In Harry Potters Zauberwelt gibt es Bücher, in denen sich die Bilder bewegen. Die Porträtierten winken, schneiden Grimassen und schwingen ihre Zauberstäbe – echte Magie, möchte man meinen! Bald allerdings wird jeder gewöhnliche Muggel solche Bilder auf seinem E-Book-Reader sehen können. War das E-Book bisher nur ein digitales Abbild der Papierversion, beginnt es sich jetzt zu emanzipieren. Es will mehr bieten als die Printausgabe und multimediale Inhalte einbinden.

Möglich machen soll das Epub3, ein neues Dateiformat für E-Books. Eine Epub-Datei ist eine Art Container, in dem mehrere Dateien zu einer einzigen zusammengefasst sind, kenntlich gemacht durch die Endung .epub (technisch unterstützt Epub3 die Darstellung in HTML5 und kann CSS3 nutzen). Für die Praxis wichtig ist, dass E-Books damit technische Spielereien nutzen können, wie sie heute bei Internetseiten bereits Standard sind – Audio- und Video-Clips, interaktive Elemente und ein modernes Layout. Frühere Epub-Versionen sind mit Websites zu vergleichen, die vor sechs bis acht Jahren üblich waren.

Epub3 wurde vom International Digital Publishing Forum (IDPF) entwickelt, einer internationalen Vereinigung, die hauptsächlich aus Verlagen und Software-Herstellern besteht. Deren Anspruch ist es, einheitliche Werkzeuge für das digitale Produzieren einzuführen, die für alle offen zugänglich sind. Bisher setzen viele Händler von Lesegeräten wie Kindle und Co. jeweils auf eigene Dateiformate, was die Anpassung von Inhalten erschwert.

E-Ink-Bildschirme haben Probleme

Und das ist derzeit auch das Problem von Epub3: Die aktuellen Lesegeräte unterstützen das Format nicht oder nur in bestimmten Teilen. Bei der Anwendung kommt es zu ähnlichen Komplikationen wie bei Versuchen, ein neues Computerspiel auf einem alten PC zu spielen.

In einer Testreihe an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig zeigte sich, dass die meisten Lesegeräte große Probleme mit dem Layout haben. Ob E-Book-Reader, Tablet, Smartphone oder normaler Computer: Bei jedem Gerät ist die Darstellung zum idealen Lesen eine andere. Zudem können Leser auf verschiedene Weise ins Layout eingreifen, indem sie zum Beispiel die Buchstaben vergrößern.

Dadurch kann sich ein Bild einfach verschieben, das zuvor noch neben die Schrift gepasst hat. Außerdem passiert es oft, dass einzelne Zeilen eines Absatzes allein auf einer Seite stehen bleiben oder dass eine Überschrift an den unteren Seitenrand rutscht, was nicht besonders schön aussieht. »Die Layout-Anpassungen stecken selbst mit Epub3 noch in den Kinderschuhen«, sagt Fabian Kern, der als selbstständiger Berater im Bereich Digitales Publizieren arbeitet.

Auch E-Ink-Geräte haben Schwierigkeiten mit Epub3. Sie sind zwar stromsparend und bieten angenehmes Lesen, arbeiten aber mit langsamen Bildwechseln. Eine flüssige Darstellung von Videos ist für diese Reader schwer zu stemmen. »Bisher unterstützt noch kein Lesegerät das Format in vollem Umfang«, sagt Andrea Kock, die den Bereich E-Book bei Books on Demand (BoD) leitet, dem europäischen Marktführer in der digitalen Buchpublikation. Mit Apple-Geräten lässt sich Epub3 aber in den meisten Merkmalen nutzen. Amazon setzt derzeit weiter auf sein internes Dateiformat KF8, hat jedoch eine Importschnittstelle für Epub3. Bei Tablet-PCs wiederum kommt es nicht nur auf das Gerät, sondern auch auf die Lese-App an, die die Funktionen unterstützen muss.