Syrien Die Geschundenen
Die Menschen von Damaskus spielen Backgammon in zerschossenen Straßen, hören Granateneinschläge und sehen Vertriebene. In den Trümmern ihrer Stadt warten sie auf das Ende des Krieges.
In der Mitte der Stadt und den wohlhabenden Vierteln ist der Krieg nur zu hören, im Abstand einer vollen oder halben Stunde, manchmal alle zehn Minuten, tagsüber seltener als nachts, ein einzelner Granateneinschlag oder minutenlange Salven. Die Menschen heben nicht einmal mehr die Köpfe, fahren mit der Arbeit fort, dem Essen oder ihrem Gespräch. Die Kanonen werden vom Kassiun-Berg abgefeuert, zu dessen Füßen sich die Stadt bis weit in die Wüste erstreckt, ein beliebtes Ausflugsziel eigentlich, besonders im Sommer, weil die Luft dort oben ein, zwei Grad kühler und auch sauberer ist. Aber Ausflüge macht ohnehin niemand mehr in Damaskus. Freitags, wenn die Läden und Büros geschlossen, die Wege also nicht mehr notwendig sind, wirkt die Stadt verlassen. An den übrigen Tagen hingegen ist der erste Eindruck eine schon schwindelerregende Normalität. Längst hat man sich an die Checkpoints gewöhnt, die allerorten den Verkehr unterbrechen, längst auch an die Vertriebenen, die unter Brücken und in Parkanlagen kampieren, weil sie keine Verwandten in der Mitte der Stadt und den wohlhabenden Vierteln haben. Fragt sich denn niemand, wo die Granaten einschlagen?
Doch, alle scheinen sich das zu fragen, jedenfalls alle, die ich darauf anspreche, und viele haben auch Antworten, ganz konkrete Beschreibungen des Krieges, weil sie an den Rändern und in den ärmeren Vierteln der Stadt wohnen, aber nach Feierabend nun nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können oder wenn, dann nur, um ihr Eigentum zu bergen, sofern es nicht geplündert worden ist. Das ist überhaupt das Zweite, was mich an der Stadt überrascht: Die Menschen sprechen, sprechen für oder gegen den Staat, sprechen über die Rebellen mit Angst oder mit Hoffnung. Wer Syrien kannte, wie es vor dem Aufstand war, der wird sich an die Unmöglichkeit erinnern, auf der Straße mit Fremden über Politik zu diskutieren. Jetzt geschieht es mir in beinah jedem Taxi, dass der Fahrer von Freiheit und Demokratie redet, ja, manche wollen mich gar nicht mehr aussteigen lassen, wenn sie erfahren, dass ich im Ausland über Syrien berichte, fahren hier noch einen Bogen und dort eine Runde, um mir ihre Sicht der Lage zu erklären, ihre Not, ihre Wut, ihre Vorstellung, was aus dem Land werden soll.
Jeder berichtet von Hinrichtungen auf offener Straße, von Folterungen
Wo gehen die Granaten nieder?, frage ich also gleich am ersten Tag einen jungen Schuster, der seine Familie bei Verwandten in der Altstadt untergebracht hat und sich sofort mit mir verabredet, um mich in seinen Stadtteil Midan mitzunehmen, wo die Reichen auch schon vor dem Krieg nicht hinfuhren. Im Minibus heißt er mich schweigen, damit ich nicht als Ausländer auffalle, und weist wortlos auf die zerstörten Gebäude, auf zerschossene Moscheen, ausgebrannte Tankstellen, Spuren der Panzer auf dem Beton. An einer Ausfallstraße steigen wir aus und gehen in eine staubige Gasse, wo die Nachbarn auf dem Bürgersteig Backgammon spielen, treten in eines der unverputzten vierstöckigen Häuser, im Flur kommen uns mehrere Katzen entgegen, steigen die Treppen hoch, vor jeder Wohnungstür staubüberzogene Schuhe, und gelangen aufs Dach, das im Sommer gleichzeitig Bettenlager und Rumpelkammer ist: Siehst du den Krieg?, fragt der Schuster. Ja, ich sehe vier schwarze Rauchschwaden in die Luft steigen, keine fünfhundert Meter entfernt, schätze ich, und höre ebenso Schüsse aus Maschinengewehren.

