Euro-Krise : Spanien, oh jé!

Spanien hat mit einer deftigen Wirtschaftskrise zu kämpfen. Jeder Vierte ist arbeitslos. Und jetzt pocht Katalonien auch noch auf Unabhängigkeit.
In Madrid machen Regierungsbeamte den spanischen Ministerpräsident Rajoy und Kanzlerin Merkel für die Krise verantwortlich (Archiv). © Dominique Faget/AFP/GettyImages

Die Niederlage feiern sie wie einen Sieg. Als Artur Mas, Ministerpräsident der Region Katalonien, von seinem Treffen mit dem spanischen Premier Mariano Rajoy zurückkehrt, jubeln ihm die Menschen auf den Straßen von Barcelona zu. Dabei hat er gerade eine Abfuhr erhalten. Die Zentralregierung in Madrid wird nicht mit Katalonien über eine Fiskalreform sprechen und schon gar nicht die geforderte steuerliche Selbstbestimmung gewähren.

Der Jubel gilt nun dem einzigen Ausweg, den Mas für diesen Fall offen gelassen hat: der angekündigten Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. »Katalonien – der nächste Staat in Europa« – steht auf Transparenten.

Eine kleine Lobbygruppe verficht dieses Ziel seit Jahren. Spaniens Finanzkrise hat ihr nun Zulauf beschert. Dem Argument, Katalonien könnte ein blühender Landstrich sein, würde es sich nur endlich aus dem klammen Königreich lösen, folgt inzwischen eine Mehrheit der Bürger in der nordostspanischen Region.

Spanien kämpft mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise, maroden Banken und hoher Arbeitslosigkeit. »Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet gibt es keinen Zweifel an den Vorteilen der Unabhängigkeit«, sagt Xavier Roig. Der Unternehmer aus Barcelona ist kein Eiferer.

Reiches Katalonien

Doch 16 Milliarden Euro sind ein starkes Argument. Diese Summe hat Katalonien im vergangenen Jahr nach Madrid überwiesen. Jedes Jahr seien es acht bis zehn Prozent des regionalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), die im Rahmen des Finanzausgleichs zwischen den 17 autonomen Regionen Spaniens fällig würden.

»Das führt unweigerlich dazu, dass Geld für die eigenen Verpflichtungen fehlt, und dazu, dass Katalonien Schulden machen muss«, sagt Roig. Die Verpflichtungen summieren sich auf 44 Milliarden Euro und machen Katalonien zu der am stärksten verschuldeten Region Spaniens – auch weil es in Jahren des Booms einen vielfach verschachtelten Verwaltungsapparat aufgebaut hat, der sich nun nicht mehr finanzieren lässt. Um fünf Milliarden Euro musste Katalonien gerade die Zentralregierung anpumpen.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

der Fremdenverkehr

ist der Schlüssel für den weiteren zu erreichenden Efolg des spanischen Staates.

Doch wenn die Bevölkerung dann die Touristen us Europa und Deutschland vergrault geht das Land mehr als unter.

Das sollte die Regierung der spanischen Bevölkerung auch einmal sagen bevor die Reisekonzerne ihre Ziele in andere Länder vermarkten.

Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen, siehe Neuaufteilung z.B. Jugoslawiens und die heftigen Sicherheitsprobleme in den Kleinstaaten ganz abgesehen von deren neuen Armut.

lächerlich - etwas hart

"Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen"

Ich finde "lächerlich" ist eine sehr harte und abwertende Formulierung. Das ist schade. Dieser Sachverhalt der Forderung nach Unabhängigkeit Kataloniens ist sehr komplex und geprägt von negativen Erlebnissen und einer tragischen Historie:
Die Sprache wurde verboten, Menschen verschleppt, ermordert, gefoltert, Familien auseinander gerissen, es wurde versucht die "katalanische Rasse" mit der "spanischen Rasse" zu mischen und so "auszurotten" - Und Sie fassen es hier mit "lächerlich" zusammen.

Ich würde mir von Ihnen in diesem Fall mehr Respekt gegenüber dieser Situationen und dem Sachverhalt wünschen.

.....

Sollte es nicht darum gehen, die Geschichte zu überwinden?
Natürlich sind in Spanien Greueltaten verübt worden, wie in jedem anderen Land Europas auch.
Zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte war jede Bevölkerungsgruppe sicherlich diesen Verbrechen ausgeliefert. Mal waren es Katalonen, anfangs waren es Araber, andernorts Juden, woanders sind es Protestanten gewesen.
Heißt das auch, daß Sie sich gegen eine Aussöhnung aussprechen? Darf man Vergangenes nicht hinter sich lassen, sondern muß bis in alle Ewigkeit in regionalen Dimensionen denken? Nichts für ungut, aber das halte ich in unserer (technologisch) globalisierten Welt für unglaublich archaisch.

Was wir unseren Kindern immer wieder beibringen ist doch aus der Vergangenheit zu lernen.
Der Kerngedanke Europas ist ein friedliches Miteinander aller Völker, unabhängig welchem Nationalstaat sie entstammen.

Eine Aufspaltung bestehender Staaten kann dieser Idee nur den Todesstoß versetzen. Können Sie sich vorstellen, was es wirtschaftlich und politisch für Auswirkungen hätte, wenn es keine Europa mehr gäbe, sondern statt dessen einen Flickenteppich europäischer Klein- und Kleinststaaten wie im Mittelalter?

Daß das derzeitige Monstrum EU zur Lösung vorerst beseitigt und von Grund auf demokratisch neu aufgebaut werden muß, ist (hoffentlich) klar.
Dies kann, IMO, aber nur aus dem laufenden Prozeß heraus geschehen. Zerbricht Spanien erstmal in seine Bestandteile wird der Rest schnell nachfolgen (Belgien, Italien, etc.pp.)

Sie haben nicht korrekt interpretiert

Gegenfrage: Sollte es darum gehen, alles stehen und liegen zu lassen und die Geschichte ignorieren? Das kann es auch nicht sein.
Aussöhnung, selbstverständlich! Nur bitte nicht Menschen und ihre Wünsche mit "lächerlich" bezeichnen.

Natürlich, wir sollten vorrausschauen und aus der Geschichte lernen. Genau das hat Katalonien getan. Aber wenn nach 300 Jahren immernoch die Unabhängigkeit gefordert wird und es nicht geschafft wurde, diesen Teil des Landes zu integrieren, muss man sich fragen, woran das liegt.

Noch etwas: Die Katalanen haben in den vergangenen 300 Jahren nie zur Gewalt gegriffen! Es ist ein friedliches Volk und sie wollen auch friedlich ihre Unabhängigkeit erkämpfen! Das ist eine gute Sache, denke ich!

In dem Punkt Abspaltung und das es eine Art Rückwärtsgang für den europäischen Gedanken wäre, da gebe ich 100% recht - und genau das ist der Punkt warum ich zwiegespalten bin.

Abschließend: Es ist eine schwierige und komplexe Situation. Mal schauen, wo es hingeht!