DIE ZEIT: Herr Hopp , Sie sind einer der erfolgreichsten Unternehmer der Nachkriegsgeschichte. Ihr Bild in der Öffentlichkeit wird jedoch geprägt von der TSG 1899 Hoffenheim , einem recht erfolglos dahindümpelnden Fußballverein. Haben Sie sich das so vorgestellt?

Dietmar Hopp: Mit Sicherheit nicht. Als es mit Hoffenheim steil bergauf ging, war das ein ungeheures Glücksgefühl, jetzt deprimiert mich die aktuelle sportliche Situation schon sehr. Aber es werden schon bald wieder bessere Zeiten anbrechen, mit unserem Sieg gegen Hannover hat sich die Wende angekündigt.

ZEIT: Sie sind jetzt über 70, Großaktionär bei SAP , Großinvestor im Biotech-Bereich, mit Ihrer Stiftung in zahlreichen sozialen Projekten engagiert und führen noch einen Fußballverein. Hatten Sie, nach dem Ausstieg bei SAP, Angst vor der Leere, die kommen könnte?

Hopp: Zunächst: Ich führe 1899 Hoffenheim nicht...

ZEIT: ...wir kommen darauf noch zu sprechen...

Hopp: ...und was die Leere im Alter betrifft: Ich habe diese Angst nie gehabt, weil ich vorgebaut habe. Es gibt zu viele Firmeninhaber, die nicht loslassen können und in meinem Alter noch immer am Ruder sind. Deshalb habe ich rechtzeitig die Weichen gestellt, mich aus dem operativen Geschäft zurück gezogen, eine Stiftung gegründet, hier diesen Golfclub St. Leon-Rot gebaut, in dem ich einen großen Teil meiner Freizeit verbringen kann.

ZEIT: Keine Entzugserscheinungen am Anfang?

Hopp: Nein, ich habe hart gearbeitet, war materiell unabhängig, es war genug.

ZEIT: Wissen Sie eigentlich zu jeder Stunde des Tages, wie wohlhabend Sie sind?

Hopp: Nein.

ZEIT: Weil der Kontostand Kursschwankungen unterworfen ist?

Hopp: Mein Vermögen hat mich am Anfang interessiert, insbesondere als SAP an die Börse ging. Wir sind damals mit einem Kurs von 750 D-Mark gestartet, als die 1000-Mark-Marke überschritten wurde, habe ich das schon registriert, im Hinterkopf mitgerechnet. Aber das habe ich mir dann auch relativ schnell wieder abgewöhnt, denn das bringt ja nichts. Es war Papiergeld, das auch gar nicht kurzfristig in reales Geld umzutauschen war, deshalb hat es mich nicht interessiert.

ZEIT: Es hat Sie nie stolz gemacht?

Hopp: Stolz ja, natürlich.

ZEIT: Hat es Ihnen auch ein Gefühl von Macht gegeben?

Hopp: Das habe ich nicht gefühlt, aber ich habe sie wahrscheinlich gehabt.

ZEIT: Ist das vorbei?

Hopp: Nein. Das ist wohl noch so, da hat sich nichts geändert, wenn ich heute keine mehr hätte, hätte ich wahrscheinlich nie welche gehabt.

ZEIT: Joschka Fischer hat einmal gesagt, wenn es ganz nach oben geht, kann man niemandem mehr vertrauen.

Hopp: Das mag ein Fehler sein. Meine Frau behauptet, du traust ja jedem. Und es stimmt wohl: Ich habe grundsätzlich sehr großes Vertrauen in meine Mitmenschen. Ohne Vertrauen hätten wir nichts erreicht bei der SAP, und das spürten auch die Mitarbeiter, dass man ihnen was zutraut. Eine Art von Vertrauen ist ja das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit; ja, du kannst diese Aufgabe erfüllen. Nur so sind viele zu Unternehmern im Unternehmen geworden.