Der Ablauf ist immer der gleiche. Die Rebellen beziehen Stellung in einem Stadtteil, in dem sie auf die Unterstützung der Bevölkerung rechnen – nicht nur in Damaskus sind es die ärmeren, überwiegend von Sunniten bewohnten Vororte und Viertel. Dann rückt die Armee mit Artillerie an, die inzwischen auch von Luftangriffen und Raketen flankiert wird, um die Menschen zu »befreien«, wie es im Staatsfernsehen jedes Mal heißt. – Aber der Staat lügt!, beteuert der Schuster und zeigt wieder auf die Rauchschwaden: Niemand würde vorgewarnt, die Bewohner flöhen erst, wenn schon die Dächer über ihren Köpfen einstürzten. Sprich mit den Menschen, sagt der Schuster, wenn du in Syrien bist! Jeder Einzelne hier wird dir tausend Wahrheiten sagen.
Wieder auf der Straße, setzen wir uns zu den Männern, die in ihren traditionellen Dschellabas-Gewändern Backgammon spielen. Dass sie, dass alle Menschen oder jedenfalls alle Sunniten im Viertel auf die Revolution hoffen, scheint so selbstverständlich zu sein, dass eigens auf den Nachbarn hingewiesen wird, der den Staat noch unterstützt. Jeder Einzelne berichtet von Gräueltaten der Sicherheitskräfte, Hinrichtungen auf offener Straße, die er mit eigenen Augen gesehen habe, von Folterungen, Bombenangriffen. Dabei erwähnen sie doch auch den Lebensmittelhändler an der Ecke, der vor ein paar Tagen erst verhaftet worden sei. – Haben Sie keine Angst?, frage ich. – Das syrische Volk hat starke Herzen, antworten sie. Ja, das hat es, denke ich und wundere mich bei diesem wie bei so vielen anderen Gesprächen, die ich während der Woche führe, dass ich eines nicht wahrnehme: Hass.
Diese Menschen, durchweg sogenannte einfache Leute, viele Männer mit Bart, ihre Frauen alle mit Kopftuch, haben neun Monate friedlich demonstriert, sind niedergeknüppelt, beschossen und schließlich in einen Krieg hineingezogen worden, der gerade in diesem Moment keine fünfhundert Meter entfernt tobt. Sie haben die Bilder der Massaker gesehen, zuletzt im Damaszener Vorort Daraja, nur ein paar Kilometer entfernt, vierhundert Tote, viele Frauen und Kinder darunter, vierhundert Sunniten, muss man auch sagen, weil sich der Terror gezielt gegen die Mehrheitsbevölkerung richtet. Und doch sprechen sie nicht von Vergeltung, sondern schwärmen von ihrer Stadt als der ältesten der Welt, die niemals einer einzelnen Volksgruppe oder Religion gehört habe, sympathisieren sie mit den Rebellen, kritisieren aber auch deren Strategie des Häuserkampfes und schimpfen sie auf die Golfstaaten, die innerhalb des militärischen Widerstands ausschließlich die radikalen Gruppen unterstützten. Ihr Zorn, betonen sie, richte sich gegen das Herrscherhaus, nicht gegen die Alawiten als solche.
Soll man das glauben, wenn die Elite des Staates wie des Militärs fast ausschließlich aus Alawiten besteht und für die Massaker gezielt alawitische Milizen eingesetzt werden? Sie wollten nicht ausschließen, sagen die Männer an den Backgammon-Tischen, dass es hier und dort zu Racheakten kommen werde, und fangen wieder an, auf die Golfstaaten und die Salafisten zu schimpfen. Aber das syrische Volk sei klug genug, zu wissen, dass die Regierung den konfessionellen Konflikt schüre, um die Opposition als Gotteskrieger zu denunzieren. Der Mann, der als Einziger in der Straße das System noch unterstütze, sei schließlich ebenfalls Alawit und spiele dennoch mit ihnen Backgammon. Vielleicht nicht das syrische Volk, aber der Schuster und seine brettspielenden Nachbarn werden der Regierung nicht den Gefallen tun, sich an einem Heiligen Krieg zu beteiligen.
- Datum 05.10.2012 - 18:52 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 27.9.2012 Nr. 40
- Kommentare 38
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Eigentlich schade; starben die 30.000 Menschen umsonst? Ohne Revolution? Wird Assad in den folgenden Jahren weiterhin das syrische Volk vertreten dürfen? Wird der Westen gar den dipl. Kontakt erneuern, wenn Gras drüber gewachsen ist? Stoppt der arab. Frühling an Syrien?
