Russland Kein Platz für kluge Köpfe
Forscher haben es schwer in Russland – viele fliehen vor Misswirtschaft und Bürokratie ins Ausland. Konstantin Sewerinow will das ändern.
Die linke Flurseite lässt erahnen, was der Molekularbiologe Konstantin Sewerinow vor acht Jahren in der Heimat vorgefunden hat: eine angestaubte Rumpelkammer voller elektrischer Apparate und Laborflaschen, mehr Museum als Forschungstempel. Unser »Bordell« nennen seine Studenten scherzhaft das Chaos, das sich über den ganzen langen Gang hinzieht.
Im hintersten Zimmer sitzt Sewerinow, den Laptop auf den Knien, in seinem Minibüro, das er mit einer Mitarbeiterin teilt. Mit seinem Wuschelkopf, schlabberigem T-Shirt und Jeans entspricht er kaum dem Typ eines würdevollen Professors an der Akademie der Wissenschaften. Die Zeit in Amerika hat ihn geprägt, seine Studenten nennen ihn familiär »Kostja«. Sie sind ihm dankbar, denn er bietet ihnen eines der besten Labors für genetische Forschung in der unterfinanzierten russischen Wissenschaft, mit einem Partnerlabor an der Rutgers University in New Jersey, USA. Für die Renovierung der rechten Flurseite hatte Sewerinow immerhin Geld aufgetrieben. Die Putzfrau müssen die Biologen allerdings privat bezahlen.
Der 45-jährige Sewerinow gilt vielen in Russland als Vorzeigewissenschaftler. Nicht, weil er vor 20 Jahren in die USA auswanderte und später einen amerikanischen Pass erhielt. Sondern weil er nach Moskau zurückgekehrt ist. Zur Rettung der vaterländischen Biologie, wie die Legende der Wissenschaftspatrioten lautet. In Wirklichkeit zog ihn die Geburt seiner Tochter nach Moskau. Aber nach einem Vaterjahr entschied er sich voller Tatendrang, die russische Forschung neu mit aufzubauen. Obwohl er ahnte, worauf er sich einließ.
Anfangs ging es vor allem darum, im Labor zerbrochene Fensterscheiben zu ersetzen und ex-sowjetische Angestellte vor die Tür zu setzen, deren wissenschaftliche Ergebnisse sich locker auf ihrer Karteikarte in der Personalverwaltung hätten darstellen lassen. Dann suchte Sewerinow nach Stipendien, mit denen er seinen Doktoranden 400 Euro monatlich bezahlen konnte, ein weit überdurchschnittliches Gehalt. Er behielt sein Labor an der Rutgers University und bietet Austauschprogramme an.
Dennoch ist der Frust seiner Studenten deutlich hörbar. Beim Geburtstagsumtrunk in der Küchenecke des Labors beklagen sie die hiesige Bürokratie, die zahllose Rechenschaftsberichte verlangt – die aber niemand liest. Sie tauschen sich über die Stipendien an den besten Universitäten der Welt und über Visumsregeln aus. Beschwingt von einem Glas Weißwein, redet Sewerinow eindringlich auf sie ein: Bleibt in Russland, wo die Konkurrenz gering ist; entwickelt euer Projekt hier und nehmt ein Jahr in Harvard nicht als Garantie für eine glänzende Karriere. Doch seine Studenten bleiben skeptisch. »An der Rutgers University habe ich immerhin einen Arbeitsplatz, an dem alles funktioniert«, sagt einer.
Der Braindrain, der »Abfluss der Gehirne« ins Ausland, hat die russische Forschung schon eine Generation gekostet. Anfang der neunziger Jahre, im Chaos nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, siedelten ganze Labormannschaften in die USA oder nach Israel über. Seither ist Russland wirtschaftlich gesundet und steckt wieder mehr Geld in den Wissenschaftshaushalt. Doch der Braindrain ist bis heute nicht gestoppt. Zwischen 25.000 und 100.000 Emigranten aus Russland forschen im Ausland. Keiner kennt die genaue Zahl. Zwar wandern auch aus China viele Wissenschaftler ab, aber sie kehren meist zurück. Für russische Wissenschaftler gilt dagegen die Faustregel: Wer fünf Jahre weg war, kommt nicht wieder.
Wer heute das Land verlässt, folgt kaum mehr purer Not wie oft in den neunziger Jahren. Ein talentierter Wissenschaftler kann in Russland mittlerweile seine Familie ernähren und dabei gut leben. Aber es fehlen die freie Selbstverwirklichung, eine berufliche Perspektive, soziale Garantien und gesellschaftliches Ansehen. Fast alle Top-Wissenschaftler aus Russland arbeiten im Ausland. Die russischstämmigen Physiker Andrej Geim und Konstantin Nowosjelow erhielten 2010 den Nobelpreis für die Erforschung von Graphen an der Universität von Manchester. Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr nach Russland vorstellen könne, antwortete Geim: »Erst nach meiner Wiedergeburt.«
- Datum 10.10.2012 - 17:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 4.10.2012 Nr. 41
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Russland hat immernoch herausragende Wissenschaftler:
http://de.wikipedia.org/w...
Es ist unwahrscheinlich, dass sich Russland an das westliche Niveau angleicht.
Eher umgekehrt.
Viele ihrer Altvorderen propagieren noch immer eine staatlich geplante Wissensproduktion. ... Staatsmittel fließen niemals regelmäßig ... ich muss die Buchhaltung formal betrügen, um überleben zu können ... In Russland muss man sich in die Kette einklinken, in der das Geld nach ungeschriebenen Regeln verteilt wird ... Jede Anschaffung, ob Klimaanlage oder Glühbirnen, muss öffentlich ausgeschrieben werden ...
Russlands Regierung versucht, vor allem mit eindrucksvollen Milliardensummen und Leuchtturmprojekten die Wissenschaft zu retten.
So oder so ähnlich kann man auch über Wissenschaft in den meisten anderen europäischen Ländern schreiben. aj
Russland hat im Laufe der Geschichte viele geniale Menschen hervorgebracht.Das wird auch in der Zukunft so weiter gehen,da bin ich mir sicher.
Russland hätte wenn es wollte, ganz Europa eingenommen 45. Warum sollen die keine schlauen Köpfe haben, oder sie brauchen? Ganz zu schweigen von der Oktoberrevolution, bis hin das riesigste Reich der Welt, zu beherschen. Manche beiträge sind Blöd provokant.
Die Sowjetunion wollte in '45 ganz Europa erobern. Die USA/UK haben das verhindert. Zum Glück - auch Ihres.
Während des Krieges haben die USA riesige Mengen kriegswichtigen Materials - LKWs, Nahrung, Munition, Uniformen and die SU geliefert (Roosevelts Land and Leasing Act).
Die Oktoberrevolution war letzendlich ein Putsch gegen die schwache, unerfahrene Kerenski-Regierung. Danach kamen machtgierige Tyrannen - Lenin, Stalin an die Macht.
Die Sowjetunion wollte in '45 ganz Europa erobern. Die USA/UK haben das verhindert. Zum Glück - auch Ihres.
Während des Krieges haben die USA riesige Mengen kriegswichtigen Materials - LKWs, Nahrung, Munition, Uniformen and die SU geliefert (Roosevelts Land and Leasing Act).
Die Oktoberrevolution war letzendlich ein Putsch gegen die schwache, unerfahrene Kerenski-Regierung. Danach kamen machtgierige Tyrannen - Lenin, Stalin an die Macht.
Die Sowjetunion wollte in '45 ganz Europa erobern. Die USA/UK haben das verhindert. Zum Glück - auch Ihres.
Während des Krieges haben die USA riesige Mengen kriegswichtigen Materials - LKWs, Nahrung, Munition, Uniformen and die SU geliefert (Roosevelts Land and Leasing Act).
Die Oktoberrevolution war letzendlich ein Putsch gegen die schwache, unerfahrene Kerenski-Regierung. Danach kamen machtgierige Tyrannen - Lenin, Stalin an die Macht.
Na wenn das mal nicht die Russische Regierung kränkt. Ich hat immer gedacht das der wille zum Gewinnen das wichtigste ist, und die Rote Armee, war zu diesen Zeitpunkt die willlenstarkste der Welt, die wären auch mit Heugabeln sonst wo hin gerannt, weil die Chemie im Körper die ein Krieger der Roten Armee hatte, entspricht oder entsprach einer Kraft Alexander des Großen oder Achilles, nur das es millionen waren, die die bis dahin stärkste Armee, die Wehrmacht vernichtend geschlagen hatte. Ich teile ihre Provokation noch immer nicht, auch wen sie diesmal etwas tiefer lag. Panzerkreuzer hatten sie übrigens auch, aber Englanf und Schottland waren damals auch den Russischen obligatoren ein wenig zu weit weg, weil denkende Leute hatten sie alle mal, und schon ost, die versuchung, vor der eigenen Haustür.
England und oft, ist hier falsch geschrieben, das was mir zumindest jetzt wichtig war zu berichtigen.
Und wenn sie, ich denke mal sie sind Historiker, mit ihren Fachwissen, meinen, das die Rote Armee abhänig war von fremden lieferungen, an Nahrung, Munition, LKW s, das ist das ein punkt. Meinen sie auch, das die Rote Armee gegen die Westliche streitmacht Krieg führen wollte? Weil so schreiben sie das ja. Ich glaube das der Komando stand der Sowjetunion, dies genau nicht wollte, und daß find ich eben toll. Der Adrenalin der in der luft lag, hätte die Sowjetunion, meines arachtens nutzen können, so wurde eben sehr viel anderes an druck abgelassen, weil die Russen wurden angegriffen, und der gehorsam in der Armee, war sicher schwer wieder in den griff zu bekommen. Ich meinte nur, und davon sollte man ausgehen wenn man sich mit Kriegsgeschichte auskennen will, und möchte, das sie die Stärkste Armee aller Zeiten war, im Konventionellen, und sie wären wenn es der Komandostand befohlen hätte, weiter gerannt, auch gegen die britten, und die US boys, nur das die USA eben schon an der Atombombe rumbastelte, und dies unter beweis stellte, in Japan, in Europa hätten sie sich das eben nicht getraut. Aber es war die erste abschreckung, von technologie, die die Russen zum Stop zwangen, so ist meine Theorie. Die Soldaten, und das meinte ich allein, waren zu viel mehr bereit. Und ob das nun gut war oder nicht, diese halbwertzeit geh ich als profilierter Schachspieler nicht mit, mein Herr, von sowiso.
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