"Der reine Kapitalismus ist sicherlich nicht segensreich"

ZEIT: Sie haben viele unterschiedliche Betätigungsfelder, Biotech, die Krankenhäuser, Sie haben die Stiftung, Jugendarbeit, Sie haben den Verein, Sie haben investiert in Schulen. Dabei sind Sie gelernter Informatiker. Sie müssen also Ihre Entscheidungen vor allem im Vertrauen auf jene Menschen treffen, die Sie beraten. Wie müssen Menschen beschaffen sein?

Hopp: In der Stiftung ist es sicherlich am schwersten, den Bereich Medizin zu durchschauen. Wenn mir einer erzählt, da gibt es jetzt ein ganz modernes Bestrahlungsgerät. Okay, dann glaube ich das, und wenn er mir dann noch sagt, die Tumoren in Kinderköpfen müssen besonders genau bestrahlt werden, damit keine Folgeschäden entstehen, dann glaube ich es auch. So habe ich auch am Anfang meine Spenden gemacht, aber schon recht schnell haben wir Professoren als Gutachter geholt, die grundsätzlich die Anträge, die aus dem Bereich Medizin kommen, begutachten. Im Bereich Soziales traue ich mir das schon eher zu, ein Kinderhospiz hier in der Nähe zu unterstützen, da musste ich nicht lange überlegen.

ZEIT: Haben Sie sich gelegentlich gewundert, dass doch vielleicht etwas dran ist an der Erkenntnis, dass der Retter den Geretteten liebt, aber nicht umgekehrt?

Hopp: Das höre ich zum ersten Mal, aber da könnte was dran sein.

ZEIT: Sie sind reich geworden als Unternehmer. Wie beurteilen Sie jene, die in den vergangenen Jahren reich geworden sind, indem sie als Banker das Geld anderer vorsätzlich vernichtet haben?

Hopp: Das ist mir zutiefst zuwider, was da passiert ist. In Amerika und überall, wo synthetische Finanzprodukte in Verbindung mit Hypotheken aufgelegt wurden, obwohl die Banker genau wussten, dass sie nicht werthaltig sind. Ich denke, das wird noch Folgen haben, denn beschädigt wurde damit die ganze Branche. Aber ich bin kein Freund der Sippenhaft und glaube nicht, dass meine Volksbank Kraichgau unseriös arbeitet.

ZEIT: All Ihr Geld liegt bei dieser Volksbank?

Hopp: Fast alles, ja...

ZEIT: ...da ist dann ja kaum noch Platz für andere...

Hopp: Ich wollte es ja gerade erklären. Die Volksbank hat eine Muttergesellschaft, die DZ Bank. Wir haben in Luxemburg natürlich hochoffiziell alles versteuert, dort gibt es Fonds, die das Vermögen verwalten. Das ist ja nicht Geld, sondern das sind Aktien und andere Finanzprodukte, mit einer Rendite, die sich durchaus sehen lassen kann, die aber nicht so ist, dass man sofort erschrickt.

ZEIT: Wir sind nicht schreckhaft.

Hopp: Wer in den vergangenen Jahren im Durchschnitt fünf Prozent erwirtschaftet, der kann sehr zufrieden sein. Wer über zehn bietet, das kann man an fünf Fingern abzählen, ist nicht seriös, das kann nicht gut gehen.

ZEIT: Der Kapitalismus, die sogenannte freie und soziale Marktwirtschaft, hat Sie groß und reich gemacht. Hat Sie die Krise an den Finanzmärkten daran zweifeln lassen, dass dieses System für die Menschen wirklich segensreich ist?

Hopp: Der reine Kapitalismus, auch Turbokapitalismus genannt, ist sicherlich nicht segensreich. Andererseits haben wir gesehen, was Kommunismus und Sozialismus produziert haben, was in Ostdeutschland hinterlassen wurde in 40 Jahren – grauenhaft ist das schiefgegangen. Ein gemäßigter Kapitalismus ist, glaube ich, das einzig sinnvolle System, weil der Antrieb zur Leistung erhalten bleibt.

ZEIT: In der Hochphase der Finanzkrise mussten auch in Deutschland Banken verstaatlicht werden. Nicht eben ein Gütesiegel für einen gemäßigten Kapitalismus.