Assads Vater Hafiz hat ja auch zu seiner Zeit Ähnliches veranstaltet und wurde trotzdem nicht zur Aufgabe seines Amtes gezwunden...
Es gab und gibt keine Revolution. Es gibt den Versuch eines gesteuerten Umsturzes und die Gründe dafür wurden auch in diesem Forum hinreichend benannt. Genauso wie die Drahtzieher und eigentlichen Konfliktparteien.
Und ja. Die Menschen starben umsonst, ganz gleich, wie es endet. Was haben die Rebellen denn erreicht? Syrien ist zerrissen, isoliert, wirtschaftlich und strukturell geschwächt und dazu noch im Klinsch mit den meisten Nachbarn. Klasse Bilanz. Wenn ich für mein Land kämpfe und das Wohl der Gesellschaft im Blick habe, dann agiere ich anders. Dann muss ich irgendwann in den saueren Apfel beissen und unter dem internationalen Schutz und Druck verhandeln.
Es gab und gibt keine Revolution. Es gibt den Versuch eines gesteuerten Umsturzes und die Gründe dafür wurden auch in diesem Forum hinreichend benannt. Genauso wie die Drahtzieher und eigentlichen Konfliktparteien.
Und ja. Die Menschen starben umsonst, ganz gleich, wie es endet. Was haben die Rebellen denn erreicht? Syrien ist zerrissen, isoliert, wirtschaftlich und strukturell geschwächt und dazu noch im Klinsch mit den meisten Nachbarn. Klasse Bilanz. Wenn ich für mein Land kämpfe und das Wohl der Gesellschaft im Blick habe, dann agiere ich anders. Dann muss ich irgendwann in den saueren Apfel beissen und unter dem internationalen Schutz und Druck verhandeln.
Es gab und gibt keine Revolution. Es gibt den Versuch eines gesteuerten Umsturzes und die Gründe dafür wurden auch in diesem Forum hinreichend benannt. Genauso wie die Drahtzieher und eigentlichen Konfliktparteien.
Und ja. Die Menschen starben umsonst, ganz gleich, wie es endet. Was haben die Rebellen denn erreicht? Syrien ist zerrissen, isoliert, wirtschaftlich und strukturell geschwächt und dazu noch im Klinsch mit den meisten Nachbarn. Klasse Bilanz. Wenn ich für mein Land kämpfe und das Wohl der Gesellschaft im Blick habe, dann agiere ich anders. Dann muss ich irgendwann in den saueren Apfel beissen und unter dem internationalen Schutz und Druck verhandeln.
In so ziemlich jedem vorderasiatischen Staat gab es - unabhängig davon, wie deren außenpolitischen Beziehungen waren - in den letzten Jahren Proteste, Aufstände und Revolutionsversuche, die anscheinend von innen kamen. Auch alle von außen gesteuert? Oder ist Syrien diesbezüglich eine große Ausnahme?
In so ziemlich jedem vorderasiatischen Staat gab es - unabhängig davon, wie deren außenpolitischen Beziehungen waren - in den letzten Jahren Proteste, Aufstände und Revolutionsversuche, die anscheinend von innen kamen. Auch alle von außen gesteuert? Oder ist Syrien diesbezüglich eine große Ausnahme?
Ja, ja, der Assad und seine Schlächter sind und bleiben die Bösen.
Diese objektive Berichterstattung belegt das doch eindeutig.
Oder?
"Ihm sei gesagt worden, dass sie alle tot seien, wenn jemand von der Intensivstation erfahre." Wer hat dem Direktor das gesagt? Es ist echt zum Haare raufen.
In so ziemlich jedem vorderasiatischen Staat gab es - unabhängig davon, wie deren außenpolitischen Beziehungen waren - in den letzten Jahren Proteste, Aufstände und Revolutionsversuche, die anscheinend von innen kamen. Auch alle von außen gesteuert? Oder ist Syrien diesbezüglich eine große Ausnahme?
Sehr früh begann meine Zeitung mich täglich über die Zahl der Toten in diesem Konflikt zu informieren, die merkwürdigerweise immer dem Regime angelastet wurden.
Nun verfüge ich über eine gewisse Lebenserfahrung, die mir sagt, dass bei einem Aufstand meist beide Seiten für Tod und Verwundung sorgen.
