Die Mode sieht diesen Herbst ein wenig aus, als wäre sie aus dem Wald gekrochen. In den kommenden Monaten kleidet sich die modebewusste Dame in matten Grüntönen. Es gibt kühlere, zarte Erdtöne genauso wie wärmere, braunstichige Varianten. Mäntel, Hosenanzüge, aber auch Kleider sind in diese diskreten Herbsttöne getaucht, manchmal aus fließender Seide, wie bei Carolina Herrera, oder aus steifer Wolle, wie bei Haider Ackermann und Max Mara. Ein Großteil der Entwürfe ist an den sachlichen, damenhaften Kostümstil der dreißiger und vierziger Jahre angelehnt. Je urbaner unsere Umgebung wird, desto mehr Förstergrün kommt an die Frau .

Die Erdfarbe Khaki ist als Tarnfarbe bekannt geworden. Als es im Krieg nicht mehr entscheidend war, den Feind durch die stattliche Erscheinung einer glänzenden Uniform zu beeindrucken, verlegte man sich darauf, mit der Umgebung zu verschmelzen. Mitte des 19. Jahrhundert setzte die Kolonialmacht Großbritannien erstmals tarnende Uniformen in Indien ein.

Nun hat es natürlich wenig mit Tarnen und Täuschen zu tun, dass man jetzt überall Moosgrün trägt. Der Erfolg des eleganten Olivtons liegt nicht so sehr in der Verschmelzung, sondern im Kontrast. Jene abgetönten Farben sind es nämlich, die man gut an kalten und nassen Tagen tragen kann, ohne dass der blasse Teint unangenehm auffällt. Gegen grelle und kräftige Farben muss man mit einem kräftigen Hautton angehen, um nicht von den Kleidern aufgefressen zu werden.

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Ein Olivton hingegen lässt Blässe edel aussehen. (Man muss allerdings nicht zwingend blass sein, wie die Schauspielerin Daria Alprin 1970 in Michelangelo Antonionis Kultfilm Zabriskie Point bewies, als sie ein kurzes olivgrünes Kleid auf bronzebrauner Haut trug.) Allerdings sollte man sich nicht allzu sehr auf diesen Effekt verlassen. Wenn man sie nicht mit den richtigen Accessoires – etwa einem Gürtel oder einer Stola – kombiniert, wirken die erdgrünen Kleidungsstücke schnell etwas beiläufig.

Und keinesfalls sollte man mit diesen Kleidern in den Wald gehen. Dort sind heute eher Knallfarben angesagt, allein schon um das Risiko zu minimieren, von einem der Sonntagsjäger angeschossen zu werden, die Spaziergänger mit Wildschweinen verwechseln.