ChinaGefährliche Frauen

Affären und Mordpläne: Chinas einstiger Politstar Bo Xilai wird bald vor Gericht gestellt. von 

China steht vor dem wohl größten Politprozess, seit Mao Zedongs vierte Ehefrau 1981 vor ein Gericht gestellt wurde. Bo Xilai, einst Politstar in der Kommunistischen Partei Chinas, nun gefallen, wird sich bald vor Gericht verantworten. Wenig hat der Partei so geschadet wie die nicht enden wollenden Skandale um Bo, den einstigen Parteichef des Stadtstaates Chongquing. Doch auch daraus will sich die Partei einen Sieg basteln. Die Ermittlungen im Fall Bo Xilai seien ein triumphales Beispiel für die Anstrengungen der Kommunistischen Partei, die Korruption zu bekämpfen, sagte der oberste Korruptionsbekämpfer Chinas. »Die korrupten Elemente werden resolut und ohne Gnade behandelt werden.«

Die Partei hat Bo am 28. September aus ihren Reihen verbannt. Zur Last gelegt werden ihm nicht nur »seine Fehler und seine Verantwortung« bei dem Giftmord, den seine Frau Gu Kailai an einem britischen Geschäftsmann verübte, sowie seine Rolle bei der Flucht seines einstigen Polizeichefs in ein US-Konsulat. Die Vorwürfe reichen sehr viel weiter. Der einst gefeierte Bo soll vernichtet werden, politisch wie moralisch.

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Da sind zum einen die Vorwürfe des Machtmissbrauchs und der Korruption. Einem Insider zufolge soll Bo sechs Millionen Yuan (730000 Euro) persönlich an Bestechungsgeld entgegengenommen und weitere 20 Millionen Yuan (2,43 Millionen Euro) durch Familienmitglieder erhalten haben. Zudem soll die siebenmonatige Ermittlung Hinweise auf weitere Verbrechen zutage gebracht haben. Darunter könnten »Schmuggel, Waffenbesitz und der Verrat von Staatsgeheimnissen ans Ausland« fallen, vermutet Jian Weiping, ein Journalist, der zwei Jahrzehnte lang über Bo Xilai recherchierte. Und schließlich ist da der Vorwurf, Bo habe »unangemessene Beziehungen« zu sehr vielen Frauen unterhalten, was die Fantasie der chinesischen Netzuser befeuert.

Nicht immer war die Partei so streng. Selbst Mao Zedong war bekannt für sein Verlangen nach jungen Gespielinnen. Glaubt man den Berichten seines einstigen Leibarztes, so hatte er sich in der Großen Halle des Volkes ein Bett einrichten lassen, übergroß und in Schräglage, um seinen präferierten Sexpraktiken mit mehreren Partnerinnen nachzugehen. Dass der Große Vorsitzende eifrige Nachahmer fand, beweisen die Fotos, die sich diesen Sommer im Netz verbreiteten. Sie zeigten einen Funktionär in unermüdlichem Einsatz auf einer Swingerparty.

Bo soll 100 Mätressen gehabt haben, darunter Stars aus Film und Fernsehen

Die moralische Strenge, die nun aber Bos Privatleben zuteilwird, offenbart das Bestreben der Partei, es möge sich auch der letzte Anhänger Bos enttäuscht abwenden. Gerüchten zufolge haben die Fahnder eine Liste erstellt, die all seine Gespielinnen aufführt. Die Hongkonger Tageszeitung Ming Pao schreibt, ein mächtiger Unternehmer habe Bo die Frauen zugeführt. Der soll sie bisweilen – nach kürzeren oder längeren Romanzen – an andere Funktionäre vermittelt haben. »Konservativ geschätzt, hatte er 100 Mätressen«, sagt Journalist Jiang. Auf der Liste sollen berühmte Namen stehen. Eine Sprecherin des Staatssenders CCTV ist dabei, Stars aus Film, Funk und Fernsehen.

Für größte Aufregung aber sorgte ein Gerücht, für das es bisher keine Beweise gibt: Auch Chinas berühmteste Schauspielerin, Zhang Ziyi, bekannt aus dem Oscar-gekrönten Film Tiger and Dragon, solle sich als Mätresse Bos verdingt haben. Zhang hat deswegen mehrere Medien in Hongkong und den USA verklagt. Ihrem Anwalt zufolge hat die 33-Jährige den 30 Jahre älteren Bo nie getroffen, »es existiert kein einziges gemeinsames Foto von ihnen«.

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