Euro-Krise Spanien, oh jé!
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Ruinen spanischer Verschwendungssucht

Bei Castellón in der Region Valencia führt ein erkennbar neues Schild zum Flughafen. Der Flughafen hat 150 Millionen Euro gekostet, doch seit seiner Eröffnung vor mehr als einem Jahr ist keine einzige Verkehrsmaschine hier gelandet. Kein Bedarf. Ein einsamer Wachmann hinter dem Bauzaun passt auf, dass niemand faule Eier auf die Statue wirft, mit der sich der ehemalige Provinzfürst Carlos Fabra verewigen ließ. Der Flughafen ist zum Symbol der spanischen Verschwendungssucht geworden.

»Für alles Mögliche hatten sie Geld«, schimpft José Chulvi, ein Sozialist, »für den Flughafen, für die Formel 1, für den Segelwettbewerb Copa de America. Aber uns schuldet Valencia 1,2 Millionen Euro.« Chulvi ist Bürgermeister der Küstengemeinde Javéa. Auch Valencia hat Finanzhilfe in Madrid beantragt. Im August begann die Region, die nach spanischem Recht für die Finanzierung des Gesundheitswesens zuständig ist, endlich ausstehende Rechnungen der Apotheken für Arzneimittel zu begleichen. Mindestens 300 Apotheken, so heißt es beim regionalen Berufsverband, stünden wegen der Zahlungsrückstände vor dem Aus.

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Auch Sofía kennt die Misere. Die Altenpflegerin, die ihren Nachnamen nicht nennen will, muss neuerdings Windeln sparen. »Wenn ein Bewohner des Heims früher jeden Tag fünf bekommen hat, dann sind es jetzt nur noch drei.« Sie und ihre Kollegen arbeiten unentgeltlich mehr, weil für zusätzliches Personal kein Geld vorhanden sei. »Die Arbeitgeber nutzen die Situation aus, sie wissen ja, wie viele Arbeitslose es gibt. Wenn jemand über die Zustände klagt, dann heißt es, ›Du kannst ja gehen‹.«

Die höchste Arbeitslosigkeit der Welt

Seit einigen Tagen hat es Spanien Schwarz auf Weiß. Mit 24,5 Prozent ist die Arbeitslosigkeit die höchste weltweit. Von den unter 25-Jährigen ist jeder Zweite ohne Job. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) macht keine Hoffnung auf Entspannung: Selbst wenn die Euro-Krise in den nächsten Monaten nicht weiter eskaliere, so die Prognose, werde Spaniens Erwerbslosenquote bis 2015 nur geringfügig auf 23,4 Prozent sinken.

Auswandern, mit über 30 noch bei den Eltern wohnen, zurück an die Uni gehen, schwarzarbeiten – das sind die Alternativen, mit denen Spaniens Arbeitslose jonglieren. Manuel Enrique Sanfiz sucht nach Gold. Der 34-jährige Familienvater hat als Maurer bei einem Unternehmen im nordspanischen Gijón gut verdient. Seit dem vergangenen Jahr wird er nicht mehr gebraucht. Jetzt steht er in dem kleinen Ort Navelgas in Asturien jeden Tag acht Stunden im Fluss, gräbt sich mit Schaufel und Hacke in den Boden, um die tief unten liegenden Goldkörnchen abzugraben. »50 bis 60 Euro am Tag kriege ich schon zusammen«, sagt er.

Schon Sanfiz’ Großvater hat so seine Familie durchgebracht, als er in den sechziger Jahren arbeitslos wurde. Er stand selbst dann im Fluss, wenn um ihn herum Eisschollen trieben. Bei dem jungen Sanfiz hängt ein Neoprenanzug vor dem Fenster. Die Krise wird so schnell nicht vorbei sein. Sanfiz ist vorbereitet.

Update: Der Text wurde nach Erscheinen der Print-Ausgabe für die Online-Veröffentlichung aktualisiert. (ae)

 
Leser-Kommentare
  1. Eine Senkung der Abgaben könnte die Lösung sein!

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    • ribera
    • 05.10.2012 um 16:31 Uhr

    Beispielsweise, dass Katlonien zwar die höchste Summe im Finanzausgleich gezahlt hat.
    Aber heruntergebrochen auf den einzelnen Bürger, haben andere Autonomias mehr Geld abgeführt.

    • ribera
    • 05.10.2012 um 16:31 Uhr

    Beispielsweise, dass Katlonien zwar die höchste Summe im Finanzausgleich gezahlt hat.
    Aber heruntergebrochen auf den einzelnen Bürger, haben andere Autonomias mehr Geld abgeführt.

