Max Mosley »So etwas dürfen sie nicht verbreiten«

Max Mosley über Intimsphäre und Menschenrechte im Netz und seinen Prozess gegen Google.

DIE ZEIT: Herr Mosley, Sie sind erfolgreich, haben viel Geld und könnten sich entspannt zurücklehnen. Warum tun Sie sich den Prozess gegen Google an?

Max Mosley: Ich kann mich nicht entspannt zurücklehnen, solange Google diese Fotos immer wieder anzeigt, wenn man meinen Namen sucht. Ich habe die Möglichkeit, mich dagegen zu wehren. Ich denke, ich sollte es auch tun, gerade weil es viele andere gibt, die sich nicht wehren können.

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ZEIT: Was erhoffen Sie sich vom Prozess?

Mosley: Ich hoffe natürlich, dass Google dazu verurteilt wird, die Bilder nie wieder anzuzeigen, denn das schädigt meinen Ruf viel mehr, als wenn die Unterseite irgendeiner kleinen Website es tut, die nie jemand finden würde. Ich hoffe aber auch, dass der Prozess zu einem gesellschaftlichen Umdenken über die Verantwortung im Internet führt.

ZEIT: Google ist ein Netzgigant. Haben Sie keine Sorge, dass der Konzern eine Nummer zu groß ist und Sie aufreiben wird?

Mosley: Google hat einen langen Atem, das ist klar. Aber dennoch müssen sie sich an die Gerichtsurteile und Gesetze jedes Staates halten, in dem sie aktiv sind. Nur das verlange ich, und ich glaube, das ist realistisch.

ZEIT: Wollen Sie Google zu einer prinzipiellen Änderung seiner Geschäftspolitik zwingen?

Mosley: Was die Intimsphäre verletzende Fotos angeht, ja. So etwas dürfen sie nicht verbreiten und dann sagen, sie hätten davon nichts gewusst, obwohl ich sie oft genug darauf aufmerksam gemacht habe.

ZEIT: Google wirft Ihnen vor, Sie wollten private Zensur betreiben.

Mosley: Mit Zensur hat das nichts zu tun. Die Frage ist, ob Google Material veröffentlichen darf, das für rechtswidrig erklärt wurde. Es ist ein fundamentaler Aspekt der Demokratie, das Rechtsstaatsprinzip zu respektieren. Google zeigt Geringschätzung für die europäischen Institutionen und die Demokratie, indem es Entscheidungen englischer, französischer und deutscher Gerichte einfach ignoriert. Wenn Google seine Dienste hier anbieten will, müssen die Menschenrechte derjenigen, die hier leben, auch respektiert werden.

ZEIT: Wie weit werden Sie gehen?

Mosley: Ich werde so weit gehen, wie ich muss. Nötigenfalls auch zum Bundesverfassungsgericht und zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

ZEIT: Wäre es nicht besser gewesen, Sie hätten geschwiegen? Die Welt hatte die Bilder doch fast schon vergessen. Nun sind sie wieder überall in der Öffentlichkeit.

Mosley: Solange die Fotos abrufbar sind, werden Menschen, die in Kontakt mit mir kommen und nach meinem Namen suchen, sie auch immer wieder finden. Außerdem geht es hier um mehr als nur um mich. Ich möchte, dass niemand derartige Fotos von sich im Internet sehen muss.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 4.10.2012 Nr. 41
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