Dazu kamen Informationen über die bedingungslose Unterstützung der "Aktivisten" durch USA, GB, F und andere,
über die generöse finanzielle Ausstattung der durch solche demokratisch gefestigte Länder wie Saudi Arabien und Katar,
über Söldner aus aller Herren Länder, die sich in den Kampf gegen den Schlächter Assad einreihten.
Und Assad ist immer noch nicht gestürzt.
Wäre das wirklich eine syrische Rebellion, wäre er lange weg.
dieser Revolutionen?
Proteste, ok. Geh ich gern mit. Gab es, gibt es und wird es immer geben. Lokale Aufstände, klar. Allein schon die logische Konsequenz aus Modernisierungen und dem sozialen Gegensatz zwischen Stadt- und Landbevölkerung.
Der Wunsch nach demokratischer Partizipation ist sicher auch richtig und wichtig. Aber. Wenn ich den Protestlern Waffen in die Hand drücke, ihnen Geld gebe, dann ist das ein externer Eingriff. Wenn die Hälfte der Kämpfenden nicht Syrer sind, sondern Fanatiker, Terroristen, Radikale, Söldner, dann ist das schlicht keine nationale Revolution. Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben. Kleines Beispiel. Nehmen Sie einen Ladenbesitzer in Damaskus, der vor den Kämpfen ein sozial gesichertes Leben geführt hat. Wie wird der wohl diese "Revolution" finden?
Und dann bleibt immer noch die Frage. Wie sieht es denn in den anderen Revolutionsländern aus?
Im Übrigen gibt es auch in Spanien, Italien und Griechenland Protest und Unruhen.
Sehr früh begann meine Zeitung mich täglich über die Zahl der Toten in diesem Konflikt zu informieren, die merkwürdigerweise immer dem Regime angelastet wurden.
Nun verfüge ich über eine gewisse Lebenserfahrung, die mir sagt, dass bei einem Aufstand meist beide Seiten für Tod und Verwundung sorgen.
Dazu kamen Informationen über die bedingungslose Unterstützung der "Aktivisten" durch USA, GB, F und andere,
über die generöse finanzielle Ausstattung der durch solche demokratisch gefestigte Länder wie Saudi Arabien und Katar,
über Söldner aus aller Herren Länder, die sich in den Kampf gegen den Schlächter Assad einreihten.
Und Assad ist immer noch nicht gestürzt.
Wäre das wirklich eine syrische Rebellion, wäre er lange weg.
dieser Revolutionen?
Proteste, ok. Geh ich gern mit. Gab es, gibt es und wird es immer geben. Lokale Aufstände, klar. Allein schon die logische Konsequenz aus Modernisierungen und dem sozialen Gegensatz zwischen Stadt- und Landbevölkerung.
Der Wunsch nach demokratischer Partizipation ist sicher auch richtig und wichtig. Aber. Wenn ich den Protestlern Waffen in die Hand drücke, ihnen Geld gebe, dann ist das ein externer Eingriff. Wenn die Hälfte der Kämpfenden nicht Syrer sind, sondern Fanatiker, Terroristen, Radikale, Söldner, dann ist das schlicht keine nationale Revolution. Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben. Kleines Beispiel. Nehmen Sie einen Ladenbesitzer in Damaskus, der vor den Kämpfen ein sozial gesichertes Leben geführt hat. Wie wird der wohl diese "Revolution" finden?
Und dann bleibt immer noch die Frage. Wie sieht es denn in den anderen Revolutionsländern aus?
Im Übrigen gibt es auch in Spanien, Italien und Griechenland Protest und Unruhen.
Sehr früh begann meine Zeitung mich täglich über die Zahl der Toten in diesem Konflikt zu informieren, die merkwürdigerweise immer dem Regime angelastet wurden.
Nun verfüge ich über eine gewisse Lebenserfahrung, die mir sagt, dass bei einem Aufstand meist beide Seiten für Tod und Verwundung sorgen.
Dazu kamen Informationen über die bedingungslose Unterstützung der "Aktivisten" durch USA, GB, F und andere,
über die generöse finanzielle Ausstattung der durch solche demokratisch gefestigte Länder wie Saudi Arabien und Katar,
über Söldner aus aller Herren Länder, die sich in den Kampf gegen den Schlächter Assad einreihten.
Und Assad ist immer noch nicht gestürzt.
Wäre das wirklich eine syrische Rebellion, wäre er lange weg.
"Sehr früh begann meine Zeitung mich täglich über die Zahl der Toten in diesem Konflikt zu informieren, die merkwürdigerweise immer dem Regime angelastet wurden.
Nun verfüge ich über eine gewisse Lebenserfahrung, die mir sagt, dass bei einem Aufstand meist beide Seiten für Tod und Verwundung sorgen."
Das ist ja erst einmal trivial. Ich frage mich wo sie da den Zusammenhang sehen. Dass Spiegel und Zeit bspw. als linksliberale westliche Medien tendenziell stärker über die Morde des Regimes berichten, ist irgendwie ziemlich einleuchtend. Genau so wie kommunistische oder weit links (und weit rechts) stehende Publikationen tendenziell eher das Regime(z.B. aus antiimperialistischer Motivation) verbal unterstützen. Aber daraus ergibt sich doch noch keine Steuerung von außen. Oder glauben sie die Berichterstattung hiesiger Medien ist für den Konflikt verantwortlich?
"Dazu kamen Informationen über die bedingungslose Unterstützung der "Aktivisten" durch USA, GB, F und andere,"
Ich weiß ja nicht, wie sie bedingungslose Unterstützung definieren. Aber mMn. sieht die doch anders aus als die Form der Unterstützung, die die Rebellen durch die von ihnen genannten Staaten erhalten haben. Diese beschränkte sich ja doch primär auf verbale und partiell logistische Unterstützung. Dann ist die Unterstützung für Syrien (des Irans bspw.) weitaus bedingungsloser. Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, die bis dato erfolgreiche Verteidigung des Regimes einzig auf exogene Ursachen zurückzuführen. Oder?
... dass - angesichts der Causa Iran - etliche äußere Kräfte in Syrien ihre Süppchen kochen. Doch genauso wenig, wie man behaupten würde, dass die bolschewistische Revolution vom deutschen Kaiserreich gesteuert wurde, nur weil Lenins Pläne der deutschen Kriegspolitik in den Kram passten, genauso wenig kann man in Syrien davon reden, dass erhebliche Teile der syrischen Bevölkerung nicht genuin nach einem Umsturz strebten. Denn diese vermeintliche Gesetzmäßigkeit:
"... Und Assad ist immer noch nicht gestürzt.
Wäre das wirklich eine syrische Rebellion, wäre er lange weg...."
... trifft gerade auf Syrien bezogen nicht zu; letztlich hat sich seit der französischen Kolonialzeit eine Machtelite der alawitischen Minderheit herausgebildet und hält die Zügel im Militär- und Sicherheitsapparat fest in der Hand, während die sunnitische Bevölkerungsmehrheit aus solchen sicherheitsrelevanten Positionen meist herausgehalten wurde. Wenn eine relative Minderheit über die entsprechende Waffengewalt verfügt, kann sie sich selbstredend auch gegen den Willen einer Mehrheit an der Macht halten.
"Sehr früh begann meine Zeitung mich täglich über die Zahl der Toten in diesem Konflikt zu informieren, die merkwürdigerweise immer dem Regime angelastet wurden.
Nun verfüge ich über eine gewisse Lebenserfahrung, die mir sagt, dass bei einem Aufstand meist beide Seiten für Tod und Verwundung sorgen."
Das ist ja erst einmal trivial. Ich frage mich wo sie da den Zusammenhang sehen. Dass Spiegel und Zeit bspw. als linksliberale westliche Medien tendenziell stärker über die Morde des Regimes berichten, ist irgendwie ziemlich einleuchtend. Genau so wie kommunistische oder weit links (und weit rechts) stehende Publikationen tendenziell eher das Regime(z.B. aus antiimperialistischer Motivation) verbal unterstützen. Aber daraus ergibt sich doch noch keine Steuerung von außen. Oder glauben sie die Berichterstattung hiesiger Medien ist für den Konflikt verantwortlich?
"Dazu kamen Informationen über die bedingungslose Unterstützung der "Aktivisten" durch USA, GB, F und andere,"
Ich weiß ja nicht, wie sie bedingungslose Unterstützung definieren. Aber mMn. sieht die doch anders aus als die Form der Unterstützung, die die Rebellen durch die von ihnen genannten Staaten erhalten haben. Diese beschränkte sich ja doch primär auf verbale und partiell logistische Unterstützung. Dann ist die Unterstützung für Syrien (des Irans bspw.) weitaus bedingungsloser. Trotzdem wäre es zu kurz gegriffen, die bis dato erfolgreiche Verteidigung des Regimes einzig auf exogene Ursachen zurückzuführen. Oder?