Hopp: Das war ein Schock. Aber als ich begriffen hatte, wie das Ganze zustande kam, wusste ich, dass es die reine Gier einzelner Banker war und nicht ein grundsätzlicher Fehler im System.

ZEIT: Hätte man in einer Marktwirtschaft nicht konsequenterweise eine Bank pleitegehen lassen sollen?

Hopp: Hat sich keiner getraut, nachdem die Pleite von Lehman Brothers solche Kreise gezogen hat.

ZEIT: Wäre es konsequent gewesen?

Hopp: Es wäre konsequent gewesen, ja.

"ich bin der Meinung, dass man die Steuern erhöhen muss"

ZEIT: Man hätte in Kauf nehmen sollen, dass die Sparguthaben der sogenannten kleinen Leute vernichtet worden wären?

Hopp: Ich wollte gerade ergänzen: Man hätte eine solche Pleite sozial abfedern müssen. Man hätte staatliche Garantien für die Sparguthaben geben müssen.

ZEIT: Gibt es eigentlich unter den wirklich Wohlhabenden eine Art Club? Treffen Sie sich gelegentlich? Kennen Sie beispielsweise Dietrich Mateschitz, den Milliardär, den Mäzen des Fußballclubs RB Leipzig?

Hopp: Den kenne ich persönlich nicht.

ZEIT: Es gibt da also nicht so einen Stammtisch?

Hopp: Ich würde so einen Stammtisch meiden.

ZEIT: Würden Sie mit Gleichgesinnten gegen eine »Reichensteuer« mobilmachen, wie sie gerade diskutiert wird?

Hopp: Nein, ich bin der Meinung, dass man die Steuern erhöhen muss. Ich bin aber völlig dagegen, jetzt eine Zwangsabgabe auf Vermögen von zehn Prozent zu erheben, weil man dann den Mittelstand teilweise ganz empfindlich trifft, wenn nicht gar zerstört. Eine Firma ist 50 Millionen Euro wert, liquide Mittel sind knapp, jetzt müssen die Eigentümer plötzlich fünf Millionen bezahlen, wie soll denn das gehen?

ZEIT: Bei der »Reichensteuer« geht es vor allem um die Erhöhung des Spitzensteuersatzes.

Hopp: Wenn das Bundesverfassungsgericht mitspielt, kann man von mir aus den Spitzensteuersatz auf 60 Prozent anheben. Warum nicht?

ZEIT: Das hieße in Ihrem Fall, wie viel mehr?

Hopp: Weiß ich gar nicht, wirklich. Ich meine, dass man für alles, was über 400.000 oder 500.000 Euro pro Jahr hinausgeht, einen Spitzensteuersatz von 60 Prozent erheben könnte. Das geht dann vom Gewinn weg, nicht aber von der Substanz.

ZEIT: Herr Hopp, hatten Sie damals Vorbilder – und haben Sie heute welche?

Hopp: Ich brauche nicht zu sagen, dass es für mich als kleiner Junge der Fritz Walter war, aber später... Mir hat Alfred Herrhausen sehr imponiert, der ehemalige Deutsche-Bank-Chef. Und wer ist nicht Fan und Bewunderer von Helmut Schmidt.

ZEIT: Warum haben die Ihnen imponiert?

Hopp: Weil Herrhausen nicht der glatte, kühle Banker war, der nur auf Profit aus war. Er hat auch enorm soziale Verantwortung wahrgenommen. Und Helmut Schmidt ist noch heute mit über 90 Jahren ein Vordenker.

ZEIT: Hat Sie das Attentat auf Herrhausen, bei dem er ums Leben kam, ängstlicher gemacht?

Hopp: Schon, ja.

ZEIT: Was hatte das für Konsequenzen. Haben Sie Ihren Reichtum mit einer eingeschränkten Lebensqualität bezahlt?

