Rezeptsammlung der UrgroßmutterTschüs, Sommer, hallo, Muscheln

Elizabeth Gilbert, Autorin des Bestsellers "Eat Pray Love", hat die Rezeptsammlung ihrer Urgroßmutter veröffentlicht. Sie preist darin den Beginn der Miesmuschelsaison. von Elisabeth Raether

Die Autorin des Bestsellers »Eat Pray Love« , Elizabeth Gilbert, weiß genau, was die müde Seele der Metamoderne braucht: Yoga, Liebe, nette Häuser und gutes Essen. Gegen ihre erbaulichen Bücher, die seitenlang die Strände von Bali und bittersüßen Liebesschmerz beschreiben, ist nichts einzuwenden: Wer nichts braucht, um sich zu trösten, hat kein Herz. Jetzt hat Gilbert netterweise noch ein Kochbuch geschrieben, ein schreiberisches Genre, das ja gar nicht anders kann als erbaulich sein.

Sie gibt die Rezeptsammlung neu heraus, die ihre Urgroßmutter Margaret Yardley Potter in den vierziger Jahren verfasst hat, eine Frau, die zu Pizza »Tomatenkuchen« sagte und mit Segelbooten, Rasentennis und irischen Dienstboten aufgewachsen war. Das Buch, erschienen bei Bloomsbury Berlin , trägt den Originaltitel »Daheim am Herd«, was heute ideologisch klingt, aber wahrscheinlich nicht so gemeint ist. Margaret Yardley Potter jedenfalls war keine gute Hausfrau. Sie gab zu viel Geld aus und trank zu viel und riss Muscheln mit bloßen Händen von den Bänken, um sie am Strand auf einem rostigen Wellblech zu grillen. Aber noch besser, schreibt sie, schmecken die Miesmuscheln, die es jetzt im Frühherbst wieder zu kaufen gibt, wenn man sie mit Weißwein, Knoblauch und Petersilie dünstet.

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Man sortiert zunächst die Muscheln aus, die sich schon jetzt geöffnet haben. Die anderen werden unter fließendem Wasser gründlich abgebürstet.

Alle Wochenmarkt-Rezepte

Alle Wochenmarkt-Rezepte  |  © Miguel Medina/AFP/Getty Images

In einen ausreichend großen Topf gibt man Weißwein, Knoblauchzehen, die man zuvor klein gehackt hat, gehackte Petersilie, vielleicht etwas Sellerie, wenn der einem schmeckt, in jedem Fall aber Butter und gemahlenen Pfeffer. Salz braucht man beim Muschelkochen nicht. Man gibt dann die Muscheln ebenfalls in den Topf, legt den Deckel darauf und erhitzt das Ganze etwa fünf Minuten lang. Vielleicht haben sich dann die Muscheln schon geöffnet, das wäre das Zeichen dafür, dass sie gar sind. Wenn das nicht der Fall ist, kommt der Deckel wieder auf den Topf, und alles köchelt eine Weile weiter.

Noch heiß, werden die Muscheln dann in tiefen Tellern serviert, zusammen mit dem Sud und ein paar Scheiben Baguette, das zum Auftunken dient.

Moules marinères
(für 4 bis 6 Personen)

2 Kilo Miesmuscheln,
1/2 Tasse trockenen Weißwein,
1 oder 2 Knoblauchzehen,
1/2 Tasse gehackte Petersilie,
vielleicht etwas gehackten Sellerie,
1/4 Tasse Butter,
schwarzer Pfeffer,
1 großes Baguette

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Leserkommentare
  1. Es ist genau das Rezept, bei dem man sich wünscht, Single zu sein. Ein Paket Muscheln mit 1,5 kg für mich allein! Mit Weizenbaguette. Herrlich! Mein Tipp: In den Sud noch Möhrchenscheiben und frische Thymianzweige geben.

  2. ... Mont-Saint-Michel liegt in der Normandie ...

    Antwort auf
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    Aber zur Ehrenrettung des Vorschreibers muss man sagen, dass sämtliche Bretagne-Reiseführer mit dem Mont gerne Werbung machen - liegt ja quasi auf der Grenze ;-)
    Man könnte in dem Rezept auch schlicht und einfach ein Bund Suppengrün nehmen - dann hat man die Möhrchen dabei - so mach ich's immer.
    Morgen kauf ich Muscheln !

    „Le Couesnon, en sa folie, mit le Mont en Normandie".
    Der Grenzfluss zwischen Bretagne und Normandie hat wohl irgendwann seinen Lauf etwas geändert.

  3. Aber zur Ehrenrettung des Vorschreibers muss man sagen, dass sämtliche Bretagne-Reiseführer mit dem Mont gerne Werbung machen - liegt ja quasi auf der Grenze ;-)
    Man könnte in dem Rezept auch schlicht und einfach ein Bund Suppengrün nehmen - dann hat man die Möhrchen dabei - so mach ich's immer.
    Morgen kauf ich Muscheln !

    Antwort auf "Öhm ..."
  4. „Le Couesnon, en sa folie, mit le Mont en Normandie".
    Der Grenzfluss zwischen Bretagne und Normandie hat wohl irgendwann seinen Lauf etwas geändert.

    Antwort auf "Öhm ..."
  5. 5. Lecker

    Da fehlt überhaupt nichts!
    Klar kann man Möhren oder anderes Suppen (Wurzel) gemüse dazugeben, Lauch, Zwiebeln, Fenchel etc.
    Was die Muscheln brauchen, ist aber drin. Knoblauch, Petersilie und Wein. Butter verstärkt den Geschmack, frische Muscheln aus kaltem Wasser brauchen aber nicht unbedingt Butter.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Natürlich nimmt man feine Schalotten (und ein zwei Lorbeerblätter). ;-)

  6. Etwas Lauch, Sellerie, ein-zwei Möhrchen mit einem Sparschäler in feine Streifen schneiden, 3-4 ganze Knoblauchzehen mitkochen, Weißwein, frischen Thymian & Rosmarin, zum Schluß einen Schuß crème fraîche in den Sud geben.

    Mjam...

    Ich freue mich auch wieder auf die Muschelsaison.

  7. Natürlich nimmt man feine Schalotten (und ein zwei Lorbeerblätter). ;-)

    Antwort auf "Lecker"
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    Mir sind Zwiebeln lieber. Schöne kleine, hauchdünn geschnitten und saftig müssen sie sein.
    Schalotten sind zu fein, der Geschmack geht unter, finde ich.

  8. Ist es wirklich eine gute Idee, die Muscheln ZUERST mit den Zutaten in einen Topf zu geben und DANN zu erhitzen? Immerhin leben sie zu diesem Zeitpunkt noch. Darum erhitze ich zuerst alle Zutaten und gebe die Muscheln dann dazu.

    Für Singles: Wenn am Ende noch Muscheln übrig sind, kann man sie aus der Schale entfernen und zusammen mit dem Sud einfrieren. Ergibt eine wunderbare Basis für winterliche Suppen und Eintöpfe aller Art - zum Beispiel mit Nudeln, wenn es mal schnell gehen soll.

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    So kenne ich das auch: Alles schön erhitzen, dann die Muscheln rein und Deckel drauf! Das mit dem Einfrieren ist nicht nur für Singles ein guter Tipp!

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