Sachsens Monarchie Eine, über die man herzog

Junger Adel heute: Wer im Gespräch bleiben will, muss Trash liefern. Prinzessin Xenia von Sachsen hat gern mitgespielt. Jetzt versucht sie einen Imagewechsel.

Die Frau, die die Matratzen testet, trägt blondes Haar fast bis zum Po; sie hat es streng geflochten. Prinzessin Xenia, Herzogin zu Sachsen, gebürtige Düsseldorferin, warb kürzlich für Ikea. Der Slogan auf Plakaten lautet: »Schlafe wie eine Prinzessin«. Daneben sieht man diese kesse Maid vor ihrem Bettenlager. Das Shooting, sagt Prinzessin Xenia, fand neben dem Buckingham Palace statt. Sie erzählt das stolz, es war wie im Märchen. Fehlte nur die Erbse.

Eine Geschichte wie die der Prinzessin Xenia, 26, konnten nicht einmal die Brüder Grimm erfinden. »Blaublut-Blondine«, so nennt Bild sie, »sie ist jung, sexy und hat mit August dem Starken den berühmtesten aller Sachsen-Fürsten zum Ahnen.« Was wahr ist. Xenia mehrte ihren Ruhm unter gewieftem Einsatz des Namens: 17 Jahre war sie alt, als sie an der Castingshow Popstars teilnahm. Der Sender bewarb sie als »Luder-Prinzessin«, sie zeigte sich im Bikini. Danach zog sie in die Burg ein , als eine Königin des Trash-TV. All das lief im Hauptprogramm. Wie vieles im Leben der Sachsen-Prinzessin aus Nordrhein-Westfalen, der keine Kamera zu fern war.

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Mit 24 Jahren schrieb sie ihre Autobiografie. Sie schrieb über ihren epileptischen Hund und eine schwere Krankheit. Sie schrieb auch von ihrer Mutter: der Friseurin Iris Prinzessin von Sachsen. Sie lästerte über den »Pseudoadel« (»Ich bilde mir nichts darauf ein, eine Prinzessin zu sein«), wird von den feinen Kreisen aber selbst gemieden: Ihr Vater war kein Wettiner-Prinz, sondern Bauer. Adelsrechtlich ist das schlecht, denn die Linie der Mutter zählt wenig. »Sie ist ein Nichts«, empörte sich Maria Emanuel Markgraf von Meißen, der inzwischen verstorbene Chef der Wettiner, über das Popsternchen in seinem Clan. Getroffen hat er Xenia nie. Getroffen hat das aber sie.

Und jetzt, im Sommer 2012, sitzt die Prinzessin von Sachsen plötzlich adrett gekleidet in einem Berliner Tonstudio und spricht von »Jugendsünden«, reuig. Dass sie, mit Mitte 20, ein anderer Mensch geworden sei, kaum noch Interviews gebe. Kein roter Teppich, kein einziger mehr, jedem Fernsehteam weiche sie aus. Prinzessin Xenia, schlank und schön, sagt: »Ich stelle mir jetzt die Frage, woran die Menschen sich erinnern, wenn ich einmal nicht mehr bin. Ich möchte auf keinen Fall diese Blonde sein. Diese Blonde aus den Medien. Ich will etwas mit der Musik erreichen. Und nicht mehr mit meinem Namen.« Denn diese »Prinzessinnensache«, sagt sie, »die beherrscht dein ganzes Leben«.

Es gibt da ja wirklich ein Problem, das junge Adlige haben in Deutschland – dem Land, das den Adel abgeschafft hat: Man will sie einfach nicht ernst nehmen. Wer von ihnen berühmt werden möchte, sollte peinlich sein, das erwarten die Menschen. Die Frage ist, was zuerst da war: der peinliche Adel oder des Adels Pein. Doch wer sich einmal der Trash-Erwartung unterwirft, bleibt sein Leben lang Prinz Peinlich. Die Kavalierstour der nachwachsenden Noblesse führt heute von Kamera zu Kamera. Von Mikrofon zu Mikrofon. Von Skandälchen zu Skandal.

Retten will Xenia ihr neuer Produzent, er heißt Taner Kalak und arbeitete schon für die Musiker der Band Seeed. Er sagt, Xenias neues Album sei sein wichtigstes Projekt. »Weil es sehr wenige Prinzessinnen gibt, die so eine gute, schöne Persönlichkeit haben. Und die dann auch noch so gut singen können.«

Das Problem ist, dass man den Trash nicht einfach abschütteln kann. Er bleibt an einem kleben.

Und so wirkt es bizarr, wenn Prinzessin Xenia erklärt, was sie motiviert habe zu ihrem neuen Album. Die CD soll 2013 erscheinen. Ein Lied auf dem Album heißt Never again – »Nie wieder«. Es ist ein grooviger Popsong. » Never again, das bezieht sich auf Dinge, die sich nicht wiederholen sollen«, sagt Xenia: »Von den Beziehungsproblemen meiner besten Freundin bis zum Holocaust.« Hat sie gesagt Holocaust? Ja, Holocaust.

Das sei aber noch nicht alles. Ihr ganzes Leben, sagt Prinzessin Xenia, fließe ein in die neue CD. »Zum Beispiel meine Arbeit mit autistischen Kindern. Meine drei Lebensjahre auf Mallorca, meine Arbeit dort im Tierheim. Oder dass ich, seit ich in der Burg war, fließendes Wasser über alles schätze. Für fließendes Wasser bin ich täglich dankbar.« Wasser, Tiere, Kinder in Not: Darunter macht sie’s nicht.

Xenia sagt, dass sie einen Verwandten bewundere, Prinz Alexander, den neuen Chef des Hauses Wettin. »Denn der engagiert sich für erneuerbare Energien. Das ist ja, wofür auch ich stehe. Dieses Verbessern der Welt. Ich denke, wir könnten durchaus das Paradies haben. Wenn alle positiv denken.«

Prinzessin Xenia war deshalb schon Froschbeauftragte im Leipziger Zoo. »Es gibt ein paar Froscharten, die sind gefährdet durch Parasiten. Ich bin befreundet mit Leipzigs Zoodirektor, der hat mich eingeladen, da zu helfen. Das habe ich gern gemacht.« Sie sagt, sie liebe ja ohnehin die Sachsen. Das erste Mal war sie vor ein paar Jahren im Freistaat, auf der Durchreise zum Adelsball nach Tschechien. Später lud ein Fotograf sie zum Shooting auf Schloss Weesenstein im Müglitztal. »Dort würde ich gern mal hinziehen«, sagt sie. Gelebt hat sie in Sachsen nie. »Das klingt vielleicht komisch, aber in Sachsen fühle ich mich schon sehr zu Hause. Man spürt doch, dass man da hingehört. Weil man eine von Sachsen ist.«

Die Prinzessin, die vom Trash nicht ganz loskommt, will im nächsten Jahr mit echter Musik berühmt werden. »Ich glaube, dass ich die Chance verdient habe«, sagt sie. Sie hat jetzt ihren Fernseher abgeschafft.

 
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