Hopp: Ja, das habe ich. Vor allem waren meine Söhne betroffen. Unser älterer Sohn war damals 16 Jahre alt. Dass er plötzlich von Sicherheitsleuten in die Schule begleitet wurde, hat ihn enorm getroffen. Ich habe zwar versucht es zu erklären und gesagt, keine Panik, es ist nur eine Vorsorgemaßnahme, aber eine Entführung hätte ich kaum durchgestanden. Als meine Söhne klein waren, habe ich immer gesagt, passt auf, wenn jemand auf euch zukommt, auch wenn ihr den kennt – ihr dürft nicht zu ihm ins Auto steigen.

"Ich habe schon Dinge erlebt, die mich an das Schicksal glauben lassen"

ZEIT: Glauben Sie an Gott?

Hopp: Nein – nicht in der klassischen Form. Ich glaube an etwas, was ich mir einfach nicht vorstellen kann: an die Unendlichkeit. Der Sohn eines guten Freundes ist Physikprofessor, er war Assistent bei Stephen Hawking, der erzählt mir, wenn wir uns Weihnachten treffen, von der Entstehung der Welt, der Energie, dem Urknall. Das ist unglaublich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gott dies so geplant hat.

ZEIT: Und wenn wir »Gott« durch »Schicksal« ersetzen?

Hopp: Ich habe schon Dinge erlebt, die mich an das Schicksal glauben lassen.

ZEIT: Geben Sie uns bitte ein Beispiel.

Hopp: An jenem Tag 1960, an dem mein großer Bruder mit dem Auto tödlich verunglückte, hat sich der Hund seiner Familie, der sonst immer begeistert ins Auto hüpfte, wimmernd im Garten meiner Mutter versteckt. Ich denke, das war eine Vorahnung, denn 20 Minuten später ist der Unfall passiert. Ohne das ungewöhnliche Verhalten des Hundes wäre mein Bruder längst an der Unfallstelle vorbei gewesen – ich glaube in dem Fall, wie auch in anderen, an Vorbestimmung!

ZEIT: Wie stellen Sie sich Armut vor?

Hopp: Als beklagenswerten Zustand. In den Nachkriegsjahren habe ich sie selber erlebt. Wir waren vier Kinder, und das war schon eine harte Sache. Mein Vater bekam 21 Mark Stempelgeld in der Woche, und meine Eltern mussten 28 Mark Schulgeld im Monat bezahlen. Von den vier Kindern waren zwei Jahre lang drei auf dem Gymnasium. Als ich auf das Gymnasium kam, hatte meine älteste Schwester es gerade verlassen. Ich kann mich an Tage erinnern, an denen wir tatsächlich gehungert haben, obwohl meine Mutter sehr auf das Geld aufgepasst hat. Das ist auch der Grund dafür, dass ich immer reich werden wollte, ich wollte nicht abhängig sein.

ZEIT: Haben Ihre Eltern Ihnen ein Lebensmotto mit auf den Weg gegeben? Was haben sie geraten?

Hopp: Das kann ich explizit nicht sagen, aber sie haben uns zu toleranten, hilfsbereiten Menschen erzogen.

ZEIT: Sie kümmern sich mittlerweile sehr um Biotech, hat das Interesse an einem solchen Fachgebiet auch mit dem zunehmenden Alter zu tun?

Hopp: Nein, das ist Zufall. Kurz nach der Euphoriephase um das Thema Biotech lernte ich Friedrich von Bohlen und Halbach kennen, der das Unternehmen Lion Bioscience gegründet und geführt hatte, das einmal mehrere Hundert Millionen wert gewesen war, dann aber in der Erfolglosigkeit endete. Trotzdem imponierte er mir, ein Mann, der seiner Zeit voraus war und seine Ideen noch nicht gewinnbringend umsetzen konnte.

ZEIT: Sie vertrauten ihm?

Hopp: Ja. Wir haben uns hier im GolfClub getroffen und eine Zusammenarbeit verabredet. Auch wenn es im Moment ein Verlustgeschäft zu sein scheint, bin ich überzeugt, dass sich das Investment durchaus noch rechnen wird.

ZEIT: Wie hoch ist die Investition?

