Kalter Krieg Dem Abgrund entgegen

In der Kubakrise zwischen den USA und der UdSSR vor 50 Jahren entging die Welt nur um Haaresbreite der atomaren Vernichtung.

29. Oktober 1962 in Washington: US-Präsident Kennedy berät mit dem Krisenstab die Situation auf Kuba und das Verhalten Russlands.

29. Oktober 1962 in Washington: US-Präsident Kennedy berät mit dem Krisenstab die Situation auf Kuba und das Verhalten Russlands.

Es ist Montag, der 22. Oktober 1962. Um 13 Uhr kündigt das Weiße Haus für den Abend eine Radio- und Fernsehansprache des Präsidenten »von höchster nationaler Dringlichkeit« an. Als John F. Kennedy um 19 Uhr beginnt, lauschen 100 Millionen Amerikaner gebannt seinen Worten. Der Präsident teilt Ungeheuerliches mit: Die Sowjetunion habe Atomraketen auf Kuba stationiert. Jede dieser Raketen könne die meisten großen Städte des Doppelkontinents treffen, von Kanada bis hinunter nach Lima in Peru. Dies sei eine Bedrohung für alle Amerikaner.

Kennedy bezichtigt die Sowjets der mehrfachen Lüge, allen voran deren Außenminister Andrej Gromyko, der ihm noch wenige Tage zuvor versichert habe, es gebe nur defensive Waffen auf Kuba. Um den weiteren Aufbau der Raketenbasen zu stoppen, kündigt Kennedy eine Blockade der Karibikinsel gegen alle Schiffe an, die offensives militärisches Material nach Kuba bringen wollten. Diese Schiffe müssten umkehren. Er habe zudem die Streitkräfte angewiesen, sich auf jede Eventualität vorzubereiten. Sollte auch nur eine Rakete abgeschossen werden, betrachte man dies als einen Angriff auf die USA. Ein »massiver Vergeltungsschlag gegen die Sowjetunion« werde folgen.

Eine Stunde zuvor, um 18 Uhr, ist der sowjetische Botschafter in Washington, Anatoli Dobrynin, von Außenminister Dean Rusk über die Raketen informiert worden, von denen Dobrynin (angeblich) nichts weiß. Als der Botschafter das State Department betrat, lächelte er noch, als er es verließ, war er aschfahl. Nach Moskau berichtete er, er habe Rusk geantwortet, die Sowjetunion fürchte keine Drohungen und sei vorbereitet, sie auf angemessene Weise zu beantworten, falls die Stimme der Vernunft in den USA nicht durchdringen sollte.

Rolf Steininger

Der Autor ist Professor für Zeitgeschichte (em.) an der Universität Innsbruck. Mehr zum Thema in seinem Buch Die Kubakrise 1962. Dreizehn Tage am atomaren Abgrund (Olzog Verlag, 173 S., 22,90 €).

Vom nächsten Tag an, dem 23. Oktober, gilt für die US-Streitkräfte zum ersten Mal seit dem Koreakrieg 1950 weltweit Alarmstufe 3. Tags darauf wird für das Strategische Luftwaffenkommando die Stufe auf 2 angehoben – dies zum ersten und bis heute einzigen Mal (Stufe 1 bedeutet Atomkrieg). 204 Interkontinentalraketen im Westen der USA werden für den Start vorbereitet, zwölf U-Boote mit 140 Polaris-Raketen an Bord vor die Küsten der Sowjetunion beordert, weitere 220 Raketen auf fünf Flugzeugträgern einsatzbereit gemacht. 62 B-52-Bomber mit 196 Wasserstoffbomben an Bord sind nun ständig in der Luft; 628 weitere Bomber mit mehr als 2.000 Atombomben bleiben rund um die Welt in Alarmbereitschaft. Hinzu kommen 60 Thor-Raketen in Großbritannien, 30 Jupiter-Raketen in Italien, alle mit Atombomben bestückt, und fünf Jupiter-Basen in der Türkei.

Die strategische Überlegenheit der USA gegenüber der UdSSR beträgt 4:1 bei den Interkontinentalraketen und 17:1 insgesamt (inklusive Atomsprengköpfen). Washington verfügt so über die Erstschlagkapazität – Moskau dagegen nicht, nicht einmal über eine ausreichende Zweitschlagkapazität. Wäre es zum Äußersten gekommen, wäre die Sowjetunion pulverisiert worden, aber auch im Westen hätte es Millionen Tote gegeben.

