Bankenregulierung"Man hat fast alles reformiert, was man reformieren kann"

Sabine Lautenschläger, oberste Finanzaufseherin der Bundesbank, über die Regulierung von Banken – und Pläne für ihre Zerschlagung von  und

Blick auf Frankfurt mit der Banken-Skyline im Hintergrund

Blick auf Frankfurt mit der Banken-Skyline im Hintergrund  |  © Ralph Orlowski/Getty Images

DIE ZEIT: Frau Lautenschläger, Bankenregulierung ist das Thema dieser Tage. Peer Steinbrück fordert, dass Großbanken das Investmentbanking vom klassischen Kreditgeschäft abtrennen. Ähnlich argumentiert eine von der EU eingesetzte Expertengruppe. Was halten Sie von derlei Vorschlägen?

Sabine Lautenschläger: Ein Trennbankensystem hat durchaus Vorteile, aber auch einige entscheidende Nachteile. Man muss das gegeneinander abwägen.

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ZEIT: Und zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Lautenschläger: Die Abschirmung des Kreditgeschäfts kann es leichter machen, in Schieflage geratene Institute abzuwickeln.

ZEIT: Das klingt doch gut!

Lautenschläger: Ich bin trotzdem skeptisch. In der Regel will man durch ein Trennbankensystem erreichen, dass Fehlspekulationen im Handelsgeschäft nicht mehr das gesamte Finanzsystem bedrohen. Der Staat könnte also die Investmentbank in die Insolvenz schicken, weil ja die für die reale Wirtschaft wichtigen Geschäftsfelder einer Bank abgeschirmt sind. So einfach ist das aber nicht.

ZEIT: Warum nicht?

Lautenschläger: Im Bankgeschäft ist Vertrauen die wesentliche Komponente. Beim Zusammenbruch eines großen Instituts besteht immer die Gefahr, dass der Markt erst einmal stillsteht. Wenn Investoren an den Finanzmärkten infolge der Insolvenz einer Investmentbank das Vertrauen in Banken verlieren, dann werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Kreditbanken abstrafen, selbst wenn keine direkten Geschäftsverbindungen bestehen. So hatten deutsche Finanzhäuser mit Lehman Brothers – einer reinen Investmentbank! – keinerlei direkte Geschäftsbeziehungen und trotzdem nach dem Zusammenbruch des Instituts Probleme, sich zu refinanzieren.

ZEIT: Möglicherweise wäre die Reaktion nicht so dramatisch, wenn wirklich klar wäre, dass es diese Beziehungen nicht mehr gibt.

Lautenschläger: Vielleicht, aber dann gibt es noch andere Arten der Ansteckungen. Auch die Kreditbanken müssen ihr Geld irgendwo anlegen. Wenn sie zum Beispiel in Wertpapiere investiert haben, die auch die Investmentbank gekauft hat, und diese Papiere bei einem Notverkauf durch die Investmentbank erheblich an Wert verlieren, können die Kreditbanken wieder unter Druck geraten.

ZEIT: Ein Trennbankensystem ist eine Schnapsidee?

Lautenschläger: Das habe ich nicht gesagt. Ich bin mir nur nicht so sicher, dass man die abgetrennte Investmentbank wirklich in die Insolvenz schicken kann. Und wenn das nicht der Fall ist, bleibt die Frage, was man durch eine Abtrennung eigentlich gewinnt.

ZEIT: Aber auch die EU-Expertengruppe um den finnischen Zentralbankchef Erkki Liikanen spricht sich für eine solche Abtrennung aus.

Lautenschläger: Wie gesagt, das ist eine Frage der Abwägung. Die Abschirmung kann einige Vorteile bringen. Ein Blick auf die Modelle, die in den USA und in Großbritannien diskutiert werden, zeigt aber auch, mit welchen Schwierigkeiten eine trennscharfe Abgrenzung des Investmentbankings verbunden ist.

Leserkommentare
  1. des Eindrucks erwehren, daß hier die Lobbyisten mal wieder "gute" Arbeit leisten, weil Frau Lautenschläger deren Argumente, warum es so nicht gehen sollte, könnte, verinnerlicht hat. Es geht doch nicht um die Sparkasse, Volksbank um die Ecke. Das sind doch Peanuts, es geht doch um dei Systemrelevanten Bankhäuser, die muß man an die Kandarre nehmen. Nur die Haben auch die besten Lobbyisten. Womit wir wieder beim Thema wären. Solange diese Herrschaften von unseren Volksvertretern die Aufträge bekommen, Gesetzentwürfe zu generieren, solange werden wir uns da im Kreise drehen!!!

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    • Chali
    • 14. Oktober 2012 10:08 Uhr

    Das heisst ja "für dieses(!) System relevant" - und da sollten wir Bürger uns fragen, ob wir dieses System denn überhapt behalten wollen. Dieses System, was immer wieder von "uns" alimentiert und gerettet werden muss. Ein System, dass sich wohlklingende Begriffe wie "...Wirtschaft" oder "...Industrie" okkupiert, und damit den Eindruck schafft, hier würden "Werte" geschaffen. Ja sogar: Dies und nur dies wäre "die Marktwirtschaft".

