Politikberater : Der Rausch ist verflogen
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Das Geschäft mit der öffentlichen Hand bleibt interessant

Beratung in der Verwaltung laufe immer anders ab als in der Wirtschaft, sagt Heide-Lore Knof, Direktorin bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney aus Düsseldorf. Entscheidungsprozesse seien aufwendiger und langwieriger. »In der Industrie sind die Vorlagen kurz und klar, weil jede Entscheidung schnell gehen muss. In der Verwaltung dagegen muss alles detailliert ausformuliert und dokumentiert werden, damit auch Jahre später noch nachvollziehbar ist, wie eine Entscheidung zustande kam.« Es gibt auch feste Regeln, wer in welcher Reihenfolge informiert werden muss. »Darauf muss sich der Berater einlassen, egal, ob er es sinnvoll findet. Wer zehn Jahre lang harte Sanierung in der Industrie gemacht hat, wird damit vermutlich seine Schwierigkeiten haben.«

Trotzdem bleibt das Geschäft mit der öffentlichen Hand für die Consultingbranche interessant. Bei der Beraterfirma Capgemini ist »Public« mit einem Viertel des Umsatzes der größte Geschäftsbereich. »Es ist ein langfristiges, sehr stabiles Geschäft«, sagt Bereichsleiter Tom J. Gensicke. »Wir können hier sehr gut planen, weil Projekte verbindlich in die Haushaltspläne eingestellt sind. Außerdem geht es hier schlicht um spannende Themen.«

Deutsche Consultants beraten etwa die Regierung von Turkmenistan, wie sie eine effiziente Verwaltung aufbauen kann, Roland Berger war für das Bundesfamilienministerium an der Entwicklung des Projekts »Erfolgsfaktor Familie« beteiligt.

Politikberater müssen kommunizieren können

Die richtigen Mitarbeiter findet die Branche bei zukünftigen Auftraggebern. Sie sucht also in der Verwaltung nach fähigen Leuten, die wechseln wollen und soziale Kompetenzen mitbringen, ohne die es in der Politikberatung nicht mehr geht: die Fähigkeit, zu kommunizieren und auch schwierige, verstockte Zeitgenossen, deren Unterstützung man aber braucht, zu »knacken«.

Wenn ein Kandidat diese Fähigkeiten mitbringt, merken Personalverantwortliche das schnell. Anna Schröder etwa hielt bei einer Veranstaltung ihres früheren Arbeitgebers einen Vortrag. Danach sprach sie ein Mann an: Ob sie sich auch vorstellen könnte, für ein Beratungsunternehmen zu arbeiten... Da ist sie nun seit einem Jahr.

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