  2. Gerade die Krise von 2008 und danach zeigt, dass fehlende Transparenz ganz wesentlich ursächlich war.Also: viva Katalonien

    3 Leser-Empfehlungen
  3. ist der Schlüssel für den weiteren zu erreichenden Efolg des spanischen Staates.

    Doch wenn die Bevölkerung dann die Touristen us Europa und Deutschland vergrault geht das Land mehr als unter.

    Das sollte die Regierung der spanischen Bevölkerung auch einmal sagen bevor die Reisekonzerne ihre Ziele in andere Länder vermarkten.

    Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen, siehe Neuaufteilung z.B. Jugoslawiens und die heftigen Sicherheitsprobleme in den Kleinstaaten ganz abgesehen von deren neuen Armut.

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    "Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen"

    Ich finde "lächerlich" ist eine sehr harte und abwertende Formulierung. Das ist schade. Dieser Sachverhalt der Forderung nach Unabhängigkeit Kataloniens ist sehr komplex und geprägt von negativen Erlebnissen und einer tragischen Historie:
    Die Sprache wurde verboten, Menschen verschleppt, ermordert, gefoltert, Familien auseinander gerissen, es wurde versucht die "katalanische Rasse" mit der "spanischen Rasse" zu mischen und so "auszurotten" - Und Sie fassen es hier mit "lächerlich" zusammen.

    Ich würde mir von Ihnen in diesem Fall mehr Respekt gegenüber dieser Situationen und dem Sachverhalt wünschen.

    gestrigen erinnern uns auch an die Schlacht im Teuteburger Wald.
    Strich drunter und nach vorne schauen ist eine gute und sinnvolle Aktion.
    Vergangenheitsvorfwürfe bin ich satt!

    "Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen"

    Ich finde "lächerlich" ist eine sehr harte und abwertende Formulierung. Das ist schade. Dieser Sachverhalt der Forderung nach Unabhängigkeit Kataloniens ist sehr komplex und geprägt von negativen Erlebnissen und einer tragischen Historie:
    Die Sprache wurde verboten, Menschen verschleppt, ermordert, gefoltert, Familien auseinander gerissen, es wurde versucht die "katalanische Rasse" mit der "spanischen Rasse" zu mischen und so "auszurotten" - Und Sie fassen es hier mit "lächerlich" zusammen.

    Ich würde mir von Ihnen in diesem Fall mehr Respekt gegenüber dieser Situationen und dem Sachverhalt wünschen.

    gestrigen erinnern uns auch an die Schlacht im Teuteburger Wald.
    Strich drunter und nach vorne schauen ist eine gute und sinnvolle Aktion.
    Vergangenheitsvorfwürfe bin ich satt!

    • RPT
    • 05.10.2012 um 16:03 Uhr

    1) Es wird die dynamischte Wachstumsregion der Welt geschaffen und 2) die Völker Europas werden zusammengebracht.

    Ich bin angesichts des Resultats nach 10 Jahren wirklich sehr beeindruckt.

    9 Leser-Empfehlungen
  4. Spanien hat bestimmt erhebliche Probleme. Sicher jedoch nicht die weltweit hoechste Erwerbslosen Rate. Da gibt es andere Kandidaten, in Mazedonien, in Kenya etc.
    Zum Thema europ. Union und Ueberwindung der Nationalstaaten: Die tatsaechlichen Bestrebungen in Spanien, Schottland, Belgien, Daenemark etc. sprechen den polt. Sonntagsreden - insbesondere im Zusammenhang mit der unsaeglichen "Eurorettung" Hohn.

    3 Leser-Empfehlungen
    • ribera
    • 05.10.2012 um 16:31 Uhr

    Beispielsweise, dass Katlonien zwar die höchste Summe im Finanzausgleich gezahlt hat.
    Aber heruntergebrochen auf den einzelnen Bürger, haben andere Autonomias mehr Geld abgeführt.

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    Das ist das erste mal, dass ich so etwas höre.

    Haben Sie vielleicht eine Quelle? Wäre interessant mehr hierzu zu lesen! Danke im Voraus!

    Das ist das erste mal, dass ich so etwas höre.

    Haben Sie vielleicht eine Quelle? Wäre interessant mehr hierzu zu lesen! Danke im Voraus!