    Aber das stimmt eben nicht.
    Marktwirtschaft ist, wenn etwas produziert wird.
    Kostengünstig, also z.B. stronsparend.
    Was gebraucht witd oder wenigstens verkauft werden kann.

    Und für das "System Marktwirtschaft relevant" ist eine zuverlässige Geld- und Kredit-Versorgung. Das, ws Sparkassen und Volksbanken u.ä, bieten.

    Die Real-Wirtschaft ist für die Zockerbuden relevant - aber umgekehrt eben nicht.

    Dieses Blabla der Frau Lautenschläger kann man sich getrost schenken. Ich weiß nicht, wer diese Art der "Berichterstattung" überhaupt noch liest und dann auch noch ernst nimmt. Der Euro ist fertig und hat damit seinen Zweck erfüllt. Er hat eine Krise heraufbeschworen, welche es ermöglicht und notwendig erschienen lassen hat, immer mehr demokratische Rechte abzuschaffen und immer mehr Macht an demokratisch nicht legitimierte Herrschaften zu übertragen.

    • Chali
    • 14. Oktober 2012 10:08 Uhr

    Das heisst ja "für dieses(!) System relevant" - und da sollten wir Bürger uns fragen, ob wir dieses System denn überhapt behalten wollen. Dieses System, was immer wieder von "uns" alimentiert und gerettet werden muss. Ein System, dass sich wohlklingende Begriffe wie "...Wirtschaft" oder "...Industrie" okkupiert, und damit den Eindruck schafft, hier würden "Werte" geschaffen. Ja sogar: Dies und nur dies wäre "die Marktwirtschaft".

    Aber das stimmt eben nicht.
    Marktwirtschaft ist, wenn etwas produziert wird.
    Kostengünstig, also z.B. stronsparend.
    Was gebraucht witd oder wenigstens verkauft werden kann.

    Und für das "System Marktwirtschaft relevant" ist eine zuverlässige Geld- und Kredit-Versorgung. Das, ws Sparkassen und Volksbanken u.ä, bieten.

    Die Real-Wirtschaft ist für die Zockerbuden relevant - aber umgekehrt eben nicht.

    Antwort auf "Ich kann mich nicht..."
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    • DDave
    • 14. Oktober 2012 11:14 Uhr

    Gleichtzeitig kann man sagen, dass durch die Systemrelevanz man gewissen Institute braucht, die diese Aufgabe erfüllt.
    Unternehmen sind genauso wie Banken systemrelevant.
    Aber es interessiert herzlich wenig, wenn VW pleite geht und vom Markt "gefressen" wird, solange es noch andere Unternehmen gibt, wie z.B. Renault, Audi, BMW, etc, die diese Funktion übernehmen.
    Somit hätte eine Hypo Real Estate sehr gut auf Kosten der Aktionäre und Kreditgeber(Banken) abgewickelt werden können.
    Denn die Deutsche Bank, die Sparkassen und Volksbanken erfüllen die FUnktionen der HRE.

    Eine Frage zur Artikelüberschrift:
    "Man hat fast alles reformiert, was man reformieren kann"
    -> Es wurden keinerlei Reformen genannt, und insbesondere wurde ausser Bankentrennung keine weiteren möglichen Reformen angesprochen.
    Ein Titel wie, oberste Aufseherin der Bundesbank "Bankentrennung ist was böses" wäre definitiv besser gewählt.

    [Das, ws Sparkassen und Volksbanken u.ä, bieten]

    Sparkassen und Volksbanken können den Betriebsmittelkredit für den Handwerksmeister bieten. Sie können aber kein Unternehmen an die Börse bringen oder Anleihen und Kredite für BWM, Siemens und Co. auflegen. Dafür braucht es Großbanken.

  2. Welches die gute Frau hier als essentiell sieht ist schon lange nicht mehr vorhanden. Auf beiden Seiten nicht.

    Was wäre also so dramatisch daran die beiden Bereiche voneinander zu splitten ? Vertrauensverlust? Ich bitte Sie, das ist doch lächerlich. Warum sollte es zum Vertrauensverlust führen, wenn man den Risikobereich auslagert?

    Das scheint mir ein sehr fadenscheiniges Argument bestimmter Interessensgruppen zu sein, was die Dame hier von sich gibt.

  3. Dieses Blabla der Frau Lautenschläger kann man sich getrost schenken. Ich weiß nicht, wer diese Art der "Berichterstattung" überhaupt noch liest und dann auch noch ernst nimmt. Der Euro ist fertig und hat damit seinen Zweck erfüllt. Er hat eine Krise heraufbeschworen, welche es ermöglicht und notwendig erschienen lassen hat, immer mehr demokratische Rechte abzuschaffen und immer mehr Macht an demokratisch nicht legitimierte Herrschaften zu übertragen.

