3-D-DruckerBrrrt, ssst, fertig

Zahnkronen? Spielzeug? Autoteile? Kein Problem mit 3-D-Druckern. Die Maschinen werden immer leistungsfähiger – und sie können nun die Weltwirtschaft umkrempeln. von Pierre Christian Fink

In Krailling an der Würm steht eine Maschine und verändert täglich die Weltwirtschaft. Die Maschine heißt M280, sie ist etwa so groß wie ein Kleiderschrank und summt leise. In ihrem Innern flitzt ein Laserstrahl mit 25 Kilometern pro Stunde über Metallpulver und schmilzt es an zuvor genau festgelegten Stellen. Schicht um Schicht, jede einzelne bloß einige Hundertstel Millimeter dünn, baut die M 280 so einen Gegenstand auf. Sie kann das mit Stahl machen, mit Aluminium oder Titan.

Wollten Industrieunternehmen bislang etwas fertigen, brauchten sie eine Menge Maschinen – zum Gießen, Fräsen, Bohren, Drehen oder Schleifen. Oft rechnet sich ein herkömmlicher Gerätepark auch erst dann, wenn damit große Mengen von Schrauben, Blechen oder Rahmen produziert werden. Bei der M280 ist das anders: Die Maschine fertigt auch Einzelstücke. Dazu benötigt sie weder teure Gussformen noch Spezialwerkzeuge. Ihrem Laser genügt eine Computerdatei, um zu wissen, an welchen Stellen sie das Metallpulver schmelzen soll.

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Der US-Ökonom Jeremy Rifkin glaubt an eine neue industrielle Revolution

Was man bisher nur von Texten, Grafiken und Fotos kannte, funktioniert auch mit dreidimensionalen Gegenständen: Man druckt sie einfach aus. Mit Geräten wie dem M 280. Nie zuvor war der Weg vom digitalen Entwurf zum analogen Endprodukt so kurz.

Das liegt zu einem guten Teil an Hans Langer, einem 60-jährigen Anzugträger mit Beethoven-Mähne. Langer promovierte am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, bevor er die Firma EOS gründete und den dreidimensionalen Druck mit dem sogenannten Lasersinter-Verfahren verbesserte. Südlich von München stellt EOS die M 280 und einige andere Modelle von 3-D-Druckern her. »Fast jedes Industrieunternehmen wird früher oder später 3-D-Drucker einsetzen«, sagt Langer. Als Hersteller ist er dabei natürlich nicht ganz unbefangen – allerdings sehen das viele Experten inzwischen ähnlich.

Eine Expertenkommission des Weißen Hauses bezeichnet den 3-D-Druck als einen »möglichen Megatrend der Zukunft«. Das britische Wirtschaftsmagazin Economist prophezeit: »3-D-Druck wird die Welt verändern.« US-Starökonom Jeremy Rifkin erwartet sogar eine neue industrielle Revolution.

Das klingt weit hergeholt. Schließlich dürften die meisten Menschen von der neuen Technologie noch nie etwas gehört haben. Doch Produkte aus 3-D-Druckern gehören bereits heute zum Alltag. Tausende Deutsche haben Zahnkronen im Mund, die auf Maschinen wie der M 280 hergestellt wurden. Ungezählte Senioren tragen ein Hörgerät, dessen Außenschale aus einem 3-D-Drucker stammt. Urlaubsreisende sind unterwegs mit Flugzeugen, die gedruckte Bauteile enthalten.

In einigen Nischen hat die Technik bewiesen, dass sie funktioniert und dass man mit ihr sogar Geld verdienen kann. Jetzt entscheidet sich, ob ihr der Durchbruch auf den Massenmärkten gelingt.

Kaum jemand kann das so gut einschätzen wie der Amerikaner Terry Wohlers. Er berät Unternehmen, die mit 3-D-Druck Geld verdienen wollen. Seine Kunden sind Hersteller, Anwender und Investoren gleichermaßen. In seiner Datei finden sich 240 Firmen aus 23 Ländern. Wohlers ist ein Mann in den Fünfzigern und hat die zuvorkommenden Umgangsformen eines Jungen aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in den Rocky Mountains. Seiner Frau hat er im vergangenen Jahr zu Weihnachten eine Schmuckkette aus Gold geschenkt, die mit einem 3-D-Drucker hergestellt wurde.

»In den vergangenen zwölf Monaten hat die Technik einen riesigen Sprung nach vorn gemacht«, sagt Wohlers. »Inzwischen arbeiten die 3-D-Drucker so schnell und exakt, dass sie den meisten Ansprüchen genügen.« In der Zukunft, glaubt Wohlers, »wird sich das 3-D-Drucken zur größten und wichtigsten Fertigungsmethode entwickeln«.

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