Arnold Schwarzenegger»Hallo, Herr Schwarzenegger?«

Er gebe keine Interviews zu seiner Autobiografie, die jetzt erscheint. Hieß es erst. Dann doch. Eins. Am Telefon. Ein Fall für unseren Interviewspezialisten von Moritz von Uslar

Der Schauspieler und ehemalige US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger

Der Schauspieler und ehemalige US-Gouverneur Arnold Schwarzenegger  |  © Jason Merritt/Getty Images

ZEITmagazin: Hallo, Herr Schwarzenegger?

(weibliche Stimme) Ich verbinde Sie jetzt mit Gouverneur Schwarzenegger.

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Arnold Schwarzenegger: Arnold Schwarzenegger: Hallo, wie geht’s?

ZEITmagazin: Freut uns, Sie am Telefon zu haben. In welcher Sprache möchten Sie sich unterhalten, auf Deutsch oder auf Englisch?

Schwarzenegger: Ich kann mich mittlerweile besser auf Englisch ausdrücken. Wir können ja so einen Mischmasch reden.

ZEITmagazin: Wunderbar. Wenn Sie auf Ihre Jahre als Gouverneur von Kalifornien zurückblicken: Welche Probleme konnten Sie lösen? Welche Probleme konnten Sie nicht lösen?

Schwarzenegger: Ich konnte die Infrastruktur verbessern, die Schulen, Universitäten und Gefängnisse, es gibt heute mehr Wohnraum, den die Menschen sich leisten können. In der Umweltpolitik konnten wir wichtige Akzente setzen. Gleichzeitig haben wir ein großes Problem, den Staatshaushalt, nicht unter Kontrolle bekommen.

ZEITmagazin: Konnten Sie in der Politik von Ihrer Erfahrung als Schauspieler profitieren?

Arnold Schwarzenegger

65, in Österreich geboren, lebt seit 1968 in den USA. Er war erfolgreicher Bodybuilder, Hollywood-Star und von 2003 bis 2011 Gouverneur von Kalifornien. Im vergangenen Jahr wurde die Trennung von seiner Frau Maria Shriver bekannt. Soeben erschien seine Autobiografie Total Recall (Hoffmann und Campe).

Schwarzenegger:Ronald Reagan hat einmal gesagt, er hätte den Präsidenten-Job ohne seine Ausbildung als Schauspieler niemals machen können – ich habe diesen Satz nie ganz verstanden. Das Showbusiness handelt von Kommunikation, gute Kommunikation ist immer eine schöne Sache. Die wichtigste Lektion beim Schauspielen lautet: Schauspielere nicht. Sei du selber. Sei echt. Sei ehrlich. Ein erfundener Dialog nützt niemandem etwas. Du musst in Kontakt mit deinen wahren Gefühlen treten, sonst glaubt dir kein Mensch. Diese Lektion kannst du in der Politik und im Showbusiness gebrauchen. Lustig ist doch: Alle in Washington wollen nach Hollywood, und alle in Hollywood wollen in die Politik. Es gibt eine wechselseitige Bewunderung.

ZEITmagazin: Ist es nicht eine Schande, dass Sie als US-Bürger, der in Österreich und nicht in den USA geboren wurde, nicht für das Amt des US-Präsidenten kandidieren können?

Schwarzenegger: Das ist natürlich schade.

ZEITmagazin: Stimmt die schöne Geschichte, dass Sie im US-Kongress Zigarre geraucht haben?

Schwarzenegger: Richtig, es gibt dort einen schönen Raucherraum. In Sacramento haben wir, in acht Meter Entfernung von den Mauern des Kapitols, so wie das Gesetz es vorsieht, ein Raucherzelt aufstellen lassen. Wir haben dort eine Menge köstlicher Zigarren geraucht.

ZEITmagazin: Nach vierzig Jahren Schauspielerei: Welche Rolle sehen Sie als Ihre wichtigste?

Schwarzenegger: Conan der Barbar war der Durchbruch, es war der erste Film, bei dem ein internationales Studio, Universal, 20 Millionen Dollar in einen Stoff mit mir investierte. Die Terminator- Rollen waren wichtig, weil es hier zum ersten Mal nicht nur um meinen Körper ging – ich musste überzeugen, ohne mich auszuziehen. Ich musste diese kalte, zerstörerische Maschine darstellen, ein große schauspielerische Herausforderung. Natürlich war Twins sehr wichtig: Dieser Film zeigte, dass ein Actionheld eine komödiantische Seite haben kann. Ich habe mit diesem Film mehr Geld verdient als mit Total Recall, mit True Lies und mit jedem Terminator.

ZEITmagazin: Ganz grundsätzlich: Was ist gutes Schauspielen?

Schwarzenegger: Wenn du wirklich gut bist, dann schauspielerst du nicht. Du bist im Kontakt mit Emotionen, die du früher einmal in deinem Leben hattest, mit Angst, Freude, Hass. Du denkst nicht mehr. Dein Körper macht alles alleine.

ZEITmagazin: Wie steht es um Ihre jahrzehntealte Freundschaft und Konkurrenz mit dem Hollywood-Kollegen Sylvester Stallone ?

Schwarzenegger: Natürlich, in den achtziger Jahren bekriegten wir uns über interessante Fragen wie: Wer macht die meiste Kohle? Wer hat die größte Waffe? Wer killt die meisten Leute? Wer macht die besten Sprüche? Wer raucht die dickste Zigarre? Es war eine wirklich durchgedrehte Konkurrenzsituation. Die Sache beruhigte sich, als wir ein gemeinsames Geschäft, die Restaurantkette Planet Hollywood, aufbauten. Heute haben wir großen Respekt füreinander, sind immer füreinander da. Als Sly kürzlich den dramatisch frühen Tod seines Sohn verkraften musste, habe ich ihn natürlich angerufen.

Leserkommentare
  1. So ein Interview muss auch mal sein.

    Unbedingt.

    Merci beaucoup!

    6 Leserempfehlungen
  2. 2. Super

    und der letzte Satz ist natürlich der krönende Abschluss.

    • DoMie
    • 11. Oktober 2012 14:32 Uhr

    Ein sehr unterhaltsames und vergnüglich zu lesendes Interview. Schade nur, dass solche Interviews eine "glattgezogene" Abschrift der Tonaufzeichnung sind. Ich gäbe einiges dafür, den von "Arnie" vorgeschlagenen "Mischmasch" zu lesen .

    Eine Leserempfehlung

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