Man muss sich einen älteren Herrn vorstellen, am Steuer eines nicht zu kleinen Wagens, wie er mit leicht überhöhter Geschwindigkeit eine Ortseinfahrt passiert. Schon wieder kein Durchkommen! "Schöne Dorfstraßen wurden mit allen möglichen und unmöglichen Poldern" – gemeint sind Poller –, "Betonbarrieren oder anderen Ungetümen in grausliche Areale verwandelt", notiert er, als er gezwungenermaßen an der Ampel wartet. Und wer um alles in der Welt ist für diese Ampelschaltung verantwortlich? "Man konnte die Autofahrer wieder einmal drangsalieren", schreibt sich der Fahrer auf. Wie er das hasst! Wie er die hasst, die das alles angerichtet haben! Die Grünen.

Man muss sich eine ältere Dame vorstellen, am Küchentisch ihres Berliner Häuschens, wie sie ihrem Mann ihr Leid klagt. Sie ist Lehrerin, sie ärgert sich schwarz über ihre faulen, begriffsstutzigen Schüler, über deren uneinsichtige Eltern, die sich jede noch so berechtigte Kritik an ihren Lieblingen verbitten, und über ihren Schulleiter, der sich immer auf die Seite der Eltern stellt. Wie sie das hasst! Ihr Mann wirft ein paar Thesen über den Migrationshintergrund gewisser Schüler und ihrer Eltern ein und macht sich Notizen.

Was daraus wird? Nun, drei Bücher werden daraus.

Über Thilo Sarrazins Bestseller Deutschland schafft sich ab ist das Nötige gesagt. Das Buch seiner Frau Ursula über den Alltag an Berliner Schulen erscheint Ende des Monats. Hexenjagd heißt es, und den in der Bild- Zeitung veröffentlichten Auszügen nach zu urteilen, ist es die Klageschrift einer gescheiterten Pädagogin, die die Gründe für ihr Scheitern überall, nur nicht bei sich selbst sucht.

Wer aber ist der Herr am Steuer?

Manfred Güllner. Der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa hat in dieser Woche eine Schmähschrift über die Grünen veröffentlicht. Thilo Sarrazins obsessive Faktenhuberei mochte selbst für Experten eine wissenschaftliche Herausforderung sein. Güllners Buch dagegen ist in der Sache so schlampig und kenntnislos und in seinem Urteil so abwegig, dass die Lektüre nur dem zu raten ist, der sich nicht für die Grünen interessiert, sondern allein für den Autor und seine Motive.

Was treibt einen Wahlforscher dazu, die Grünen zu einer Gefahr für die Demokratie zu erklären? Güllner zufolge sind sie eine Art Krankheit, die ganze Wahlbezirke infiziert, woraufhin "die ›normalen‹ Bürger" nicht mehr zur Wahl gehen und das Feld einer kleinen grünen Minderheit überlassen. Diese unterwirft den Staat und seine Institutionen ihren Partikularinteressen. Am Ende steht, so formuliert Güllner, die "grüne Diktatur".