myTaxi-AppVon A nach B

Ralph Geisenhanslüke fährt in München mit der App myTaxi vom Gärtnerplatz zum Promenadeplatz. von Ralph Geisenhanslüke

Neun Uhr in der Früh. Kann man um diese Zeit ein gutes Interview führen? Möglicherweise werden beide Seiten nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen, vielleicht aber entsteht durch die Situation, so kurz nach dem Aufstehen, auch unerwartete Nähe. Der Gesprächspartner gilt als heikel. Nicht mehr ganz so heikel wie früher, aber immer noch heikel genug.

Für mich als genetische Eule zählt zu den lästigen Begleiterscheinungen solcher Frühtermine die Anfahrt mit dem Taxi. Bei Vorbestellung klingelt der Fahrer meist zu früh, während ich noch mit der Zahnbürste spreche. Will man das Taxi kurzfristig rufen, dauert es ewig, bis man durchkommt. Entscheidende Minuten. Hatte ich erwähnt, dass ich morgens etwas reizbar bin?

Anzeige

Die Unannehmlichkeiten haben sich reduziert, seit es diese kleine Software für Smartphones gibt. " MyTaxi " heißt das Programm. Mit myTaxi ruft man ein Taxi ohne Taxizentrale. Erfunden haben es zwei Hamburger, als sie einmal nachts in München kein Taxi fanden, womöglich in der Wiesn-Zeit, und sich dachten: Bye-bye, Warteschleife.

8.30 Uhr. Ich habe bestellt. Herr M. hat die Fahrt angenommen. Er fährt einen Mercedes E-Klasse, Baujahr 2010, zeigt das Display. Herr M. lächelt auf dem Foto. Darunter stehen Kennzeichen und Handynummer. Noch zwei Minuten, sagt die herunterlaufende Uhr, dann wird Herr M. eintreffen. Ich gehe runter. Klenzestraße, Ecke Gärtnerplatz. Um die Sitzbänke herum liegt für Münchner Verhältnisse ungewöhnlich viel Müll. Der Gärtnerplatz ist so etwas wie die Admiralbrücke in Berlin . Hang-out für die internationale Flaschenbier-Jugend. Vögel zwitschern. Noch 30 Sekunden. Herr M. ruft an. Er hat meine Nummer. Es dauere einen Augenblick länger, sagt er. Ein Müllwagen versperre den Weg. Normalerweise laufe ich da schon unruhig auf und ab. Jetzt ist alles cool.

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin

Alle Folgen der Serie "Von A nach B" aus dem ZEITmagazin  |  © .marqs/Photocase

Er kommt tatsächlich nur einen Augenblick später. Herr M. ist ein einfühlsamer Schweiger, alpine Wanderbräune, wache Augen, sein Auto glänzt wie frisch vom Band. Die zwei Kilometer zum Promenadeplatz legt er souverän und störungsfrei zurück. Und schon öffnet der Portier vorm Bayerischen Hof die Tür.

Danach habe ich die Möglichkeit, Herrn M. zu bewerten. Herr M. hat bislang immer fünf von fünf Sternen bekommen. Fünf Sterne auch von mir, allein schon für den Anruf.

Technische Daten

Anwendung für iPad, iPhone, Android und Windows Phone 7
Buchung auch im Internet über www.mytaxi.net , bislang in 30 deutschen Städten sowie in Österreich , der Schweiz , Spanien , Polen und Australien
Basispreis: 0 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ... sind es vom Gärtnerplatz zum Promenadenplatz rund 1300 Meter, die man "souverän und störungsfrei" am besten in einer Viertelstunde zu Fuß zurücklegt ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Vandard
    • 11. Oktober 2012 14:42 Uhr

    Und vermutlich hat sich diese Geschichte auch niemals so wie geschildert ereignet. Bilder malen im Kopf der Leser - darum geht es hier - zu welchem Zweck? Marketing? Information? Wasauchimmer?

    • Vandard
    • 11. Oktober 2012 14:42 Uhr

    Und vermutlich hat sich diese Geschichte auch niemals so wie geschildert ereignet. Bilder malen im Kopf der Leser - darum geht es hier - zu welchem Zweck? Marketing? Information? Wasauchimmer?

    Antwort auf "Zu Fuß ..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... macht das diesen Beitrag nicht besser. Im Gegenteil. Dann ist es journalistisch höchst unredlich und gehört in die ZEITmagazin-Rubrik "Ich habe einen Traum" ...

  2. ... macht das diesen Beitrag nicht besser. Im Gegenteil. Dann ist es journalistisch höchst unredlich und gehört in die ZEITmagazin-Rubrik "Ich habe einen Traum" ...

    • omhaks
    • 11. Oktober 2012 15:26 Uhr

    klar ist's Reklame!

    Sonst hätte ja auch erwähnt werden müssen, wie der app-Anbieter seinen Reibach macht: indem er sich nämlich alle sonstigen organisatorischen Arbeiten und ordnungspolitschen Aufgaben einer Zentrale erspart...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... nicht sachlich? Außer Ihnen und Ihrer Ausdrucksweise, gegebenenfalls ... - ;-)

  3. ... nicht sachlich? Außer Ihnen und Ihrer Ausdrucksweise, gegebenenfalls ... - ;-)

  4. ...sind morgens nicht geneigt zu laufen! Ich spreche aus Erfahrung. Ich kann mir vorstellen das es genau so war. Auch nutze ich selbst diese App. Geht genau so. Leider nicht in allen Städten.

    via ZEIT ONLINE plus App

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... darf Ihnen aber versichern, dass das Überwinden dieses Nichtgeneigtseins (ja: es ist möglich ...) sehr schöne Aufwacherfolge nach sich zieht. Deshalb bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass so eine Strecke am besten zu Fuß zu bewältigen ist.

  5. ... darf Ihnen aber versichern, dass das Überwinden dieses Nichtgeneigtseins (ja: es ist möglich ...) sehr schöne Aufwacherfolge nach sich zieht. Deshalb bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass so eine Strecke am besten zu Fuß zu bewältigen ist.

    Antwort auf "Eulen..."
  6. ..ob und in welcher Form die Zeit mit dem Anbieter dieser App privat oder institutionell verbunden ist. Immerhin ist das schon der zweite Artikel über diese App in letzter Zeit....

    via ZEIT ONLINE plus App

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Von A nach B
  • Schlagworte Mercedes | Android | Müll | Smartphone | Software | Stern
Service