... dass - angesichts der Causa Iran - etliche äußere Kräfte in Syrien ihre Süppchen kochen. Doch genauso wenig, wie man behaupten würde, dass die bolschewistische Revolution vom deutschen Kaiserreich gesteuert wurde, nur weil Lenins Pläne der deutschen Kriegspolitik in den Kram passten, genauso wenig kann man in Syrien davon reden, dass erhebliche Teile der syrischen Bevölkerung nicht genuin nach einem Umsturz strebten. Denn diese vermeintliche Gesetzmäßigkeit:
"... Und Assad ist immer noch nicht gestürzt.
Wäre das wirklich eine syrische Rebellion, wäre er lange weg...."
... trifft gerade auf Syrien bezogen nicht zu; letztlich hat sich seit der französischen Kolonialzeit eine Machtelite der alawitischen Minderheit herausgebildet und hält die Zügel im Militär- und Sicherheitsapparat fest in der Hand, während die sunnitische Bevölkerungsmehrheit aus solchen sicherheitsrelevanten Positionen meist herausgehalten wurde. Wenn eine relative Minderheit über die entsprechende Waffengewalt verfügt, kann sie sich selbstredend auch gegen den Willen einer Mehrheit an der Macht halten.
dieser Revolutionen?
Proteste, ok. Geh ich gern mit. Gab es, gibt es und wird es immer geben. Lokale Aufstände, klar. Allein schon die logische Konsequenz aus Modernisierungen und dem sozialen Gegensatz zwischen Stadt- und Landbevölkerung.
Der Wunsch nach demokratischer Partizipation ist sicher auch richtig und wichtig. Aber. Wenn ich den Protestlern Waffen in die Hand drücke, ihnen Geld gebe, dann ist das ein externer Eingriff. Wenn die Hälfte der Kämpfenden nicht Syrer sind, sondern Fanatiker, Terroristen, Radikale, Söldner, dann ist das schlicht keine nationale Revolution. Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben. Kleines Beispiel. Nehmen Sie einen Ladenbesitzer in Damaskus, der vor den Kämpfen ein sozial gesichertes Leben geführt hat. Wie wird der wohl diese "Revolution" finden?
Und dann bleibt immer noch die Frage. Wie sieht es denn in den anderen Revolutionsländern aus?
Im Übrigen gibt es auch in Spanien, Italien und Griechenland Protest und Unruhen.
Sie können Italien,Spanien etc. nicht mit Syrien und co. vergleichen. In Europa gibt es Freiheit und Wohlstand(im Vergleich zu anderen Staaten).
Natürlich wird eine span. Demonstration anders verlaufen, als in einem Land, wo diktatorisch regiert wird, wo die Mehrheit in ärmlichen Verhältnissen lebt, die Arbeitslosigkeit stetig steigt und die Pressefreiheit eingeschränkt wird.
"Wenn ich den Protestlern Waffen in die Hand drücke, ihnen Geld gebe, dann ist das ein externer Eingriff."
Richtig. Externe Eingriffe gibt es aber nicht nur auf Seiten der Rebellen... muss wohl kaum näher erläutert werden.
"Wenn die Hälfte der Kämpfenden nicht Syrer sind, sondern Fanatiker, Terroristen, Radikale, Söldner, dann ist das schlicht keine nationale Revolution."
Ich kann diese >50%-Mär nicht mehr hören. Woher wissen sie das so genau? Fakt ist doch, dass die Proteste in Syrien geboren wurden und es eine ganze Zeit bis zur Radikalisierung und Bewaffnung - auf dem Level, auf dem sie derzeit ist - dauerte. Die FSA rekrutiert sich aus ehemaligen Protestlern, ehemaligen Soldaten und ja, auch externen Gruppen. Aber woher kommt immer dieses mantrische Wissen, dass diese mehr als 50% ausmachen? Ich kenne das nur aus syrischen Staatsmedien. Das Gros der Beobachter spricht eher von einem kleinen Prozentteil ausländischer Kämpfer.
"Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben."
Das ist m.E. wiederum komplett falsch. Weder bei der französischen Revolution noch bei den Revolutionen 1918 noch bei der iranischen oder kubanischen Revolution herrschte ein gesellschaftlicher Konsens. Eine Rev. ist erst einmal schlicht die Auflehnung einer minoren oder majoren Gruppe gegen das aktuelle System.
"... Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben. ..."
... eigentümliche Definition her? Mir fällt partout nicht ein einziges Beispiel aus der Historie ein, die diese Aussage stützen könnte. Im Gegenteil: Revolutionen spielen sich durchweg in gespaltenen Gesellschaften ab, Gewinner und Verlierer tauschen zwar vielfach die Plätze, es gibt sie jedoch auch weiterhin, vorher wie nachher. Nicht selten brauchen Sie für eine erfolgreiche Revolution lediglich eine entschlossene und radikale relative Minderheit.
Sie können Italien,Spanien etc. nicht mit Syrien und co. vergleichen. In Europa gibt es Freiheit und Wohlstand(im Vergleich zu anderen Staaten).
Natürlich wird eine span. Demonstration anders verlaufen, als in einem Land, wo diktatorisch regiert wird, wo die Mehrheit in ärmlichen Verhältnissen lebt, die Arbeitslosigkeit stetig steigt und die Pressefreiheit eingeschränkt wird.
"Wenn ich den Protestlern Waffen in die Hand drücke, ihnen Geld gebe, dann ist das ein externer Eingriff."
Richtig. Externe Eingriffe gibt es aber nicht nur auf Seiten der Rebellen... muss wohl kaum näher erläutert werden.
"Wenn die Hälfte der Kämpfenden nicht Syrer sind, sondern Fanatiker, Terroristen, Radikale, Söldner, dann ist das schlicht keine nationale Revolution."
Ich kann diese >50%-Mär nicht mehr hören. Woher wissen sie das so genau? Fakt ist doch, dass die Proteste in Syrien geboren wurden und es eine ganze Zeit bis zur Radikalisierung und Bewaffnung - auf dem Level, auf dem sie derzeit ist - dauerte. Die FSA rekrutiert sich aus ehemaligen Protestlern, ehemaligen Soldaten und ja, auch externen Gruppen. Aber woher kommt immer dieses mantrische Wissen, dass diese mehr als 50% ausmachen? Ich kenne das nur aus syrischen Staatsmedien. Das Gros der Beobachter spricht eher von einem kleinen Prozentteil ausländischer Kämpfer.
"Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben."
Das ist m.E. wiederum komplett falsch. Weder bei der französischen Revolution noch bei den Revolutionen 1918 noch bei der iranischen oder kubanischen Revolution herrschte ein gesellschaftlicher Konsens. Eine Rev. ist erst einmal schlicht die Auflehnung einer minoren oder majoren Gruppe gegen das aktuelle System.
"... Eine Revolution zieht sich nicht über ein paar Jahre und vor allem besteht ein gesellschaftlicher Konsens über die Aktionen und der ist in Syrien nicht gegeben. ..."
... eigentümliche Definition her? Mir fällt partout nicht ein einziges Beispiel aus der Historie ein, die diese Aussage stützen könnte. Im Gegenteil: Revolutionen spielen sich durchweg in gespaltenen Gesellschaften ab, Gewinner und Verlierer tauschen zwar vielfach die Plätze, es gibt sie jedoch auch weiterhin, vorher wie nachher. Nicht selten brauchen Sie für eine erfolgreiche Revolution lediglich eine entschlossene und radikale relative Minderheit.
Gab es nicht eine Nachrichtensperre? Weshalb wird jetzt hier der Versuch unternommen, diese zu umgehen? Nachrichtensperre ist Nachrichtensperre. Man solte sich schon daran halten.
Bitte hören Sie auf die Taten Assads zu relativieren.
Dass es unter den Rebellen auch Verbechen gab, bestreite ich nicht. Aber wer sind die Rebellen? Ist das eine homogene Interessentengruppe? Ich denke nicht, dass es dort eine Einheit gibt.
Ich kann mich nicht an eine Revolution erinnern (auch die franz. nicht!), wo es in den Reihen der Rebellen mal keine Verbrecher gab.
Ich sage nicht, dass ich die absolute Wahrheit über Syrien weiß, das kann übrigens keiner von sich aus behaupten...
Viele Tatsachen kommen mit der Zeit ans Licht...auch der Irakkrieg wird derzeit neu dokumentiert...wenn Sie sich mal erinnern, was damals gesagt wurde und was heute zugegeben werden muss...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren