Stilkolumne Gleicher geht’s nicht!
Tillmann Prüfer über Partnerlook

Partnerlook-Parkas von Woolrich
Das amerikanische Nachrichtenportal Komo News überraschte diesen Sommer mit einem Bericht über das Ehepaar Mel und Joey Schwanke aus Fremont in Nebraska. Mel ist 86 Jahre als, seine Frau Joey 81. Ihre Eintracht demonstrieren Mel und Joey, indem sie seit über 30 Jahren nur im Partnerlook auftreten. Jedes Kleid von Joey kann Mel mit einer passenden Krawatte im gleichen Muster kombinieren. Die beiden haben insgesamt 146 Outfits. Aus dem Rentnerpaar sind kleine Medienstars geworden – so ungewöhnlich ist es heute, wenn Partner ihre Kleidung aufeinander abstimmen.
Der Partnerlook gilt in einer Gesellschaft, die ganz auf das Individuum ausgelegt ist, als hoffnungslos überkommen. Es ist allenfalls akzeptiert, dass ältere Paare dieselbe rote Windjacke tragen. Alles andere gilt als hoffnungslose Aufgabe der persönlichen Individualität. Man ist angehalten, Selbstständigkeit zu demonstrieren. Es gilt sogar als aufdringlich, in abgestimmtem Outfit aufzutreten. Schließlich ist es das ultimative Herauskehren der Verschmelzung. Aber was soll daran so schlimm sein? Verschmelzung ist doch schön! Außerdem zeugt solch ein Partner-Bekenntnis vom Mut zur Lächerlichkeit. Denn selten steht beiden das Gleiche auch gleich gut.
So wie den angeblich verliebten Schauspielern Mila Kunis und Ashton Kutcher, die sich in New York gerade mit denselben blauen T-Shirts der Chicago Bears gezeigt haben. (Allerdings sollte Mila da vorsichtig sein, Ashton Kutcher war auch schon mit Demi Moore im Partnerlook aufgetreten – kurz vor der Trennung). Wenn die beiden noch deutlicher werden wollen, bietet ihnen nun auch die Mode etwas.
Bei Tommy Hilfiger gibt es in der Herren- und der Damenkollektion Mäntel, die fast identisch sind, Miuccia Prada hat die Tapetenmuster der Frauenmäntel dieses Winters auch für die Männer verwendet. Und gerade hat die Marke Woolrich (zum 30-jährigen Jubiläum ihres europäischen Mutterhauses WP) Parkas in Knallorange in die Läden gebracht – in Männer- und Frauenausführung: Liebesglück unübersehbar auf Hunderte Meter Entfernung.
An Mel und Joey Schwanke reicht man allerdings auch damit nicht heran. Joey liebt Kleider mit Blumenmuster. Und es braucht eine ganze Menge Zuneigung, als Mann eine rote Krawatte mit weißen Blütenranken zu tragen.
- Datum 08.10.2012 - 17:20 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 4.10.2012 Nr. 41
- Kommentare 7
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"Der Partnerlook gilt in einer Gesellschaft, die ganz auf das Individuum ausgelegt ist, als hoffnungslos überkommen."
Ja, und das bleibt hoffentlich auch so.
ideal für alle, die wie Geschwister Seit´ an Seit´ zusammenleben.... :-P
geht gar nicht!
kann man so demonstrativ seinen "Besitz" zur Schau stellen. Jederzeit im Straßenbild zu bestaunen: einheitliche Wolfshaut-Paare, denen man am Verhalten niemals ansehen würde, sie seien Paare, Hauptsache das Outfit gleicht sich.
Vielen Dank, gibt schon genug Uniformismus im Kleidungsbereich - es lebe der Individualismus und persönliche Stil!
Oh ja, und am besten, die Frau trägt dann noch die selbe Frisur wie ihr Pudel.
Was heißt hier: ..geht gar nicht!
Da muss ein Gesetz her, am besten vom Europäischen Gerichtshof!
Ich sehe oft Paare bei denen ich sofort erkennen kann, dass EINER von beiden die GANZE Familie einkleidet. Sie haben im Artikel die Erwähnung der Kinder vergessen, die werden mit in den Partnerlook gesteckt. Ein Familienstil sozusagen.
Aber ist das nun echte Absicht, oder fehlt einfach die Kreativität? Es ist doch "praktisch" was selber gefällt, noch einmal in der Kinder- und Herrenabteilung einzupacken.
Das im Artikel genannte Pärchen finde ich ja fast noch ansprechend, da sie die Kleidung zwar abstimmen, aber nicht einfach das gleiche Kleidungsstück in zwei versch. Größen kaufen.
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