Wandern mit KindernDa kannst du was erleben

Drei neue Bücher erklären, wie man Kinder fürs Wandern begeistert. von Wolfgang Albers

Kinder haben ihre eigenen Ansichten darüber, wie ein gelungener Ausflug aussieht: Ein Berggipfel ist nicht unbedingt ein verlockendes Ziel, und der Weg dorthin, womöglich noch steil und in der prallen Sonne, ist es erst recht nicht. Spannender finden sie da schon einen Spielplatz, einen Wasserfall und natürlich die Jausenstation – oder gleich eine Sommerrodelbahn, wie sie inzwischen vielerorts in der Landschaft steht: Die touristische Infrastruktur für junge Gäste wird immer ausgefeilter und aufwendiger. Barfußpfade, Hochseilgärten oder ein Slackline-Parcours gehören mittlerweile oft zum Standard.

Immer mehr Verlage haben daher Ratgeber für Ausflüge mit Kindern. Die Ansätze sind allerdings unterschiedlich:

Anzeige

Klassisch unterwegs sind Sigrid und Eduard Soeffker im Allgäu. Ihr Führer Erlebniswandern mit Kindern richtet sich an Eltern von etwa Sechs- bis Achtjährigen und beschreibt 30 Wanderungen. 870 Höhenmeter muss man auf einer Tour schon mal bewältigen – ein strammes Pensum. Doch die Autoren vertreten optimistisch den Standpunkt, dass Kinder grundsätzlich gerne laufen, wenn sie dabei immer wieder die Möglichkeit zum Barfußgehen, Kraxeln oder Spielen am Wasser haben. Und Wanderpuristen sind die beiden nicht: Manchmal spaziert man auch an einer Sommerrodelbahn oder einem Hochseilgarten vorbei. Die Fülle an Vorschlägen und Alternativen hilft Eltern, ihre Touren optimal auf die eigene Familie und deren Wünsche abzustimmen – egal, ob sie den Schwerpunkt auf Natur oder Amüsement legen wollen.

Weniger Kondition, aber mehr Geld braucht man für die Vorschläge, die Herwig Slezak in Hits für Kids im Bayerischen Wald auflistet. Der Band enthält nur 13 Wanderrouten und schickt Familien mit Kindern ab zwei Jahren stattdessen zu kommerziellen Freizeiteinrichtungen: Für 38 der 58 aufgeführten Ausflüge muss man Eintritt zahlen. Die meisten Touren führen nicht klassisch ins Museum, stattdessen geht es in einen Vergnügungspark, eine Westernstadt, auf Indoor-Spielplätze, eine Kartbahn oder einen Golfplatz. Das volle Konsum-Programm also – und auch wenn der Autor manchmal eine gewisse Distanz zu all dem Rummel aufblitzen lässt: Oft wirkt das Buch wie eine PR-Broschüre der Freizeitindustrie.

Ein reiner Wanderführer ist hingegen der Band Bayerischer Wald – Wandern mit Kindern des ADAC. Die Touren sind kurz, im Schnitt um die fünf Kilometer, Zielgruppe sind Kinder ab etwa vier Jahren. An diese wendet sich das Buch gleichermaßen wie an die Eltern: Es gibt Zeichnungen, Lieder, Rätsel und Spiele. Das Layout ist fantasievoll gestaltet, was allerdings auch den Platz für Informationen begrenzt. Der Autor Sebastian Hoffmann (dessen Name ziemlich versteckt wird) verweist hier aufs Internet. Kommerzielle Angebote tauchen selten auf und sind knapp gehalten, was das Buch sympathisch macht. Bleibt zu hoffen, dass sich weitere ADAC-Ratgeber zum »Thema Wandern mit Kindern« an diesem orientieren: Der Führer über das Allgäu, der ebenfalls auf dem Markt ist, rührt leider deutlich stärker die Werbetrommel für die Freizeitindustrie.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • uwilein
    • 15. Oktober 2012 17:17 Uhr

    .... wenn die nichts gutes wollen, haben die Kinder keine Chance

  1. Mein Vater hat mir mit seinem ehrgeizigen Gipfelgestürme nachhaltig die Lust am Wandern verdorben. Viel interessanter für Kinder ist die Beschäftigung mit der Natur, in der man die Zeit verbringt, das ist günstig und fördert das Wissen.Dafür müssen sich Eltern allerdings auch mal die Mühe machen, selber etwas zu lernen...

  2. ... nur Eltern, die ihre Kinder Freude lassen. Aussicht allein reicht natürlich nicht, aber hier und da ein Bächlein, ein Tier, mal etwas bauen, eine schöne Einkehr. Und es braucht Zeit. 1,5 - 2 Male so viel wie Erwachsene. Wenn man das dann öfter macht, kann man so schnell wie "normale" Wanderer sein. Wir haben das mit unseren 5 und 8 jährigen Mädchen schon geschafft. Alle hatten Freude. Wer Fun sucht, sollte in die künstlichen Welten der Animierläden gehen. Das ist doch aber mehr als Entlastung der Eltern gedacht. Aber dort geben sie locker das 5-10fache aus, was man beim einfachen Wandern ausgeben muss.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und selbst dahinter stehen bzw. gehen, mit viel Zeit, z. B. von Hütte zu Hütte, ist auch meiner Meinung nach der beste Weg. Keinen Leistungsdruck aufbauen und Gipfel stürmen wollen, stattdessen erzählen über die Landschaft, die Pflanzen etc. und den Kindern Zeit und Raum lassen,die Steine am Wegrand anzuschauen. Es ist auch wichtig, die Sportlichkeit der Kinder im Allgemeinen zu fördern und nicht nur in den Ferien dann plötzlich wandern zu wollen mit einem Kind, das sonst überall mit dem Auto hingebracht wird. Meine Empfehlung sind weniger ADAC (Auto!) Wanderführer, sondern ein Eintritt in die lokale Sektion des Alpenvereins, den es nicht nur am Alpenrand, sondern in ganz Deutschland gibt. Das ist ein fundierter Zugang zu Berg- und Wandererfahrungen auf jedem Niveau, man findet Gleichgesinnte und hat noch dazu vergünstigte Konditionen bei Übernachtungen auf Hütten.

  3. und selbst dahinter stehen bzw. gehen, mit viel Zeit, z. B. von Hütte zu Hütte, ist auch meiner Meinung nach der beste Weg. Keinen Leistungsdruck aufbauen und Gipfel stürmen wollen, stattdessen erzählen über die Landschaft, die Pflanzen etc. und den Kindern Zeit und Raum lassen,die Steine am Wegrand anzuschauen. Es ist auch wichtig, die Sportlichkeit der Kinder im Allgemeinen zu fördern und nicht nur in den Ferien dann plötzlich wandern zu wollen mit einem Kind, das sonst überall mit dem Auto hingebracht wird. Meine Empfehlung sind weniger ADAC (Auto!) Wanderführer, sondern ein Eintritt in die lokale Sektion des Alpenvereins, den es nicht nur am Alpenrand, sondern in ganz Deutschland gibt. Das ist ein fundierter Zugang zu Berg- und Wandererfahrungen auf jedem Niveau, man findet Gleichgesinnte und hat noch dazu vergünstigte Konditionen bei Übernachtungen auf Hütten.

  4. Ein Lied von den Ärzten"du hast dich doch damals immer so für Tiere interessiert" Junge", ich glaub der song heist Himmelblau, und die meisten Jugendlichen heut zu tage amüsieren sich über diesen Song. Mein Sohn angelt gerne zur zeit mit mir zusammen, also, er würde gerne mehr, aber die Zeit ist immer rahr, man muß ja wenn man erfolg haben will, auch rechtzeitig anfüttern. Sogar meine tochter holt gerne paar kleine plötzen raus, und hat noch spass, dabei. Ich denke, soviel Zeit wie ich mit den Kindern verbringe, und das vertrauen was ich ihnen gegenüber aufbringe, macht das quäntchen. Leider wird mir immer vorgeworfen, das ich das anderen vorhalte, was für eine freche und stupiede aussage. Beides geht eben nicht, dafür haben andere Eltern eben mehr Zeit in den Urlauben, mit den Kindern, und mehr Geld zu verfügung, vorhaltungen gibs aus meiner richtung dazu niemals, aber meine Aufgabe macht mir dann halt eben auch spass, wenn die beiden einfach mal gerne Ferien haben, und alles mögliche machen würden, in der Natur mit Papa, aber auch, und das faszieniert mich son wenig, gerne wieder zur Schule gehen, wie heute wieder am ersten Schultag nach den Herbstferien. Ob das alles so bleibt nach meiner repression, den Kindern gegenüber, also meinen, sei Fraglich, aber kennen gelernt haben sie es zumindest. Waraus Charakterstärke entsteht, wissen ja die super wissens verdächtigen ja sowieso, alias Sklave or not to be Sklave.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Wanderurlaub | Wandern | Kinder | Familie | Reise | Tourismus
Service