DIE ZEIT: Mrs Presley, gewöhnt man sich mit den Jahren daran, die Tochter von Elvis zu sein?

Lisa-Marie Presley: Auf eine gewisse Art und Weise habe ich das wohl. Man lernt, seinen Alltag präzise aufzuteilen in das, was öffentlich ist, und das, was privat bleiben muss. Das Private und Intime zu verteidigen und zu verstecken war von klein auf Teil meiner Erziehung. Aber es ist nicht einfach. Deshalb bin ich mit meiner Familie nach England umgezogen.

ZEIT: Muss die einzige Tochter des »King of Rock ’n’ Roll« zwangsläufig eine Platte aufnehmen?

Presley: Es wurde von mir erwartet. Vieles in meinem Leben war kompliziert, da ich unter öffentlicher Beobachtung aufwuchs. Alles, was ich tat und ausprobierte, wurde kommentiert und bewertet – seit ich denken kann. Es schien klar, dass ich ein Popstar werden muss. Zuerst war ich bei einer Plattenfirma, die von mir erwartete, die Welt zu erobern. Ich spielte eine Weile mit, war aber nie von der Rolle überzeugt. Nach meinem letzten Pop-Album vor sieben Jahren war ich so enttäuscht, dass ich mir schwor, für immer die Finger von der Musik zu lassen. Ich fühlte mich von der Plattenfirma verraten, und mein Frust saß so tief, dass ich lange Zeit keine Musik hören mochte. Egal, von wem. Mit meiner neuen Platte fange ich wieder bei null an. Ich sehe mich als Singer-Songwriter. In der Rolle des künstlerischen Außenseiters fühle ich mich durchaus wohl. Ein Popstar werde ich nie.

ZEIT: Haben Sie deshalb die Songs Ihres Albums Storm & Grace mit hippen britischen Singer-Songwritern wie Richard Hawley und Ed Harcourt verfasst – also Musikern, die eher für ein überschaubares Publikum musizieren?

Presley: Das war ein Einfall meines Ehemanns, der einen Narren an britischem Indie-Pop gefressen hat. Der hat mich mit den beteiligten Songwritern zusammengebracht. Ehrlich gesagt, war das für mich anfangs eher ein kurioses Experiment. Aber dann war ich selbst erstaunt, wie gut das funktionierte.

ZEIT: Richard Hawley ist – wie viele seiner Kollegen – als ein glühender Elvis-Verehrer bekannt. Waren die Musiker nervös in Ihrer Gegenwart?

Presley: Ja, einige waren wohl aufgeregt, aber ich war ebenso nervös. Aber nachdem wir uns etwas kennengelernt hatten, arbeiteten wir entspannt zusammen. Den Song Weary schrieb ich mit Richard Hawley in einer Stunde. Danach war das Eis gebrochen.

ZEIT: Wie viel Erwartungshaltung lastet auf dem Namen Presley?

Presley: Erdrückend viel. Ich habe ernsthaft erwogen, mir ein Pseudonym zuzulegen. Ohne den Namen Presley arbeitet man freier. Einfach nur als Lisa-Marie, warum nicht? Andererseits ist jede Plattenfirma scharf darauf, den Namen Presley zu vermarkten. Mein eigenes Interesse allerdings, den Familiennamen mit meinen Songs zu kombinieren, liegt bei null. Wie sehr habe ich Jakob Dylan beneidet, als der mit seiner Band The Wallflowers einfach loslegte. Das war brillant. Nun gut, ich habe mich mit meinem Familiennamen arrangiert. Ich heiße nun mal Presley, und ich werde nicht vor meiner Verantwortung davonlaufen.

ZEIT: Wie viele Fans kommen zu Ihren Konzerten, um Sie wie ein Ausstellungsstück zu begaffen?

Presley: Dreißig bis vierzig Prozent des Publikums kommen nur, weil ich die Tochter von Elvis Presley bin. Die erkenne ich sofort, aber es ist okay. Es gibt aber auch Fans meiner Musik, die mir von Show zu Show nachreisen, weil sie mich mögen. Außerdem habe ich viele Verehrer in der Gay-Szene, die mir treu folgen und mich nur mögen, weil ich bin, wie ich bin. Natürlich frage ich mich an schwierigen Tagen, warum ich mich ohne Not in die Öffentlichkeit herauswage. Wem will ich etwas beweisen? Konzerte bedeuten für mich einen enormen Druck. Aber klar, wenn alles vorbei ist, bin ich glücklich, etwas geschafft zu haben.