Klimawandel : Der große Selbstbetrug

Fahrt weniger Auto, dämmt eure Häuser, dann wird der Klimawandel nicht so schlimm – das haben wir geglaubt. Doch unser Planet wird trotzdem heiß, trocken und lebensfeindlich werden. Selbst wenn wir radikal umsteuern

Angenommen, Deutschland würde grün. Nicht bloß ein bisschen, mit E10-Benzin für Geländewagen und Solarstromzellen auf der Schweinemastanlage, sondern richtig grün. Wir essen vegan, wir wohnen in heizungslosen Häusern, wir fahren in allerlei Ökomobilen, und wenn wir überhaupt noch fliegen, dann mit Biokerosin. Der einzige Schaden, den wir dem Klima am Ende des Jahrhunderts noch zufügen, entsteht durch Lachgas aus dem Ökodünger der Biobauern.

Muss man darauf hinweisen, dass dies eine kühne Vision ist? Jahrzehntelang müsste Deutschland seinen ökologischen Umbau schneller vorantreiben, als es in der Vergangenheit je gelungen ist, über alle Regierungswechsel, Krisen und gesellschaftlichen Umbrüche hinweg.

Nehmen wir dennoch an, dass unser Vorhaben gelänge, und nehmen wir weiter an, die gesamte industrialisierte Welt einschließlich der USA würde dem deutschen Vorbild folgen. Und da wir unser Vorstellungsvermögen nun ohnehin strapazieren, nehmen wir zu guter Letzt an, China und die anderen Schwellen- und Entwicklungsländer würden ihr rasantes Wachstum nur noch bis Mitte der 2020er Jahre fortsetzen, um dann desto energischer den neuen grünen Lebensstil des Westens zu kopieren.

Bislang haben die Chinesen nichts dergleichen im Sinn, noch viel weniger die Entwicklungsländer, die ihnen nacheifern. Vergessen wir das für einen Moment, es soll hier nämlich nur um eine Frage gehen: Angenommen, bis zum Ende des Jahrhunderts wäre unsere ökologische Weltrevolution abgeschlossen – wie sehr würde sich die Erde dann aufheizen?

Antwort: um ungefähr vier Grad. Vier, nicht zwei.

Zwei Grad mehr, das ist das offizielle Ziel der Weltklimapolitik, ein zu einer Zahl verdichtetes Versprechen: Baut eure Wirtschaft um, wandelt euren Lebensstil, dann wird der Klimawandel sich in erträglichen Grenzen halten. Vier Grad, das galt bislang als Höchststrafe für Ignoranz und Misswirtschaft, als finale Katastrophe, wie sie in den bedrohlichsten Szenarien im letzten Bericht des Weltklimarats beschrieben wird. Inzwischen ist dieser Bericht fünf Jahre alt. Kann es wirklich sein, dass dieses schlimmste Schicksal inzwischen unabwendbar ist – selbst wenn die Welt mit großer Einigkeit und Entschlossenheit umsteuert?

Diese Behauptung ist so ungeheuerlich, dass Skepsis und Widerspruch die einzig angemessenen Reaktionen zu sein scheinen. Vier Grad, das heißt ja nicht bloß, dass die Klimapolitik der vergangenen zwanzig Jahre gescheitert ist. Es heißt auch, dass die Welt noch zu Lebzeiten unserer Kinder gefährlicher, unwirtlicher, lebensfeindlicher werden wird, als sie es in der gesamten Menschheitsgeschichte je war.

Natürlich können Wissenschaftler irren, auch Kevin Anderson und Alice Bows vom britischen Forschungsverbund Tyndall Center, deren Berechnungen unserer Ökorevolution zugrunde liegen. Doch in der Frage, wie viele Treibhausgase welche Temperaturerhöhung verursachen, gibt es seit Jahren kaum Meinungsverschiedenheiten. Was Anderson und Bows errechnet haben, ist unter Klimaforschern weitgehend unstrittig.

Eine Zwei-Grad-Welt konnte man sich wenigstens im Prinzip als eine heißere und trockenere Version der Welt vorstellen, in der wir jetzt leben. Eine Vier-Grad-Welt ist etwas völlig anderes. Die wichtigste Voraussetzung menschlicher Zivilisation – dass es nämlich eine natürliche Umgebung gibt, auf die man sich einstellen kann – ist in einer Vier-Grad-Welt nicht erfüllt. Jahreszeiten, Vegetationsmuster, Küstenlinien ändern sich, nicht nur einmal, sondern fortwährend, wahrscheinlich für Jahrhunderte. Der Meeresspiegel steigt schnell. Wälder, sowohl in den Tropen als auch in der nördlichen Hemisphäre, machen Steppen oder Wüsten Platz und setzen dabei gewaltige Mengen Kohlendioxid frei, das den Klimawandel weiter beschleunigt. Dazu kommen unberechenbare Veränderungen der Meeresströmungen in Atlantik und Pazifik mit unabsehbaren Folgen – nicht nur, aber auch für die Temperatur in Europa.

Nichts davon ist sicher. Aber nach dem besten Wissen das Jahres 2012 muss man sagen: Die Wahrscheinlichkeit solcher Veränderungen ist hoch.

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Kommentare

193 Kommentare Seite 1 von 25 Kommentieren

Egal wie man es dreht und wendet

Der ökologische Umbau ist und bleibt alternativlos. Und er sichert uns Wohlstand. Konventionelle Autos haben ein Problem. Ihnen fehlt irgendwann der Sprit, wenn das Öl unbezahlbar, da knapp, bzw. nicht mehr vorhanden ist. Der Umstieg auf alternative Energien ist also die logische Konsequenz. Je länger wir damit warten, desto teurer wird es. Deutschland hat die einmalig Chance, Vorreiter zu sein. Man wird uns irgendwann die Technologien teuer abkaufen, weil die Alternativen fehlen. Worauf warten wir also? Egal ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht (er ist es!), wir müssen trotzdem umsteuern. Weil uns irgendwann die Ressourcen ausgehen. Alles andere wäre kurzsichtig. Ein weiter so verbietet sich also schon aus purem Eigennutz. Je eher desto besser.

Man muss gar kein Grüner sein, um so zu denken und zu handeln. Man muss einfach nur ein Interesse daran haben, den Wohlstand zu erhalten und auszubauen.

Im Moment noch sind fossile Energieträger

ausreichend und preiswert verfügbar. Wie verschwenderisch diese immer noch verbraucht werden, wurde vor kurzem deutlich, als hierzulande das Essen aus Schulkantinen zu Erkrankung einer größeren Anzahl von Schülern führte. Wie dann öffentlich wurde, hat man als Ursache tiefgefrorene Erdbeeren aus China ermittelt. Wenn es offensichtlich billiger ist, tiefgekühlte Erdbeeren um den halben Erdball zu transportieren (anstatt auf ein Produkt aus Europa zurück zu greifen), dann lässt das eigentlich nur den Schluss zu: die für den Transport und die Lagerung benötigte Energie ist immer noch kein nennenswerter Kostenfaktor.
Das wird aber nicht so bleiben. Es ist absehbar, fossile Energieträger werden den kontinuierlich steigenden Bedarf nicht decken können. Den globalen Bedarf an Energie auf Regenerative Energien umzustellen ist mit einem Technologiewandel verknüpft. Wie bei jedem anderen Technologiewandel ist dies mit Kosten verbunden und es treten zwangsläufig Probleme auf, die nach ganz neuen Antworten verlangen.
Einfach aus unserem Planten die letzten Reserven fossiler Energieträger "herauszuquetschen" und ansonsten so weiter machen wie bisher, dies ist eindeutig die schlechteste Alternative.

2° sind möglich

Eine neue Technologie, basierend auf dem Energiegehalt von Luft und Wasser, macht es möglich, billigen Strom in beliebiger Menge zu produzieren. Vom Hauskraftwerk mit 10 kW bis zum thermischen Flusskraftwerk mit 1 GW ist alles möglich.
In Zukunft werden die Häuser elektrisch beheizt (mit dem eigenen Hauskraftwerk)und die Industrie bezieht ihre Energie vom thermischen Flusskraftwerk, statt vom Kohle- oder Atomkraftwerk. Schiffe werden elektrisch angetrieben und entziehen dem Meer die Wärmeenergie dafür.
Im kommenden Jahr sind die ersten Anlagen erhältlich. Stromerzeugungskosten von 2 Eurocent, absolut umweltfreundlich und ohne CO2.

Na super...

Und jetzt bitte Fakten und die Bestellnummer....

Jeder der sich ein kleines bisschen mit Physik beschäftigt hat und den vielen Fallen in die Unbedarfte Träumer stolpern (zb. Energy return on Energy invevsted...) ist gegenüber solchen Storys zu recht äußerst skeptisch..

Und wo führt uns das am Ende hin ? Zu weiterem ungebremstem Wachstum, da mehr Energie uns mehr Wachstum erschließt ? Dann zu mehr Menschen ? Mehr Ressourcenverbrauch ? Weniger Fruchtbaren Böden ?

Wachstum und Technische Lösungen sind keine Lösungen, da der Klimawandel und der peak OIl nur Fasseten einer in Wahrheit weit umfangreicheren Krise sind. Und der gemeinsame Virus ist Wachstum in all seinen Ausprägungen...

Na dann sei uns doch die Erschöpfung der Energieressourcen

Willkommen..

Vielleicht Tritt Peak Oil und die damit verbundene Weltweite Wirtschaftskrise rechtzeitig genug ein , so wie von der ASPO vermutet... Und wir werden gezwungen diese Unwahrscheinlichen C02 Sparziele einzuhalten, ob wir wollen oder nicht..

Das ist kein sondericher Trost für uns, da dagegen die große Depression der 1930 Jahre wie ein Tanz über die Blumenwiese wirken würde...

Aber immerhin würde die Welt bewohnbar bleiben, solange wir dann nicht aus verzweiflung die letzen Wälder zum Heizen abholzen...

Rückschritt zur Kohle

Der Rückschritt zur Kohle, aufgrund des Atomausstiegs, zeigt doch schon wie ernst es die "Grünen" mit dem Klima in Wirklichkeit meinen.

Der "Ökologische Umbau" wird sowieso scheitern. Allerdings wird der Versuch uns einen Großteil des Wohlstands kosten. Und da unser Wohlstand sogar letztlich die EU am Laufen hält wird das weitreichende Konsequenzen haben.
Ein deutlich ärmeres Deutschland wird etwaigen "Griechenländern" in der nächsten Krise nicht mehr helfen können.

"Man muss einfach nur ein Interesse daran haben, den Wohlstand

zu erhalten und auszubauen."

Ihr Beitrag hat mir ansonsten gefallen, aber dieses Statement am Ende? Genbau so geht´s nicht!

Wenn der Wohlstand im Interesse der Umwelt und zugunsten der Lebensbedingungen der kommenden Generationen besser verteilt und so im Schnitt zurückgehen würde,

ist das wünschenswert und auch völlig in Ordnung...

Globale Probleme global lösen - wohl kaum durch die UNO

Der Artikel bestätigt in der Annahme, dass 'konventionelle' Ansätze keine Hoffnung auf hinreichend schnelle Richtungsänderung mehr bieten können.
Konventionell heißt hier: wenn wir uns die Nationen, die Kontinente, die NGOs oder gar die UNO als Subjekte von Politik vorstellen. Alle diese Akteure greifen zu kurz.
Je tiefer man das Verhältnis von Wirtschaft und Politik analysiert, desto mehr wird es geradezu ein 'no-brainer', dass eine globalisierte Wirtschaft und globalisierte Problemkonstellationen eine ebenbürtige globalisierte Politik benötigen. Sich einfach nicht zu einigen à la 'UN' ist für die Menschheit definitiv keine Option mehr.
Alle WahlbürgerInnen sind daher eingeladen, unter http://de.simpol.org auf völlig neuartige Weise an einer Grassroot-Weltinnenpolitik mitzuarbeiten, die nicht ruhen wird, bevor wir nicht gelernt haben, uns als Menschheit nachhaltig zu organisieren.

Endlich mal eine gute Nachricht:

"Selbst wenn wir radikal umsteuern" würde es nichts nützen.
Also weiter machen wie bisher - OHNE schlechtes Gewissen!

Auf ARTEs Thementag dagegen haben Spinner am Welternährungstag gestern doch glatt behauptet:

"Das 20. Jahrhundert war das Zeitalter der Chemie, das 21. wird das Jahrhundert der Biologie sein",

und dass die gesamte Weltbevölkerung (9 Milliarden bis 2050) ohne Pestizide ernährt werden kann und "grüne Gentechnik" daher nicht nur verzichtbar, sondern nachweislich schädlich ist.

Auch die machbare Option mit der CO2 und schadstoff-freien Energieversorgung hätte man in Japan und anderen Teilen der Welt erfolgreich seit Jahrzehnten ausprobiert.

Wer sich über diesen lächerlichen "Selbstbetrug" weiter informieren möchte, kann sich ja mal einfach nur zur Belustigung die Dokus und Interviews von Agrarwissenschaftlern mal zur Gemüte führen:
Die Doku ist noch 7 Tage lang zu sehen:
http://www.arte.tv/de/zuk...

zur Simultanpolitik in Umweltfragen

Die Vorteile einer Kooperation zwischen Staaten überwiegen mittlerweile die Vorteile des eigennützigen Agierens auf der nationalstaatlichen Ebene. Duch das simultane Angehen mehrerer Problemfelder kann eine allparteiliche WIN:WIN Situation ermöglicht werden. Beispiel: eine simultane globale Besteuerung von Finanztransaktionen (ohne Schlupflöcher) könnte Kompensationsmittel für globale Klimaschutz-Fonds generieren, sodass hier Mehrkosten einzelner Länder aufgefangen werden können.

Bürger weltweit können ihre Politiker zum Unterzeichnen von Simultanpolitik-Verpflichtung bewegen ("Simpol"), indem sie in nationalen Wahlen ihre Wahlpräferenz für solche Kandidaten kundgeben, die dies tun - zu Ungunsten der Verweigerer. Der Wähler sitzt am längeren Hebel. Schon 3% der Wähler pro Land reichen für einen Zünglein-an-der-Waage-Effekt. Der globale Support könnte dann Land für Land aufgereiht werden, so dass nicht mehr die Frage ist "ob", sondern nur noch "wann".

Wenn hinreichend Länder Simpol-verpflichtet sind, kann es in die konkrete Verhandlung über die Inhalte golbal simultaner Richtlinien und Gesetze gehen. Auch nicht-demokratische Staaten können als Gewinner aus dieser Kooperationssituation hervorgehen- destruktiver internationaler Wettbewerb - das absolute Wurzelproblem der Globalisierung in allen möglichen Fragen wäre somit ausgehebelt. http://www.simpol.org

Die Sonne macht das Klima!

Die Rechnerei mit CO2 (damit läßt sich ja auch trefflich schachern und Geld verdienen) läßt völlig außer Acht, daß es in vormenschlicher Zeit Perioden zehnfacher Konzentration in der Atmosphäre gegeben hat. Die Rolle der Sonne als Klimamacherin ist völlig unberücksichtigt geblieben. Daran kann nämlich niemand etwas ändern oder verdienen. Aber CO2 ist ein gutes Forschungsobjekt, für das es Gelder gibt...

Nicht die Sonne

Die Sonne wird mit den Jahrmillionen ganz langsam immer wärmer (je mehr Wasserstoff zu Helium wird). Früher hatte die Erde meist nicht nur mehr CO2, sondern sie war auch wärmer, die Pole waren meist eisfrei. Nach und nach haben die Moose, Farne und Bäume dann mehr und mehr Kohlenstoff in der Erde letztlich in Form von Kohle und Öl abgelagert, der Atmosphäre Kohlenstoff entzogen und die Erde kälter gemacht.