ProkrastinationDas Zitat... und Ihr Gewinn

Mark Twain sagt: Verschiebe nicht auf morgen, was genauso gut auf übermorgen verschoben werden kann. von 

Noch drei Mails, die Sie nächste Woche beantworten wollen? Noch ein Konzept, das einen Feinschliff braucht? Noch ein Meeting, das Sie schon seit einer Ewigkeit einberufen möchten? Dass wir Ungeliebtes gern von morgen auf übermorgen verschieben, hat schon Mark Twain gewusst.

Doch jeder Vorgang, den Sie nicht abschließen, ist wie ein Ball beim Jonglieren: Sobald er in der Luft ist, müssen Sie ihn im Auge behalten. Unvollendete Vorgänge sind die gefährlichsten Konzentrationsräuber dieser Erde, das hat die Psychologin Bluma Zeigarnik nachgewiesen; man spricht vom Zeigarnik-Effekt.

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Was können Sie tun, um die Zahl der offenen Vorgänge zu reduzieren und einen freieren Kopf zu bekommen? Erstens: Erledigen Sie alles, was schnell geht, auf der Stelle. Statt drei unbeantwortete Mails mit in die neue Woche zu nehmen, sollten Sie noch schnell die Antworten tippen. Wenn Sie Tätigkeiten derselben Art bündeln, also drei Mails in einem Rutsch schreiben, statt Stunde um Stunde eine neue Mail, sparen Sie Zeit und Kraft.

Zweitens, und dieser Tipp ist der wichtigste: Fragen Sie sich bei allen noch offenen Vorgängen mal ganz kühn: Kann ich diesen Ball nicht einfach fallen lassen? Muss er wirklich sein, dieser Sonder-Newsletter? Käme Ihr Konzept, das ohnehin schon gut ist, nicht ohne Feinschliff aus? Und ginge die Welt ohne das Großmeeting, das offenbar lange entbehrlich war, tatsächlich unter? Sie werden staunen, was Sie alles lassen können, ohne dass ein Hahn danach kräht.

Martin Wehrle
Martin Wehrle

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn".

Und drittens: Schreiben Sie die wenigen Vorgänge, die Sie wirklich noch vollenden wollen, in einer To-do-Liste auf. Setzen Sie klare Termine, und sorgen Sie dafür, dass Sie sich strikt an Ihre Vorgaben halten. Alles, was Sie aufschreiben, müssen Sie nicht länger in Ihrem Kopf behalten. Wieder ein Ball, den Sie loslassen können.

Wer so vorgeht, der wird mit einem besseren Gewissen belohnt: Das ständige Gefühl, hinter den eigenen Vorsätzen zurückzubleiben und am Ende der Arbeitstage doch nicht fertig zu sein, weicht einer Zufriedenheit über das Erreichte. Vor allem aber schaffen Sie so Freiräume für neue Gedanken. Je weniger alte Bälle Sie jonglieren müssen, desto höher können Sie die neuen Bälle werfen. Und große Würfe gelingen Ihnen nur, wenn Sie nicht übers Dringende, sondern über das Wichtige nachdenken. Ideen dürfen kühn und Visionen groß sein. Solche Bälle sollten Sie lange Zeit im Auge behalten.

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Leserkommentare
    • tsc_saw
    • 28. Oktober 2012 9:20 Uhr

    ... mich nach dem Lesen dann aber entschieden, dass auf übermorgen zu verschieben.
    Funktioniert!

    3 Leserempfehlungen
    • Fritzig
    • 28. Oktober 2012 9:20 Uhr

    Das Jonglierbeispiel hat es mir angetan. Es macht den Stress und das immer "Darandenkenmüssen" besonders deutlich.

    • pepe423
    • 28. Oktober 2012 9:47 Uhr

    Diesem ersten Artikel aus der Reihe mit sinnvollem Content, den man allerdings detailierter anderswo nachlesen kann, bleibt nur eins hinzuzufuegen:

    Wenn man gerade mal etwas Luft hat, nicht die optional Sachen fuer heute/morgen erledigen, sondern die kritischen von uebermorgen starten. Selbst wenn die optionalen ja relativ "schnell" gehen, werden sie ab einem bestimmten Punkt nur als Ablenkung benutzt.

