City Guide Prag : Unter Heiligen

Nichts verbindet Prags Gesichter schöner als die Karlsbrücke.
Hinter der Karlsbrücke erhebt sich die Prager Burg Hradschin. © Sean Gallup/Getty Images

Dieses Rauschen. Wer noch nie das friedliche Plätscherspiel auf der Karlsbrücke vernommen hat, der war nicht in Prag. Erst hier, wo sich beide Ströme treffen – die Menschenmenge oben, die Moldau unten –, begrüßt die Stadt einen wirklich. »Ahoj«, scheint sie jeden Einzelnen durch ihren Klangsalat aus Stimmen, Musik und Wasserrauschen willkommen zu heißen.

Auf der Brücke spricht sie alle Sprachen der Welt. Wie auf einer mittelalterlichen Handelsstraße hört man hier nicht nur europäische Wortfetzen, sondern auch indische und türkische oder völlig unbekannte Vokabeln. Ob Fremdenführer, die ihre Knirpse gen Himmel richten, Japaner mit Hütchen und weißen Gesundheitsschuhen, deutsche Schulgruppen oder angetrunkene Italiener – in stoischer Zufriedenheit trägt die uralte Steinbrücke, eine der ältesten Europas, all diese Menschlein.

Am Ende bleiben sowieso nur die Heiligen. Nachts ist man mit ihnen allein. Ruhig wachen sie neben den Laternen, wenn die Touristen bierselig in ihren Kojen liegen. Dann ist es Zeit, Nepomuk zu besuchen, die Statue des böhmischen Priesters, der 1393 von der Brücke gestürzt wurde, weil er das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte. Ihn zu berühren soll Glück bringen, weshalb er im Gegensatz zu den anderen Figuren an manchen Stellen glänzt, so groß ist der Ansturm auf ihn am Tage.

Nein, es kann sie wirklich nichts erschüttern, die alte Brücke, die die Sehenswürdigkeiten der Goldenen Stadt verbindet und doch ihr eigentliches Herzstück ist. Keiner von all den Idioten, die über sie marschiert sind, hat es gewagt, ihren Namen zu ändern. Nazismus oder Kommunismus – sie blieb der Königsweg und seit Karl IV. eine geschichtsträchtige Strecke. Zuletzt schob sich Václav Havels Beerdigungszug feierlich über diesen halben Kilometer Pflasterstein. »Ahoj«, sagt die Stadt hier am Ende, wenn man sie überquert hat. Auf Tschechisch heißt das unter Freunden nicht nur Hallo. Sondern auch auf Wiedersehen.

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Kommentare

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Kaiser Karl IV und die böhmischen Könige

Hallo th,

Dass Kaiser Karl ganz gut tchechisch gesprochen hat, ist verständlich, genauso, wie viele vertriebene Deutsche in ihrer damaligen Heimat, der heutigen tschechischen Republik, tschechisch verstanden. Es kann nur bereichernd und dienlich sein, ausser der Muttersprache eine oder mehrere fremde zu erlernen.

Sie schreiben, dass die tschechische Bezeichnung "Karluv Most" WOHL EBENSO ALT SEIN MAG wie die Bezeichnung "Karlsbrücke". Darin ist eine gewisse Fragwürdigkeit zu erkennen, aber nicht darin, wer die Brücke schuf und welche Könige diese auf ihrem Krönungsweg beschritten haben.

Und das Gezerre ist für eine Klarstellung historischer Fakten und die Verhinderung geschichtlicher Verzerrungen sehr sehr wichtig. Zu lange konnten es sich die vom Kommunismus beherrschten Staaten leisten, mit ihrer Geschichtsversion auch ausserhalb ihrer Grenzen anzukommen. Heute müssen sie sich mit ihren Behauptungen einer globalen Geschichtswissenschaft stellen. Das ist der Preis für die Freiheit.

Kaiser Karl IV und die böhmischen Könige

Hallo th,

Dass Kaiser Karl ganz gut tchechisch gesprochen hat, ist verständlich, genauso, wie viele vertriebene Deutsche in ihrer damaligen Heimat, der heutigen tschechischen Republik, tschechisch verstanden. Es kann nur bereichernd und dienlich sein, ausser der Muttersprache eine oder mehrere fremde zu erlernen.

Sie schreiben, dass die tschechische Bezeichnung "Karluv Most" WOHL EBENSO ALT SEIN MAG wie die Bezeichnung "Karlsbrücke". Darin ist eine gewisse Fragwürdigkeit zu erkennen, aber nicht darin, wer die Brücke schuf und welche Könige diese auf ihrem Krönungsweg beschritten haben.

Und das Gezerre ist für eine Klarstellung historischer Fakten und die Verhinderung geschichtlicher Verzerrungen sehr sehr wichtig. Zu lange konnten es sich die vom Kommunismus beherrschten Staaten leisten, mit ihrer Geschichtsversion auch ausserhalb ihrer Grenzen anzukommen. Heute müssen sie sich mit ihren Behauptungen einer globalen Geschichtswissenschaft stellen. Das ist der Preis für die Freiheit.

Hradschin ist die Burgstadt

Das tschechische Wort Hradčany ("kleine Burgen"), von dem das deutsche Hradschin abgeleitet ist, bezeichnet die Burgstadt, also weder die Burg noch den Berg an sich, sondern die Siedlung westlich davon, zwischen dem Hradschiner Platz und Pohořelec. Die Burgstadt war früher eine eigene Stadt wie auch die Altstadt, Neustadt und die Kleinseite.