Zur selben Zeit ordnet der Keml für die Truppen des Warschauer Paktes erhöhte Gefechtsbereitschaft an und für die Streitkräfte der Sowjetunion (auch für die 500.000 Sowjetsoldaten in der DDR) die volle Gefechtsbereitschaft. Sechs Interkontinentalraketen sind startklar, 100 Bomber aufgetankt.

Die US-Militärs, die von Anfang an gegen Kuba vorgehen wollen, wissen zu diesem Zeitpunkt einiges nicht (auch die übrige Welt erfuhr es erst 1992 beziehungsweise 2008). Sie wissen nicht, dass:

  1. acht Mittelstreckenraketen samt Atombomben auf Kuba bereits einsatzbereit sind – Sprengkraft jeweils eine Megatonne TNT (das entspricht 66 Hiroshima-Bomben);
  2. achtzig Marschflugkörper mit je einem Atomsprengkopf in Hiroshima-Stärke auf Kuba bereitstehen für den Fall einer Invasion;
  3. drei der Marschflugkörper für die Vernichtung der US-Marinebasis Guantánamo auf Kuba in Stellung gebracht sind;
  4. die vier sowjetischen U-Boote, die sich in Richtung Kuba bewegen, je einen Nukleartorpedo in Hiroshima-Stärke an Bord haben;
  5. inzwischen 42.000 sowjetische Soldaten auf der Insel stationiert sind.

All diese Details kennen die Amerikaner nicht. Sie vermuten nur richtig, dass die Sowjets bereits Atombomben nach Kuba gebracht haben.

Am Morgen nach der Verkündung der Blockade meint Außenminister Rusk zu seinem Staatssekretär George Ball, der im Büro übernachtet hat: »Wir haben einen großen Sieg errungen: Wir sind beide noch am Leben.« Und der britische Premier Harold Macmillan schreibt in sein Tagebuch: »Dies ist der erste Tag der Weltkrise!« Genauso ist es. Die Welt steht am Rande des Atomkrieges.

Wie ist es dazu gekommen? Zwischen Kuba, jener Insel, die nur 130 Kilometer vor Florida liegt, und den USA hat es immer besondere Beziehungen gegeben. Nach der Befreiung aus spanischer Kolonialherrschaft im Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 geriet das Land in völlige Abhängigkeit von den USA. Zuletzt, von 1952 an, stützten sie den korrupten Diktator Fulgencio Batista, der 1959 dann von Fidel Castro gestürzt wurde. Als dieser den US-Besitz auf der Insel entschädigungslos enteignete, brachen die USA die Beziehungen ab. Castro wandte sich Moskau zu, Kuba wurde vom Vorhof der USA zum Vorposten des Kreml, für die USA eine unerträgliche Situation. Man versuchte, Castro zu stürzen. Das führte im April 1961 zum Desaster in der Schweinebucht: Die Invasion scheiterte kläglich.

Doch die Regierung in Washington ließ nicht locker. Im März 1962 wurde auf einer Karibikinsel ein Landemanöver durchgeführt. In Moskau und Havanna verstärkte sich der Eindruck, dass es früher oder später zu einer Invasion kommen werde.

Etwa zu diesem Zeitpunkt hatte Chruschtschow wohl die Idee, Atomraketen auf Kuba zu stationieren. Über die wahren Gründe dafür lässt sich nach wie vor nur spekulieren. Noch immer sind Moskaus Regierungsarchive kaum zugänglich – selbst für russische Historiker. Manches deutet darauf hin, dass es Chruschtschow um den Schutz Kubas ging. Damit verbunden war eine Veränderung des strategischen Kräfteverhältnisses, auch mit der Möglichkeit, neuen Druck in der Berlin-Frage auszuüben.

Ende Mai 1962 wurde Castro der sowjetische Plan vorgelegt. Castro stimmte zu. Er sah in den Raketen den besten Schutz vor einer Invasion. Am 10. Juni tagte das Präsidium der KPdSU. Der Plan, den der Generalstab ausgearbeitet hatte, sah eine gigantische Aufrüstung Kubas vor: 24 Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 1.600 Kilometern, 16 Interkontinentalraketen mit einer Reichweite von 3.200 Kilometern, jeweils bestückt mit einem Atomsprengkopf. Die 40 Raketen sollten aus der Ukraine und Weißrussland abgezogen werden. Mit ihrer Aufstellung würde sich die Zahl der Atomraketen, die die USA treffen könnten, verdoppeln. Außerdem sollten zwei Bataillone mit T-55-Panzern auf Kuba stationiert werden, eine Staffel der modernsten Kampfjäger, 70 Atombomber und 80 Marschflugkörper mit je 60 Kilometer Reichweite. Auch eine Basis für Atom-U-Boote sollte es geben. Etwa 51.000 Soldaten waren vorgesehen, davon 10.000 Mann Kampftruppen.