  5. "Und die Abspaltung einer Region ist mehr als lächerlich von der Forderung her und hat sich in der Praxis in den letzten fünfzig Jahren nicht erwiesen"

    Ich finde "lächerlich" ist eine sehr harte und abwertende Formulierung. Das ist schade. Dieser Sachverhalt der Forderung nach Unabhängigkeit Kataloniens ist sehr komplex und geprägt von negativen Erlebnissen und einer tragischen Historie:
    Die Sprache wurde verboten, Menschen verschleppt, ermordert, gefoltert, Familien auseinander gerissen, es wurde versucht die "katalanische Rasse" mit der "spanischen Rasse" zu mischen und so "auszurotten" - Und Sie fassen es hier mit "lächerlich" zusammen.

    Ich würde mir von Ihnen in diesem Fall mehr Respekt gegenüber dieser Situationen und dem Sachverhalt wünschen.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "der Fremdenverkehr"
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    • pakZ
    • 05.10.2012 um 17:39 Uhr

    Sollte es nicht darum gehen, die Geschichte zu überwinden?
    Natürlich sind in Spanien Greueltaten verübt worden, wie in jedem anderen Land Europas auch.
    Zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte war jede Bevölkerungsgruppe sicherlich diesen Verbrechen ausgeliefert. Mal waren es Katalonen, anfangs waren es Araber, andernorts Juden, woanders sind es Protestanten gewesen.
    Heißt das auch, daß Sie sich gegen eine Aussöhnung aussprechen? Darf man Vergangenes nicht hinter sich lassen, sondern muß bis in alle Ewigkeit in regionalen Dimensionen denken? Nichts für ungut, aber das halte ich in unserer (technologisch) globalisierten Welt für unglaublich archaisch.

    Was wir unseren Kindern immer wieder beibringen ist doch aus der Vergangenheit zu lernen.
    Der Kerngedanke Europas ist ein friedliches Miteinander aller Völker, unabhängig welchem Nationalstaat sie entstammen.

    Eine Aufspaltung bestehender Staaten kann dieser Idee nur den Todesstoß versetzen. Können Sie sich vorstellen, was es wirtschaftlich und politisch für Auswirkungen hätte, wenn es keine Europa mehr gäbe, sondern statt dessen einen Flickenteppich europäischer Klein- und Kleinststaaten wie im Mittelalter?

    Daß das derzeitige Monstrum EU zur Lösung vorerst beseitigt und von Grund auf demokratisch neu aufgebaut werden muß, ist (hoffentlich) klar.
    Dies kann, IMO, aber nur aus dem laufenden Prozeß heraus geschehen. Zerbricht Spanien erstmal in seine Bestandteile wird der Rest schnell nachfolgen (Belgien, Italien, etc.pp.)

    • pakZ
    • 05.10.2012 um 17:39 Uhr

    Sollte es nicht darum gehen, die Geschichte zu überwinden?
    Natürlich sind in Spanien Greueltaten verübt worden, wie in jedem anderen Land Europas auch.
    Zu irgendeinem Zeitpunkt der Geschichte war jede Bevölkerungsgruppe sicherlich diesen Verbrechen ausgeliefert. Mal waren es Katalonen, anfangs waren es Araber, andernorts Juden, woanders sind es Protestanten gewesen.
    Heißt das auch, daß Sie sich gegen eine Aussöhnung aussprechen? Darf man Vergangenes nicht hinter sich lassen, sondern muß bis in alle Ewigkeit in regionalen Dimensionen denken? Nichts für ungut, aber das halte ich in unserer (technologisch) globalisierten Welt für unglaublich archaisch.

    Was wir unseren Kindern immer wieder beibringen ist doch aus der Vergangenheit zu lernen.
    Der Kerngedanke Europas ist ein friedliches Miteinander aller Völker, unabhängig welchem Nationalstaat sie entstammen.

    Eine Aufspaltung bestehender Staaten kann dieser Idee nur den Todesstoß versetzen. Können Sie sich vorstellen, was es wirtschaftlich und politisch für Auswirkungen hätte, wenn es keine Europa mehr gäbe, sondern statt dessen einen Flickenteppich europäischer Klein- und Kleinststaaten wie im Mittelalter?

    Daß das derzeitige Monstrum EU zur Lösung vorerst beseitigt und von Grund auf demokratisch neu aufgebaut werden muß, ist (hoffentlich) klar.
    Dies kann, IMO, aber nur aus dem laufenden Prozeß heraus geschehen. Zerbricht Spanien erstmal in seine Bestandteile wird der Rest schnell nachfolgen (Belgien, Italien, etc.pp.)

  6. 8. Beleg?

    Das ist das erste mal, dass ich so etwas höre.

    Haben Sie vielleicht eine Quelle? Wäre interessant mehr hierzu zu lesen! Danke im Voraus!

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