Markus Lanz und Norbert Himmler"Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?"

Ein Gespräch mit zwei Neuen: Moderator Markus Lanz und Norbert Himmler, dem Programmdirektor des ZDF. von Matthias Kalle und Anne Kunze

ZEITmagazin: Herr Lanz , was würden Sie den zukünftigen »Wetten, dass..?«-Moderator fragen, wenn der zu Gast bei Ihnen in der Talkshow wäre?

Markus Lanz: »Haben Sie sich irgendwann mal die Frage gestellt, ob Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank haben?«

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ZEITmagazin: Warum würden Sie das fragen?

Lanz: Weil es mir zunehmend so erscheint, als wäre die Moderation von Wetten, dass..? eine Aufgabe von nationaler Bedeutung. Deutschland diskutiert über die Fußball-Europameisterschaft, die Euro-Krise und dazwischen immer wieder über Wetten, dass..?. Die EM ist leider schon, die Euro-Krise hoffentlich bald vorbei, bleibt noch Wetten, dass..?. Natürlich weiß jeder, dass die Welt ganz andere Sorgen hat. Ich glaube, die Diskussion ist einfach ein Zeichen von Zuneigung: Die Zuschauer mögen die Show nach 30 Jahren immer noch.

ZEITmagazin: Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?

Lanz: Ich war zumindest in einem Zustand geistiger Zurechnungsfähigkeit, als ich Ja gesagt habe. Obgleich die Frage mich sehr spät abends erreicht hat.

ZEITmagazin: Wie wird man denn gefragt, ob man »Wetten, dass..?« moderieren will?

Lanz: Nach der Aufzeichnung einer Talkshow habe ich gesehen, dass es mehrere Anrufe in Abwesenheit gab. Es war eine mir bekannte Mainzer Nummer. Ich dachte: Ruf mal lieber nicht an. Als ich nach der zweiten Aufzeichnung dann noch mehr Anrufe in Abwesenheit sah, nahm ich mir vor: Wenn ich im Auto bin, rufe ich zurück. Und dann saß ich da auf dem Rücksitz des Autos, fuhr in Richtung Hotel und dachte: Jetzt musst du erst mal was essen, sonst bist du unterzuckert. Kurz vor elf, als dann eine SMS von Thomas Bellut kam, habe ich mich endlich getraut und zurückgerufen.

ZEITmagazin: Was stand in dieser SMS?

Lanz: »Bitte um Rückruf«.

ZEITmagazin: Sie ahnten, was der ZDF-Intendant von Ihnen wollte?

Lanz: Da war er noch Programmdirektor. Und mir war schon klar, dass er mit mir nicht das Wetter der letzten Woche erörtern wollte.

ZEITmagazin: Einige Fernsehkritiker jubelten nicht gerade, als bekannt wurde, dass Sie der neue »Wetten, dass..?«-Moderator werden.

Lanz: Ich fand das Echo im März gar nicht schlecht. Aber ich beschäftige mich auch nicht so viel damit.

ZEITmagazin: Das glauben wir Ihnen nicht.

Lanz: Der Grund, warum ich das nicht tue, ist möglicherweise ein anderer, als Sie vermuten. Ich habe Ursula von der Leyen neulich in der Sendung gefragt, ob es nicht seltsamerweise so sei, dass man im Laufe der Zeit eher dünnhäutiger werde statt dickfelliger. Und sie sagte: Stimmt, man wird eindeutig dünnhäutiger. Ich habe irgendwo mal die schöne Geschichte von Schopenhauer gelesen, der sich über einen Kritiker geärgert haben soll und ihm schrieb: »Sitze gerade auf dem stillen Örtchen und habe Ihre Kritik vor mir. Gleich hab ich sie hinter mir.« Heute gibt es das Internet, und es gilt: Die Kritik ist nie hinter dir. Denn das Netz vergisst nie. Deshalb muss man sich vor manchen Dingen schützen, um nicht verbiestert zu werden.