Ende Juli begann das Unternehmen, Tarnname: Anadyr. Es war die größte amphibische Operation in der Geschichte der UdSSR und gleichzeitig die größte sowjetische Geheimoperation des Kalten Krieges. 85 Schiffe standen zur Verfügung, die in sechs Häfen von Sewastopol bis Murmansk beladen wurden. Kapitäne und Mannschaften kannten bis zum Atlantik das Ziel noch nicht. Sie mussten Winterkleidung und Skier mit sich führen, um den Eindruck zu vermeiden, es gehe in die Karibik. Die Schiffe selbst waren als Holzfrachter getarnt, die Raketenteile in den Laderäumen versteckt. Jeder Kapitän bekam einen Briefumschlag, der erst – im Beisein eines Offiziers des Geheimdienstes KGB – auf hoher See geöffnet wurde. Es gab die Anweisung, dass bei einem Angriff ein Ausweichmanöver durchgeführt, der Dokumentenbestand vernichtet und notfalls das Schiff versenkt werden sollte.

Spionageflüge über Kuba

Die USA führten damals regelmäßig Spähflüge über Kuba durch. Am 14. Oktober stieg wieder ein U2-Spionageflugzeug auf. Als die Fotos entwickelt waren, staunten die Geheimdienstler nicht schlecht: Die Bilder zeigten die im Bau befindlichen Raketenstellungen. Gleich am nächsten Morgen wurde Kennedy informiert, gegen Mittag gab es bereits die erste Krisensitzung mit einer Gruppe hochrangiger Diplomaten und Militärs. Dieses Exekutivkomitee, bekannt als Excomm, tagte in den folgenden zwei Wochen nahezu ununterbrochen.

Wir wissen inzwischen ziemlich genau, wie diese Beratungen abliefen. Unbemerkt von den Teilnehmern – möglicherweise mit Ausnahme seines Bruders, des Justizministers Robert Kennedy –, ließ der Präsident nämlich die Gespräche im Excomm aufnehmen. 1997 wurden die Tonbänder veröffentlicht. Sie machen die ganze Dramatik jener Tage deutlich. »Tauben« wie »Falken« der Runde waren sich in einem Punkt einig: Die Raketen mussten weg, so oder so. Die Militärs plädierten von Anfang an für die Invasion. Die Frage war, wie die Sowjetunion darauf reagieren würde – vielleicht mit Gegenmaßnahmen in Berlin? Am Ende entschied sich Kennedy für die Blockade.

Am 25. Oktober werden die sowjetischen Schiffe gestoppt. Aber für die USA ist das Problem damit keinesfalls gelöst: An den Abschussrampen auf Kuba wird nach wie vor mit Hochdruck gearbeitet.

Die Vorbereitungen für eine Invasion Kubas gehen weiter. Geplant sind sieben Tage lang massive Luftangriffe, über tausend allein am ersten Tag, um die Raketenbasen, das Luftabwehrsystem und die Flugplätze zu zerstören. Anschließend sollen 120.000 Soldaten übersetzen. Für jedermann sichtbar werden Flugzeuge und Truppen in Florida zusammengezogen. Einige Kommandeure spielen mit dem Gedanken, taktische Atomwaffen anzufordern.

Washingtons »Tauben« schlagen einen anderen Weg vor. Rusk will dem Kreml ein Angebot machen: Abzug der Raketen aus Kuba, dafür Verzicht auf die Invasion und eventuell Abzug der Jupiter-Raketen aus der Türkei. Die Zusage zum Abzug dieser Raketen muss indes geheim bleiben, denn sie unterstehen der Nato. Über sie kann Kennedy nicht ohne Zustimmung der Nato-Partner verfügen.

Der übernächste Tag, der 27. Oktober, ist als »schwarzer Samstag« in die Geschichte eingegangen und hätte in der Tat zum schwärzesten Tag in der Geschichte der Menschheit werden können. Castro befürchtet die Invasion und drängt Chruschtschow am Morgen zum sofortigen Atomschlag. Acht Basen für Mittelstreckenraketen sind inzwischen fertig. Das wissen die Amerikaner. Was sie nicht wissen: Längst sind auch die atomaren Sprengköpfe bereitgestellt. Acht weitere Mittelstreckenraketen mit Atombomben stehen in Reserve. Gleichzeitig bedrohen drei Marschflugkörper mit Atomsprengköpfen die US-Basis Guantánamo.

