ThyssenKrupp : Lasche Kontrolle

Berthold Beitz: Auch ein 99-Jähriger macht noch Fehler.

Seilschaften mögen dem Einzelnen nützen, einen Konzern führen sie oft genug in die Krise – so auch den Stahlkonzern ThyssenKrupp. Das Problem fängt an der Spitze an. Berthold Beitz ist dieser Tage 99 Jahre alt geworden. Er ist Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die wiederum 25,3 Prozent der Anteile am größten deutschen Stahlkonzern hält. Faktisch bestimmt Beitz seit Jahrzehnten, wer dort das Sagen hat. Doch mit welchem Erfolg?

In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Kurs der ThyssenKrupp-Aktie mehr als halbiert. 2009 und 2011 fielen Milliardenverluste an. War der erste Niederschlag noch der Finanzkrise geschuldet, haben die von Beitz geschätzten und beschützten Manager danach die größte Fehlinvestition in der Unternehmensgeschichte verantwortet. Sie haben Milliarden in einem Stahlwerk in Brasilien versenkt, und die Misere nimmt kein Ende. Nach den ersten neun Monaten des aktuellen Geschäftsjahres steht erneut ein Minus.

Strategisch kam der Konzern nicht vom Fleck. Das verlustreiche Geschäft mit Edelstahl wurde nach jahrelangem Zögern verkauft, aber die EU genehmigt den Deal seit Monaten nicht. Das Militärgeschäft ist klein und volatil. Zugleich machte sich ThyssenKrupp illegaler Preisabsprachen schuldig. Erst gehörte der Konzern einem Aufzugkartell, dann einem Schienenkartell an, Kunden wurden um mehrere Hundert Millionen Euro geschädigt. Doch der von Beitz beschirmte Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp, Gerhard Cromme, verrichtet weiter ungefährdet sein Tagewerk.

Und was tut der Konzern für die Zukunft? Die Forschungsausgaben beliefen sich zuletzt auf gut ein Prozent vom Umsatz – deutlich weniger als früher.

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