Kinder haben ihre eigenen Ansichten darüber, wie ein gelungener Ausflug aussieht: Ein Berggipfel ist nicht unbedingt ein verlockendes Ziel, und der Weg dorthin, womöglich noch steil und in der prallen Sonne, ist es erst recht nicht. Spannender finden sie da schon einen Spielplatz, einen Wasserfall und natürlich die Jausenstation – oder gleich eine Sommerrodelbahn, wie sie inzwischen vielerorts in der Landschaft steht: Die touristische Infrastruktur für junge Gäste wird immer ausgefeilter und aufwendiger. Barfußpfade, Hochseilgärten oder ein Slackline-Parcours gehören mittlerweile oft zum Standard.

Immer mehr Verlage haben daher Ratgeber für Ausflüge mit Kindern. Die Ansätze sind allerdings unterschiedlich:

Klassisch unterwegs sind Sigrid und Eduard Soeffker im Allgäu. Ihr Führer Erlebniswandern mit Kindern richtet sich an Eltern von etwa Sechs- bis Achtjährigen und beschreibt 30 Wanderungen. 870 Höhenmeter muss man auf einer Tour schon mal bewältigen – ein strammes Pensum. Doch die Autoren vertreten optimistisch den Standpunkt, dass Kinder grundsätzlich gerne laufen, wenn sie dabei immer wieder die Möglichkeit zum Barfußgehen, Kraxeln oder Spielen am Wasser haben. Und Wanderpuristen sind die beiden nicht: Manchmal spaziert man auch an einer Sommerrodelbahn oder einem Hochseilgarten vorbei. Die Fülle an Vorschlägen und Alternativen hilft Eltern, ihre Touren optimal auf die eigene Familie und deren Wünsche abzustimmen – egal, ob sie den Schwerpunkt auf Natur oder Amüsement legen wollen.

Weniger Kondition, aber mehr Geld braucht man für die Vorschläge, die Herwig Slezak in Hits für Kids im Bayerischen Wald auflistet. Der Band enthält nur 13 Wanderrouten und schickt Familien mit Kindern ab zwei Jahren stattdessen zu kommerziellen Freizeiteinrichtungen: Für 38 der 58 aufgeführten Ausflüge muss man Eintritt zahlen. Die meisten Touren führen nicht klassisch ins Museum, stattdessen geht es in einen Vergnügungspark, eine Westernstadt, auf Indoor-Spielplätze, eine Kartbahn oder einen Golfplatz. Das volle Konsum-Programm also – und auch wenn der Autor manchmal eine gewisse Distanz zu all dem Rummel aufblitzen lässt: Oft wirkt das Buch wie eine PR-Broschüre der Freizeitindustrie.

Ein reiner Wanderführer ist hingegen der Band Bayerischer Wald – Wandern mit Kindern des ADAC. Die Touren sind kurz, im Schnitt um die fünf Kilometer, Zielgruppe sind Kinder ab etwa vier Jahren. An diese wendet sich das Buch gleichermaßen wie an die Eltern: Es gibt Zeichnungen, Lieder, Rätsel und Spiele. Das Layout ist fantasievoll gestaltet, was allerdings auch den Platz für Informationen begrenzt. Der Autor Sebastian Hoffmann (dessen Name ziemlich versteckt wird) verweist hier aufs Internet. Kommerzielle Angebote tauchen selten auf und sind knapp gehalten, was das Buch sympathisch macht. Bleibt zu hoffen, dass sich weitere ADAC-Ratgeber zum »Thema Wandern mit Kindern« an diesem orientieren: Der Führer über das Allgäu, der ebenfalls auf dem Markt ist, rührt leider deutlich stärker die Werbetrommel für die Freizeitindustrie.