Hopp: Am Ende werde ich dort 800 Millionen Euro in 16 Firmen investiert haben. Es ist eine faszinierende, zukunftsweisende Technologie, birgt zudem die Chance auf ein großes Geschäft und schafft viele hochwertige Arbeitsplätze.

ZEIT: Was sich von Ihrem zweiten großen Hobby dieser Tage nicht behaupten lässt. Hoffenheim, das Dorf, in dem Sie aufgewachsen sind, spielt, unterstützt mit Ihrem Geld, in der Ersten Fußballbundesliga und bereitet Ihnen seit einigen Monaten vor allem Ärger. Wann haben Sie zuletzt gedacht: Diese kostspielige und rufschädigende Episode mit dem Engagement bei der TSG 1899 Hoffenheim hätte ich mir lieber erspart?

Hopp: Es gab und gibt immer wieder kurze Momente, in denen ich denke: Wahrscheinlich war es ein Fehler, dass ich das mit auf den Weg gebracht habe. Damit meine ich das Profigeschäft – und nicht meine Investitionen in den inzwischen schon vielfach ausgezeichneten Jugendbereich. Das habe ich nie bereut. Ich kann auch nicht sagen, ich habe bereut, dass wir den Weg in die Bundesliga gegangen sind, da war auch viel Freude dabei, aber möglicherweise würde ich das nicht mehr tun.

ZEIT: Wenn der ehemalige SAP-Manager Dietmar Hopp auf die Managementgeschichte der TSG 1899 Hoffenheim der vergangenen drei Jahre blickt, wie würde der urteilen?

Hopp: Nicht besonders positiv, über manches wäre er sogar unglücklich.

"Markus Babbel ist der Fachmann und in der Verantwortung"

ZEIT: Aus dem von Ihnen erwähnten Jugendbereich hat es kein einziger Spieler in die erste Elf geschafft?

Hopp: Das ist auch für mich ein Rätsel. Denn gerade das wollten wir besser machen als die anderen. Von dem, was hier in den vergangenen zwei Jahren gelaufen ist, bin auch ich enttäuscht. Keiner der Trainer hat es geschafft, eine Durchlässigkeit in Richtung Profikader zu schaffen, ein junges Talent so weit zu fördern, dass es in der Bundesliga gut bestehen kann. Aber wir haben viele Jugend-Nationalspieler mit 17 und jünger, deshalb wird das mit Sicherheit korrigiert.

ZEIT: Der aktuelle Trainer, Markus Babbel, hat zum Einstand, um es vorsichtig auszudrücken, in seiner Transferpolitik eher auf erfahrene Kräfte gesetzt.

Hopp: Das ist richtig, und dabei entstand ein scheinbarer Widerspruch. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu Markus Babbel und habe mir vorgenommen, nichts zu kommentieren. Wenn ich es jetzt dennoch tue, liegt das daran, dass so viel Missverständliches darüber schon geschrieben wurde. Markus Babbel ist der Fachmann und in der Verantwortung. Und er ist der Ansicht, dass die vielen jungen Leute erfahrene Spieler brauchen, zu denen sie hochschauen können und die sie führen. Wenn ich sehe, dass von 27 Spielern im Kader dreizehn 22 Jahre und jünger sind, hat er wohl auch recht. Im Übrigen sind nur drei der 27 Spieler im Kader 30 oder älter – eine ganz junge Mannschaft also. Ich bin nach wie vor zuversichtlich, dass wir eine erfolgreiche Saison spielen werden, und beschränke mich darauf, zu fordern, dass das geplante Budget eingehalten wird, um zu keiner Zeit in Konflikt mit dem Financial Fairplay zu kommen. Wo hier der viel zitierte Strategiewechsel liegen soll, verschließt sich mir.

ZEIT: Man wirft Ihnen auch vor, an Trainern vorbei Spieler zu verpflichten oder zu verkaufen, zuletzt den Spieler Luiz Gustavo zum FC Bayern.