    Das ist die eigentliche Krux der wohlbekannten "Procrastination", bei der langfristige Probleme aufgeschoben werden und stattdessen lieber nochmal staubgesaugt wird.

    Stattdessen: Hinsetzen, Tasse Tee/Kaffee dazu, Ablenkungen ausblenden. Wenn das nicht reicht, kann man sich visualisieren wie man in Zeitnot geraet, wenn man nicht wirklich mal mit der Arbeit anfaengt. ZB kann man Teilaufgaben durchplanen und zusehen, wie diese die naechsten Tage und das Wochenende fressen, wenn man nicht JETZT anfaengt. Also besser mit dem ersten Teil anfangen, der ist auch gar nicht so schlimm.

    Und dann klappts auch mit der Deadline. Meistens. :-)

    Eine Leserempfehlung
    • mores
    • 28. Oktober 2012 11:01 Uhr

    ... klappt nicht nur bei Beamten bestens; das Problem hat sich erledigt, weil die Bürger es aufgegeben haben, und man wird sogar noch befördert! Mails "erledigt" man am besten durch Schreddern wie Mappus!

  1. Ein Dummer findet sich immer, der dann die Arbeit stillschweigend erledigt, von der man sich im Rahmen eigenen Zeitmanagements gerade frei gemacht hat.
    Funktioniert besonders im beruflichen im Alltag bestens.

  2. dass man selbst Einfluss darauf hat wie man seine Arbeit organsiert. Hier gibt's echt immer was zu lachen.

    2 Leserempfehlungen
    • Trypsin
    • 28. Oktober 2012 19:48 Uhr

    Um viel Zeit zu bekommen, macht man einfach nicht den Haushalt. Dann hat man viel Zeit für die schönen Dinge, z.B. die Zeit lesen, ins Kino gehen etc., aber dafür eine dreckige Wohnung, kein Essen im Kühlschrank und kein Geschirr im Schrank. Na ja, was soll's, dafür hat man mehr Zeit für sich!:-)
    Und im Berufsleben kann man die Tipps auch umsetzen, aber das hängt von der Position und den Prioritäten ab.
    1. Man ist der Chef und delegiert alles nach unten weiter. Dann hat man viel Zeit für ein Kaffeekränzchen mit dem Lieblingsmitarbeiter, um die Autozeitungen sowie Reisekataloge durchzusehen. Nachteil: Die Mitarbeiter sind nicht sehr erfreut. 2a. Man ist der Angestellte und lässt alles liegen bis man keine Aufgaben mehr bekommt. Nachteil: Man wird als faul oder inkompetent angesehen.2b. Man ist der Angestellte und delegiert alles an die Kollegen weiter. Nachteil: Man hat keine Freunde und zeigt keine Teamfähigkeit. 2c Man könnte auch eine Gehaltserhöhung verlangen, aber dafür hat man nicht den Mumm oder falls doch, hält die Freude darüber nicht lang an. 2d. Die Arbeitzeit von 40 auf 60 h pro Woche erhöhen, dann schafft man alles, aber hat keine Freizeit.

    • Trypsin
    • 28. Oktober 2012 19:49 Uhr

    3. Wer Freizeit möchte, sollte nicht arbeiten gehen. Wie haben wir so schön im Projektmanagement gelernt: Wenn ein Projekt nicht im Zeitrahmen liegt, kann mit gleichen Resourcen die Zeitachse verlängern oder man erhöht die Resourcen (Geld), um im Zeitrahmen zu bleiben. D.h. Geld und Arbeit ODER Freizeit und kein Geld. Man muss sich nur seine Prioritäten überlegen! Ist man Arbeitnehmer, schuftet 60h pro Woche, hat keine Freizeit aber dafür Geld ODER ist man arbeitslos, hat etwas mehr ZEIT, lässt sich dafür von der Arge schikanieren und hat kein Geld??? -Sie haben die Qual der Wahl.*sarkusmus off*

    Eine Leserempfehlung

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