ZEITmagazin: Herr Himmler, wie reagieren Sie als neuer Programmchef des ZDF auf Kritiken wie die im »Spiegel«, in der Lanz als »der vielleicht größte Streber im deutschen Fernsehen« porträtiert wurde?

Norbert Himmler: Ich nehme die Kritiken ernst, die nach der ersten Sendung erscheinen und die tatsächlich den Gegenstand fair betrachten.

Leserkommentare
    • Mari o
    • 03. Oktober 2012 12:21 Uhr

    tolles Foto.Die ZEIT ist fähig mir,dank ihrer Fotografen,auch noch den größten Blödsinn appetitlich zu servieren.

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    • lyriost
    • 03. Oktober 2012 14:12 Uhr

    Intellektuelle! Ach so, das hätte ich nicht gedacht, aber es erklärt einiges.

  1. Aber stimmt, das Foto ist sehr gelungen.

    • lyriost
    • 03. Oktober 2012 14:12 Uhr

    Intellektuelle! Ach so, das hätte ich nicht gedacht, aber es erklärt einiges.

    • theo777
    • 03. Oktober 2012 14:14 Uhr

    Es ist ein angenehmes Gespräch, das die Zeit da geführt hat. Beide, Himmler und Lanz, kommen sympathisch rüber. Dann aber sagt Himmler:

    "Markus Lanz hat für sich eine gute Technik entwickelt. Er bekommt oft viel mehr aus seinen Gästen heraus, als das in anderen Talksendungen der Fall ist. Dazu gehören der Einstieg, die Atmosphäre und der Stil der Gesprächsführung."

    Und genau in dem Moment zerplatzt alles. Die Aussage Himmlers ist reine Show. Ebenso wie die Gesprächsführung von Lanz reine Show ist. Beide wissen es. Und daran wird "Wetten, dass" zu knabbern haben - nämlich den Eindruck zu korrigieren, Markus Lanz sei ganz er selbst und würde nicht gerade eine Rolle spielen.

    Wenn es eine Gemeinsamkeit z.B. von Jauch und Gottschalk gibt, dann die: beide wirken authentisch und müssen sich nicht verstellen.
    Die Zuschauer spüren, ob einer er selbst ist oder nur eine Maske trägt.

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    "Die Zuschauer spüren, ob einer er selbst ist oder nur eine Maske trägt."

    Das gilt für viele Zuschauer offenbar nicht. Sonst wäre Herr Lanz nicht so erfolgreich mit seiner Art, und die Resonanz auf seine "Wetten dass"-Berufung ist ja auch vorwiegend positiv.

  2. Entsetzlich, nachdem einer für ein Leben im Rollstuhl sitzt, hört doch diese Sendung auf

  3. ... die ich in ihrer Fassadenhaftigkeit nur wenige Augenblicke aushalte. Stefan Niggemeier hat im "Spiegel" und in seinem Blog, in seinen Beiträgen <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-86752085.html"
    target="_blank">"Im Äquatorialbereich"</a> und
    <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/kein-schoener-lanz/"
    target="_blank">"Kein schöner Lanz"</a> treffend formuliert, was so unaustehlich an diesem Menschen ist.

  4. "Die Zuschauer spüren, ob einer er selbst ist oder nur eine Maske trägt."

    Das gilt für viele Zuschauer offenbar nicht. Sonst wäre Herr Lanz nicht so erfolgreich mit seiner Art, und die Resonanz auf seine "Wetten dass"-Berufung ist ja auch vorwiegend positiv.

    Antwort auf "Norbert Himmler"
  5. dass ich statt zu arbeiten, mich über den Niggemeier-Blog und den Spiegel hergemacht habe.
    Vielen Dank für die Links!
    Nun muss ich, allerdings bestens gelaunt, nachsitzen und hackeln, wie wir in Österreich sagen.
    Schönen Wiedervereinigungs-Feiertagabend für Sie.

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