Hopp: Kein Kommentar. Nur so viel: Ich könnte Ihnen einen Brief an Luiz Gustavo zeigen, den diejenigen, die das behaupten, mit unterschrieben haben. Aus diesem Brief geht klar hervor, dass wir ihn gehen lassen, wenn wir Ersatz finden. Wir haben Ersatz gefunden – und noch 19 Millionen eingenommen, deshalb haben wir ihn gehen lassen, auch um ein Zeichen zu setzen, dass die wirtschaftliche Vernunft mindestens gleichrangig neben den sportlichen Zielen zu sehen ist.

ZEIT: Ein weiterer Vorwurf ist, dass Sie durch komplizierte Finanzkonstruktionen Ihr wirkliches finanzielles Engagement kaschieren, damit die Regeln des DFB, nach denen Mäzene nicht mehr als 50 Prozent der Anteile an einem Club halten dürfen, formal eingehalten werden.

Hopp: Auch diese Debatte bin ich leid: Es ist noch niemandem gelungen, mir irgendetwas in dieser Richtung nachzuweisen. Die Kontrollen sind scharf, es wird seitens des DFB und der Liga genauestens geprüft. Und wir halten allen Prüfungen stand. Das ist Fakt. Alles andere ist Meinungsmache der Medien.

ZEIT: Ist es, unter diesen Voraussetzungen, klug, dass, rein formal, Ihr Golfclub der Betreiber des Fußballvereins ist?

Hopp: Der Golfclub ist gleichzusetzen mit der Dietmar Hopp Holding, und es war in der Tat ungeschickt, nicht schon früher diese Obergesellschaft so zu nennen – eine reine Formalie, hinter der manche zu Unrecht etwas Verdächtiges gesehen haben. Diese Umbenennung wird in Kürze erfolgt sein. Es ging definitiv nur darum, Notartermine und Handelsregister-Anmeldungen zu vermeiden.

ZEIT: Welchen Anteil hat, alles in allem, die Trauer, wie viel ist Wut, wie viel Freude und Glückseligkeit?

Hopp: Die Quelle von Freude ist, wenn gewonnen wird, und die Quelle von Niedergeschlagenheit ist, wenn verloren wird. Irgendwo ist so das Leben. Ich ärgere mich, dass ich da Stimmungen unterworfen bin, dass ich das auch nicht abstreifen kann.

ZEIT: Ist Ihnen in solch einem Moment die Person Hopp selber peinlich?

Hopp: Ach nein, ich halte das für durchaus normal für einen Fan.

ZEIT: Was sagt Ihre Frau dazu?

Hopp: Du spinnst!

ZEIT: Womit belohnen Sie sich, wenn das Leben mal wieder grau und glücklos erscheint, etwa bei der nächsten Niederlage von Hoffenheim?

Hopp: Indem ich mit meinem Enkel auf der Wiese Fußball spiele, er wird jetzt drei. Als er noch ein Baby war, habe ich schon die Tore gekauft. Wir haben das Glück, dass unser jüngerer Sohn mit seiner Familie genau gegenüber wohnt, und die Wiese liegt dazwischen. Ich freue mich wie wohl jeder Opa, wenn er seine Enkel sieht.

ZEIT: Sonst haben Sie sich vermutlich schon jeden Wunsch erfüllt?

Hopp: Eigentlich ist es schade, dass ich kein Autonarr bin. Ich kenne so viele Leute, die sind verliebt in ihr Auto. Ich kann einem tollen Auto nichts abgewinnen und einer Jacht auch nicht. Ich habe zwar im Sommer mal die Gelegenheit gehabt, auf einer Jacht mitzufahren, aber nur für einen Tag. Das war ein tolles Erlebnis, aber dafür genügt mir ein Tag. Auf dem Golfplatz bin ich da schon häufiger zu finden.

ZEIT: Vom Abschlagpunkt direkt ins Loch, ein Hole-in-one, ist Ihnen das schon einmal geglückt?

Hopp: Zwei habe ich schon gespielt in meinem Leben, leider nie in einem Turnier.

ZEIT: Können Sie dieses Gefühl beschreiben?

Hopp: Ja, das ist das gleiche Gefühl, wie beim Fußball aus 18 Metern genau in den Winkel zu treffen. Leider ist mir auch dies viel zu selten gelungen.