Dann geht es Schritt für Schritt dem Abgrund entgegen. Ein U2-Spionageflugzeug wird über Kuba abgeschossen, der Pilot kommt dabei um. Excomm vermutet, dass Moskau den Befehl gegeben hat, was nicht stimmt: Sowjetische Offiziere auf Kuba haben eigenmächtig gehandelt. Im Excomm fällt der Satz: »Die Sowjets haben den ersten Schuss abgefeuert.« Eine weitere U2 gerät über Alaska vom Kurs ab und dringt in den sowjetischen Luftraum ein. Die Sowjets vermuten, dies sei ein letzter Spionageflug, um die Ziele für den Erstschlag auszuspähen. Atomar bewaffnete sowjetische Abfangjäger steigen auf, während Verteidigungsminister Robert McNamara schreit: »Das bedeutet Krieg mit Russland!« Und Kennedy knurrt: »Irgendein Idiot muss immer alles vermasseln.«

Das Glück ist aufseiten des U2-Piloten. Zwar geht ihm das Benzin aus, doch gelingt es ihm, in den amerikanischen Luftraum zurückzugleiten; die sowjetischen Jäger konnten ihn in 33 Kilometer Höhe nicht erreichen. Was niemand im Excomm wusste: Gleichzeitig waren mit Atomwaffen bestückte US-Maschinen in Richtung der U2 aufgestiegen. Deren Piloten hatten Befehlsgewalt, ihre Nuklearraketen einzusetzen.

Zur selben Zeit, an jenem schwarzen Samstag, droht auch auf hoher See die finale Eskalation. Ein US-Zerstörer hat ein sowjetisches U-Boot gestellt. Es verfügt über einen Nukleartorpedo. Der Kommandant verliert den Funkkontakt zu Moskau. In Panik geraten, lässt er den Torpedo zum Abschuss vorbereiten. Es sind einige entschlossene Offiziere, die im letzten Augenblick eingreifen und die Katastrophe verhindern.

Die amerikanischen Stabschefs fordern, am Sonntag oder Montag einen massiven Schlag gegen sämtliche Basen auf Kuba durchzuführen, falls die Raketen nicht abgezogen werden. Kennedy widerspricht nicht. Bei einem Nein droht ihm ein Absetzungsverfahren durch den Kongress.

Die ungeheure Spannung der Situation wird in dem Gespräch deutlich, das Robert Kennedy im Auftrag seines Bruders noch an jenem Samstagabend mit Botschafter Dobrynin führt. Die Botschaft, die er überbringt, ist einfach: keine Raketen auf Kuba, dafür keine Invasion. Er macht aber auch deutlich, unter welch enormem Druck sein Bruder steht, denn, so Kennedy: »Es gibt viele unvernünftige Köpfe bei den Generälen – und nicht nur bei den Generälen –, die auf einen Kampf brennen.« Gleichzeitig teilt er die Bereitschaft Kennedys mit, die Basen in der Türkei abzubauen. Die Zeit dränge, man brauche eine Antwort bis zum nächsten Morgen. Dies sei »eine Bitte, kein Ultimatum«.

Die Antwort kommt am Sonntagmorgen über Radio Moskau. Chruschtschow lässt mitteilen, die sowjetische Regierung habe Anweisung erteilt, die Raketen auf Kuba zu demontieren und in die Sowjetunion zurückzubringen. In Washington herrschen gleichzeitig Erleichterung und ungläubiges Staunen – und bei den Militärs Zweifel.

Wir wissen heute, wie es zu dieser Entscheidung kam. Der KGB in Washington hatte dem Kreml von einer für zwölf Uhr angesetzten Pressekonferenz Kennedys berichtet. Für Chruschtschow konnte das nur die Ankündigung der Invasion bedeuten. Er hielt Kennedy für zu schwach, um den Militärs zu widerstehen, und befürchtete ernsthaft einen Regierungswechsel in Washington mit anschließendem Angriff auf Kuba und atomarem Erstschlag gegen die Sowjetunion. Das musste verhindert werden, die Entscheidung Moskaus noch rechtzeitig Washington erreichen. Deshalb Radio Moskau.

Eine der gefährlichsten Krisen der Weltgeschichte ging zu Ende. Man hatte einfach »schieres Glück« gehabt, wie McNamara später meinte. Die Kubakrise trieb die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Der »Spieler« Chruschtschow hatte zu hoch gepokert – und musste nachgeben.

Die Raketen verschwanden aus Kuba. Castro nannte das Verrat und Chruschtschow einen Bastard. Der aber ließ dem Revolutionsführer mitteilen, dass die Forderung nach einem Atomschlag gegen die USA alarmierend gewesen sei. Castro müsse doch verstehen, »wohin uns das geführt hätte. Es wäre (…) der Beginn eines atomaren Weltkrieges« gewesen – mit der Vernichtung der Sowjetunion.

Kennedy strahlte als Sieger

Kennedy sah in der Öffentlichkeit wie der strahlende Sieger aus. Die Schlussfolgerung – man müsse gegen die commies nur Härte zeigen, dann werde man siegen – führte direkt in den Vietnamkrieg. Dabei hatte nicht Härte die Lösung gebracht, sondern das diplomatische Angebot der »Tauben«. Wenig später zogen die USA ihrerseits still und leise die Jupiter-Raketen aus der Türkei ab.

Als Folge der Konfrontation richtete man im Sommer 1963 den »heißen Draht« ein: eine direkte Fernschreibverbindung zwischen Weißem Haus und Kreml – von den Sowjets erstmals im Sechstagekrieg 1967 aktiviert. Hinzu kam das Abkommen über ein Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im All und unter Wasser. Insofern waren die 13 Tage im Oktober 1962 auch für die Supermächte ein heilsamer Schock.

Die Kubakrise blieb der letzte direkte Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion. Heiße Kriege wurden von nun an auf Ersatzschauplätze verlegt. Das nannte man dann Stellvertreterkriege. Der Kreml zog eine weitere Lehre aus der Krise – nach dem Sturz Chruschtschows 1964: Wegen militärischer Unterlegenheit würde man nicht noch einmal nachgeben müssen. Moskau legte ein gigantisches Rüstungsprogramm auf, das zwar Mitte der siebziger Jahre zum Gleichgewicht des Schreckens führte, die Sowjetunion aber letztlich ruinierte.

 
Leser-Kommentare
  1. ...diesen Einblick in die Geschichte. Als Teil der jüngeren Generation war mir diese Situation so nicht bekannt.
    Faszinierent und erschreckend zu gleich.

    2 Leser-Empfehlungen
    • JK68
    • 22.10.2012 um 12:11 Uhr

    Vielen Dank für diesen Artikel, der wieder mal vor Augen führt, wie dicht die Welt schon an der Vernichtung vorbeigeschrammt ist.
    Aus meiner Sicht sehr zu empfehlen ist der Film "Thirteen Days", der auch die internen Spannungen der US Regierung und des Weissen Hauses deutlich macht.

  2. Warum wird so viele Jahre nach Ende des Kalten Krieges immer noch so polarisierend über das Thema geschrieben?

    Aus heutiger Sicht sicherlich fiktiv anmutend, war der Schritt der SU in Kuba logisch. Die in den NATO-Staaten
    stationierten Raketen, konnten ohne Probleme das Hoheitsgebiet der SU erreichen. Mit der Stationierung taktischer Waffen auf
    Kuba ging es m.E. um nichts weiteres als der Wiederherstellung einer Pattsituation.

    Der Vorfall, der hier im Artikel auf dem sowj. U-Boot als Beiwerk abgetan wird, ist m.E. der wahre Verhinderer des Kriegsausbruchs.
    Was man hier nämlich verschwiegen hat, ist die irrwitzige Aktion der amerikanischen Zerstörer, das U-Boot mit Wasserbomben zum Auftauchen zu zwingen.
    Das hat dem U-Boot zumindest den Verdacht gegeben, der Krieg hätte längst begonnen. Allein dem kühlen Verstand der Besatzung ist es zu verdanken,
    dass das U-Boot auftauchte, anstatt zu feuern. Und anders als im Westen üblich, wurden derartige "Helden" im Osten in ihrer Heimat nicht als solche
    gefeiert.

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    Der Artikel wirkte mir deutlich objektiver als ihre Variante. Es wurde an mehreren Stellen deutlich, dass die Verantwortung zwischen Krieg und Frieden am seidenen Faden hing.

    Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag. Zum Glück verfügte Castro nicht über die Macht eines Chruschtschow oder gar eines Kennedy.
    Eventuell wäre Chruschtschow auch radikal genug gewesen, wenn er - wie damals Kennedy - über die realistische Option des Erstschlages verfügte.

    Der Artikel wirkte mir deutlich objektiver als ihre Variante. Es wurde an mehreren Stellen deutlich, dass die Verantwortung zwischen Krieg und Frieden am seidenen Faden hing.

    Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag. Zum Glück verfügte Castro nicht über die Macht eines Chruschtschow oder gar eines Kennedy.
    Eventuell wäre Chruschtschow auch radikal genug gewesen, wenn er - wie damals Kennedy - über die realistische Option des Erstschlages verfügte.

  3. in Teilen des politischen Spektrums hochverehrte Fidel ist der einzige mir bekannte Staatschef, der nach 1945 einen Atomkrieg führen wollte.

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  4. Der Artikel wirkte mir deutlich objektiver als ihre Variante. Es wurde an mehreren Stellen deutlich, dass die Verantwortung zwischen Krieg und Frieden am seidenen Faden hing.

    Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag. Zum Glück verfügte Castro nicht über die Macht eines Chruschtschow oder gar eines Kennedy.
    Eventuell wäre Chruschtschow auch radikal genug gewesen, wenn er - wie damals Kennedy - über die realistische Option des Erstschlages verfügte.

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    Antwort auf "Einseitiger Artikel"
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    Na mit der Aussage "Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag" untermauern Sie ja glorreich, was Sie unter Objektivität verstehen.

    Castro wollte den nuklearen Erstschlag. Ja, aber nur im Falle einer amerikanischen Invasion. Und darum ging es ihm eigentlich auch die ganze Zeit. Das solche Worte ausgesprochen werden, ist an sich schon schlimm genug. Das stimmt schon, aber das vorrangige Ziel für Castro war Invasionsbemühungen der Amerikaner ein für alle mal abzuwenden und sah in der Stationierung der Waffen die Möglichkeit dazu.

    Und was denken Sie, wieviele amerikanische Militärs nicht mit einem Erstschlag liebäugelten? Das geht sogar aus dem Artikel hervor, was ich ihm wiederum zu Gute halte.

    Na mit der Aussage "Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag" untermauern Sie ja glorreich, was Sie unter Objektivität verstehen.

    Castro wollte den nuklearen Erstschlag. Ja, aber nur im Falle einer amerikanischen Invasion. Und darum ging es ihm eigentlich auch die ganze Zeit. Das solche Worte ausgesprochen werden, ist an sich schon schlimm genug. Das stimmt schon, aber das vorrangige Ziel für Castro war Invasionsbemühungen der Amerikaner ein für alle mal abzuwenden und sah in der Stationierung der Waffen die Möglichkeit dazu.

    Und was denken Sie, wieviele amerikanische Militärs nicht mit einem Erstschlag liebäugelten? Das geht sogar aus dem Artikel hervor, was ich ihm wiederum zu Gute halte.

  5. Na mit der Aussage "Zum Glück wollte nur Kuba den Atomaren Erstschlag" untermauern Sie ja glorreich, was Sie unter Objektivität verstehen.

    Castro wollte den nuklearen Erstschlag. Ja, aber nur im Falle einer amerikanischen Invasion. Und darum ging es ihm eigentlich auch die ganze Zeit. Das solche Worte ausgesprochen werden, ist an sich schon schlimm genug. Das stimmt schon, aber das vorrangige Ziel für Castro war Invasionsbemühungen der Amerikaner ein für alle mal abzuwenden und sah in der Stationierung der Waffen die Möglichkeit dazu.

    Und was denken Sie, wieviele amerikanische Militärs nicht mit einem Erstschlag liebäugelten? Das geht sogar aus dem Artikel hervor, was ich ihm wiederum zu Gute halte.

    Antwort auf "Objektivität "
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    die das Letztentscheidungsrecht haben.

    die das Letztentscheidungsrecht haben.

  6. 7. Danke

    Das ist prima be- und geschrieben. Selbst heute, 50 Jahre später, zittert man mit.

    Noch ein "Schmankerl" zur damaligen Zeit, alle Atomtests als Lied auf Youtube (wenn's gestattet wird)

    http://www.youtube.com/wa...!

    Hätten Sie gedacht, dass es soviele waren, damals, als wir noch Kinder waren ... hab das Strontium 90 immer noch in den Knochen.

    don't kiss me, babe, I'm radioactive :-) aj

  7. die das Letztentscheidungsrecht haben.

    Antwort auf ""Objektivität""

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