ZEITmagazin: Frau Lellouche, zwischen Ihrem ersten Film und Ihrem Spielfilm » ParisManhattan «, der jetzt in die Kinos kommt, sind mehr als zehn Jahre vergangen. Warum?

Sophie Lellouche: Nach meinem Kurzfilm war ich verunsichert und hatte Angst; ich hatte den Glauben an mich selbst verloren. Immer, wenn ich einen guten Film sah, dachte ich: Deiner ist nicht gut genug, einen Film zu machen ist nichts für dich. Du hast kein Talent, vergiss es.

ZEITmagazin: Sie haben Ihr Talent infrage gestellt, obwohl der berühmte Regisseur Claude Lelouch Sie nach einem Praktikum Ende der neunziger Jahre sehr lobte?

Lellouche: Für mich ist Talent Glück. Was wirklich zählt im Leben, ist Mut. Am Ende meines Praktikums bei der Produktion des Films Begegnung in Venedig sagte er zu mir: »Ich erkenne Leute mit Talent. Du kannst Filme machen. Jetzt geh und mach deinen eigenen Film.« Ich dachte, er macht sich über mich lustig. Vor fünf Jahren habe ich mich dann an seine Worte erinnert. Sie gaben mir den Mut, diesen Film zu machen, aber es dauerte noch fünf weitere Jahre, einen Produzenten zu finden, das Geld aufzutreiben und den Film zu drehen. Ich wäre krank geworden, hätte ich diesen Film nicht gemacht. Das hat wirklich mein Leben verändert.

ZEITmagazin: Inwiefern?

Lellouche: Es war die Chance, zu beweisen, dass ich keine Träumerin mehr bin. Vor dem Film mochte ich mein Leben nicht. Ich habe in meinen Träumen gelebt, so wie Alice aus meinem Film. Ich war traurig, weil die Leute zu mir sagten, ich sei komisch, da ich nicht gern tanzen ging, nicht rauchte, keine Drogen nahm und keinen Alkohol trank. Ich wollte einfach nur lesen und ins Kino gehen und träumen. Ich mochte, was ich in den Filmen sah, aber die Realität gefiel mir nicht.

ZEITmagazin: Wie haben Sie es geschafft, Woody Allen für Ihren Film zu gewinnen?

Lellouche: Ich wusste, dass er im Ritz in Paris abgestiegen war, also schickte ich ihm mein Drehbuch. Kurz danach schrieb mir seine Schwester, dass Mister Allen ein sehr beschäftigter Mann sei. Er könne nicht in meinem Film mitspielen, aber er gebe mir die Erlaubnis, Zitate aus seinen Filmen in meinem Film zu benutzen. Zwei Jahre später traf ich ihn im Carlyle Hotel in New York . Er wollte wissen, wie es vorangeht. Ich antwortete, dass nichts passiert sei, weil ich nicht das nötige Geld zusammengekriegt hätte. »Sagen Sie mir Bescheid, wenn es losgeht«, sagte er. Sechs Monate später traf ich ihn auf der Straße in Paris. Ich gebe zu, dass das kein Zufall war – ich wusste, dass er in der Stadt war. Ich hielt nach ihm Ausschau, weil ich ihn treffen musste.