UnternehmertumZu Hause gründet man am besten

Eine neue Studie zeigt: Unternehmensgründungen sind nahe der Heimat meist erfolgreicher. von Sophie Crocoll

Erst mal braucht man eine Idee. Und Geld. Und Mitarbeiter. Denn sonst ist es für einen Unternehmer schwer, die beste Idee umzusetzen und Kunden dafür zu gewinnen. Viele Gründer neuer Unternehmen zieht es deshalb in die Großstädte. Dort sind die Wege kurz, die Transportkosten gering, und der Absatzmarkt ist groß, ebenso wie das Angebot an Arbeitskräften. Gründer treffen sich und tauschen sich aus – kein Wunder also, dass sie sich gerade in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg tummeln. Zumal Berlin derzeit als ziemlich cooler Ort zum Leben gilt – cooler als Orte wie Weinstadt oder Castrop-Rauxel.

Doch einer neuen Studie zufolge ist es die falsche Strategie für Gründer, ihre Heimat zu verlassen. Wer zu Hause gründet, hat die größeren Chancen auf Gewinne und auf das Überleben seiner Firma. Zu diesem Ergebnis sind Michael Dahl (Universität Aalborg) und Olav Sorenson (Universität Yale) gekommen, nachdem sie 13166 dänische Start-ups untersucht haben. Restaurants, Steuerberatungsbüros, Architekturfirmen, Softwareschmieden, Medizintechniker und so weiter. Dieses etwas unerwartete Ergebnis hielt auch stand, wenn die Heimat eines Gründers auf dem Land lag – und das wirtschaftliche Umfeld für eine junge Firma damit schlechter zu sein schien als in einer Industrieregion. Oder einer Großstadt.

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Die beiden Forscher begründen den Zusammenhang zwischen Heimat und Erfolg mit einer besonderen Art von Vermögen, das Gründer in ihrer Region besitzen: dem sozialen Kapital. Dazu gehört, die Region gut zu kennen und auch die Lebensweisen und Vorlieben der Menschen dort. Der Begriff soziales Kapital beschreibt das Netz von Beziehungen, das ein Mensch in seiner Heimat pflegt und das ihm einen Vorteil gegenüber Ortsfremden bringt – weil er sich Verbindungen nicht erst mühsam neu aufbauen muss: »Vitamin B«. Soziales Kapital schafft damit für Gründer ein günstigeres wirtschaftliches Umfeld.

Familie und Freunde treten für die Gründer ein, wenn sie beispielsweise Probleme haben, bei der Bank einen Kredit zu bekommen. Da helfen persönliche Kontakte. Oft arbeiten Verwandte und Eheleute am Anfang in der neu gegründeten Firma mit. Und meist stammt von ihnen zumindest ein Teil des Startkapitals, um eine Firma zu gründen. Daher haben Dahl und Sorenson nicht nur untersucht, wie viel ein künftiger Unternehmer im Jahr vor der Gründung verdiente. Sie rechneten zudem ein, wie wohlhabend die Eltern waren. Deren Vermögen war für eine erfolgreiche Unternehmung recht wichtig.

Diese Ergebnisse bestätigen sich, wenn man die Geschichte mancher Unternehmenserfolge aus Deutschland näher betrachtet. Da war einmal der Ingenieur Martin Herrenknecht, der in Kanada und in der Schweiz gearbeitet hatte, dann aber 1977 zum Gründen seines Unternehmens nach Lahr in Baden-Württemberg zurückkehrte. Dort war er schon zur Schule gegangen. Herrenknecht stellt Tunnelbohrer her, er ist zum Weltmarktführer aufgestiegen, die Firmenzentrale, mit Verwaltung und neun Montagehallen, erstreckt sich inzwischen auf fast 200.000 Quadratmeter Fläche.

Herrenknecht lieh sich 25.000 D-Mark von seiner Mutter, um die Gründung zu finanzieren. Und er fand an der heimischen Fachhochschule in Offenburg Ingenieure als Mitarbeiter. Er setzte auf sein soziales Kapital.

Herrenknecht hat frühzeitig Niederlassungen in der Schweiz, in Spanien und den USA eröffnet, 2004 dann in Singapur, für den asiatischen Markt. Das war gar nicht so leicht für die Firma. Andere Länder, andere Sitten und Gesetze: Da machten ihm Einfuhrbeschränkungen Schwierigkeiten, da fielen Transportkosten ungewöhnlich hoch aus, da gab es Reibereien und Missverständnisse zwischen Menschen, die einander nicht vertraut waren.

Die Wissenschaftler Dahl und Sorenson sagen: Ebensolche Ungewissheiten, die Unternehmen im Ausland erfahren, entstehen auch beim Wirtschaften über kleinere geografische Distanzen. Selbst dann, wenn keine Sprachgrenze dazwischenliegt oder wenn die gleichen Gesetze gelten: Es gibt trotzdem subtile kulturelle Nachteile für Gründer, die nicht aus der Region stammen. Schwaben, also, aufgepasst: Der Umzug nach Berlin will überlegt sein!

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Leserkommentare
  1. an coolen Orten sammeln und Szene spielen, ist es einfach zu nah an der Tausch- oder Naturalwirtschaft und oft zu weit zu zahlender Kundschaft.

