Neun Uhr in der Früh. Kann man um diese Zeit ein gutes Interview führen? Möglicherweise werden beide Seiten nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen, vielleicht aber entsteht durch die Situation, so kurz nach dem Aufstehen, auch unerwartete Nähe. Der Gesprächspartner gilt als heikel. Nicht mehr ganz so heikel wie früher, aber immer noch heikel genug.

Für mich als genetische Eule zählt zu den lästigen Begleiterscheinungen solcher Frühtermine die Anfahrt mit dem Taxi. Bei Vorbestellung klingelt der Fahrer meist zu früh, während ich noch mit der Zahnbürste spreche. Will man das Taxi kurzfristig rufen, dauert es ewig, bis man durchkommt. Entscheidende Minuten. Hatte ich erwähnt, dass ich morgens etwas reizbar bin?

Die Unannehmlichkeiten haben sich reduziert, seit es diese kleine Software für Smartphones gibt. " MyTaxi " heißt das Programm. Mit myTaxi ruft man ein Taxi ohne Taxizentrale. Erfunden haben es zwei Hamburger, als sie einmal nachts in München kein Taxi fanden, womöglich in der Wiesn-Zeit, und sich dachten: Bye-bye, Warteschleife.

8.30 Uhr. Ich habe bestellt. Herr M. hat die Fahrt angenommen. Er fährt einen Mercedes E-Klasse, Baujahr 2010, zeigt das Display. Herr M. lächelt auf dem Foto. Darunter stehen Kennzeichen und Handynummer. Noch zwei Minuten, sagt die herunterlaufende Uhr, dann wird Herr M. eintreffen. Ich gehe runter. Klenzestraße, Ecke Gärtnerplatz. Um die Sitzbänke herum liegt für Münchner Verhältnisse ungewöhnlich viel Müll. Der Gärtnerplatz ist so etwas wie die Admiralbrücke in Berlin . Hang-out für die internationale Flaschenbier-Jugend. Vögel zwitschern. Noch 30 Sekunden. Herr M. ruft an. Er hat meine Nummer. Es dauere einen Augenblick länger, sagt er. Ein Müllwagen versperre den Weg. Normalerweise laufe ich da schon unruhig auf und ab. Jetzt ist alles cool.

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Er kommt tatsächlich nur einen Augenblick später. Herr M. ist ein einfühlsamer Schweiger, alpine Wanderbräune, wache Augen, sein Auto glänzt wie frisch vom Band. Die zwei Kilometer zum Promenadeplatz legt er souverän und störungsfrei zurück. Und schon öffnet der Portier vorm Bayerischen Hof die Tür.

Danach habe ich die Möglichkeit, Herrn M. zu bewerten. Herr M. hat bislang immer fünf von fünf Sternen bekommen. Fünf Sterne auch von mir, allein schon für den Anruf.

Technische Daten

Anwendung für iPad, iPhone, Android und Windows Phone 7
Buchung auch im Internet über www.mytaxi.net , bislang in 30 deutschen Städten sowie in Österreich , der Schweiz , Spanien , Polen und Australien
Basispreis: 0 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor