VenezuelaWahlkampf in Öl

In Venezuela wächst der Widerstand gegen eine vierte Amtszeit von Präsident Hugo Chávez. Der wehrt sich – mit Petrodollar und Drohungen. von Camilo Jiménez

Man muss gen Himmel sehen, um die kleine mollige Figur zu erkennen, die auf einer Brücke hektisch hin und her geht. Hugo Chávez trägt eine gelbe Jacke und hält ein Mikrofon in der Hand. »Da kommt der Zug! Tuut tuut!«, ruft Chávez ins Mikrofon und zeigt auf einen einzelnen Wagen, der über die Schienen gleitet. »So was ist nur im Sozialismus möglich, Gottes Reich auf Erden!«

Gottes Reich liegt an diesem Nachmittag in Petare, wo Chávez eine Metro-Linie einweiht. Petare gehört zum Großraum der Hauptstadt Caracas, rund 400.000 Menschen leben hier, viele davon in Armut. In solchen Gebieten hatte Chávez einst Heimspiel. Doch inzwischen stellen seine Anhänger hier nicht einmal mehr den Bezirksbürgermeister, und zum Auftritt des Präsidenten haben sich nur einige Hundert Menschen versammelt. Auf Nachfrage sagen viele, sie seien Staatsangestellte und zum Erscheinen bei dieser Veranstaltung verpflichtet. Ein Staatschef, der wenige Tage vor den Präsidentschaftswahlen vor widerwilligem Publikum eine Metro einweiht – das sagt viel aus über den politischen Zustand des »Chávismo« in Venezuela. In vielen Umfragen liegt Chávez zwar knapp vor seinem Gegner Henrique Capriles Radonski. Doch nach vierzehn Jahren an der Macht sieht er sich erstmals einem ernsthaften Herausforderer gegenüber. Egal, wie die Wahlen am kommenden Sonntag ausgehen, Chávez hat seinen Nimbus als Kämpfer für die Armen und gegen das mächtige US-Imperium verloren. Seine Bilanz nach fast anderthalb Jahrzehnten hat selbst viele seiner Anhänger ernüchtert.

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Zwar sind die Löhne erhöht worden, mehr Menschen studieren, weniger leben in Armut. Aber gleichzeitig wachsen die Slums, Inflationsrate und Lebenshaltungskosten sind ebenso gestiegen wie die Zahl der Gewaltverbrechen. Laut Umfragen sorgen sich 80 Prozent der Wähler vor allem um die wachsende Kriminalität im Land. In der Rangliste der gefährlichsten Metropolen der Welt steht Caracas heute an sechster Stelle. Chávez hat auf diese Probleme keine Antwort. Er hat Justiz und Gesetzgeber der Exekutive unterworfen, einen zentralistischen Staat genährt und die Gesellschaft gespalten.

»Wartet nur ab«, hatte der Armeeoffizier 1992 nach einem erfolglosen Putschversuch aus dem Gefängnis heraus gerufen. Sieben Jahre später kam er, kaum 45 Jahre alt, durch freie Wahlen an die Macht. Ein Schock für die Eliten, die Venezuela über vier Jahrzehnte hinweg zu einem Land krasser sozialer Gegensätze gemacht hatten. Ein Wunder für die Mehrheit der Venezolaner, die einen solchen Präsidenten noch nie erlebt hatten: einen, der selbst aus einer armen Familie stammt, strotzend vor Selbstbewusstsein vom »Sozialismus im 21. Jahrhundert« redete und als sozialdemokratischer Caudillo durch Städte und Dörfer zog – mit einem untrüglichen Gespür, wann er Mao Zedong zitieren, ein Gedicht vortragen oder Baseball spielen musste.

Mit dem Nationalhelden Simón Bolívar als Inspiration und Fidel Castro als Verbündetem wollte Chávez Lateinamerika zu einer großen linken Nation vereinen. Er ließ per Volksentscheid eine neue Verfassung verabschieden, gerierte sich als Weltpolitiker, der den Kontakt zu Muammar al-Gaddafi und Mahmud Ahmadinedschad suchte und den damaligen US-Präsidenten George W. Bush als »Teufel« bezeichnete. Ein Putschversuch seiner Gegner 2002 festigte seine Macht und den Rückhalt in der Bevölkerung für sein Programm: die Korruption beenden, den Ölreichtum demokratisieren, die Armut abschaffen – und eine globale Revolution mit Petro-Dollars finanzieren. Die Geschichte spielte zunächst mit: Der Ölpreis stieg, und der Erzfeind in Washington war nach dem 11. September 2001 mit anderen Weltregionen beschäftigt. Chávez konnte sowohl im eigenen Land wie auf dem Kontinent investieren: Er holte kubanische Ärzte nach Venezuela, um die Armenviertel an das Gesundheitssystem anzuschließen, baute Sozialprogramme aus, verteilte großzügig Öl und Geld nach Argentinien, Bolivien, Haiti und Kuba – fünfmal mehr als die USA.

Chávez’ Führungsstil blieb trotz Wahlen und Referenden immer autokratisch – und damit auch ineffizient und teuer. Kritik bestraft er oft durch den Entzug sozialer Leistungen, Loyalität belohnt er mit Jobs oder anderen Geschenken. Folglich ist Venezuelas größte Schatztruhe, die staatliche Erdölgesellschaft PDVSA, von einem Instrument zur Umverteilung des Reichtums zu einem großen Versorgungsunternehmen für die politische Machtsicherung geworden. Der Ölpreis-Boom hat der PDVSA seit 1999 Gewinne in Höhe von 981 Milliarden Dollar beschert. Davon wurden – oft unter Chávez’ direkter Kontrolle und vorbei am Parlament – viele Sozialprogramme finanziert. Die Infrastruktur des Landes aber wurde sträflich vernachlässigt, fast täglich fällt irgendwo der Strom aus, es fehlt, trotz kubanischer Hilfe, an Ärzten und Medikamenten in den Krankenhäusern.

All das hat die Aussichten für Chávez’ Gegner erhöht. Henrique Capriles Radonski ist ein 40-jähriger Jurist aus einem sauberen Reichenviertel, ein ehemaliger rechtskonservativer Bürgermeister und Gouverneur und damit scheinbar in jeder Hinsicht ein Gegenpol zu Chávez. Doch Capriles hat Lehren aus der jüngeren Geschichte gezogen: Er hat die Opposition geeint und ihr ein soziales Programm verpasst. Capriles gibt sich kritisch gegenüber den USA, bezieht sich gern auf den Unabhängigkeitskämpfer Bolívar und Gott. Der Herausforderer verspricht eine Erhöhung des Mindestlohnes, Landbesitz für Bauern – und ein Ende der Korruption, gegen die Chávez einst angetreten war, die er aber heute verkörpert. Wie Chávez hat Capriles im Wahlkampf Hunderte Städte besucht, in denen ihn viele als Hoffnungsträger feiern, der den politischen Grabenkampf zwischen »Arm« und »Reich« beendet.

Leserkommentare
  1. wird es ab dem Wochenende für den famosen Führer Hugo sein. Außer er kommt durch mit seiner auf Kuba gelernten und gewohnten Wahlfäschung über die regierungshörige zentrale Wahlkommission und mit seiner auf Kuba gelernten gewohnten Art, irgendwelche Gegner des Regime durch seine "Sozialen Zirkel" abknallen zu lassen. Einzig die Angst vor dem Blutvergießen nach dem Wahldebakel könnte ihm noch Stimmen bringen. Denn bei den Umfragen hält sich das Volk bedeckt und lügt in die Micros der umfragenden Geheimpolizei. Die Menschen aller Bevölkerungsgruppen wollen in loswerden um endlich wieder mehr Sicherheit im täglichen Leben zu haben. Ohne Angst um das Leben über die Straße zu gehen - das wünschen sich die Menschen...

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    ist nun wirklich eines der am stärksten beobachteten, bei jeder Wahl sind unzählige internationale Wahlbeobachtungsorganisationen vor Ort. - So zum Beispiel die in diesem Feld weltweit bekannte Jimmy Carter Foundation. Für ihre internationale Arbeit zur Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte ist diese US-amerikanische Organisation in Person des Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
    Vor einem Monat war das 30-jährige Jubiläum der Foundation, anlässich welchem Jimmy Carter anerkannte: "As a matter of fact, of the 92 elections that we've monitored, I would say that the election process in Venezuela is the best in the world" (In der Tat, unter den 92 Wahlen die wir überwacht haben, ist meiner Ansicht nach der Wahlprozess in Venezuela der beste auf der Welt.)

    Die Sicherheit des Wahlsystems sowie die absolute Wahrung des Stimmgeheimnisses ist von Organisationen wie der Jimmy Carter Foundation SOWIE DER OPPOSITION anerkannt!
    http://www.youtube.com/wa...

    Soweit die Realität, aber jetzt phantasieren Sie ruhig weiter...

    • Kobuk
    • 05. Oktober 2012 17:20 Uhr

    Auch wenn Chavez nicht alles gelungen ist. Der Mann hat mehr erreicht für die Bevölkerung in Venezuela als jeder Politiker vor ihm. Nahrungsversorgung, Bildung, Gesundheitssytem. Bekämpfung von Armut und aussenpolitische Errungenschaften in Südamerika. Das ist zumindest mal etwas Respekt wert.

    So z.B. der schweizer Chefarzt für Onkologie Franco Cavalli

    In Caracas etwa gibt es Armenviertel mit Millionen Menschen, die bis vor wenigen Jahren nie einen Arzt oder eine Krankenschwester gesehen haben", führte der Onkologe aus. In diesen Bereich habe die aktuelle Regierung unter Chávez massiv investiert. "Das war ihm auch wegen der massiven Unterstützung kubanischer Ärzte und Krankenschwestern möglich", fügte Cavalli an: "Diese Politik ist einer der Gründe, weshalb Chávez bislang alle Wahlen gewonnen hat, obgleich nicht nur die Mehrzahl der Medien gegen ihn ist."

    http://amerika21.de/nachr...

    Und selbst wenn sein gegenspieler gewinnt...die Sozialpolitik wird er nicht zurücknehmen können.

    Übrigens rate ich jedem Interessierten, sich zum Thema Südamerika die hevorrragenden Artikel auf amerika21 zu bedienen.

    http://amerika21.de/analy...

    • Kobuk
    • 05. Oktober 2012 17:25 Uhr

    Einen guten (und teilweise sehr lustigen) Einblick in das Leben von Hugo Chavez liefert die Dokumenation "South of the border" von Oliver Stone. Der Schwerpunkt liegt auf dem Umgang der Medien in den USA mit Chavez. Ausserdem sehr interessant wie gut das Verhältnis der anderen südamerikanischen Staatsoberhäupter zu Chavez ist.

    http://www.youtube.com/wa...

  2. offensichtlich mit der gut gemeinten Zielsetzung geschrieben, so viele Fakten wie möglich auf den Tisch zu legen;
    verheddert sich leider, reiht wichtige Errungenschaften und verurteilungswürdige Missstände neben Banalitäten, Allgemeinplätzen und bis in den faktuellen Widerspruch simplifizierte Meinungen und lässt sein eigenes Urteil dann doch schon im ersten Absatz durchscheinen.
    Das ist sehr tragisch, denn auch wenn Venezuela weit entfernt ist vom deutschen Wohnzimmer, und in einem den tief chauvinistischen Deutschen weniger wichtigen Erdteil liegt; so ist die Wahl doch wichtig in vieler Hinsicht.

    Hätte man einem journalistischen Mindestanspruch gerecht werden wollen, wäre es bei einem derart polarisierenden Thema wohl das beste gewesen, einen pro-Chavez und einen contra-Chavez Artikel nebeneinander zu stellen, wobei sich jeder jeweils auf die wichtigsten pro- und contra- Aspekte konzentriert (auswählt, und auch etwas ausführt).

    Doch ein Artikel, der Chavez' Errungenschaften darlegt und nicht mit der Ahmadinejad-Klatsche aufwartet, das wäre dann wohl doch zu viel zu erwarten von der ZEIT.

  3. ist nun wirklich eines der am stärksten beobachteten, bei jeder Wahl sind unzählige internationale Wahlbeobachtungsorganisationen vor Ort. - So zum Beispiel die in diesem Feld weltweit bekannte Jimmy Carter Foundation. Für ihre internationale Arbeit zur Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte ist diese US-amerikanische Organisation in Person des Ex-US-Präsidenten Jimmy Carter sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
    Vor einem Monat war das 30-jährige Jubiläum der Foundation, anlässich welchem Jimmy Carter anerkannte: "As a matter of fact, of the 92 elections that we've monitored, I would say that the election process in Venezuela is the best in the world" (In der Tat, unter den 92 Wahlen die wir überwacht haben, ist meiner Ansicht nach der Wahlprozess in Venezuela der beste auf der Welt.)

    Die Sicherheit des Wahlsystems sowie die absolute Wahrung des Stimmgeheimnisses ist von Organisationen wie der Jimmy Carter Foundation SOWIE DER OPPOSITION anerkannt!
    http://www.youtube.com/wa...

    Soweit die Realität, aber jetzt phantasieren Sie ruhig weiter...

    Antwort auf "Aus und Vorbei"
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    Chavez ist nicht das Problem, sondern seine Gefolgsleute. Chavez ist ein Überzeugungstäter, einer der versucht seine Ideen umzusetzen. Aber sein Umfeld ist korrupt, unfähig und kriminell. Chavez ist einer, der die Leute mitreißen und begeistern kann, aber Realpolitik das ist nicht sein Ding.

    Die Arroganz der Sozialisten, die sich als die Herren der Welt aufführen und zugleich unfähig sind die Probleme zu lösen, kann Chavez den Kopf kosten. Es gibt eine Wechselstimmung im Land, aber ob die ausreicht steht auf einem anderen Blatt. Die Menschen in Venezuela haben Angst, weil die Gewalt immer schlimmer wird und niemand etwas dagegen tut. Sie sind es leid sich herumkommandieren zu lassen, von Leuten die alles besser wissen aber nichts besser können.

    Es ist schade, dass dieses durchaus interessante sozialistische Projekt so an die Wand gefahren worden ist. Das Land ist total gespalten und polarisiert, selbst die Antworten hier beweisen dass. Ich hoffe, dass am Sonntag alles friedlich bleibt.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

  4. Chavez ist nicht das Problem, sondern seine Gefolgsleute. Chavez ist ein Überzeugungstäter, einer der versucht seine Ideen umzusetzen. Aber sein Umfeld ist korrupt, unfähig und kriminell. Chavez ist einer, der die Leute mitreißen und begeistern kann, aber Realpolitik das ist nicht sein Ding.

    Die Arroganz der Sozialisten, die sich als die Herren der Welt aufführen und zugleich unfähig sind die Probleme zu lösen, kann Chavez den Kopf kosten. Es gibt eine Wechselstimmung im Land, aber ob die ausreicht steht auf einem anderen Blatt. Die Menschen in Venezuela haben Angst, weil die Gewalt immer schlimmer wird und niemand etwas dagegen tut. Sie sind es leid sich herumkommandieren zu lassen, von Leuten die alles besser wissen aber nichts besser können.

    Es ist schade, dass dieses durchaus interessante sozialistische Projekt so an die Wand gefahren worden ist. Das Land ist total gespalten und polarisiert, selbst die Antworten hier beweisen dass. Ich hoffe, dass am Sonntag alles friedlich bleibt.

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz

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    Es ist beinahe amüsant,wie Sie sich über die Polarisierung beklagen,für die ihr eigener Artikel ein wunderbares Beispiel abgibt.

    Zur Polarisierung wäre viel zu sagen; vieles wurde auch bereits gesagt (Rhetorik & Regierungsstil des Präsidenten, Putschversuche und -drohungen sowie Rhetorik der Opposition).
    Was ich, der den Wirtschaftsliberalismus als Ideologie ablehne, und der mit Erschütterung beobachten muss,wie sich bei Wahlen nichts ändert und mein Land sowie unser gesamter Europ. Kontinent mit einer dicken Schicht Liberalismusideologie überzogen wird, die seit Jahren aus jeder Rede der Kanzlerin, jeder politischen Idee und jedem europäischen Vertrag tropft -

    der also Ihren oppositionnellen Blickwinkel auf Venezuela in meiner Heimat nur allzu gut kennt -

    was ich an Venezuela interessant finde, ist, dass hier die Stärke einer alternativen, solidarischeren Idee ("dem Sozialismus bolivarianischer Prägung" wenn Sie unbedingt ein Label brauchen) tatsächlich zu einer Ideenvielfalt einlädt (denn den Liberalismus kann heutzutage kein Chavez in die "lächerlich" oder "Extremismus" -Ecke stellen, wie es hierzulande mit alternativen wirtschaftlichen Ansätzen passiert, die, da der Mehrheitsideologie widersprechend, man nicht ernsthaft diskutieren will).

    Das Land ist zu extrem polarisiert, und das ist die Schuld der Akteure.
    Aber ich glaube, zu einem gesunden Teil ist Polarisierung schlicht Folge von Politisierung. Sie fehlt in Europa, weil in unserer Politik Einheitsdenke herrscht.

  5. Es ist beinahe amüsant,wie Sie sich über die Polarisierung beklagen,für die ihr eigener Artikel ein wunderbares Beispiel abgibt.

    Zur Polarisierung wäre viel zu sagen; vieles wurde auch bereits gesagt (Rhetorik & Regierungsstil des Präsidenten, Putschversuche und -drohungen sowie Rhetorik der Opposition).
    Was ich, der den Wirtschaftsliberalismus als Ideologie ablehne, und der mit Erschütterung beobachten muss,wie sich bei Wahlen nichts ändert und mein Land sowie unser gesamter Europ. Kontinent mit einer dicken Schicht Liberalismusideologie überzogen wird, die seit Jahren aus jeder Rede der Kanzlerin, jeder politischen Idee und jedem europäischen Vertrag tropft -

    der also Ihren oppositionnellen Blickwinkel auf Venezuela in meiner Heimat nur allzu gut kennt -

    was ich an Venezuela interessant finde, ist, dass hier die Stärke einer alternativen, solidarischeren Idee ("dem Sozialismus bolivarianischer Prägung" wenn Sie unbedingt ein Label brauchen) tatsächlich zu einer Ideenvielfalt einlädt (denn den Liberalismus kann heutzutage kein Chavez in die "lächerlich" oder "Extremismus" -Ecke stellen, wie es hierzulande mit alternativen wirtschaftlichen Ansätzen passiert, die, da der Mehrheitsideologie widersprechend, man nicht ernsthaft diskutieren will).

    Das Land ist zu extrem polarisiert, und das ist die Schuld der Akteure.
    Aber ich glaube, zu einem gesunden Teil ist Polarisierung schlicht Folge von Politisierung. Sie fehlt in Europa, weil in unserer Politik Einheitsdenke herrscht.

  6. Danke den Autoren für dieses vielseitige Vexierbild über eine 30 Mio Einwohner zählende Nation aus einem so extrem geschundenen wie ressourcenreichen Kontinent voller Hoffnung.
    Wie wir Europäer uns im Vergleich zu den Einheimischen dort fühlen, verhalten und flüchten würden, egal in welchem Land von "america latina", können sich die meisten von uns nicht ausmalen.
    Wagen wir uns an die eigenen Perspektiven!
    Worin beruht das globale oder unser Interesse in Deutschland an Venezuela? Was tun wir, um die Menschen dort und in den übrigen Ländern zu einer besseren Zukunft zu verhelfen?
    Worauf laufen gutgemeinte Entwicklungshilfeprojekte letztendlich hinaus?
    Kolonialismus und Sklaverei hat in den letzten fünf Jahrhunderten tiefe Narben in der Wirtschaft, den politischen Strukturen und den Seelen der Menschen hinterlassen. Insbesondere Europa hat wohl noch lange an der historischen Verantwortung für die Ausbeutung und Zerstörung der südamerikanischen Identität zu tragen. Arrogant, jetzt aus dem wohltemperierten heimischen Ohrensessel heraus den demokratieschwangeren Zeigefinger gen Südwesten zu heben reicht auf Dauer nicht aus.

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  • Schlagworte Erdöl | Erdölförderung | Venezuela
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