Robbie Williams ist gerade Vater einer Tochter geworden. © Universal Music

Eine Hotelsuite in London, im Regal steht dekorativ das Buch »Wie man im Leben Erfolg hat«. Robbie Williams, einer der letzten Superstars unserer Zeit, nimmt es sich und blättert amüsiert darin herum. Er schließt die Augen, steckt seinen Zeigefinger zwischen zwei Seiten und schlägt vor, über das so ausgewählte Kapitel zu sprechen. Die Wahl fällt auf: »Habe immer eine positive Einstellung«.

DIE ZEIT: In letzter Zeit haben Sie ja eher unter starken Stimmungsschwankungen gelitten. Ist Ihre Einstellung positiv genug für einen Popstar?

Robbie Williams: Selbstverständlich, sonst wäre ich längst untergegangen. Nur wenn dein Selbstwertgefühl intakt ist, kannst du all den Mist, der dir in diesem Job zustößt, ertragen.

ZEIT: War Ihr Selbstwertgefühl immer so robust?

Williams: Mal mehr, mal weniger. Meistens weniger. Seit meinem zwanzigsten Geburtstag war mein Innenleben ganz schön lädiert. Eine Stimme in mir schrie unentwegt: Robbie, du bist ein Versager. Eigentlich kannst du gar nichts. Aber da hilft es, wenn man sich sagt, dass das nur eine Phase ist. Der magische Satz lautet: In der Zukunft, wenn ich erwachsen bin, wird alles gut.

ZEIT: Sind Sie mittlerweile in der Zukunft angekommen?


Williams:
Irgendwer hat mal behauptet, dass man sich ab dem Alter, in dem man erfolgreich wird, nicht weiterentwickelt. Das klingt für mich plausibel. Aber nach dieser Logik wäre ich innerlich immer noch sechzehn. Vielleicht bin ich das ja auch.

ZEIT: Wann haben Sie beschlossen, Ihr Leben in geordnetere Bahnen zu lenken?

Williams: Als ich nur noch Angst hatte. Am schlimmsten war meine letzte Welttournee, da hatte ich jeden Abend Panik, auf die Bühne zu gehen. Ehrlich gesagt, bin ich immer noch sehr weit davon entfernt, erwachsen zu sein. Aber ich fühle mich immer seltsamer, wenn ich mit deutlich jüngeren Menschen zu tun habe.

ZEIT: Zum Beispiel?

Williams: Gestern traf ich die Sängerin Adele, und ich dachte mir: Erst in vierzehn Jahren wird Adele so alt sein wie ich jetzt. Das irritierte mich, denn Adele kam mir so vor wie jemand, der die Welt in etwa so sieht wie ich. Aber das ist Quatsch. Jemand, der vierzehn Jahre jünger ist, hat einen vollkommen anderen Blick auf das Leben. Ich realisierte, dass ich alt bin und Adele jung ist. Als ich ein Popstar wurde, war sie vier Jahre alt.

ZEIT: Wurden Sie zu früh berühmt?

Williams: Ja und nein. Erst einmal war es toll. Ich musste nie einen richtigen Beruf lernen, mir wurde jeder Mist abgenommen. Mein ganzes Leben verlief von meiner Geburt an so, denn meine Mutter tat ebenfalls alles für mich. Als ich mein Zuhause verließ, stieg ich bei einer Boyband namens Take That ein und wurde nun von Fremden bemuttert. Bis zum heutigen Tag werde ich von anderen Menschen umsorgt. Ich bin unselbstständig, aber glücklich.

ZEIT: Sie sind nun Vater einer Tochter. Würden Sie ihr Ihren Beruf empfehlen?

Williams: Um Gottes willen! Nein! Aber das kann man auch nicht vergleichen. Meine Tochter wird nie arbeiten müssen, wenn sie nicht will. Für mich war die Popkarriere die einzige Chance, im Leben groß rauszukommen. Mein Fluchtweg aus der Tristesse der working class.