    Antwort auf "Ich kann mich nicht..."
  4. Um zu verhindern, dass Banken nach der Währungsreform wieder zu „Zockerbuden“ verkommen, gilt es folgende Punkte – neben anderen - umzusetzen:

    1. Das Investmentbanking ist von dem der Geschäftsbanken nach dem s. g. Glass-Steagall Act zu trennen.

    2. Finanzmarktregulierung durch Verbot von Schattenbanken bzw. Schattenbanksystemen

    3. Rückführung der geld- und währungspolitischen Souveränität der Europäischen Zentralbank auf die Deutsche Bundesbank (GG Art. 88 ist auf die ursprüngliche Fassung vom 23. Mai 1949 abzuändern, Protokoll (Nr. 4) - Amtsblatt C115/230 über die Satzung des europäischen Systems der Zentralbanken und der Europäischen Zentralbank sowie weitere EG-Gesetze bzgl. „Nationaler Währungshoheiten“ sind außer Kraft zu setzen). Der Deutschen Bundesbank obliegt die alleinige Verantwortung für die Geldpolitik sowie Sicherstellung der Währungsstabilität in der Bundesrepublik Deutschland.

    4. Von Weisungen Dritter (z. B. Exekutive - Bundesregierung) ist die Deutsche Bundesbank unabhängig. Die Bestellung des Präsidenten und des Vizepräsidenten sowie eines weiteren Mitglieds des Vorstandes auf Vorschlag der Bundesregierung entfällt ebenso wie das Vorschlagsrecht der übrigen drei Mitglieder seitens des Bundesrates im Einvernehmen mit der Bundesregierung. Weitere Anforderungskriterien sind unter Pkt. 7 gelistet.

  5. 5. Die Eigenkapitalquote der Geschäftsbanken muss mindestens 20 Prozent bei Investmentbanken mindestens 35 Prozent betragen

    6. Haftung der operativen Geschäftsführung (CEO, CFO, etc.) der Deutschen Bundesbank, Geschäftsbanken als auch Investmentbanken bei grober Fahrlässigkeit mit bis zu 70 Prozent des gesamten Privatvermögens. Das Privatvermögen der Vorstandsmitglieder ist offenzulegen.

    7. Besetzung der operativen Geschäftsführung der Deutschen Bundesbank, Geschäftsbanken, Investmentbanken als auch deren Aufsichtsräte (Aktiengesellschaften) bzw. Verwaltungsrat (Landesbanken) mit Experten, welche Basel II/III als auch das KWG (Kreditwesengesetz) vom Inhalt her kennen und auch anzuwenden wissen. Darüber hinaus dürfen die Mitglieder der Verwaltungsgremien keiner Partei angehören, müssen mindestens 45 Jahre alt sein und nachweislich mehr als 10 Jahre in einer Führungsposition bei einer international aufgestellten Bank- oder Versicherungsgesellschaft gearbeitet haben. Ein Wechsel von der operativen Geschäftsführung in den Aufsichtsrat oder umgekehrt ist frühestens nach Ablauf von drei Jahren nach Ausscheiden innerhalb der Bank und/oder ihrer Tochtergesellschaften erlaubt. Wechselseitige Mandate, z.B. CEO einer Bank A sitzt im Aufsichtsrat der Bank B, sind ebenso verboten wie die Wahrnehmung von mehr als 2 Mandaten in Aufsichtsräten börsennotierter Aktiengesellschaften.

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    • Sven88
    • 14. Oktober 2012 10:39 Uhr

    Das ist das richtige Stichwort. Die Banker müssen endlich für ihr Handeln verantwortlich sein.

  6. 8. Zulassung aller handelbaren Bankprodukte einschließlich deren Zertifizierung von einem staatlich unabhängigen Institut.

    9. In Anlehnung der Goldumlaufwährung der Deutschen Reichsbank zwischen 1876 und 1914 muss die M1 Geldmenge zu 100 Prozent und die M2 Geldmenge mindestens mit 20 Prozent durch Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium) gedeckt sein. Edelmetalle dürfen nur physisch (zu einem von einer unabhängigen Notenbank – wie z. B. Deutsche Bundesbank - festgelegten Preis) erworben und veräußert werden, ein Derivatehandel bzw. - geschäfte mit Edelmetallen ist verboten.

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    • DDave
    • 14. Oktober 2012 11:19 Uhr

    Desweiteren müssen die Materialien, die die Währung absichern auf deutschem Boden und insbesondere dem deutschen Zugriff zur Verfügung stehen.

    -> Das deutsche Gold sollte man mal von New York, London und Paris zurückführen in die deutschen Gefilden.

    • Sven88
    • 14. Oktober 2012 10:39 Uhr

    Das ist das richtige Stichwort. Die Banker müssen endlich für ihr Handeln verantwortlich sein.

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