    • Gerry10
    • 08. Oktober 2012 13:32 Uhr

    ...eine gute Idee passt zuerst mal in die Gegend die man kennt. Ist die Idee serh gut, passt sie auch überall anders hin, aber eben nicht unbedingt.
    Dazu eben noch die Verwandten und Bekannten die quasi als Mundpropaganda und Hilfe dienen.
    Zu Hause ist man wohl auch mutiger als in der Fremde.

    Und Hand aufs Herz, ein schwäbischer Akzent in Berlin oder ein bayerischer in Köln ist schon ein gewisses Handycap :-)

  2. einer neugegründeten Firma sich international via Internet ergründen soll bietet zum Beispiel Berlin eine finanzielle Unterstützung für die Ansiedlung die sicherlich lohnt.

    Wenn der lokale Markt angesprochen werden soll helfen bei Gründung Kennzahlen die eine Marktchance anzeigen.

    Auf Grund der Bevölerungsdichte und Menge kann es so wirklich auch mit Akzent sehr sinnvoll sein sich in diesen Großstadtmärkten aufzustellen und vor Ort zu sein.

    Kommt nach Berlin und startet !

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    • P229
    • 08. Oktober 2012 19:51 Uhr

    Hinter Ihrem NickName "Berlinkontakt" könnte man doch glatt
    Heinz Buschkowsky vermuten, der in seinem Buch "Neukölln ist überall" so unerbittlich wie rührend für Berlin/Neukölln wirbt.

  3. Viele Gründer gehen nach Berlin, weil es dort (angeblich) so günstig ist und man nicht viel verdienen muss um leben zu können. Wie möchte man aber in einer Stadt, in der alle arm sind, Geld verdienen? Ich kann nur vom süddeutschen Raum sprechen – hier gibt es unzählige mittelständische Unternehmen, die in ihrem Bereich zu den größten am Weltmarkt gehören und ihren Sitz an irgendeiner Gemeinde haben von der man noch nie gehört hat (selbst wenn man nur 20 km davon entfernt wohnt). Und diese Unternehmen sind dankbar, wenn sie notwendige Leistung bei (jungen, kreativen) Gründern einkaufen können. Hier werden sogar Initiativen von Politik und Wirtschaft gestartet um Hochschulabsolventen in der Region zu halten. Und was machen die jungen Leute – gehen nach Berlin …

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    Wie man hört wollen auch arbeitslose Spanier und Portugiesen am liebsten nach Berlin und nicht raus aufs deutsche Land wo die kleinen Weltmarktführer sitzen.

    Um Berlin sollte man eher einen grossen Bogen machen, wenn man nicht schon vor dem Umzug genau weiß was man da vorfindet (dann kann's ziemlich ergiebig sein). Aufs Geratewohl landet man da eher in Armut, unterbezahlten Jobs mit ganz viel Übefrstunden und... man muss es dazu sagen, einer ziemlich coolen Partyszene (denn das ist dann das letzte was bleibt, n Bierchen trinken und den prekären Alltag mal zu vergessen).

    Wer's mag.

  4. Einesteils ist es einleuchtend, dass zu Hause die Kontakte am stabilsten und verzweigtesten sind, was sehr wichtig ist, um langfristig Erfolg zu haben bzw. das richtige Geschäftsmodell zu entwickeln. Andererseits gibt es in manchen Städten Serviceeinrichtungen für Gründer, dotierte Gründerwettbewerbe und besondere, regionale Finanzierungsangebote, die helfen, teure Fehler zu vermeiden. Somit kann man die Studien aus Dänemark nicht verallgemeinern. Es kommt auch auf das Konzept an. Eine Reparaturwerkstatt für Landmaschinen wird in Berlin-Mitte ebenso um Kunden ringen, wie ein Hotelbetreiber in einem 200-Seelendorf. Optimal ist natürlich, wenn man im Speckgürtel einer Stadt von den Angeboten der Stadt und den Möglichkeiten auf dem Land profitieren kann. Glücklicher Weise gibt es in Deutschland mehrere Ballungszentren, was durchaus als Standortvorteil gegenüber zentralistischen Strukturen anderer Länder betrachtet werden kann.

  5. Interessant, warum gerade die Schwaben/Schwäbinnen nicht nach Berlin kommen sollen, Frau Crocoll, wa?

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    Weil in Berlin bald mehr Schwaben wohnen als in Stuttgart.

    Eben, wir waren auch schon vor den Berlinern da. Ehrlich!

  6. ...bleiben auch meist da wo sie herkommen und sind erfolgreicher. Der Rest hangelt sich von einem Ding zum anderen und lebt am Existenzminimun.

    Berlin leidet daher unter ernsthafter Projektitis, aber wer in Berlin lebt, denkt nach einiger Zeit eh nicht mehr über Berlin hinaus, der Horizont verkleinert sich auf eine Stadt - ein großer Fehler.

  7. Wie man hört wollen auch arbeitslose Spanier und Portugiesen am liebsten nach Berlin und nicht raus aufs deutsche Land wo die kleinen Weltmarktführer sitzen.

    Um Berlin sollte man eher einen grossen Bogen machen, wenn man nicht schon vor dem Umzug genau weiß was man da vorfindet (dann kann's ziemlich ergiebig sein). Aufs Geratewohl landet man da eher in Armut, unterbezahlten Jobs mit ganz viel Übefrstunden und... man muss es dazu sagen, einer ziemlich coolen Partyszene (denn das ist dann das letzte was bleibt, n Bierchen trinken und den prekären Alltag mal zu vergessen).

    Wer's mag.

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