderrtausenden Chinesen zum Ausdruck gebracht worden ist, der in Zerstörung zigtausender japanischer Autos und Geschäfte einhergeht, muss nicht nur kritisiert werden, sondern auch bekämpft werden.

" das gilt übrigen auch für die Japaner."

Noch mal: In Japan müssen keine Grundschüler, Gymnasiasten oder Studenten militärisch gedrillt werden und einer patriotistischen Erziehung unterzogen werden.

Sie habe Ihren Punkt bekommen, reven, damit zurück zum Thema.

Es ist für die derzeitigen Spannungen zwischen China und Japan eigentlich ziemlich irrelevant, wie die paramilitärische Erziehung von Schulkindern in den jeweiligen Staaten organisiert ist.

Das Problem ist der Umgang mit der Schuld, die eine Nation durch das Verhalten ihrer Truppen gegenüber den Angehörigen der anderen Nation auf sich geladen hat.

Da hat die japanischen Gesellschaft Defizite, die sich dazu mit zunehmendem zeitlichen Abstand verstärken.

Und deshalb kocht in China der Volkszorn.

Wenn sie es gerne als Nationalismus bezeichnen, dann bitte...

Sie sollten sich vielleicht einmal grundlich über den Grund der Reaktion der Chinesen Gedanken machen, statt sofort die Chinesen als Nationalisten zu verurteilen. Und ich betone hier das Wort "Reaktion" und nicht "Aktion"!!! Dass einige Taten rechtswedrig waren, steht außer Frage, dennoch ist es übertrieben sie als Nationalisten zu bezeichnen. Vielmehr sind das gekochte Zorn und Wut, die mit den zahlreich bereichts in vielen vorherigen Texte genannten Leugnungen der japanischen Regierung über die Jahren wachsen.

Ja, es sind immer die richtigen Soldidaten, die die Kinder trainieren, na und? Wer sollte sonst den Kindern Disziplin beibrigen, wenn es Militärtraining heißt? Wer zum Bundeswehr in Deutschland geht, hat auch mit Soldaten zutun und erlegt dort kein Zuckerschlecken!

Übrigens habe ich nicht behauptet, dass die Japaner zu solchen Training geschickt werden, sondern meine Aussage bezieht sich lediglich auf die harte Erziehung in Asien, dass sie auch für die Japaner gilt.

Richtig, die Japaner müssen sich zu keinen politisch gelenkten patriotischen Erziehungen verpflichten, denn sie gehen einen anderen Weg, indem sie das Kriegsverbrechen in den Geschichtsbüchern verschwinden und sich selbst als Opfer darstellen lassen. Außerdem wäre eine nationalistische Erziehung in Japan überflüssig. Ach ja, waren es übrigens nicht die japanischen Nationalisten, die den Streit angestiftet haben? Na so ein Mist auch!

Die chinesen verfolgen eine kluge Strategie

China hat bekommen, was es wollte: japanische Technologie und Know-How. Es kann nicht im nationalen Interesse Chinas sein, dass ausgerechnet diejenige Macht, die als Konkurrent um Rohstoffe und Maerkte fuer die chinesische Exportindustrie dasteht, noch weiterhin saftige Profite einstreicht. Schliesslich stehen die Fabriken, und China kann ohne japanische Hilfe weitermachen.

Nicht unwahrscheinlich, dass deutschen Firmen in China irgendwann das gleiche Schicksal drohen wird, wenn das wesentliche Know-How abgesaugt ist.

Der Profit

Der zu erwartende Profit erhöht vielleicht die Bereitschaft zur Belastung. Nicht die Wirtschaft entscheidet sonder die Politik und die Herrschaft. Und wie man sah und sieht, ist sie gerne bereit, andere, auch eigene Bürger und Wirtschaft zu belasten, wenn sie ihren Nutzen höher veranschlagt.